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Jawbone Up: Das Fitness-Armband im Test
Ohne Kinderkrankheiten

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Das Jawbone Up-Armband zählt nicht nur die Schritte seines Trägers, sondern analysiert auch dessen Schlaf und lässt sich als Wecker verwenden. Alles mit dem Ziel, den Nutzer gesünder zu machen. Ein sinnvolles Konzept? Der netzwelt-Test verrät's.

Mit Up bringt Jawbone als erster Hersteller einen Fitness-Tracker im Armband-Format nach Deutschland. Mit der ersten Version des Produkts setzte Jawbone sich jedoch ordentlich in die Nesseln. Beim zweiten Versuch soll alles besser werden. Der netzwelt-Test zeigt, dass dies gelingt.

Seit Ende März ist Up in Deutschland erhältlich. Die Geschichte hinter dem Produkt ist jedoch schon um einiges älter. Bereits in 2012 warf Jawbone beziehungsweise Hersteller Aliph das Fitness-Armband auf den Markt, nur um es wenige Monate später wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Nutzer beklagten sich über unvollständige Ladevorgänge und plötzlich funktionsuntüchtige Modelle. Die verkauften Geräten gingen Retoure und nun gibt es ein neues Up, mit dem alles anders werden soll.

Das neue Up

Zum Launch betonte Jawbone-Vize Präsident Bandar Antabi gegenüber netzwelt die tausenden Stunden Tests, die in die neue Version von Up vor dem Release gesteckt wurden. In alle erdenkliche Richtungen habe man das Armband gezerrt und stundenlang mit Wasser übergossen, alles nur um die Stabilität von Up auf die Probe zu stellen.

Nach rund drei Wochen, die netzwelt mit dem Tracker im Armband-Format verbrachte, steht fest: Die Kinderkrankheiten hat Jawbone gekonnt ausgemerzt. Doch was bringt Up eigentlich?

Jawbone Up im Test

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Das Armband zählt die Schritte und misst die Schlafzyklen seines Trägers. (Bild: netzwelt)

Das kann Up

Bei dem Fitness-Armband handelt es sich im Wesentlichen um einen Schrittzähler. Integriert ist ein 3-Achsen-Beschleunigungssensor, der in Verbindung mit den Jawbone-Algorithmen die sogenannte Motion X-Technologie darstellt. Diese erkennt im Wesentlichen ob und wie viel sich der Anwender bewegt. Auf Basis dieser Informationen und der persönlichen Angaben des Nutzers zu Gewicht, Körpergröße, Alter und Geschlecht wird dann der Kalorienverbrauch geschätzt.

Auch über den Schlaf des Nutzers wacht Up. Trägt der Anwender das Armband nachts im Bett, analysiert dies die Bewegungen des Körpers und ermittelt so Tief- beziehungsweise Leichtschlafphasen. Vorausgesetzt der Nutzer sagt dem Tracker durch einen Knopfdruck, dass er sich nun hinlegt.

Up begleitet den Träger Tag und Nacht. (Quelle: Screenshot jawbone.com/up)

Angezeigt bekommt der Nutzer alle gesammelten Daten und nocht einiges mehr nicht auf dem Armband selbst, sondern in der zugehörigen App, die für iOS (ab Version 5.1) und Android (ab Version 4.0) bereitsteht. Die Kompatibilität garantiert Jawbone nur für die Geräte in dieser Liste.

Die Variante für das Google OS ist momentan nur in Englisch erhältlich und verfügt über kleinere Einschränkungen. So lässt sich der persönliche Fortschritt beispielsweise nicht außerhalb der Up-Community teilen und der persönliche Account sowie die gespeicherten Daten auch nicht löschen. Auch eine Desktop-Variante fehlt.

Hinweis: Inzwischen wurde die Up-App aktualisiert. Alle Neuerungen finden Sie an dieser Stelle.

So viel zur Theorie. Doch wie sieht der Alltag mit Up aus?

Der Alltag mit Up

Oberste Priorität bei einem "anziehbaren Computer" hat natürlich das Design. Nur wenn die Technik gut aussieht und in meinem Alltag nicht behindert, bin ich auch bereits es rund um die Uhr zu tragen. Hier kommen den Designern von Jawbone definitiv ihre 10-jährige Erfahrung in der Gestaltung von tragbarer Technik wie Headsets und Lautsprechern zu Gute.

Im Alltag fällt das Armband nicht störend auf.

Up gibt es in gleich acht verschiedenen Farben und ist von Weitem nicht von einem gewöhnlichen Armband zu unterscheiden. Drei unterschiedliche Größen stehen zudem zur Auswahl, sodass jeder ein für sein Handgelenk passendes Modell finden sollte. Durch das biegbare Material gelingt das An- und Ablegen ohne Probleme, die TPU-Gummi-Oberfläche liegt angenehm auf der Haut. Beim Testgerät zeigten sich lediglich an der Verschlusskappe von Up kleinere Abschürfungen des verarbeiteten Nylons. Nur ein Knopf befindet sich an dem Armband. Er ist wie das Label aus Plastik. Das Gewicht von 19 bis 23 Gramm - je nach Größe - fällt nicht weiter störend auf.

Tatsächlich hat Jawbone sein Ziel erreicht, Up so unauffällig zu gestalten, dass der Träger das Fitness-Armband vergisst. Ein großer Vorteil gegenüber Trackern in Clip-Form, die immer irgendwo angebracht werden müssen und drohen abzufallen. Up ist zum Glück auch wasserfest, sodass Nutzer das Armband auch beim Duschen oder beim Hände waschen nicht abnehmen müssen. Schwimmen mit Up geht allerdings nicht.

Gestört hat das Armband im Test nur in der Nacht oder besser gesagt am nächsten Morgen. Liegt der Träger nämlich auf dem Up hinterlässt der Tracker Druckstellen, die einen dazu veranlassen das Armband abzunehmen und sich sofort ausgiebig zu kratzen. Beim Sport stört das Armband glücklicherweise nicht - wenn man nicht gerade Volleyball spielt.

Tracker ohne Bluetooth

Ungewöhnlicherweise besitzt Up kein Bluetooth-Modul und das obwohl Hersteller Jawbone sein Geld normalerweise mit tragbaren Bluetooth-Lautsprechern und -Headsets verdient. Stattdessen besitzt das Armband einen Kopfhörer-Stecker, der in den entsprechenden Eingang des Smartphones gesteckt wird. Nur so lassen sich die Daten übertragen. Gegenüber netzwelt begründete Antabi diesen Schritt damit, dass man die Bedienung von Up so simpel und die Nutzung so energiesparend wie möglich halten wolle. Ebenfalls unerlässlich für den Datentransfer ist eine aktive Internetverbindung, denn alle Infos werden in der Cloud und nicht auf dem Smartphone gespeichert.

Durch das Fehlen von Bluetooth bedarf es im Alltag natürlich zwei, drei Handgriffe mehr, um Up mit dem eigenen Handy zu verbinden. Der Verzicht auf den Nahfunkstandard lässt sich aber auch als Vorteil werten, da nicht nur der Akku von Up sondern auch vom Smartphone geschont wird und das Armband nicht ständig im Pairing-Modus weilt. Der Akku von Up hält Jawbone zufolge zehn Tage, was sich im Test in etwa bestätigte. Geladen ist das Armband nach rund 80 Minuten.

Jawbone empfiehlt die Daten zwei Mal am Tag zu synchronisieren. Bis zu neun Monate speichert das Armband jedoch alle Schritte und Schlafzyklen.

Präzision

Die MotionX-Technologie bewirbt Jawbone als besonders akkurat. Sie soll das schaffen, woran viele Tracker scheitern: präzise Aussagen über den Bewegungsablauf des Trägers treffen. Problemlos sollen die Algorithmen unterscheiden können, ob sich der Anwender gerade bewegt, nur seinen Arm schüttelt oder lediglich in der U-Bahn sitzt.

Im Test zeigte der Tracker jedoch die gleichen Probleme wie die Konkurrenz von Fitbit und Nike. Während schnelle Armbewegungen durchaus als Täuschungsversuch gewertet und auch das Sitzen in einem Verkehrsmittel nicht mitgezählt werden, vermerkt Up bei langsam schwenkenden Armbewegungen dann doch Schritte. Darüber hinaus zählt der Pedometer recht großzügig, so werden aus acht leicht achtzehn Schritte.

Zur Verbesserung der Präzision liefert Jawbone einen Kalibrierungsmodus in der Up-App mit. Im Test verbesserte diese die Genauigkeit des Pedometers jedoch nicht. Die Angabe sollte also eher als Richtwert verstanden werden. Aussagekräftig sind die Daten - speziell langfristig gesehen - aber dennoch.

Wecker

Mithilfe der App lässt sich Up nicht nur als Schrittzähler sondern auch als Wecker und Stoppuhr einsetzen. Konfigurierbar ist beispielsweise ein Leerlauf-Alarm, der den Träger daran erinnert, dass er sich eine bestimmte Zeit lang nicht mehr bewegt hat. Jawbone zufolge ist es gesundheitlich nicht zuträglich länger als 15 Minuten in einer Körperhaltung zu verweilen, bemerkt Up eine länger andauernde starre Haltung - vor dem Computer beispielsweise - erinnert das Armband den Nutzer durch Vibration daran sich zu bewegen.

Außerdem soll sich das Armband durch die Schlafanalyse perfekt als morgendlicher Wecker eignen. Definiert der Nutzer ein Zeitfenster in dem er geweckt werden will, beginnt Up genau dann mit Vibrationen, wenn sich der Träger in einer Leichtschlafphase befindet. Jedenfalls theoretisch: In der Praxis scheint dies nur teilweise zu funktionieren, zwar weckt Ups vibrieren zuverlässig, besser fühlten wir uns beim Aufstehen dadurch aber nicht.

Ein Mond zeigt an, dass Up den Schlaf des Nutzers überwacht.

Big Data

Die Up-App ist eine wahre Datensammelmaschine. Hier können Nutzer persönliche Ziele für Schlaf und zurückgelegte Schritte festlegen oder sich einfach an den Vorgaben orientieren. Jawbone empfiehlt auf Basis der Weltgesundheitsorganisation WHO 10.000 Schritte pro Tag zurückzulegen und zwischen sieben und neun Stunden zu schlafen. Darüber hinaus lassen sich wie bei anderen Systemen auch Aktivitäten wie Sport festhalten, um die Genauigkeit des geschätzten Kalorienverbrauchs zu erhöhen sowie gegessene Nahrungsmittel zu archivieren.

Die Anwendung ist sehr übersichtlich und ansprechend gestaltet. Nutzer erhalten Angaben über ihre aktivste und inaktivste Zeit des Tages und können sich Trends über Wochen sowie Monate hinweg anzeigen lassen. Genial ist die Darstellung der Nährwerte einzelner Lebensmittel. So erhält der Anwender nicht nur Informationen über Kalorien einer Portion, sondern auch wie sich diese etwa in Zucker und Fett niederschlägt. Ernährungsbewusste Menschen bietet Up auch Verzehrvorgaben auf Basis der Empfehlungen des US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium. Wer will, kann das Gegessene gleich per Foto festhalten und mit Freunden in der Up-Community oder in der iOS-Version auch mit Facebook-Freunden teilen.

In der Up-App lassen sich auch Mahlzeiten mit einem Foto archivieren. (Quelle: Screenshot jawbone.com/up)

Das eigene Essverhalten mit Up im Blick zu behalten, bedeutet aber vor allem eins: Arbeit! Zwar hilft der überaus nützliche Barcode-Scanner dem Anwender dabei, Lebensmittel einzutragen. Essen das keinen Strichcode hat, muss aber natürlich manuell hinzugefügt werden. Die vorhandene Lebensmitteldatenbank in der App hilft hier nur bedingt, da sie noch nicht für Deutschland lokalisiert ist. Daher fehlen zahlreiche typisch deutsche Produkte wie zum Beispiel Vollkornbrot völlig.

Es heißt also fleißig sein und alle Ernährungsdaten nachtragen. Nach und nach baut der Nutzer so ein persönliches Archiv auf, wodurch die Zeit, die täglich für das Eintragen von Lebensmitteln aufgebracht werden muss, weniger wird.

Hinweis: Inzwischen hat Jawbone die Lebensmitteldatenbank besser lokalisiert. Die neue Beurteilung des Archivs finden Sie hier.

Gesundheitstipps 

Eine Funktion durch die sich Jawbone von der Konkurrenz abheben will sind die Gesundheitstipps, die in der App auftauchen. Dem Hersteller zufolge ist ein Team aus Analysten ständig dabei die riesigen Datenmengen, die der Hersteller von seinen Nutzer erhält, auszuwerten und sinnvolle Schlüsse aus ihnen zu ziehen.

Entsprechend erhält beispielsweise ein Anwender der es nicht schafft sein Schlafziel zu erreichen Tipps für gesunden Schlaf. Im Testzeitraum zeigten sich meist jedoch allgemeine, werbeorientierte Meldungen wie dass Träger eines Fitness-Armbands sich durchschnittlich mehr bewegen als andere Menschen oder das man sich besser fühlt, wenn man sich mehr bewegt und ähnliches. Jawbone zufolge soll die Individualität der Botschaften jedoch von Woche zu Woche zunehmen.

Fazit

Für faule Menschen ist Up nichts. Der Tracker erfordert Disziplin und Fleiß, da Details über Essen, Aktiviäten und Schlafgewohnheiten sich nicht von selbst eintragen. Lässt der Träger des Armbands dies schleifen, wird Up überflüssig und die 130 Euro, die das Armband kostet, verkümmern zu einer Fehlinvestition.

Jawbone verfolgt hier einen ganz anderen Ansatz als Nike mit dem FuelBand, das einfach funktioniert, dafür aber auch lediglich Schritte, Kalorien und eben Fuel anzeigt, was weniger aussagekräftig ist. Im direkten Vergleich ist das Jawbone Up die bessere Wahl, da es für nur fünf Euro mehr, zahlreiche Funktionen bietet, die beim Nike-Produkt fehlen.

Kostengünstigere Alternativen sind die zahlreichen Sport-Apps.

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Das Jawbone Up-Armband zählt nicht nur die Schritte seines Trägers, sondern analysiert auch dessen Schlaf und lässt sich als Wecker verwenden. Alles mit dem Ziel, den Nutzer gesünder zu machen. Ein sinnvolles Konzept? Der netzwelt-Test verrät's.

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Jawbone Up: Das Fitness-Armband im Test
Jawbone Up: Das Fitness-Armband im Test
Das Fitness-Armband Jawbone Up zählt nicht nur Schritte sondern will seinen Träger auch gesünder machen. Ob dies gelingt, zeigt der Test.
http://www.netzwelt.de/news/95576-jawbone-up-fitness-armband-test.html
2013-04-09 19:49:55
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