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Kommentar zur Xbox One: Die Rückkehr des bösen Softwareriesen
Vollüberwachung im Wohnzimmer

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Das alte Feindbild Microsoft hatte schon angefangen zu bröckeln. Doch jetzt ist der Riesenkonzern aus Redmond wieder zurück und beweist, dass man mit ihm rechnen muss. Microsoft ist zurück, dank dem durchdachten Überwachungskonzept der Xbox One.

Microsofts Xbox One soll erst gegen Ende 2013 in den Handel kommen, sorgt aber jetzt schon für Aufregung. Die Spielekonsole kann Gesichter erkennen und sogar Mimik analysieren. Kritiker befürchten, dass die Xbox auf diese Weise Daten über ihre Kunden sammelt. Das alte Feindbild vom bösen Softwareriesen ist wieder da.

Sorgen für Unmut: Funktionen der neuen Xbox One-Konsole (Quelle: Xbox One // Microsoft)

Wenn man die Geschichte Microsofts der letzten Jahre betrachtet, dann ist es eine Geschichte der Niederlagen und Flops. Da war das Debakel von Windows Vista, der ausbleibende Erfolg auf dem Markt für Smartphones und Tablet-PCs und die negativen Bericht über Windows 8. Viele schrieben schon Kommentare mit dem Tenor, dass die große Zeit Microsofts vorbei sei. Vorsichtshalber wurde dann aber zumeist der Satz angefügt, dass es noch zu früh sei, Microsoft abzuschreiben.

Der reichste Mann der Welt

In der Tat, dafür ist es wirklich noch zu früh. Zuerst machte die Meldung die Runde, dass Bill Gates jetzt wieder der reichste Mann der Welt sei. Gates hat früher als skrupelloser Herrscher des Windows-Imperiums einen wunderbaren Schurken abgegeben und wandelte sich dann mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zum globalen Wohltäter. Dass er jetzt wieder der reichste Mann der Welt sein soll, verstehe ich nicht so ganz. Hatte er nicht einen Großteil seines Vermögens für den wohltätigen Zweck gestiftet? Aber in der Welt der Superreichen ist das Vermögen wohl (indirekt) proportional zu den Ausgaben. Je mehr Geld man ausgibt, desto mehr Geld kommt wieder rein.

Jetzt ist die neue Xbox vorgestellt worden. Auch die passt irgendwie ins Bild vom Comeback des bösen Softwareriesen.

Die Xbox als Multimedia-Steuerzentrale

Die Xbox One scheint ja wirklich ein mächtiges Teil zu sein. Nicht nur, dass sie einen schnelleren Prozessor und bessere Grafikleistung hat als die Vorgängerversion. Sie wird auch zur bequemen Steuerzentrale im Multimedia-Haushalt. Mit ihr kann man nicht nur spielen, sondern auch das Fernsehprogramm wählen oder den Internet Explorer starten.

Der Clou der Spielekonsole ist aber sicher die Bewegungssteuerung Kinect sein. Die hat bekanntlich eine eingebaute Kamera und beobachtet alle Bewegungen des Anwenders. Das Mikrofon zeichnet auf, was er sagt. Damit kann der Anwender die Xbox per Sprachbefehl steuern. Die Steuerung von Spielen über Bewegungen ist ja schon seit Längerem möglich. Aber die neue Xbox kann angeblich sogar die Mimik des Nutzers deuten, den Herzschlag erfassen und erkennt bis zu sechs Personen im Raum.

Xbox kontrolliert das Wohnzimmer

Doch viele Kommentatoren weisen darauf hin, dass die vermeintliche Befehlsgewalt des Heimanwenders über seine Multimediazentrale eine Illusion ist. Denn das System weiß, wenn der Nutzer im Raum ist und es registriert, welche Medieninhalte er nutzt. Wenn mehrere Leute im Raum sind, und gemeinsam einen Film gucken, dann weiß die Xbox das auch. Dementsprechend könnte Microsoft die Bezahlung des Films anders abrechnen, weil fünf Leute eben mehr für den Film bezahlen, als nur einer. Ein entsprechendes Patent hat Microsoft nach Presseberichten bereits angemeldet.

Die Spekulation gehen noch weiter. Wenn die Xbox aufzeichnet, wie der Heimanwender auf einen Film reagiert, etwa indem er bei bestimmten Szenen lacht und anderen Szenen gelangweilt guckt oder bei der Werbung immer aus dem Zimmer geht, dann ist das für die Film-und TV-Industrie eine wertvolle Information. Die sie nutzen kann, um ihren Content weiterzuentwickeln oder die Wirkung von Werbung festzustellen.

Das heißt im Prinzip aber auch, dass jeder Xbox-Anwender sich einen Big Brother ins Wohnzimmer stellt. Der registriert per Kamera und Mikrofon, was der Anwender Wohnzimmer alles tut und wenn er im Internet surft, weiß er, wohin er surft. So gesehen also totale Überwachung. Big Bad Microsoft ist wieder da. Das sind zumindest die Befürchtungen der Kritiker.

Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis dieses Multimedia-Horror-Szenario tatsächlich Wirklichkeit wird. Für Deutschland sind beispielsweise derzeit noch gar keine TV-Inhalte geplant.

Außerdem wird Microsoft sich natürlich an die Datenschutzgesetze in Deutschland halten müssen. Dementsprechend dürfen Informationen über den Medienkonsum und das Nutzerverhalten der Kunden bestenfalls anonymisiert ausgewertet werden.

Außerdem ist es fraglich, wie gut die Technik wirklich funktioniert. Wie zuverlässig beispielsweise die Software hinter der Full-HD-Kamera die Gesichter erkennt. Wer sich einen Bart wachsen lässt oder eine andere Brille aufsetzt, wird möglicherweise nicht mehr richtig erkannt. Zweifelhaft ist auch, ob die Technik so weit ist, dass sie die Mimik wirklich genau und richtig erkennt. Nicht jede Grimasse, ist ein erfreutes Lächeln.

Aber die technischen Möglichkeiten sind im Prinzip gegeben und an der Entschlossenheit der großen Hightechkonzerne, so viele Daten wie möglich über ihre Kunden zu sammeln, ist auch nicht zu zweifeln. Sollte also die Xbox One, die vermutlich zum Weihnachtsgeschäft 2013 in den Handel kommen wird, tatsächlich all diese Funktionen besitzen, werden die Datenschützer einige drängende Fragen haben.

So oder so, dass Feindbild von Big Bad Microsoft, das in den letzten Jahren zu verblassen schien, hat mit der Xbox One zumindest wieder frische Farbe bekommen.

Kommentare zu diesem Artikel

Das alte Feindbild Microsoft hatte schon angefangen zu bröckeln. Doch jetzt ist der Riesenkonzern aus Redmond wieder zurück und beweist, dass man mit ihm rechnen muss. Microsoft ist zurück, dank dem durchdachten Überwachungskonzept der Xbox One.

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  • agtrier schrieb Uhr
    AW: Kommentar zur Xbox One: Die Rückkehr des bösen Softwareriesen

    ... und wie MS mit eine "always on" Kamera samt Videoanalyse die strengen Stromverbrauchswerte für den Stand-by-Betrieb (1W/h) einhalten will, ist nochmal eine andere Frage...

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Kommentar zur Xbox One: Die Rückkehr des bösen Softwareriesen
Kommentar zur Xbox One: Die Rückkehr des bösen Softwareriesen
Microsoft hatte sein Image vom bösen Riesenkonzern schon fast hinter sich gelassen. Dann haben sie die Xbox One enthüllt und das Theater beginnt von vorn...
http://www.netzwelt.de/news/95965-kommentar-xbox-one-rueckkehr-boesen-softwareriesen.html
2013-05-24 17:44:32
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/sorgt-unmut-funktionen-neuen-xbox-one-konsole-bild-xbox-one--microsoft-19218.jpg
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