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VoIP-Handy oder Handset - Das UTStarcom F1000 im Test (Update)
Telefonieren über WLAN ist günstig - klappt aber nicht überall

von Christian Grohmann Uhr veröffentlicht

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Das Handy ist zu teuer, der Festnetzanschluss nicht flexibel genug - überall und günstig zu telefonieren ist immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Einen guten Ansatz liefert jetzt aber der amerikanische Kommunikations-Spezialist UTStarcom: Ein VoIP-Endgerät im Handy-Format soll diese Lücke schließen.

Das Update finden Sie auf Seite 5Das Handy ist zu teuer, der Festnetzanschluss nicht flexibel genug - überall und günstig zu telefonieren ist immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Einen guten Ansatz liefert jetzt aber der amerikanische Kommunikations-Spezialist UTStarcom: Ein VoIP-Endgerät im Handy-Format soll diese Lücke schließen.

WLAN-Telefone für Voice-over-IP gibt es aber nicht erst seit gestern. Auf der CeBit wurden einige vorgestellt, und schon im September 2004 testete netzwelt das Zyxel ePhone P2000W, damals das einzige auf dem Markt erhältliche Exemplar dieser Gattung. Das neue UTStarcom F1000 ist dem älteren Konkurrenzmodell zwar in Sachen Alltagstauglichkeit und Preis weit voraus, an der Benutzerfreundlichkeit sollte UTStarcom aber noch etwas feilen.

(K)ein gewöhnliches Handy

Äußerlich unterscheidet sich das F1000 kaum von einem einfachen Mobiltelefon: 111 Gramm Gewicht, kurze Stummelantenne, einfarbiges Display. Im Inneren dagegen sitzt statt der GPRS-Einheit ein WLAN-Empfänger mit 802.11b-Funkstandard. Eine SIM-Karte gibt es ebenfalls nicht - die Zugangsdaten des VoIP-Providers werden ins Telefon eingegeben. Mit der neuesten Firmaware vom 17. November besitzt das UTStarcom auch die Möglichkeit, sich über ein Webinterface konfigurieren zu lassen (s. Update).

UTStarcom F1000

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Das VoIP-Handset F1000

Zum Testzeitpunkt stand das F1000 laut Thomas Knörr, Sales-Manager bei UTStarcom, kurz vor der Einführung auf dem deutschen Markt. Der neutrale Karton sowie das US-Steckernetzteil wiesen darauf hin, dazu kamen Schnellstartanleitung und Handbuch in englischer Sprache. Englisch und Chinesisch waren auch die einzigen Sprachen im Menü. Zur Markteinführung sollte eine deutsche Anleitung mit dabei sein, offenbar ist das aber noch nicht der Fall.

Achtung Anlaufphase

Wie auch andere mobilen Stromabnehmer muss das F1000 erstmal aufgeladen werden, der Lithium-Ionen-Akku meldet nach vier Stunden seine Betriebsbereitschaft. Doch erst weitere zwei Stunden später hatten wir das Gerät soweit, dass es seinen Zweck auch erfüllte: eine Telefonverbindung aufzubauen. Größte Schwierigkeit dabei war, das Problem genau zu erkennen.

Mit frisch geladenem Akku geht es mit der Anmeldung an das Funknetzwerk weiter. Die funktioniert ohne weiteres - das F1000 verfügt über eine eigene MAC-Adresse und versteht WEP-Schlüssel mit 128 Bit, Verschlüsselung mit WPA-PSK dagegen fehlt. Diese wurde erst später mit einem Firmware-Update hinzugefügt.

Einmal verbunden, zeigt das F1000 die Netzabdeckung nach handy-typischem Schema an: Vier Balken zeigen maximalen Empfang, ein einsames Antennensymbol die Abwesenheit des Netzes an. Die sich aufbauende WLAN-Verbindung signalisiert das Gerät mit dem Hinweis "connecting to SSID".

Keine Fehlermeldungen = Kein gutes Zeichen

War das F1000 mit der WLAN-Anmeldung erfolgreich, versucht es sofort, sich beim SIP-Provider zu registrieren. Das kündigt im Display die Zeile "registering to SSID" an. Anstelle der Netzwerk-ID hätte hier der SIP-Provider stehen sollen, denn am Netzwerk ist das F1000 bereits angemeldet. Mit der richtigen Bezeichnung wäre es auch für den unerfahrenen Nutzer sofort ersichtlich, woran der angestrebte Gesprächsaufbau scheitert.

Einstellungen für das F1000 bei Sipgate
Menüpunkt Empfohlene Eingabe
Register Server ModeDNS
Register Server DomainNamesipgate.de
Register Server IP Address217.10.79.6
Register Server Port5060
Outbound ProxyDNS
Outbound Server Domain Namesipgate.de
Outbound Server IP Address216.115.25.198
Outbound Server Port5060
User Name(Sipgate-Rufnummer)
Authentication String(Sipgate-Rufnummer)
PasswordSIP-Passwort

Statusmeldungen über Daten, die nicht mit dem Provider abgeglichen werden konnten, gibt das F1000 nicht heraus. Die Fehlersuche macht das nicht unbedingt einfacher, könnte doch jede kleine Einstellung für das Versagen verantwortlich sein. Als kleine Hilfe zeigt die oben stehende Tabelle Einstellungen, mit denen netzwelt das F1000 zur Kooperation mit dem Internettelefonie-Provider Sipgate bewegte. Eventuell sind das nicht die optimalen Einstellungen, aber es funktioniert wenigstens.

Hilfe naht

"Ich habe für die Einrichtung selbst eine Stunde gebraucht," berichtet Thomas Knörr. Ob das angemessen oder zuviel ist, bleibt Ansichtssache. Es sind vorkonfigurierte Versionen für verschiedene deutsche SIP-Anbieter geplant. Die Anbieter werden ihrerseits auch eigene Anleitungen für ihre Dienste ins Netz stellen. Mit diesen Maßnahmen sollte die Konfiguration wesentlich schneller vonstatten gehen.

Gut Zuhören lohnt sich und muss sein

Ist die Einrichtungshürde überwunden, steht dem Telefonvergnügen nichts mehr im Wege. Gut Zuhören lohnt sich: Gespräche mit dem F1000 sind glasklar, die für manche VoIP-Geräte typische Rückkopplung tritt nicht auf. Erst mit steigender Entfernung zum Hotspot setzen Knacken und kurze Aussetzer ein. Im WLAN-Grenzbereich werden die Stimmen sehr metallisch, bis das Gespräch vollkommen abreißt.

Kehrt der Teilnehmer jedoch innerhalb weniger Sekunden in den Empfangsbereich zurück, kann er das Gespräch fortsetzen. Ein Schwachpunkt ist allerdings die geringe Lautstärke - im stillen Kämmerlein mag die noch ausreichen, im Großraumbüro oder auf der Straße sind gelegentliche Verständigungsprobleme vorprogrammiert.

Alltagstauglichkeit: Unterwegs mit dem F1000

Mit dem F1000 und der Telefonnummer eines SIP-Providers ist man überall erreichbar, wo das Telefon sich in ein Funknetzwerk einloggen kann. Das ist entweder dort, wo das F1000 über den passenden Schlüssel verfügt, oder wo WLANs nicht ausreichend abgesichert sind. Unbefugte Mitbenutzung ist zwar illegal, die Versuchung um der Erreichbarkeit Willen aber um so größer.

Neben offenen oder mit einem Schlüssel versehenen Netzwerken gibt es noch solche, deren Zugang auf registrierte Nutzer beschränkt ist. Hier muss das F1000 passen: Die Möglichkeit, Benutzername und Passwort des Funknetzwerks separat einzugeben, bietet es nicht. Schade, denn viele Universitäten und Hochschulen sind mit einem flächendeckenden WLAN ausgestattet.

Weit weg

Bleibt das Telefon bei vollem Akku zu Hause liegen, schafft es einen Standby-Betrieb von knapp vier Tagen oder eine Gesprächszeit von höchstens vier Stunden. Die maximale Entfernung zum WLAN-Zugangspunkt lag im Test bei rund 25 Metern, dabei lagen zwei Wände zwischen den Geräten. An dieser Reichweite mag jedoch auch der genutzte RangeMax-Router nicht unschuldig gewesen sein.

Weniger ist mehr

Manche Leute verabscheuen Handys wegen der hohen elektromagnetischen Strahlung: Im Freien sendet ein Mobiltelefon zwar nur mit einer Leistung von 20 Milliwatt, 2000 sind es dagegen in Autos oder stark abgeschirmten Gebäuden. Das F1000 ist berechenbarer: es sendet wegen der vergleichsweise geringen Reichweite nur mit 20 Milliwatt und verringert somit das Krebsrisiko beim Benutzer.

Weniger ist mehr - das trifft auch auf den Kostenfaktor zu. Das F1000 funkt mit dem alten 802.11b-Standard, obwohl 802.11g+ und ähnliche bereits verfügbar sind. In Sachen Bandbreite und Kosten ist der alte Funkstandard durchaus angemessen, die Reichweite könnte aber durch neuere g+-Standards noch einmal verbessert werden.

Keine teuren Spielereien

Polyphone Klingeltöne, animierte Logos und bunte Handyschalen - all das gibt es für das F1000 nicht. Und das ist eigentlich auch gut so. Trotzdem mag sich mancher ein wenig Abwechslung wünschen, denn das F1000 hat in seiner Datenbank ganze sechs Klingeltöne, darunter keine einzige Melodie. Dafür bietet das Gerät 24 pixelige Hintergrundbilder sowie vier Start-Animationen. Wer gar nicht auf Spielereien steht, hat leider Pech: Abschalten lässt sich die Animation nicht.

UTStarcom F1000

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Das VoIP-Handset F1000

Das F1000 ist in Deutschland zur Zeit noch nicht erhältlich - wer sich für das Gerät interessiert, muss beim VoIP-Provider Vonage aus den USA einen Vertrag abschließen, dort fällt das Gerät für 100 Dollar unter die Rubrik Subventionierte Hardware. Für Deutschland gibt es noch keine Preisempfehlung, einen Betrag zwischen 160 und 200 Euro hielt Knörr aber zum Testzeitpunkt für denkbar - im Vergleich mit den Leistungen der Konkurrenzprodukte ein guter Preis.

Als Erstes wird das Gerät auch hier in den Regalen eines "großen SIP-Providers" stehen, wie Thomas Knörr gegenüber netzwelt bekannt gab - und das schon in zwei bis drei Wochen nach dem Test. Welcher das sein soll, hat er nicht verraten - allerdings ist die Auswahl nicht allzu groß.

Definition: Handy oder Handset?

Um mit dem Handy zu telefonieren, will sich niemand unter den nächstbesten Sendemast stellen müssen. Da Voice-over-IP wesentlich geringere Kosten verursacht, ist ein Hotspot-Hopping mit schnurlosen VoIP-Geräten aber vorstellbar. Ersetzen werden das F1000 und andere WLAN-Geräte das Handy allerdings nicht. Sie bieten in einigen Bereichen gute Alternativen und Ergänzungen zur Festnetzleitung. Erst recht, wenn es zur Entkoppelung von DSL und Telefon kommt.

F1000 bei Sipgate zu haben

Wie schon vermutet, liegt das F1000 nur wenige Tage später in den virtuellen Regalen des Sipgate-Online-Shop. 169 Euro verlangt Sipgate für das Gerät. Tarifbindungen, wie man sie von den Mobilfunkprovidern kennt, gibt es bei Sipgate nicht. "Natürlich ist es naheliegend, einen Sipgate-Account zu nutzen," erklärt Wilhelm Fuchs, Pressesprecher bei Sipgate gegenüber netzwelt.

"In diesem Fall liefern wir das F1000 im vorkonfigurierten Zustand aus, der Nutzer muss lediglich die WLAN-Einstellungen vornehmen." Wer keinen Sipgate-Account hat oder braucht, bekommt das F1000 im Rohzustand. "Dann muss der Nutzer die beiliegende Anleitung zu Rate ziehen," sagt Fuchs. Das sollte aber auch kein großes Problem sein.

Update: Neue Firmware bringt mehr Sicherheit und Komfort

Mit dem Firmware-Update auf Version 3.60 bringt UTStarcom dem F1000 einige neue Funktionen bei und verbessert die Sicherheit. Das F1000 lässt sich nun auch per Webbrowser konfigurieren, was die Einrichtung deutlich vereinfacht. Daneben beherrscht das F1000 nun auch WPA-Verschlüsselung der WLAN-Daten, sodass die ältere und schwache WEP-Verschlüsselung nicht mehr genutzt werden muss.

Daneben kann der Besitzer sich nun selbst den Sprachcodec aussuchen, den er nutzen möchte. Außerdem schließt die Firmware eine vermeintliche Sicherheitslücke, die aber auch schon mit der vorherigen Firmware nicht mehr bestand. Das Firmware-Update gibt es kostenlos auf der Sipgate-Homepage.

F1000
HerstellerUTStarcom
Wireless-LAN802.11b
Voice-over-IPSIP
BesonderheitenWiFi-Handset
Kommentare zu diesem Artikel

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  • Stormy schrieb Uhr
    Re:

    Hi der zweite Artikel ist auch schon veraltet da es inzwischen WPA verschlüsselung gibt und auch eine Weboberfläche über die man das Handy konfigurieren kann. Also alle Mängel die in dem 2.ten Artikel beschrieben worden sind sind inzwischen nicht mehr vorhanden. Soviel zum BetaGerät !
  • gmb65 schrieb Uhr
    F1000/tiscali

    Hallo da draussen! Hat irgendwer schon mal ein F1000 mit tiscali als VoIP-Provider zum Laufen gebracht? Welche Einstellungen muss ich denn da machen? Tiscali ist da absolut unkooperativ, gibt auch kaum Informationen über ihre SIP-Konfiguration raus ;-((( Dankbar für jeden Hinweis Georg
  • Anonym schrieb Uhr
    Re:

    Da ich auf Inspirons Beitrag geantwortet habe, war meine Frage natürlich an ihn gerichtet, nicht an elwood.
  • elwood schrieb Uhr
    Nein, ich kann gar nicht lesen. ;-) NATÜRLICH HABE ICH SIE GELESEN!
  • ati975 schrieb Uhr
    Re: Re: News - VoIP-Handy oder...

    Hast du die Artikel überhaupt gelesen?!
  • elwood schrieb Uhr
    Hm, natürlich nicht unbedingt. Aber jeder, der ein WLAN mit WPA-Verschlüsselung einrichten kann, bekommt das auch bim UTStarcom hin. Wer das nicht kann oder es nicht lernen will, lässt eben lieber die Finger weg. Besonders den zweiten verlinkten Artikel fand ich jetzt eher schlecht (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Deppen-Apostroph)...
  • Inspiron schrieb Uhr
    Re: News - VoIP-Handy oder...

    Na toll, dass kann doch nicht euer ernst sein! Das UTstarcom F1000 auf keinen Fall für die Masse geeignet, siehe hierzu auch: http://www.konceptusa.com/newsarchive/nytimesMay52005.htm http://voipphone.de/index.php?content=150

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http://www.netzwelt.de/news/71587-voip-handy-handset-utstarcom-f1000-test-update.html
2005-11-29 10:25:00
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