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Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker
Ein Kompromissvorschlag für Verlage, Werbeindustrie und Nutzer

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Wie kann man im Internet Nutzer vor aufdringlicher Werbung schützen und gleichzeitig als Verlag werbefinanzierte Inhalte anbieten? Netzwelt-Autor Mehmet Toprak hat einen Lösungsvorschlag...

Große Newsportale im Web wollen ihre Leser davon überzeugen, keine Adblocker einzusetzen. Doch diese wären gar nicht nötig, wenn die Werbung nicht so aufdringlich wäre. Gibt es einen Ausweg aus dieser Zwickmühle? Eine Kombination aus Bezahlmodell und unaufdringlicher Werbung könnte den Weg weisen.

Adblock: Schluss mit Werbung in Chrome

Wer in den letzten Tagen auf große Online-Portale wie Stern oder Spiegel und dabei seinen Adblocker eingeschaltet hatte, bekam die freundliche Bitte zu lesen, er möge den Adblocker doch abschalten. Die Verlage mögen Adblocker nicht besonders. Das kann man verstehen. Andererseits kann man es auch den Websurfern nicht verdenken, wenn sie Werbeblocker nutzen. Denn sie werden von immer aggressiveren Werbeformen schikaniert. Ein Adblocker ist da fast so etwas wie Notwehr.

Das nennt man eine verfahrene Situation. Eine schnelle Lösung dafür gibt es nicht. In der Diskussion um das Für und Wider von Adblockern hört man gelegentlich die Behauptung, dass Verlage ohnehin überflüssig seien. Schließlich könne heute jeder, der etwas zu sagen hat, im Internet einen Blog schreiben. Dazu brauche er keinen Verlag.

Sind Verlage überflüssig?

Die Behauptung ist ganz ähnlich der, dass Musiker heutzutage kein Musiklabel mehr brauchten, um mit ihrer Musik berühmt und erfolgreich zu werden. Jeder, der ein bisschen musikalisches Talent hat, kann heute selbst aufnehmen und seine Songs im Internet veröffentlichen. Wer braucht da noch Musiklabels?

Aber ähnlich wie bei der Musik kann diese Argumentation auch beim Thema Journalismus nicht ganz richtig überzeugen. Die Veröffentlichung im Online-Portal eines Verlags erzielt natürlich eine wesentlich größere Reichweite, das heißt, sie erreicht wesentlich mehr Menschen als der Blog. Natürlich gibt es erfolgreiche Blogs, die von vielen Menschen gelesen werden. Doch das sind eher die Ausnahmen.

Journalisten sollen sich auf Journalismus konzentrieren

Außerdem ist journalistisches Talent nicht unbedingt eine Gewähr dafür, dass derjenige auch weiß, wie man Artikel am besten auf der Webseite platziert und für die Suchmaschine aufbereitet. In einem Online-Verlag gibt es Leute, die sich um all diese handwerklichen oder nur am Rande journalistischen Aspekte kümmern.

Für den Journalisten ist die Beschäftigung mit den technischen Aspekten der Veröffentlichung zumeist Zeitverschwendung. Er sollte seine Talenten für das Recherchieren oder Schreiben verwenden und nicht dafür, sich Schlagwörter für die Suchmaschine auszudenken. Bis auf weiteres werden wir also Verlage brauchen. Selbst wenn man anderer Ansicht ist und auf die Journalisten als Einzelkämpfer setzt, werden diese spätestens dann von dem Problem eingeholt, wenn sie mit ihrem Blog Geld verdienen müssen.

Eine praktische Lösung

Aber wie können Verlage überleben, ohne dass ihre Einnahmen wegbrechen, weil Internetsurfer Adblocker einsetzen? Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass früher oder später Content nicht mehr kostenlos ist. Außerdem könnten sich Online-Verlage, die ähnliche Themengebiete beackern und die deshalb von denselben Lesern besucht werden, in einer Art Vertriebspool zusammenschließen. Rein praktisch könnte das so aussehen: Leser, die sich für News, Tests und Praxistipps aus dem Bereich Hightech interessieren, würden pro Monat fünf Euro in eine gemeinsame Kasse zahlen.

Für das Geld bekäme der Nutzer einen speziell auf diese Webseiten abgestimmten Werbeblocker für seinen Browser. Dieser Adblocker würde nur die wirklich lästigen, aggressiven Werbeformen ausblenden. Die harmlosen Banner oben und am Seitenrand könnten bleiben. Je nach Zahl der Seitenaufrufe und Verweildauer auf der Seite könnten die Online-Portale das eingezahlte Geld unter sich aufteilen.

So ein System hätte drei Gewinner: Der Websurfer bleibt von aufdringlicher Werbung verschont. Der Web-Anbieter generiert durch Werbung und zahlende Leser doppelte Einnahmen. Und der Werbetreibende hat die Gewissheit, dass seine Anzeigen beim Besucher der Webseite keinen Frust hervorrufen. Und das ist ja schon eine ganze Menge…

Kommentare zu diesem Artikel

Wie kann man im Internet Nutzer vor aufdringlicher Werbung schützen und gleichzeitig als Verlag werbefinanzierte Inhalte anbieten? Netzwelt-Autor Mehmet Toprak hat einen Lösungsvorschlag...

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  • sarazena schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Ich habe nach der Diskussion um Adblock nach Alternativen gesucht. Dabei habe ich Proxomitron gefunden und ausprobiert. Proxomitron ist ein kleiner Proxy der im Hintergrund läuft und vielfältig konfiguriert werden kann. In der default Konfiguration tut Proxomitron das, was früher Adblock erledigt hat. Also, es geht ohne Adblock, und das sogar recht geschickt. Ich bin zufrieden und hoffe, dass mir viele folgen.
  • burnout150 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Nur ein leeres Netz ist ein gutes Netz ;)
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Ich hatte mir den Firfox 22 neu installiert, dazu musste ich den alten erst deinstallieren. Weg waren meine Einstellungen. Bekam dann bei jedem Zeitungsaufruf Werbung on Mass auf den Bildschirm. Bevor ich dann die ganzen Popups weggeklickt hatte war mir die Lust zum Lesen vergangen.

    Habe dann Adblock plus installiert und habe nun wieder Zeitungen und keine Massenwerbung auf dem Bildschirm. Ist schon ne tolle Erfindung son Adblocker.
  • burnout150 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Ja die Artikel sind reißerisch geschrieben, aber entsprechen leider in diesem Fall der Wahrheit. Ich bin wahrlich kein Fan von Pallenberg und hatte mit ihm auch schon den ein oder anderen Ärger.
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    @Diggsagg: Noch immer der Meinung oder hast du gar etwas mit ABP zu tun?

    Na, darauf hab ich doch gewartet! :rolleyes: Meine Güte, immer gleich diese Mutmaßungen, man würde mit irgendjemandem "unter einer Decke" stecken... Einfach lächerlich. Das ist genauso bescheuert wie die Anschuldigungen, die sich Netzwelt immer gefallen lassen muss, wenn es mal positive Testberichte zu einem Produkt gibt. Was kommt als nächstes? Ob ich bei der NSA bin?

    Lieber burnout150, mit dieser kleiner Frage hast du dich schon selbst disqualifiziert. Da wundert es mich auch nicht, dass du dich an Pallenbergs "Verschwörungstheorie" so hochziehst.

    Ja, ich bleibe bei meiner Meinung. ADP tut in meinen Augen das, was es soll, sehr gut - also kein Grund, die Erweiterung zu deinstallieren. Punkt.

    Adblock Plus Reloaded – Fake Community, Intransparenz und Guerilla Marketing | Mobilegeeks.de | Allgemein

    Na ja, ist halt ein weiterer reißerischer Artikel auf BILD-Niveau, der meint, dass er als investigativer und seriöser Journalismus daherkommt.
  • burnout150 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    @Diggsagg: Noch immer der Meinung oder hast du gar etwas mit ABP zu tun? Adblock Plus Reloaded – Fake Community, Intransparenz und Guerilla Marketing | Mobilegeeks.de | Allgemein
  • Knallkalle schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Ach Netzwelt... Trotz bewusst deaktiviertem Werbeblocker sehe ich bei Euch nur weiße Felder, die aber beschriftet mit "Werbung"... Es sind doch nicht nur die Adblocker oder Tools wie NoScript, die der Werbung das Leben schwer machen und Euch um euer Geld "betrügen", sondern schon simple Browsereinstellungen die zum (Eigen-)Schutz aktiviert werden (sollten?), oder Geschichten wie kollektiv erstellte HOSTS Listen. Mit zunehmender Masse an Internet Kundschaft und damit gleichzeitig sinkenden Kopfprämien hat sich der Werbemarkt selbst kaputt gemacht und auch Ihr euch gleichzeitig unter Wert verkauft und abhängig gemacht... Wie überall gibt es auch hier eben ein Ende. Bezahlte Technikblogs, Zeitungen und Co im Internet werden sich auch nicht durchsetzen, sondern sich dann automatisch Gruppen bilden, die weiter Kostenlos ihr Wissen austauschen. Das Gejammer um Werbeeinnahmen betrifft doch ersterdingens nicht die Nutzer, sondern die Parteien die halt die Werbeverträge miteinander eingehen. Die Nutzer sollen nun nur die finaziellen Lücken füllen, die nicht mehr durch die Verträge erreicht werden. Die Nutzer betrifft letztlich nur die Unfähigkeit von Euch Verträge abzuschließen die Euch "ernähren"... Wir sollen letztlich die Werbung die wir sehen auch direkt "nochmal" bezahlen, in dem wir die Werbeplattformen am Leben erhalten, egal ob Blog, Zeitung, oder whatever...
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Dazu sag ich nur Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk | Mobilegeeks.de | Allgemein Danke für den Link, ich habe mich köstlich amüsiert! :P Ist schon lustig, dass manche diesen reißerischen Artikel als "investigativen Journalismus" bezeichnen. Denjenigen ist wohl das ständige Schlagwort "angeblich" entgangen, das Pallenberg gerne nutzt... Der ganze "Artikel" trieft nur so vor Mutmaßungen, und ich kann, was die Form des Textes angeht, Entwickler Palant nur Recht geben, wenn er sagt: Neben persönlichen Angriffen auf Leute, die an Adblock Plus beteiligt sind, werden alle möglichen (und größtenteils auch vom Projekt öffentlich kommunizierten) Fakten so zurechtgebogen, dass es irgendwie negativ klingt. Das ist beileibe kein investigativer Journalismus, sondern Geschreibsel auf BILD-Niveau, das in erster Linie darauf schließen lässt, dass Pallenberg auch an gängige Verschwörungstheorien glaubt... Auf Stammtisch-Niveau werden da Fakten pauschal erstmal negativ dargelegt, um letztendlich nur zu dem Fazit zu kommen: "Da kann doch was nicht koscher sein!". Mehr ist es nicht. Einige Mitarbeiter kommen aus der Werbung? So what? Schon allein die Tatsache, dass Pallenberg nicht eindeutig herausstellt, dass man "unaufdringliche Werbung" ebenfalls deaktivieren kann, zeugt schon von seiner einseitigen Berichterstattung. Und selbst wenn sich Werbetreibende in diese Liste einkaufen können, dann wird die entsprechende Werbung wohl immer noch daraufhin geprüft, ob sie auch als unaufdringlich durchgeht. Sicherlich kann man bei diesem Verfahren nicht hinter die Kulissen blicken, ich persönlich muss aber sagen, dass ich (seit diese Funktion in die Erweiterung implementiert wurde) keinen Nachteil bei der Nutzung feststellen konnte - und ich habe in meinem Freundes- und Kundenkreis noch nichts Gegenteiliges gehört. Deswegen finde ich auch die Kurzschlussreaktion vieler User, die sofort das Add-On deinstalliert haben, einfach nur lächerlich. Die zeigt mal wieder diesen unsäglichen "Netz-Aktivismus", bei dem man schön auf Revoluzzer machen kann, ohne sich von der Couch zu erheben... :rolleyes: Aber das ist wieder ein anderes Thema. Wie auch immer, die Erweiterung arbeitet nach wie vor einwandfrei, ich kann keine negativen Punkte in der Nutzung feststellen - im Gegenteil, sie macht das Surfen im Web wesentlich angenehmer. Und davon abgesehen, wird mir als Nutzer nicht das Geld aus der Tasche gezogen. Sollte das Produkt irgendwann nicht mehr so funktionieren, werde ich mir natürlich Gedanken über eine Alternative machen.
  • burnout150 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Dazu sag ich nur Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk | Mobilegeeks.de | Allgemein
  • Tangy schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker

    Werbeblocker werden aber in Zukunft noch interessanter, wenn die Drosselkom ihre Pläne endgültig durchsetzt. Denn dann zählt jedes Byte was durch die Leitung rauscht.

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Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker
Kommentar: Der Fluch der Werbeblocker
Wie können Verlage ihre Nutzer dazu bringen, im Internet keinen Werbeblocker mehr einzusetzen? Netzwelt-Autor Mehmet Toprak hat einen Kompromissvorschlag.
http://www.netzwelt.de/news/95915-kommentar-fluch-werbeblocker.html
2013-05-17 17:12:06
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/adblock-schluss-werbung-chrome-12002.jpg
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