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Weltweit größte DDoS-Attacke: Angriff gegen Spamhaus verlangsamt Internet
Cyberkrieg

von Stephan Porada Uhr veröffentlicht

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Die DDoS-Attacke gegen die Antispam-Organisation Spamhaus hat weltweit den Datenverkehr beeinträchtigt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bezeichnet den Angriff als größten seiner Art. Gizmodo hat nun widerlegt, dass das Internet verlangsamt wurde.

Eine groß angelegte Hackerattacke auf die Antispam-Organisation Spamhaus soll weltweit den Datenverkehr behindert haben. Die DDoS-Angriffe starteten, als die Organisation einen bestimmten Provider auf seine Blacklist setzte. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bezeichnet den Angriff als größten seiner Art. Gizmodo hat nun widerlegt, dass das Internet durch die Attacke verlangsamt wurde.

Weltweit soll der Datenverkehr beeinträchtigt gewesen sein. (Quelle: sxc.hu // Enzo Forciniti)

Das Update vom 28. März finden Sie am Ende des Artikels.

Die DDoS-Attacken richteten sich gegen die die DNS-Server der Antispam-Organisation. Das Domain Name System wandelt Webseitennamen in die dazugehörigen eindeutigen IP-Adressen um und leitet die Nutzer so zur entsprechenden Seite weiter. Die Angreifer initiierten unzählige Anfragen an die Server und erzeugten dadurch jede Menge Datenverkehr, den Spamhaus bewältigen musste. Zu Spitzenzeiten mussten die Server laut Ars Technica eine Datenflut von 300 Gigabit pro Sekunde bewältigen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bezeichnete den Angriff gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als "bisher massivsten Angriff dieser Art". Auch BBC spricht von der bis dato weltweit größten DDoS-Attacke und beruft sich auf Experten von Arbor Networks.

Selbstjustiz

Als Auslöser für die Attacken gilt laut Medienberichten eine Antispam-Maßnahme der Organisation gegen einen niederländischen Anbieter von Speicherplatz. Laut der New York Times setzte Spamhaus den Provider Cyberbunker auf seine Blacklist, da dieser einen Kunden hat, der Spam-Mails verschickt. Nach eigenen Angaben hat der besagte Kunde des Providers aber keine solche Nachrichten verschickt und sieht sich selbst als Opfer.

Als Reaktion auf die Indexierung haben sich darauf mehrere Kunden von Cyberbunker in einem Chatroom getroffen und am 19. März mit den DDoS-Attacken gegen Spamhaus begonnen. Der Provider Cyberbunker ist dafür bekannt, dass er seine Dienste eher zwielichtigen Unternehmen zur Verfügung stellt. Auf der Website des Unternehmens heißt es, dass sie alle Daten "außer Kinderpornografie und alles mit Bezug zum Terrorismus" beherbergen.

Der Cyberbunker-Betreiber Sven Olaf Kampihus sieht sich zurzeit laut Spiegel Online als eine Art Sprecher der zusammengeschlossenen Hacker und verteidigt deren Vorgehen: "Niemand hat Spamhaus dazu ermächtigt, zu bestimmen, was im Internet erlaubt ist und was nicht", sagte er gegenüber der New York Times. Nach seiner Ansicht missbraucht Spamhaus seine Macht, gefährdet das freie Internet und die Netzneutralität.  

Weltweiter Datenverkehr behindert

In einem offiziellen Blogeintrag erklärt Spamhaus, dass die Attacken gegen die Organisation nicht nur dem eigenen Dienst schaden, sondern auch andere Teile des Internets betreffen. Grund hierfür ist der klassische Flaschenhalseffekt: Die Angreifer haben mit ihrer DDoS-Attacke ein so hohes Datenaufkommen an infrastrukturellen Knotenpunkten des Internets produziert, dass andere Daten weniger schnell verarbeitet werden konnten. Somit soll ein Kollateralschaden entstanden sein, der sich an einigen Punkten weltweit in Form von verlangsamtem Datendurchsatz bemerkbar machte.

Die Organisation erklärt außerdem, dass die Attacken zurzeit noch andauern, in der Intensität aber zurückgegangen seien. Die Website von Spamhaus war trotz der Attacken die meiste Zeit erreichbar, da sie Unterstützung von Unternehmen wie Google bekommen hatte, um die Flut von Anfragen zu bewältigen.

Update 28. März: Keine Verlangsamung des Internets

Das Online-Magazin Gizmodo hat Nachforschungen bezüglich der behaupteten Verlangsamung des Internets angestellt und diese widerlegt. Der Datendurchsatz von 300 Gigabit sei für Internetknoten viel zu gering, als das dessen Datendurchsatz verlangsamt werden oder gar zusammenbrechen könnte. Der größte deutsche Knotenpunkt dieser Art verarbeitete beispielsweise 1,5 Terabit pro Sekunde.

Kommentare zu diesem Artikel

Die DDoS-Attacke gegen die Antispam-Organisation Spamhaus hat weltweit den Datenverkehr beeinträchtigt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bezeichnet den Angriff als größten seiner Art. Gizmodo hat nun widerlegt, dass das Internet verlangsamt wurde.

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Weltweit größte DDoS-Attacke: Angriff gegen Spamhaus verlangsamt Internet

    ... doppelte Verneinung ... Danke für den Hinweis. Wurde korrigiert.
  • Kuerasser schrieb Uhr
    AW: Weltweit größte DDoS-Attacke: Angriff gegen Spamhaus verlangsamt Internet

    Flachschädel (total behämmert) können nichts anderes als Chaos und Schrecken zu verbreiten. Zeugt von totaler sozialer Inkompetenz.

    Ich habe meinen Spamfilter so eingerichtet, dass ich immer über Datenmüll informiert werde. Selbst den Mails, die es in mein normales Postfach schaffen, misstraue ich.

    Allerdings, es gibt Uaser, die klicken alles an, was kommt, egal ob es ihr "Todesurteil" enthält oder nicht.

    Es heisst immer Internet 2.0, also muss es auch heissen Gehirn 3.0 einschalten. Der Jenige der vor dem Computer sitzt ist die grösste Schwachstelle im System. Darauf haben es die Megaspammer abgesehen. Ohne Klicks auf ihre Spammails verdienen sie nichts, alsio, je weniger Spammails angeklickt werden, desto weniger verdienen die Spamer und desto sicherer ist mein PC, Notebook, Netbook, etc.
  • gast12321 schrieb Uhr
    AW: Weltweit größte DDoS-Attacke: Angriff gegen Spamhaus verlangsamt Internet

    "Gizmodo hat nun widerlegt, dass das Internet durch die Attacke nicht verlangsamt wurde." = doppelte Verneinung Richtig wäre wohl: Gizmodo will nun widerlegt haben, dass das Internet durch die Attacke verlangsamt wurde.

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Weltweit größte DDoS-Attacke: Angriff gegen Spamhaus verlangsamt Internet
Die DDoS-Attacke gegen Spamhaus soll weltweit den Datenverkehr beeinträchtigt haben.
http://www.netzwelt.de/news/95537-weltweit-groesste-ddos-attacke-angriff-gegen-spamhaus-verlangsamt-internet.html
2013-03-28 17:58:57
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/weltweit-datenverkehr-beeintraechtigt-gewesen--bild-sxchu--enzo-forciniti-18642.jpg
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