Von der Liberalisierung zum Stromrechner
Strommarkt in Deutschland
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Zwar ist das Thema Stromanbieter wechseln erst seit einigen Monaten richtig im öffentlichen Bewusstsein, Strom wechseln konnte man allerdings schon seit 1998. Da nämlich wurde der Strommarkt in Deutschland liberalisiert. Ähnlich wie beim Telefonmarkt zuvor gab es aber auch hier Probleme, weil die Stromanbieter auch die Verteilernetze kontrollieren. Eine Liberalisierung des Marktes musste vor allen Dingen sicherstellen, dass jeder Zutritt zum Markt bekommt. Der Staat verpflichtete die Betreiber der Stromnetze per Gesetz dazu, einen diskriminierungsfreien Zugang zur Nutzung ihrer Leitungsnetze zu ermöglichen. Strom von Mitbewerbern muss bis zum Endkunden geleitet werden.
Ursprüngliches Ziel der Bundesrepublik war es, aus den acht großen Stromanbietern, die es vor 1998 gab, einen Markt mit vielen kleinen Anbietern zu entwickeln. Tatsächlich entwickelte sich das Szenario aber erst einmal in eine andere Richtung. Aus dem Monopol der acht großen Stromanbieter wurde eine Oligopol der vier verbliebenen Stromriesen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW, die heute 90 Prozent der Kraftwerke besitzen. Dazu haben diese eine weitreichende Kontrolle über den Markt erlangt, indem sie sich strategisch an unzähligen Stadtwerken beteiligt hatten. Kann sich ein Stadtwerk dennoch behaupten, dann schließen sich oft mehrere kommunale Anbieter aus einer Region zusammen, um - zumindest regional - die nötige Marktmacht zu haben, um zu überleben.
Unzufriedenheit bei Verbrauchern fördert Strompreisvergleich
Kein Wunder, dass sich einige Verbraucherschützer über die Art und Weise der Liberalisierung beschweren und die aktuelle Situation als wettbewerbsfeindlich bezeichnen. Gleichzeitig steigen seit Monaten die Strompreise für den Verbraucher konstant. Deutschlands Strompreise liegen im europäischen Vergleich ganz vorne im Ranking.
Für die Verbraucher kam es besonders in den letzten zwei Jahren knüppeldick: Zum 1. Juli 2007 lief die Bundestarifordnung Elektrizität aus. Damit war die letzte Strompreiskontrolle in Deutschland weggefallen. Schon kurz darauf erhöhten über 100 Anbieter den Grundversorgungstarif, Unterschiede von bis zu 50 % sind seit dem keine Seltenheit mehr. Im Durchschnitt zahlten die Bundesbürger rund 6 Prozent mehr.
Spätestens seit der Zeit sind die Verbraucher aktiv und hellhörig geworden. Selbst auf kleinere Stromerhöhungen folgen Wechsel-Wellen zu günstigeren Stromanbietern, zahlreiche Webseiten informieren über Stromspartipps und Strompeisvergleichen und die Verbraucherverbände unterstützen diese Aktionen mit eigenen Info-Angeboten. Gleichzeitig hat sich eine Art Ökostrom-Bewegung entwickelt, die Strom aus Sonnen-, Wasser- oder etwa Geothermie-Energie fördert und anbietet. Obwohl die Kunden für grünen Strom meist ein paar Cent pro kwH mehr bezahlen, kommt aus ihrer Steckdose nichts anderes als bei den Nachbarn. Der Anbieter garantiert nur, dass er den Anteil an Ökostrom, den der Verbraucher bezahlt, auch tatsächlich in den Gesamt-Pool (Stromsee) an Strom im Netz einspeist.
Wo kommt Billigstrom her?
So symphatisch Ökostrom beim Verbraucher ankommt - und mehr Geld verlangt -, so umstritten ist Billigstrom. Billigstrom ist eine Mode-Erscheinung der Stromanbieter. Verbraucherschützer kritisieren die Kalkulationen und die Vorkasse-Pakete, die damit verbunden sind. Umweltschützer kritisieren, dass es sich dabei häufig um überschüssigen Atomstrom aus dem Ausland handelt. Dieser kann billiger angeboten werden, weil die Investitionen für die meist sehr alten Atomkraftwerke bereits abgeschrieben sind. Ein rentables Gechäft für die Kraftwerksbetreiber, ein unsicheres aus sicherheitstechnischer Sicht.
Eine andere Stromquelle für deutsche Billigstromanbieter sind unter Umständen veraltete osteuropäische Kraftwerke, die aus finanzieller Not günstig an Stromlieferanten verkaufen müssen. Klar, dass da wo die Kasse leer ist nur wenig in Sicherheit und Umweltschutz investiert wird. Beim eigenen Stromsparen durch Stromanbieter-Wechsel sollte man sich seinen zukünftigen Stromanbieter ruhig einmal genauer anschauen, um mit ruhigem Gewissen zu sparen.
Und wie sieht es in Europa aus?
Das große Ziel der EU ist ein gemeinsamer, offener Strommarkt (das gleiche gilt auch für den Gasmarkt), der jedem Stromerzeuger offen steht. Tatsächlich sind wir heute aber noch weit davon entfernt. Bisher haben nur wenige Länder, etwa die Skandinavier, Österreich und Spanien neben Deutschland Ihre Pforten geöffnet.
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