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Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy
Das Fairtrade-Smartphone als Idee für die Zukunft

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Ein fair gehandeltes Smartphone klingt in der Theorie gut. Doch in der Praxis brauchen die Macher 5.000 Abnehmer, um überhaupt in die erste Produktion gehen zu können. Ein Kommentar über Vernunft, gerechte Preise und die Moral der Verbraucher.

Das alternative Smartphone-Projekt Fairphone macht im Internet Furore. Ein fair produziertes Smartphone könnte dem Hightech-Markt neue Impulse geben. Daneben wirft die Diskussion um Fairphone auch Licht auf die Praktiken der Mitbewerber.

Das bewusst fair produzierte Smartphone (Quelle: Fairphone)

Zehn Millionen Mal wurde das Samsung Galaxy S4 im ersten Monat verkauft - ein Riesenerfolg. Der Erfolg der ersten fair produzierten und fair gehandelten Smartphones, des Fairphones, ist bisher dagegen sehr bescheiden. In den ersten Wochen wurden gerade mal 3000 Stück vorbestellt. Bis Redaktionsschluss waren es 3061. Interessant ist der Vergleich mit der Zahl der Facebook-Likes. Da hat Fairphone bis Redaktionsschluss 14.444 Likes erhalten. Das Zahlenverhältnis spiegelt ganz typisch das Verhältnis zwischen guter Absicht und echtem Handeln wider.

Das scheint nun doch etwas enttäuschend, vor allem angesichts der vielen Berichterstattungen, unter anderem hier auf Netzwelt, die das Fairphone bekommen hat.

Öko, aber trotzdem gut

An Technik und Features sollte es eigentlich nicht liegen. Vierkernprozessor von Mediatek, 4,3-Zoll-Display (10,9 Zentimeter), 8-Megapixel-Kamera und Android 4.2, das sind die Eckdaten des Geräts. Zusammengenommen mit dem Preis von 325 Euro ist das ein absolut konkurrenzfähiges Gerät.

Das Samsung Galaxy Express ist von den Eckdaten her in etwa vergleichbar und kostet bei Amazon 340 Euro. Das LG Optimus L7 II P710 dagegen spielt in der gleichen 4,3-Zoll-Liga, kostet aber nur 250 Euro.

Ohne die Kalkulationen der Hersteller zu kennen, würde man als Verbraucher vermuten, dass Samsung und LG vermutlich auf gleichem Niveau fertigen lassen, aber Samsung infolge höherer Stückzahlen wohl günstigere Preise bekommt. Da Samsung ein exklusiveres Image hat, können die Koreaner beim Endpreis ordentlich draufschlagen, um eine schöne Marge zu erhalten. LG wiederum baut auch keine schlechteren Smartphones, hat aber kein exklusives Image und kann deshalb nicht so teuer verkaufen.

Der Preis der Vernunft

Der Preis von Fairphone ist dann wohl der Preis der Vernunft. Also der Preis, der rauskommt, wenn man nach ethischen Gesichtspunkten produziert und am Ende einen fairen Gewinn einstreichen möchte.

Die Rohstoffe für das Fairphone stammen nach Angaben des Herstellers aus konfliktfreien Gebieten, das heißt, die Erlöse für die Förderung der Metalle aus den Minen gehen nicht an irgendwelche Warlords. Die Minenarbeiter werden vernünftig bezahlt, Umweltschutzauflagen bei der Fertigung beachtet und die Menschen, die das Handy montieren, ebenfalls vernünftig entlohnt. Daneben achtet Fairphone darauf, dass das Smartphone am Ende seiner Lebensdauer auch wieder recycelt werden kann. Und nicht zuletzt verzichtet Fairphone auf die Ausbeutung von Arbeitern und versucht, Umweltverschmutzung weitestgehend zu vermeiden.

Ist diese Art des Produzierens und Verkaufens nicht eine Selbstverständlichkeit? Nein, nicht bei den Mitbewerbern: Hier gilt es weithin als "normal", dass die Hersteller Margen von 50 Prozent und mehr bei jedem Gerät einfahren, aber wissentlich in Kauf nehmen, dass andere dafür bluten müssen.

Schöne neue Hightech-Welt

Freie Marktwirtschaft hin oder her, diese Art von Geschäftspolitik ist abscheulich. Sie ist es auch deshalb, weil gerade die Hightech-Branche immer wieder hohe Erwartungen weckt, wenn es um die vermeintlichen Segnungen des Fortschritts geht. Es wird suggeriert, dass die Protagonisten der schönen neuen Hightech-Welt, allen voran Facebook und Google und in deren Schlepptau die Smartphone- und Tablet-Hersteller, die Welt besser machen. Bei den Demonstrationen in Tunesien und Ägypten wurde beispielsweise immer stolz darauf verwiesen, wie wichtig Smartphones, Twitter und Facebook gewesen seien, weil die Demonstranten sich auf diese Weise organisieren und ihre Botschaft in die Welt hinaus tragen konnten.

Dass sie dies tun konnten, ist zweifellos den Geräten und der Technik zu verdanken, aber nie die eigentliche Absicht der Hersteller gewesen. Sondern bestenfalls ein angenehmer Nebeneffekt. Aber solange die Technik das Potenzial hat, das Leben der Menschen zu verbessern, wird man die Hersteller auch daran messen, ob sie diesem hehren Anspruch gerecht werden.

Die Marketingsprecher der Industrie verweisen bei solchen Diskussionen immer gerne darauf, was ihrer Meinung nach verkäuflich oder nicht verkäuflich ist oder welche Preispunkte für die Verbraucher akzeptabel sind und welche nicht. Vermutlich würden die meisten sagen, dass die meisten Verbraucher nicht bereit sind, hundert Euro mehr für ein Smartphone zu bezahlen.

Die T-Shirt-Diskussion

Das ist wie in der T-Shirt-Diskussion. Da heißt es dann auch oft, dass die Leute eben T-Shirts für 4,99 Euro wollen und keine für 10 Euro. Bewiesen ist das nicht. Aber so wird die Verantwortung elegant auf die Verbraucher abgewälzt. Sicher ist nur: Die Verbraucher kaufen deshalb unfair gehandelte Produkte, weil diese eben verfügbar sind.

Wären solche Produkte gar nicht erst erhältlich, würden sich die Verbraucher schnell anpassen. Sie würden 100 Euro mehr für das Smartphone ausgeben, weil es nun mal so viel kostet und es vielleicht sogar drei Jahre länger nutzen.

Es ist also nicht nur der Verbraucher in der Verantwortung. Der kann oft mangels Informationen gar nicht erkennen, ob die Rohstoffe für ein Handy beispielsweise aus einer Mine kommen, die in einem Konfliktgebiet liegt und er weiß auch nicht, wie die Arbeiter in den Zulieferbetrieben behandelt werden. Auf Dauer ist es zudem unzumutbar, bei jedem Produkt Recherchen anstellen zu müssen, welche Geschäftsmethoden des jeweilige Unternehmen praktiziert.

Was das Fairphone betrifft: Dem Projekt ist Erfolg zu wünschen. Vor allem, dass es bis zum Stichtag am 14. Juni die nötigen 5.000 Bestellungen eingesammelt hat, um die Produktion starten zu können.

Kommentare zu diesem Artikel

Ein fair gehandeltes Smartphone klingt in der Theorie gut. Doch in der Praxis brauchen die Macher 5.000 Abnehmer, um überhaupt in die erste Produktion gehen zu können. Ein Kommentar über Vernunft, gerechte Preise und die Moral der Verbraucher.

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  • Immorb schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    Fairphone: Erste Charge ist ausverkauft. Die erste Charge des Fairphone ist seit dem heutigen Mittwoch ausverkauft: 25.000 Menschen haben dem kleinen Amsterdamer Unternehmen je 325 Euro für das Smartphone überwiesen, das umweltfreundlicher sein soll und unter besseren Arbeitsbedingungen produziert werden soll als die Modelle der Konkurrenz. Fairphone will 2014 eine zweite Charge produzieren. Quelle: Heise.de m.f.G.
  • xenamiti schrieb Uhr
    Fairphone

    Tolle Sache. Ist eine Überlegung wert für die jenigen, die schon ein sehr altes Handy besitzen (wie ich) oder deren Handy kaputt ist. Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Ich werde die Neuigkeiten rund um das Fairphone verfolgen und mir dann gegebenenfalls überlegen ob ich mir so eines kaufe.
  • hahihu schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    also ich finde die idee gut. Scheint ja auch konkurrenzfähig zu sein, fragt sich nur ob andere Firmen da nachziehen in sachen fairness, ich würde es mir wünschen. Es sieht auch optisch ganz ansprechend aus.
  • hahihu schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    also ich finde die idee gut. Scheint ja auch konkurrenzfähig zu sein, fragt sich nur ob andere Firmen da nachziehen in sachen fairness, ich würde es mir wünschen. Es sieht auch optisch ganz ansprechend aus.
  • georch schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    Das war auch mein erster Gedanke, dajs, als ich den ersten Absatz gelesen habe. Ein voll funktionierendes Gerät weglegen, um mir (unnötig) ein neues zu kaufen, ist sicherlich das unnachhaltigste. Daher trifft die vom Autor geäußerte Kritik nicht notwendigerweise zu. Nun hoffe ich aber, dass die lange genug durchhalten, bis ich auch mal mit nem neuen Handy dran bin!
  • dajs schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    Ich würde eines kaufen, aber mein jetziges läuft noch... Wäre ein bischen sinloss sich ein neues zuzulegen.
  • Gripschi schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    Olli91, du hast sicherlich recht aber mal ehrlich was ist mit den etlabierten Marken?Können die dir diese Kette bieten? Ich denke ehr nicht, den dennen geht es um das Geld. Ich werde nach lange Jahren von meinen Sony W595 Abschied nehmen da es leider immer mehr Fehler bringt nach fast 3 Jahren. Ich möchte als Smartphone etwaa haben das Hand und Fuß hat. Das hat es für mich weit mehr als andere Marken. Wenn ich mir so meine Klasse anhöre mit ihren Samsungs und HTCs, da stimmt die Qualität nicht und man bezahlt schlicht den Namen. Apple, Samsung, Sony, HTC und LG mehr Smartphonmarken kenn ich nicht und bis auf HTC ist die Qualität dem PReis ansehbar. Was will ich mit den neusten Smartphone jedes Jahr? Ich will eins was mir mindestens 3 JAhre aufwärts erhalten bleibt. Ich hoffe das es was wird denn allein schon der Weg den sie Verscuhen zu gehen macht Kompromisse unumgänglich. Und Not wird ich nicht bezeichnen in CHina zu produzieren. Der Lohn mag wohl niedrig sein aber die Lebenserhatlungskosten sind dort auch anders. Ich will keineswegs sagen das dort alles GUT ist aber China ist neben Plagiaten auch für serhr gute Qualität bekannt trotzallem. Und was du für eine Produktion in der EU zahlst weißt du schon? Und 5000 Stück ist keine wirkliche Menge die du einfach mal hier preisgünsting produzieren lassen kannst. Du siehst ja bei Apple was die für Preise haben.
  • ralfo1704 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    31.05.2013 23:30: 3,835 Phones sold. Ich habe auch eins bestellt. Ich hoffe dass das fairphne auch mal die Million knacken wird und so andere Hersteller zum Umdenken bringt. Fair geht vor!
  • Olli91 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy

    Solange der Hersteller keine astreine Händlerketten und Beweise liefern kann, glaube ich kein Wort. Allein, dass das Gerät ohne Not in Asien gefertigt wird, sagt schon alles. Und der Preis ist auch verdächtig niedrig...

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Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy
Kommentar: Fairphone, das schicke Öko-Handy
Das Fairphone ist auf dem Papier schon ein Erfolg. Jetzt werden 5.000 Käufer für die erste Marge gesucht.
http://www.netzwelt.de/news/96022-kommentar-fairphone-schicke-oeko-handy.html
2013-05-31 16:57:54
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/bewusst-fair-produzierte-smartphone-bild-fairphone-19309.jpg
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