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Tolino Shine im Test
Mit gewissen Limitierungen

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Gleich vier deutsche Buchhändler und die Deutsche Telekom stehen hinter dem Tolino Shine. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen - eigentlich. In der Praxis schwächelte die Software des E-Readers dann doch hier und da, was die Freude über das günstige Angebot schmälert.

Eine überraschende Info gleich vorweg: Auch wenn der Tolino Shine von Club Bertelsmann, Thalia, Hugendubel und Weltbild in Kooperation vertrieben wird, muss sich der Käufer für einen Online-Shop entscheiden. Je nachdem bei welchem Shop der E-Reader bestellt wird, ist mit dem zugehörigen E-Book-Shop auf dem Gerät vorlieb zu nehmen. Ein kurzfristiger Wechsel zwischen Weltbild und Thalia beispielsweise ist nicht möglich. Das netzwelt-Testgerät läuft mit dem Online-Shop von Club Bertelsmann.

Ein Shop pro Reader

Die durch die Werbung suggerierte Auswahl zwischen gleich vier großen Buchhandelsketten ist tatsächlich nur über den Umweg Browser nutzbar. Mit diesem lässt sich im Netz surfen und eben auch auf andere E-Book-Shops oder kostenlose Alternativen zugreifen. Für lange Surfsessions ist er aber nicht geeignet. Allerdings ist eine mit einem Smartphone vergleichbare Geschwindigkeit bei einem E-Reader, auch generell nicht zu erwarten.

Tolino Shine im Test

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Einrichten lässt sich auf dem Reader nur der Onlineshop des Buchhändlers, bei dem der Tolino gekauft wurde. (Bild: netzwelt)

Während des Tests machte sich die Festlegung auf einen E-Book-Shop nicht negativ bemerkbar, denn jeder der genannten Buchhändler hat für sich genommen ein so großes Sortiment, das keine Lücken zu finden waren. Alle aktuellen Spiegel-Bestseller waren in jedem Angebot zu finden. Also keine Sorge, Sie sollten trotzdem alles finden, was Sie suchen.

Beim Online-Shop von Bertelsmann müssen Sie sich allerdings auf Wartezeiten gefasst machen. Auch eindeutige Suchanfragen dauerten im Test schnell über 30 Sekunden. Der verbaute 800 Megahertz-Prozessor hat mit dem Durchforsten des Sortiments, offenbar gut zu tun. Außerdem lassen sich Suchanfragen nicht einschränken, sodass immer nach Titel und Autor gleichzeitig gesucht wird - umständlich!

Nur drei Formate lesbar

Als problematisch erwies sich im Test die Limitierung der unterstützten Formate. Zwar kann der Tolino Shine das gängige EPUB-Format auslesen, davon abgesehen lassen sich aber nur TXT- und PDF-Dateien öffnen. Kein Vergleich zu Kompatibilitätskünstlern wie dem Pocketbook Basic New. Zumal der PDF-Lesemodus spärlich ist.

Zwar lässt sich in ein Dokument hineinzoomen und der Text per Finger stufenlos verschieben, wodurch die Lesbarkeit gewährleistet wird, mühsam ist es aber doch, bei jeder Seite wieder die gleichen Konfigurationen vorzunehmen. Eine Ausweichmethode wie ein PDF-Reflow-Modus fehlt völlig. Stattdessen lässt sich der Inhalt eines PDF- in eine TXT-Datei extrahieren.

Das Lesen dieser macht jedoch ebenfalls keinen Spaß. Denn Absätze fallen völlig weg und Fußnoten werden in den Fließtext gezogen. Die Funktion ist also unbrauchbar. Bei der Darstellung von regulären TXT-Dateien wiederum, werden Umlaute nicht erkannt.

Gute Anzeige

Die Darstellung von EPUBs klappte glücklicherweise problemlos und da die meisten E-Books in diesem Format vorliegen, ist dieser Lesemodus natürlich auch der wichtigste. Im Vergleich zu anderen E-Readern sind jedoch auch hier die Funktionen begrenzt.

Die EPUB-Darstellung gelingt dem Tolino Shine fehlerlos.

So ist es nicht möglich, Wörter zu markieren, in einem Lexikon nachzuschlagen oder Notizen hinzuzufügen. Lediglich die Schriftart und -größe lässt sich in sechs beziehungsweise sieben Stufen variieren. Wer will kann zudem nach bestimmten Wörtern suchen, seinen Lesefortschritt bei Facebook teilen und Lesezeichen festsetzen.

Die Anzeige der Schrift auf dem sechs Zoll großen E-Ink-Display gelingt bei einer Auflösung von 1.024 x 758 Pixeln überwiegend makellos. In seltenen Fällen traten im Test Verwaschungseffekte auf. An manchen Stellen wirkte die Darstellung so als sei dem E-Reader die digitale Tinte ausgegangen. Der Lesefluss wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Zudem lässt sich der Aktualisierungszyklus des E-Ink-Displays nicht beeinflussen. Standardmäßig erfolgt ein komplettes Auffrischen nach jeder Seite. Der Akku lässt sich so nicht wirklich schonen. Bei kompletter Ladung reicht dieser dem Hersteller zufolge jedoch sieben Wochen.

Grundsätzlich lässt sich gut auf dem E-Reader lesen. Das Umblättern gelingt flüssig und auch sonst reagiert der Touchscreen schnell auf Fingereingaben. Das Gerät liegt dabei gut in der Hand und fühlt sich angenehem an. Die Verarbeitung ist gut gelungen. Die Oberfläche des Plastiks ist leich gummiert, wodurch der Tolino auf dem Tisch nicht wegrutscht und griffig ist. Mit 175 x 116 x 9,7 Millimetern hat der Tolino eine gewohnte Größe. Das Gewicht von 183 Gramm fällt im Alltag nicht negativ auf.

Beleuchtung

Beworben wird ins Besondere die Beleuchtungsfunktion des Tolino Shine. Tatsächlich ist das Angebot von Bertelsmann und Co. mit 99 Euro im Vergleich zur Konkurrenz unschlagbar günstig. Alle anderen E-Reader mit integrierter LED-Beleuchtung kosten um die 130 Euro. Wie bei vielen anderen leuchtenden Lesegeräten macht sich jedoch auch hier die bekannte Schattenproblematik am unteren Rand bemerkbar. So gravierend wie beim Kindle ist sie allerdings nicht. Das Licht fällt verhältnismäßig gleichmäßig und befindet sich mit dem sehr guten "Comfort Light" des Kobo glo auf Augenhöhe. Der Ein- und Ausschalter des Lichts hatte im Test allerdings des Öfteren Aussetzer.

Jedem, der sich vor allem auf die Beleuchtung des E-Readers freut, sei jedoch gesagt: Das Licht zerstört das analoge Lesegefühl. Die Augen sind also viel schneller angestrengt als ohne Beleuchtung.

Die Telekom Cloud liefert Tolino-Nutzern 25 Gigabyte Speicher. (Quelle: Screenshot/ebs08.telekom.de)

Hot Spots und Cloud

Durch die Partnerschaft mit der Deutschen Telekom erhalten Nutzer des Tolino Shine Zugang zu rund 11.000 Hotspots des Netzbetreibers. Ein echter Vorteil, um das eingebaute WLAN-Modul so richtig auszunutzen. Die 25 Gigabyte an Cloud-Speicher, die dort zur Verfügung stehen, bringen dem Anwender aber wieder nicht so viel.

Der Tolino selbst ist mit zwei oder vier Gigabyte Speicherkapazität erhältlich und lässt sich mit MicroSD-Karte um bis zu 32 Gigabyte erweitern. Da schon dies alleine für mehrere tausen Bücher reicht, ist der zusätzliche Cloud-Speicher für Bücher nicht wirklich notwendig und für andere Dateien lässt er sich nicht gebrauchen.

Zugreifen können Nutzer auf den Speicher über den Tolino, den angebundenen Online-Shop oder die zugehörigen Reader-Apps. Auch bei den nutzbaren Anwendungen besteht jedoch keine freie Wahl. Es muss die App verwendet werden, die vom Anbieter des Online-Shops stammt.

Aktuelle Preise
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netzwelt
6.3
Tolino Shine
Vorteile
  • gutes Display
  • Frontbeleuchtung
  • Nutzung der Telekom-Hotspots
Nachteile
  • nur wenige Dateiformate werden unterstützt
  • kein PDF-Reflow-Modus

Günstige Leuchte

Können Sie auf Notizen und Lexika in Ihrem E-Reader verzichten und stören sich auch nicht daran, lediglich EPUBs einwandfrei lesen zu können? Dann könnte der Tolino Shine der richtige für Sie sein. Besonders wenn Sie auf der Suche nach einem günstigen Reader mit Beleuchtung sind. Wer diese Fragen für sich nicht klar beantworten kann, sollte in die Kaufberatung schauen. Aber überprüfen Sie vor dem Kauf genau, ob Sie das Rundumpaket aus Online-Shop und Reader-App von Thalia, Weltbild, Hugendubel oder Club Bertelsmann am besten finden und kaufen Sie den Reader dort. Wie gesagt, ein nachträglicher Wechsel zwischen den Sortimenten ist nicht möglich. Wer sich mit den Limitierungen des Tolino Shine nicht zufrieden geben will. Der findet in unserem Vergleichstest geeignete Alternativen.


Einzelergebnisse
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Design/Verab.
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Anzeige
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E-Book-Store
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Bedienung
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Software
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Einsortierung
Tolino Shine von Deutsche Telekom wurde als E-Book Reader abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten E-Book-Reader 2012/2013". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Digitalkamera, Mobile Computing, Deutsche Telekom, E-Book, E-Book Reader, Bertelsmann, Cloud Computing, Weltbild, Review, thalia, Hugendubel und Tolino Shine .
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37567
Tolino Shine im Test
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Der Tolino Shine schneidet im Test gut ab. Einige wichtige Funktionen fehlen jedoch.
http://www.netzwelt.de/news/95504-tolino-shine-test.html
2013-03-27 17:47:29
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/tolino-shine-produktbild-114914.jpeg
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