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Kommentar: Steckt Intel in der Krise?
Leise und unauffällig, dabei aber sehr erfolgreich

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Kriselt es bei Intel? Der Chip-Hersteller macht keine großen Veranstaltungen, sondern arbeitet leise vor sich hin. Dabei gehen doch überall die PC-Verkaufszahlen zurück!

Die PC-Umsätze sinken und auch ein neues Windows ist kein Garant mehr für steigende Umsätze. Gerät jetzt auch der Prozessor-Riese Intel in die Krise? Das wäre logisch, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Intel solche Warnzeichen früher als andere erkannt hat.

Intel macht nicht nur PC-Prozessoren. (Quelle: Intel)

Wie geht es eigentlich Intel? Man hört so wenig von diesem Unternehmen. Alle reden über Samsung, Apple, Facebook oder Microsoft, keiner redet über Intel. Vielleicht ist das ja ganz gut. Während die anderen ihre Energie in PR-Scharmützeln verschwenden, zieht Intel ruhig seine Bahn und verdient Geld. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Prozessoren und Chipsätze sozusagen wertneutrale und nicht ideologisch belastete Produkte sind. Das Handy steht für Themen, die mit dem Einfluss moderner Technik auf unseren Alltag zu tun haben. Da geht es dann in der Regel um die Digital Natives oder den Digital Lifestyle, der von Smartphones oder Tablet-PCs erst möglich gemacht wird. Einem Prozessor oder Chipsatz ist aber egal, wie man ihn nutzt und welche Inhalte er verarbeitet. Für den Chip sind das alles nur Bits und Bytes.

Vielleicht ist es gerade das, was die Verbraucher schätzen. Deshalb steht Intel wieder mal auf einer dieser Forbes-Listen oben. Demnach ist Intel die Nummer 2 der angesehensten (reputable) Unternehmen der Welt. Platz eins nimmt übrigens der Disney-Konzern ein, auf Platz drei folgt Amazon. Eine echt amerikanische Wahl.

Sinkende PC-Verkäufe

Wenn man die Lage auf dem IT-Markt betrachtet, dann weist einiges darauf hin, dass sich für Intel keineswegs alles zum Besten entwickelt. Im aktuellen Quartalsbericht für das erste Quartal 2013 verzeichnet der Chipgigant zwar einen stattlichen Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar, aber der Umsatz der "PC Client Group" ging gegenüber dem Vorjahresquartal um sechs Prozent zurück.

Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand. Die sinkenden PC-Verkäufe haben auch zur Folge, dass Intel weniger Prozessoren für PCs oder Notebooks verkauft. Das explosionsartige Wachstum bei Smartphones und Tablet-PCs konnte Intel bisher nur teilweise mitmachen. Denn hier mischen Konkurrenten wie Qualcomm mit seinem Snapdragon-Chip erfolgreich mit. Der Prozessor-Riese aus Santa Clara in Kalifornien hat hier wohl ein paar entscheidende Monate lang geschlafen.

Schwaches Windows 8

Erschwerend kommt hinzu, dass die alte Partnerschaft mit Microsoft nur noch bedingt funktioniert. Bis vor einigen Jahren haben Microsoft und Intel sich gegenseitig erfolgreich die Bälle zugespielt. Die ganze Branche hat auf ein neues Betriebssystem gewartet, PC-Hersteller konnten sich vor dem Windows-Start die Hände reiben und die neue PC-Generation brachte den Anwendern noch mehr Multimedia-Leistung - dank Intel CPUs. Diese Ära ist spätestens mit Windows 8 vorbei.

Denn das neue Microsoft-Betriebssystem ist bei weitem nicht so begehrt wie erhofft und hat die PC-Verkäufe deshalb nicht ankurbeln können.

Cloud Computing macht schnelle PCs überflüssig

Es gibt aber noch weitere Punkte, die den Verkauf neuer Intel-Prozessoren bremsen. Zum einen sind moderne Rechner mit Core-i5- oder Core-i7-Prozessor schnell genug für fast alles. Es gibt nur noch sehr wenige Anwender, die derzeit einen noch schnelleren Prozessor brauchen.

Zum anderen versuchen Internet-Anbieter und Netzwerkhersteller das Thema Cloud Computing in den Köpfen der Verbraucher zu verankern. Immer mehr Anwendungen laufen in der Cloud. Dabei werden nicht nur die Daten auf einer Internet-Festplatte gespeichert, auch das Programm selbst läuft auf dem Server. Somit entfällt ein weiterer Grund, sich einen schnellen Rechner auf den Schreibtisch zu stellen. Noch ist dieser Trend ganz am Anfang, noch ist er umstritten. Doch Cloud Computing ist bereits so weit vorangeschritten, dass diese Entwicklung nicht mehr zu stoppen ist.

Für den Prozessorhersteller Intel sind das erstmal keine guten Nachrichten. Das alte Geschäftsmodell, das darauf beruhte, in kurzen Zeitabständen immer schnellere Prozessoren für den Desktop-PC oder das Notebook auf den Markt zu bringen, funktioniert nicht mehr.

Allerdings haben die Intel-Manager schon früher bewiesen, dass sie Trends auf dem Markt sehr früh erkennen. So haben die beispielsweise schon Mitte der 90er Jahre ihre Chips auf die Verarbeitung von Multimedia-Inhalten und Videos optimiert. Die Entwicklung der späteren Jahre bis hin zum Siegeszug von Youtube hat ihnen recht gegeben.

Daneben ist Intel auch bei Server-Prozessoren, die in Cloud-Rechenzentren benötigt werden, extrem stark. Netzwerk-Hardware ist für die Intel-Ingenieur ebenfalls kein Fremdwort. So findet derzeit einfach eine Verlagerung des Geschäfts beim Prozessor-Riesen statt. Vom Hersteller klassischer Desktop-Prozessoren zum Hersteller von Hardware für das Zeitalter, in dem Cloud Computing und Mobilrechner das Geschäft beherrschen.

Kommentare zu diesem Artikel

Kriselt es bei Intel? Der Chip-Hersteller macht keine großen Veranstaltungen, sondern arbeitet leise vor sich hin. Dabei gehen doch überall die PC-Verkaufszahlen zurück!

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  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Steckt Intel in der Krise?

    Cloud computing wird vor dem aus stehen wenn die Telekom Ihre drosselung Pläne durchsetzten kann.

    Cloud Computing wird aber nicht gleich vor dem Aus stehen, nur weil hierzulande die Breitbandanschlüsse gedrosselt werden. Und Intel sollte ja auch bekannt sein, dass es nicht nur einen deutschen Markt gibt... ;)
  • Unregistriert4711 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Steckt Intel in der Krise?

    .....und zum anderen hat der Redakteur wohl keine Nachrichten verfolgt. Cloud computing wird vor dem aus stehen wenn die Telekom Ihre drosselung Pläne durchsetzten kann.
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Steckt Intel in der Krise?

    Ich muss jetzt mal so dumm fragen: Was will uns der Artikel eigentlich sagen bzw. inwiefern soll er denn zum Diskutieren animieren? Zuerst wird die Frage in den Raum gestellt, ob Intel in der Krise steckt, weil die PC-Verkäufe zurückgehen, um es zum Schluss dann doch zu relativieren, indem gesagt wird, dass das wohl doch nicht der Fall ist, weil die Manager schon wissen, was sie tun, und der Konzern ja auch im Server-Bereich bestens vertreten sei. Dahinter kann man jetzt einen Punkt setzen. Deswegen erschließt sich mir nicht so ganz, wie das nun zum Diskutieren bewegen soll. ;)
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Kommentar: Steckt Intel in der Krise?
Kommentar: Steckt Intel in der Krise?
Intel protzt nicht, sondern arbeitet leise an seinen Produkten und Innovationen. Ist das schon ein erstes Zeichen für eine Krise beim Chip-Hersteller?
http://www.netzwelt.de/news/95735-kommentar-steckt-intel-krise.html
2013-04-26 17:15:55
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/intel-macht-nur-pc-prozessoren-bild-intel-18896.jpg
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