Empörung ist angebracht

Kommentar: NSA oder der langweilige Datenskandal

Während viele Internetnutzer im Zusammenhang mit der Späh-Affäre die große Daten-Apokalypse beschwören, blicken viele Bürger ratlos und fast gelangweilt auf den NSA-Skandal. Ein bisschen mehr Empörung würde der Diskussion gut tun. Am besten, bevor es zu spät ist.

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Im Netz empören sich viele über den NSA-Skandal. Auf der Straße allerdings nicht. (Bild: netzwelt)
Im Netz empören sich viele über den NSA-Skandal. Auf der Straße allerdings nicht. (Bild: netzwelt)
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Über Geheimdienste habe ich bisher immer gedacht: Ich will gar nicht wissen, was die alles machen. Man könnte hier die vielleicht etwas gewagte These notieren, dass jede Demokratie auch ein paar geheime Ecken braucht. So wie jeder Bürger seine Privatsphäre braucht. Der Geheimdienst arbeitet in der Privatsphäre der demokratischen Gesellschaft.

Inzwischen ist es aber so, dass wir über Geheimdienste mehr wissen als uns lieb ist. Der Prism-Skandal lässt uns nicht los. Alle paar Tage fachen neue Enthüllungen die Diskussion an. Das ist gut. Prism zwingt uns darüber nachzudenken, was wir uns beim Datenschutz im digitalen Zeitalter zumuten wollen und was nicht.

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Dummerweise scheint es sehr viele Menschen zu geben, die gar keine Lust haben, groß darüber nachzudenken. Die Frage beschäftigt viele meiner Facebook-Freunde: Warum sind die Leute alle so lethargisch? Warum ist Angela Merkel so beliebt, obwohl sie in der Späh-Affäre scheinbar so tatenlos ist? Warum gibt es keinen Sturm der Entrüstung?

Den gibt es wahrscheinlich aus mehreren Gründen nicht.

Zum einen geschieht das Ausspionieren völlig lautlos und unbemerkt. Da werden irgendwelche Datenpakete von irgendwelchen Servern über irgendwelche Leitungen gezogen, das ist alles so weit weg. Viele Menschen werden erst nervös, wenn ein Typ mit tief ins Gesicht gezogenem Hut vor der Haustür rumsteht. Oder wenn ein Typ von der anderen Straßenseite mit dem Fernglas rüberguckt. Aber solange das Ausspionieren der Daten völlig anonym, völlig lautlos geschieht, stört es auch keinen.

Zum anderen ist ja sozusagen noch nichts passiert. So ist kein Fall bekannt, in dem irgendjemand in den letzten Monaten seine digitale Identität verloren hätte oder irgendwelche persönlichen Gesundheitsdaten öffentlich geworden wären. Erst, wenn wirklich etwas passiert, beginnen Menschen sich zu wehren.

Da es bei den digitalen Jägern und Sammlern der Spionagebehörden vielfach um die Vorbeugung gegen Terroranschläge geht, muss man sogar froh sein, dass nichts passiert. Im Falle eines Terroranschlags würde die momentane Diskussion wahrscheinlich in die entgegengesetzte Richtung gehen. Warum haben die Geheimdienste nicht schneller Zugriff auf Daten? Warum sind nicht überall Kameras? Brauchen wir eine bessere Überwachung? Das sind die Fragen, die dann gestellt werden.