Sie sind hier:
 

Minicomputer: Android-HDMI-Sticks im Überblick
Vier Geräte unter der Lupe

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Klein, handlich, flexibel: Android-Rechner in Stick-Form bringen Internet und Apps auf den TV-Bildschirm. Was die Geräte leisten und für wen sich der Kauf lohnt.

Sie sind klein, bringen das Internet aufs TV-Gerät und spielen Netzwerkmedien ab: Android-Sticks mit HDMI-Anschluss wollen sich neben Mini-PCs und Media Playern als Abspielstationen im Heimnetzwerk etablieren. Netzwelt verrät, für wen sich der Kauf und Einsatz der Geräte lohnt.

Android ist ein echter Verwandlungskünstler. Das offene Linux-Betriebssystem steht nicht nur auf Smartphones zur Wahl, sondern zieht immer mehr auch ins Wohnzimmer ein. Eine der neuesten Transformationen stellen Android-HDMI-Sticks dar. Netzwelt hat vier dieser kleinen, handlichen Alleinunterhalter gestestet und stellt die wesentlichen Ergebnisse im Überblick dar.

Entertainer fürs Heimnetzwerk: Netzwelt hat vier Android-HDMI-Sticks getestet.

Hier gelangen Sie zu den Einzeltests der Geräte:

- TizzBird N1

- Hama Internet TV-Stick

- TVPeCee MMS-874.Dual-Core

- iMito MX1

Bei den Android-HDMI-Sticks handelt es sich um Minirechner, die meist nich viel größer sind als ein herkömmlicher USB-Stick. Sie besitzen einen HDMI-Anschluss und können damit einfach an moderne Flachbildfernseher angeschlossen werden, sofern diese mit einer solchen Schnittstelle ausgestattet sind. Der Vorteil: Dank eingebautem WLAN bringen die Sticks den Fernseher ins Internet. Interessant sind die Geräte also für all jene, die ein TV-Gerät mit HDMI-Anschluss, aber ohne Internetanschluss besitzen.

Stromversorgung

Die Sticks werden per USB-Anschluss mit Strom versorgt. Wenn solche Schnittstellen am TV-Gerät fehlen, nutzt man die beiliegenden Universal-USB-Netzteile, um den Sticks Energie zu spenden. Alle Geräte besitzen zudem einen weiteren USB-Anschluss. In den meisten Fällen dockt an dieser Stelle der Signalempfänger der Fernbedienung an - nur beim Internet TV-Stick von Hama steht eine Extra-Buchse für den Infrarot-Empfänger bereit.

Hersteller TizzBird TVPeCee Hama iMito
Name TizzBird N1 MMS.874.Dual-Core Internet-TV-Stick iMito MX1
Vertrieb Fachhandel Pearl Fachhandel Fachhandel
Betriebssystem Android 4.0 Android 4.1 Android 4.0 Android 4.1
Prozessor Cortex A5 Single-Core Cortex A9 Dual-Core Cortex A9 Single-Core Cortex A9 Dual-Core
Taktfrequenz 800 MHz 1,2 GHz 1 GHz 1,6 GHz
Auflösung 1080p 1080p 1080p 1080p
Anschlüsse 1 x USB-Host,
1 x Mini USB,
1 x microSD
1 x USB-Host,
1 x Micro USB
1 x microSD
1 x USB-Host,
1 x microSD,
1x Mini USB
1 x USB-Host,
1 x Micro USB
1 x Mini USB
1 x microSD
Bluetooth - - - ja
WLAN 802.11b/g/n
(brutto: 150 MBit/s)
802.11b/g/n
(brutto: 150 MBit/s)
802.11b/g/n
(brutto: 130 MBit/s)
802.11b/g/n
gemessener
Durchsatz
ca. 11,6 MBit/s ca. 11,8 MBit/s ca. 9 MBit/s ca. 16 MBit/s
Benchmark
AnTuTu
2.764 8.027 2.163 6.989
Abmessungen 75 x 23 x 15 mm 101 x 38 x 13 mm 80 x 34 x 16 mm 97 x 39 x 10 mm
Lieferumfang Fernbedienung (inkl. Batterien)
HDMI-Verlängerung
USB-Y-Kabel
Netzstecker
USB-Kabel
HDMI-Verlängerung
Netzstecker
USB-Kabel
Fernbedienung (inkl. Batterien)
IR-Empfänger
IR-Verlängerung
HDMI-Verlängerung
Netzstecker
USB-Kabel
HDMI-Verlängerung
Netzstecker
Preis ca. 100 Euro 100 Euro ca. 80 Euro ca. 50 Euro

Wer weitere Peripherie anschließen will, benötigt in der Regel einen USB-Hub. Eine Ausnahme stellt der Stick von Hama dar, weil der IR-Empfänger für die Fernbedienung über Miniklinke angeschlossen wird. Anders ist es auch beim TizzBird N1, da der Hersteller ein USB-Y-Kabel beilegt. Weil sich dieses Kabel auf der einen Seite in zwei USB-Schnittstellen aufspaltet, kann man den USB-Anschluss direkt ohne USB-Hub für weitere Peripherie nutzen - zum Beispiel für Festplatten, eine Tastatur oder Maus.

Android-Stick TizzBird N1

Bild 1 von 15
Der Android-HDMI-Stick TizzBird N1 kommt mit Fernbedienung, USB-Kabel für Stromversorgung, Netzteil. Eine Funktastatur mit Touch-Oberfläche ist separat erhältlich. (Bild: netzwelt)

WLAN-Unterstützung

Alternativ zu Festplatten kann man die Sticks aber auch per microSD-Karten mit Daten versorgen. Alle Geräte akzeptieren Karten mit bis zu 32 Gigabyte. Einfacher und komfortabler schickt man Bilder, Videos oder Musik per WLAN (2,4 GHz) Richtung Stick und Fernseher. Aber Vorsicht: Trotz Unterstützung des n-Standards und Brutto-Datenraten bis zu 150 Megabit pro Sekunde blieben bei den Testgeräten in der Praxis nur ein Bruchteil davon übrig.

Im Test maß netzwelt netto zwischen neun und 16 Megabit pro Sekunde, dabei befand sich das TV-Gerät einen Raum weiter entfernt vom WLAN-Router. Das reicht vielleicht noch aus für die Videowiedergabe von SD-Material, aber nicht für HD-Übertragungen. Deshalb ist anzuraten, den Router in der Nähe des Sticks aufzustellen oder den Durchsatz mit WLAN-Verstärkern zu verbessern. Auffallend war, dass bei Anschluss der Sticks an einem LC-Display weiter entfernt schon keine Internetverbindung mehr hergestellt werden konnte.

Chip-Ausrüstung 

Bei der Videowiedergabe von HD-Material in 720 und 1080p-Auflösung machten die Kandidaten mit Dual-Core-Chip eine bessere Figur, also der TVPeCee und der iMito MX1. Netzwelt empfiehlt deshalb bei der Wahl eines Android-HDMI-Sticks auf jeden Fall auf Zweikern-Unterstützung zu achten. Der TizzBird N1 und der Hama Internet TV-Stick sind nur mit einem Single-Core-Chip ausgerüstet.

Auf allen getesteten Geräten steht ein freier Browser zur Verfügung, mit dem man im Web surfen kann. Dabei muss nicht unbedingt der auf allen Sticks vorinstallierte Standard-Android-Browser genutzt werden. Ebenso kann die Wahl auf Browser-Surfapps wie Dolphin, Firefox oder auch Google Chrome fallen.

Hama Internet TV Stick im Test

Bild 1 von 11
Der Hersteller liegt dem Gerät eine HDMI-Verlängerung, eine Fernbedienung, Infrarot-Empfänger, USB-Universal-Netzteil, MicroUSB-USB-Kabel bei. (Bild: netzwelt)

Apps und Einkaufsläden

Natürlich stehen auch weitere Apps zur Auswahl wie man sie von Smartphones, Tablets oder den etablierten Smart TV-Herstellern kennt: Youtube, Facebook, Twitter, Spotify, Google Mail etwa, nur um einige Beispiele zu nennen. Android-HDMI-Sticks sind also auch für alle jene geeignet, die die App-Vielfalt des Google-Betriebssystems genießen wollen.

Zum Herunterladen der Anwendungen werden die Geräte mit Android-Einkaufsläden ausgerüstet. Am meisten Auswahl bietet der Google Play Store, der leider nicht auf allen Sticks zur Verfügung steht. Konkret: Der Shop fehlt auf dem Hama Internet TV-Stick, stattdessen stehen dort die weniger gut bestückten Einkaufsläden pdassi und AndroidPIT zur Verfügung. Auf dem TizzBird N1 wird der Google Play Store mit einem Firmware-Update aufgespielt. Beim Stick von TVPeCee und dem iMito MX1 ist die Software standardmäßig vorinstalliert.

Android-Stick TVPeCee von Pearl im Test

Bild 1 von 11
Pearl liefert ein USB-Kabel zum Anschluss an das ebenfalls beiliegende Netzteil mit. Die Funktastatur muss extra angeschafft werden. (Bild: netzwelt)

Installation von apk-Dateien

Wer es bequemer mag, sollte darauf achten, dass der Google Play Store auf dem Stick läuft. Denn der Einkaufsladen hält alle Anwendungen für den Fernseher bereit, die man auch vom Smartphone oder Tablet her kennt. Dazu zählt auch VideoOnDemand: Videos oder Filme können direkt vom Google Play Store auf den Fernseher gestreamt werden. Voraussetzung ist aber ein Google-Konto - nur mit zulässigen Benutzernamen und Passwort ist der Einkauf machbar. Kostenpflichtige Apps werden per Kreditkarte oder Mobilfunkrechnung bezahlt.

Wer in den alternativen Shop-Lösungen seine Wunsch-App nicht findet, kann als Alternative im Netz nach sogenannten apk-Dateien suchen. Das sind die Installationsdateien der jeweiligen Programme. Die Suche gestaltet sich aber bisweilen recht mühsam, weil die Quellen nicht immer seriös sind. Als Anwender ist deshalb anzuraten, die Quellen mit einem Android-Virenscanner zu untersuchen. Auch auf die Berechtigungen, die die App bei der Installation einfordert, gilt es einen Blick zu werfen: Wenn zum Beispiel eine Spieleapp auch SMS versenden will, könnte das ein Hinweis auf einen Trojaner sein.

Spielen und AirPlay

Gaming ist mit allen getesteten Sticks möglich, allerdings ist die Steuerung auf die Touch-Oberfläche von Smartphones und Tablets optimiert. In der Praxis sind deshalb viele Spiele nur bedingt unterhaltsam auf dem Fernseher. Am meisten Spielspaß ist mit herkömmlicher Maus und Tastatur garantiert. Eine kleinere und empfehlenswerte Alternative für die Wohnzimmer-Steuerung sind Tastaturen mit Touch-Oberfläche, wie sie optional für den Pearl-Stick oder den TizzBird N1 erhältlich sind. Eine weitere Alternative könnten Extra-Controller für Android sein; allerdings haben wird diese im Zusammenhang dieser Testreihe nicht getestet.

Der TVPeCee war der einzige Stick im Test, der ab Werk als AirPlay-Empfänger ausgerüstet ist. Damit ist es möglich, Bilder, Musik oder Fotos per WLAN auf das Fernsehgerät von einem Apple-Smartphone oder -Tablet zu streamen. Dafür zuständig ist die App AirPlay DMR auf dem Stick von Pearl. Auf den anderen Geräten kann die Software nachträglich installiert werden - sie steht in einer Lite-Variante kostenlos zur Verfügung.

Android-Stick iMito MX1 im Test

Bild 1 von 9
Der Stick wird mit Micro-USB-Kabel geliefert. Nicht im Bild: die HDMI-Verlängerung und ein Universal-USB-Netzteil, die ebenfalls mitgeliefert werden. (Bild: netzwelt)

Lieferbarkeit

Auch Android-Smartphones und -Tablets dienen bei Bedarf als Multimedia-Lieferanten - etwa mit der App Bubble UPnP. Sie streamt Dateien vom mobilen Endgerät auf den Fernseher, kann aber auch auf andere UPnP-fähige Geräte im Netzwerk zugreifen und Freigaben an die Sticks weiterleiten. Wer mit Bubble UPnP nicht zurechtkommt, findet in den Shops auch einige Alternativen. Mit den Sticks ist man also gut bedient, wenn man etwa Freunden und Bekannten seine Urlaubsfotos auf den Fernseher zeigen will - egal ob vom mobilem Apple- oder Android-Gerät.

Der Hama Internet TV-Stick, der TVPeCee und der TizzBird sind im Fachhandel oder bei Pearl (TVPeCee) zu erwerben. Der iMito MX1 ist über Plattformen wie dx.com oder per Ebay zu beziehen. Mit einem Preis von rund 50 Euro ist der Stick der günstigste im Test. Die anderen Geräte kosten zwischen 80 und 100 Euro.

Fazit

Android-HDMI-Sticks sind wegen ihrer Größe und ihres geringen Gewichtes gut geeignet für den mobilen Einsatz. Außerdem dürften Android-Fans ihren Spaß an den Minirechnern haben. Wer zudem einen älteren Flachbildferneher mit Internet versorgen möchte und nicht auf HD-Streaming setzt, könnte mit den Geräten ebenfalls warm werden.

Eine Fallstricke bei den getesteten Geräten sind die WLAN-Antennen, die anscheinend schlecht verbaut sind. Der Durchsatz lässt deshalb zu wünschen übrig. E-Mail schreiben, Musikstreaming, Facebook & Co. sind aber ohne Probleme möglich. Eine Krücke stellen die Fernbedienungsvarianten für die Sticks dar: Die Touch-Oberflächen von Android-Smartphones und -Tablets können Sie einfach nicht ersetzen.

Über weitere Android-Sticks für die Hosentasche können Sie sich hier auf netzwelt informieren.

Kommentare zu diesem Artikel

Klein, handlich, flexibel: Android-Rechner in Stick-Form bringen Internet und Apps auf den TV-Bildschirm. Was die Geräte leisten und für wen sich der Kauf lohnt.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
37614
Minicomputer: Android-HDMI-Sticks im Überblick
Minicomputer: Android-HDMI-Sticks im Überblick
Die Geräte dienen als Abspielstation fürs Heimnetzwerk und für unterwegs. Netzwelt verrät, für wen sich der Kauf und Einsatz lohnt.
http://www.netzwelt.de/news/95556-minicomputer-android-hdmi-sticks-ueberblick.html
2013-04-04 16:27:41
News
Minicomputer: Android-HDMI-Sticks im Überblick