Warum es die Netzneutralität schon längst nicht mehr gibt

Netzneutralität: Der Trick mit dem Kleingedruckten

Als die Deutsche Telekom ankündigte, die beliebten Flatrates künftig gegen Verträge mit unterschiedlichem Datenvolumen zu ersetzen, war der Aufschrei groß. Dabei gibt es solche Einschränkungen nicht erst seit heute. Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt: Netzneutralität gibt es bei den meisten Anbietern nur gegen Aufpreis.

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Die Kooperation von Telekom und Spotify ist streng genommen eine Verletzung der Netzneutralität. (Bild: Screenshot Telekom.de)
Die Kooperation von Telekom und Spotify ist streng genommen eine Verletzung der Netzneutralität. (Bild: Screenshot Telekom.de)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Der Telekom-Spotify-Deal
  2. 2Vodafone: Mobiles Internet mit Peer-to-Peer-Verbot
  3. 3Daten-Pakete müssen nicht gleich schnell sein
  4. 4KabelDeutschland: Filesharing
  5. 5Fazit
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Der Telekom-Spotify-Deal

Bei der Deutschen Telekom können Mobiltelefonkunden bereits seit Monaten einen ganz besonderen Vertrag abschließen. Mit der Music Streaming Option können sie auf Songs von Spotify zugreifen, ohne dass der Datentransfer auf das Datenvolumen angerechnet wird. Und die Telekom bepreist hier Datenpakete abhängig von der Nutzungsart. Andere Mobilfunkanbieter haben solch exklusive Kooperation mit dem Musikdienst nicht. Das bedeutet, dass Spotify bei Telekom-Kunden einen deutlichen Marktvorteil gegenüber der Konkurrenz, wie Simfy oder Deezer, hat. Und die Telekom profitiert von Spotify-Nutzern, die auf ihre besonderen Konditionen aus sind.

Vodafone: Mobiles Internet mit Peer-to-Peer-Verbot

Wer sich tatsächlich einmal das Kleingedruckte seines Handyvertrags durchliest, kann zahlreiche Fallstricke entdecken: Zum Beispiel bei den obligatorischen Internettarifen mit Datenvolumen. Bei Vodafone Red M wird die größtmögliche Bandbreite mit 21,6 Mbit/s. angegeben. Ist das Inklusiv-Datenvolumen von 1 GB aber aufgebraucht, kriechen Nutzer nur noch mit mickrigen 32 kBit/s durchs Netz. Im Kleingedruckten von Vodafone Red M heißt es weiter: „Die Nutzung für Peer-to-Peer-Kommunikation ist nicht gestattet.“ Das bedeutet, dass Vodafone sich vorbehält, in die Datenpakete seiner Nutzer zu schauen und unliebsame Verbindungen zu untersagen oder zu drosseln. Rein technisch kann Vodafone also betreffende Dienste verbieten. Dafür können Vodafone-Red-Kunden gratis eine unternehmenseigene App namens joyn nutzen. In der Beschreibung heißt es: „joyn wird kontinuierlich weiterentwickelt und in Zukunft auch netzwerkübergreifend mit T-Mobile und O2 nutzbar sein.“ Dabei können andere Dienste längst mit allen Anbietern kommunizieren. Nur wollen die Anbieter von Mobilfunkverträgen eben auch ins Dienstleistungsgeschäft einsteigen.

Vodafone nimmt sich im Kleingedruckten einiges heraus in Bezug auf Peer-to-Peer-Verbindungen (Bild: Screenshot vodafone.de)
Vodafone nimmt sich in Bezug auf Peer-to-Peer-Verbindungen im Kleingedruckten einiges heraus. (Bild: Screenshot vodafone.de)

Doch nicht nur Peer-to-Peer wird eingeschränkt. In den Mobile Internet-Optionen heißt es etwa: „Sie dürfen die Optionen nur im Red M, L und Premium zum Telefonieren übers Internet (Voice over IP) nutzen.“ Im Klartext bedeutet das: Bei Vodafone Red S sind Internettelefonie wie beispielsweise Skype sowie Tethering verboten. Das kostet bei diesem Tarif nämlich nochmal extra.

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