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BlackBerry Q10 im Test
Traditionelles Design, modernes System

von Jan Kluczniok
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Das BlackBerry Q10 ist eine Rarität. Einerseits bietet es einen Touchscreen, andererseits besitzt es eine physische Tastatur. Der Test verrät, ob dieser Mix im Alltag funktioniert und in welcher Weise das Q10 anderen Smartphones überlegen ist.

Mit dem BlackBerry Q10 feiert die physische Handytastatur 2013 ein Revival. Der Test verrät, ob es dem kanadischen Hersteller gelungen ist, sein modernes auf Touchscreen-Steuerung ausgelegtes Betriebssystem BlackBerry 10 mit dem klassischen BlackBerry-Format zu kreuzen und ob es sich auf "echten" Tasten wirklich schneller tippen lässt.

Design und Verarbeitung

Das BlackBerry Q10 ist eigentlich ein klassisches BlackBerry. Wie gewohnt findet der Nutzer unterhalb des Displays eine vierzeilige physische QWERTZ-Tastatur und doch wirkt das Design irgendwie anders. Kein Wunder: Gegenüber dem indirekten Vorgänger Bold 9900 hat BlackBerry das Display von 2,8 auf 3,1 Zoll vergrößert. Möglich wurde das Wachstum der Bildschirmdiagonalen durch den Wegfall des Trackpad nebst Telefontasten. Diese braucht es für BlackBerry offenbar im Touchscreen-Zeitalter nicht mehr.

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Die Verpackung ähnelt der des Z10. (Bild: netzwelt)

Optisch ist das Q10 wie das BlackBerry Bold 9900 ein Hingucker. Das BlackBerry 10-Smartphone wirkt im Vergleich mit dem BlackBerry 7-Modell weniger edel, dafür aber "sportlicher". Verantwortlich dafür ist der sparsame Einsatz von Metall. Statt eines Metallrahmens, wie ihn das Bold 9900 besitzt, hat das Q10 eine schwarze Ummantelung. Nichts auszusetzen gibt es an der Verarbeitung: Das Q10 fühlt sich äußerst wertig an. BlackBerry setzt hier auf ein rutschfestes Gehäuse aus Carbonfasern.

Bedienung

Anders als beim Bold 9900 verbaut BlackBerry beim Q10 keine geschwungene Tastatur, sondern gerade Buchstabenreihen. Das Layout hat sich nicht verändert, sodass BlackBerry-Fans sich nicht umgewöhnen müssen. Einzige Neuerung: Über die "0"-Taste lässt sich nun eine Diktierfunktion aufrufen. Diese war im Test zwar langsam aber sehr genau. Lustig: Manche Kraftausdrücke werden mit "*" zensiert. Die Tastatur ist gewohnt hochwertig. An Druckpunkt oder Hub der Tasten gibt es nichts auszusetzen, auch das Tippen mit zwei Fingern ist problemlos möglich.

Allerdings bringt die physische Tastatur keinen Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zum BlackBerry Z10, das nur ein virtuelles Keyboard besitzt. Die Tastatur des Z10 lieferte im Test so passende Wortvorschläge, dass netzwelt auf dem reinen Touchscreen-Handy Z10 kurze Nachrichten oft schneller tippte als auf dem Q10. Während der Geschwindigkeitsvorteil verpufft, bleibt das physische Keyboard dank des haptischen Feedbacks im Vorteil, wenn es ums "blinde Tippen" von Nachrichten geht. So können Sie eine SMS mit dem Q10 problemlos auch in einem Meeting unter dem Tisch beantworten. Beim Z10 dagegen kam hier im Test nur Buchstabensalt zustande.

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Das Q10 bietet eine physische Tastatur unter dem Display. (Bild: netzwelt)

Das Betriebssystem des Q10 ist entgegen frührerer Versionen rein auf Fingersteuerung ausgelegt. Ähnlich wie bei Nokias MeeGo-System ruft der Nutzer bestimmte Funktionen über Gesten auf.  Die Hauptgeste ist ein Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand mit diesem können Nutzer Apps minimieren. Die Ausführung erfordert beim Q10 ein wenig mehr Übung als beim Schwestermodell BlackBerry Z10, denn der Platz zwischen Tastatur und Display ist sehr schmal. Im Test musste netzwelt daher öfters ein zweites Mal ansetzen, ehe Apps minimiert wurden.

Hardware

Die Hardware-Ausstattung des Q10 ist identisch mit der des Z10. Unter der Haube werkelt die Dual-Core-Variante von Qualcomms Snapdragon S4-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 1,5 Gigahertz. Der Arbeitsspeicher ist zwei Gigabyte groß. Der Prozessor sorgt für eine flüssige Bedienung des Smartphones. Ruckler oder Aussetzer waren im Test nicht zu bemerken.

Als Bildschirm kommt ein 3,1 Zoll großes Super-AMOLED-Display zum Einsatz. Die Auflösung beträgt 720 x 720 Pixel. Die Anzeige lässt sich selbst auf mittlerer Helligkeit noch gut im Freien ablesen und begeistert nicht nur mit einer scharfen Darstellung, sondern auch durch knackige Farben. Die Blickwinkel fallen jedoch vergleichsweise klein aus, wie für AMOLED-Bildschirme typisch werden weiße Flächen zudem leicht gräulich dargestellt. Anzumerken ist auch, dass der Nutzer beim Surfen im mobilen Netz, bedingt durch das kleine Display, öfters scrollen oder zoomen muss als er es von anderen aktuellen Top-Modellen gewohnt ist.

Der interne Speicher misst 16 Gigabyte, davon stehen dem Nutzer ab Werk circa 13 Gigabyte zur Verfügung. Der Speicherplatz lässt sich bei Bedarf um bis zu 32 Gigabyte erweitern. Der neue Nahfunkstandard NFC und der neue Mobilfunkstandard LTE werden ebenfalls unterstützt. LTE funktioniert dabei mit dem Q10 sowohl im Netz der Deutschen Telekom, als auch bei O2 und Vodafone.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des BlackBerry Q10 liegt nach Eindruck von netzwelt über dem durchschnittlichen Smartphone-Niveau reicht aber nicht ganz an die hervorragende Qualität früherer BlackBerrys wie dem BlackBerry Pearl 3G heran. Stimmen klingen natürlich, teilweise kam es im Test aber kurzzeitig vor, dass die Stimmen leicht verzerrt klangen.

Der Akku fällt mit 2.100 Milliamperestunden etwas üppiger aus als beim BlackBerry Z10. Die anfänglichen Probleme des Betriebssystems, die die Laufzeit des Z10 verringerten, hat der Hersteller zudem mittlerweile behoben. BlackBerry verspricht eine maximale Sprechzeit von 13,5 Stunden. Je nach Nutzungsintensität sollten Laufzeiten zwischen ein bis zwei Tagen möglich sein.

Multimedia

BlackBerry stattet das Q10 auf der Rückseite mit einer 8-Megapixel-Kamera aus, die Frontkamera löst mit 2-Megapixeln auf. Videos können mit der Hauptkamera in Full HD und mit der Frontkamera in HD aufgenommen werden. Bei ausreichendem Licht eignet sich das Q10 für Schnappschüsse. Die Probeaufnahmen wirkten jedoch stets leicht überzeichnet. Ein mit dem BlackBerry Q10 gemachtes Testfoto finden Sie hier. An der Videoqualität gibt es nichts auszusetzen. Allerdings sei noch angemerkt, dass die Kamera-App von BlackBerry nur die wesentlichen Optionen bietet. Panoramaaufnahmen sind mit Bordmitteln etwa nicht möglich.

Der Klang des BlackBerry Q10 reicht über Kopfhörer an das Niveau von durchschnittlichen MP3-Playern heran - teilweise wirkt die Musik aber etwas dumpf. Die Wiedergabe kann über eine Taste an der Lautstärkewippe schnell pausiert werden, ohne dass der Nutzern den Musikplayer aufrufen muss. Der App fehlt aber ein Equalizer und ein Sleeptimer. Für den gelegentlichen Musikgenuss unterwegs ist das Q10 dennoch geeignet, zur Hintegrundbeschallung mit Musik oder Webradio dagegen nicht. Dafür ist der Lautsprecher an der Unterseite des Smartphones einfach zu schwach.

Software

Als Betriebssystem kommt, wie der Name schon andeutet, die neue Plattform BlackBerry 10 (BB10) zum Einsatz. Anders als das in die Jahre gekommene BlackBerry OS muss sich BB 10 nicht hinter Android und iOS verstecken. Einen Überblick über alle Neuerungen von BlackBerry 10 finden Sie hier auf netzwelt.

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BlackBerry 10.1 ist auf dem Q10 und Q5 bereits vorinstalliert. Für das Z10 steht ein Update bereit. (Bild: netzwelt)

Ab Werk ist auf dem Q10 nicht die ursprüngliche Version, sondern bereits die erweiterte Version BlackBerry 10.1 installiert. Das Update rüstet eine Reihe von Funktionen nach, die BlackBerry-Nutzer noch von BlackBerry OS 7 kennen - wie etwa PIN-to-PIN-Messaging. Einen Überblick über die Neuerungen von BB 10.1 finden Sie hier.

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netzwelt
7.6
BlackBerry Q10
Vorteile
  • hochwertige Verarbeitung
  • physische Tastatur
Nachteile
  • BlackBerry 10 ist derzeit auf stärker auf reine Touchscreengeräte optimiert
  • mittelmäßige Kamera

Für Tastatur-Liebhaber

Top-Verarbeitung, leistungsstarke Hardware, und ein modernes Betriebssystem - das BlackBerry Q10 verbindet ein vollwertiges Smartphone-Erlebnis mit einer physischen Handytastatur. Wer letzteres nicht missen möchte, kommt am BlackBerry Q10 praktisch nicht vorbei. Allerdings müssen Nutzer mit einem kleinen Bildschirm leben.


Einzelergebnisse
Smartphones sind Gebrauchsgegenstände. Statt Leser mit Zahlen zu überschütten, haben wir uns für ein praxisnahes Testschema entschieden. Ziel ist es Stärken und Schwächen des Geräts zu ermitteln und eine Einschätzung zu geben, für welche Art von Nutzer das Smartphone geeignet ist. Unsere Wertung setzt sich aus fünf Einzelwertungen ("Design und Verarbeitung", "Ausstattung, Leistung und Bedienung", "Sprachqualität und Akkulaufzeit und "Multimedia") zusammen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Tester kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritieren im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
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10
Design und Verarbeitung
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Ausstattung und Bedienung
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Sprachqualität
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Akkulaufzeit
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Multimedia
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Einsortierung
BlackBerry Q10 von BlackBerry wurde als Smartphone abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Alle Smartphones". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Handy, BlackBerry, Smartphone, Tastatur, Review, BlackBerry 10 und BlackBerry Q10 .
Kommentare zu diesem Artikel

Das BlackBerry Q10 ist eine Rarität. Einerseits bietet es einen Touchscreen, andererseits besitzt es eine physische Tastatur. Der Test verrät, ob dieser Mix im Alltag funktioniert und in welcher Weise das Q10 anderen Smartphones überlegen ist.

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  • Swawa schrieb Uhr
    AW: BlackBerry Q10 im Test: Treffen der Generationen

    @Jan K. Aber auch bei kurzen Texten kann ne physische Tastatur durchaus von Vorteil sein. Zum Beispiel wenn durch einen Unfall die Finger sensorisch nicht mehr zu gebrauchen sind. Einfach mal mit 'eingeschlafener Hand' mal versuchen eine SMS auf einem Schlaufon mit virtueller Tastatur zu schreiben, natürlich ohne Wortvorschläge! Ich bin froh, dass es doch noch einen gibt, der eine ECHTE TASTATUR verbastelt! ^_^
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: BlackBerry Q10 im Test: Treffen der Generationen

    @Grivel: Man muss sehen, dass es sich um ein Smartphone handelt. Klar wenn Sie seitenlange Dokumente tippen wollen, dann ist eine Tastatur von Vorteil. Bei Mails und Co. erreicht man aber auch mit einer guten Touchtastatur eine ausreichende Geschwindigkeit. Da ist es dann eher Geschmackssache. @Onkel Herbert: Danke für den Hinweis. Wir haben bei unserem Test die Tastatur in den Mittelpunkt gerückt.

    Grüße aus der Redaktion.
  • Onkel Herbert schrieb Uhr
    AW: BlackBerry Q10 im Test: Treffen der Generationen

    Daß man über die Tastatur per shortcuts Anwendungen schnell bedienen kann und Aktionen vom "Homescreen" aus über Kurzbefehle schnell starten kann ist leider nicht aufgefallen? Andere Publikationen haben da intensiver getestet...
  • Grivel schrieb Uhr
    AW: BlackBerry Q10 im Test: Treffen der Generationen

    Eine Tastatur ist immer dann nötig, wenn man Texte verfasst. oder haben sie eine Touch Tastatur am PC?
  • Amcroft schrieb Uhr
    AW: BlackBerry Q10 im Test: Treffen der Generationen

    Der Rahmen ist aus schwarz gefärbtem Edelstahl.
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38525
BlackBerry Q10 im Test
BlackBerry Q10 im Test
Das Q10 ist ein klassisches BlackBerry mit physischer Tastatur, besitzt aber ein auf Touchscreen-Steuerung ausgelegtes Betriebssystem. Kann dieser Mix gelingen?
http://www.netzwelt.de/news/96545-blackberry-q10-test.html
2013-07-12 15:19:17
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/blackberry-q10-produktbild-114449.png
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BlackBerry Q10 im Test