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Gears of War: Judgment im Test
Klasse Multiplayer und eintönige Kampagne

von Thomas Freund Uhr veröffentlicht

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Lohnt sich der Kauf vom neuen Gears of War: Judgment? Netzwelt hat den Titel ausgiebig getestet und ist geteilter Meinung.

Während Epic Games mit dem kommenden Titel Fortnite alle Hände voll zu tun hat, kümmert sich erstmalig der Entwickler People Can Fly um den neuesten Gears of War-Ableger. In Judgment werden die Ereignisse näher beleuchtet, die 15 Jahre vor dem ersten Gears of War-Teil stattfanden. Netzwelt verrät, für wen sich die Reise in die Vergangenheit lohnt und wer die Finger vom Shooter lassen sollte.

In Judgment sind die Umstände ein wenig anders, statt wie serientypisch mit Marcus Fenix oder Dominic Santiago unzählige Alien-Locust über den Haufen zu schießen, wird die Geschichte aus der Sicht von vier verschiedenen Charakteren erzählt. Auch der ursprüngliche Entwickler Epic Games hat den Kriegsschauplatz geräumt und überlässt dem 2007 aufgekauften Studio People Can Fly das Ruder. Die polnische Software-Schmiede wurde durch den Ego-Shooter Painkiller bekannt und veröffentlichte zuletzt die abgedrehte Ballerorgie Bulletstorm, die spielerisch überzeugen konnte, aber von vielen Konsumenten größtenteils ignoriert wurde.

Kilo Squad vor Gericht

Die Story von Judgment ist schnell erzählt: Colonel Ezra Loomis erhebt Anklage gegen das Kilo Squad, bestehend aus Damon Baird, Augustus "Cole Train" Cole, Sofia Hendrik und Garron Paduk, nachdem die besagte Einheit in Halvo Bay illegal angeeignete Militärtechnologie gegen die Locust einsetzte. In vier Kapiteln, die aus sechs bis acht Abschnitten bestehen, lassen sich die Aussagen der einzelnen Charaktere nachspielen, Spieler schlüpfen dabei abwechselnd in die Rolle der vier angeklagten Gears. Das fünfte Kapitel startet dann direkt im Gerichtssaal und so dürfen Spieler als Baird noch sieben Abschnitte in der virtuellen Gegenwart erkunden.

Was sich relativ spannend liest, wurde leider unspektakulär in Szene gesetzt. Jede der 42 Missionen verläuft nach dem gleichen Schema: Die vier Gears betreten eine Arena-artige Karte, Locust kommen, Chaos herrscht. Nach dem bluttriefenden Gemetzel, was in der Regel zwischen fünf und 15 Minuten dauert, warten die drei virtuellen Kollegen am Ausgang auf die nächste Arena, die wieder ähnlich abläuft. Hier und da gibt es einige wenige Variationen, manchmal muss - wie im Horde-Modus von Gears of War 3 - eine Stellung befestigt werden. Für diesen Zweck können automatische Geschütztürme in der Arena platziert werden. Außerdem lassen sich mit dem neu eingeführtem Crossbow explosive Stolperdraht-Fallen auf der Karte verteilen. Aber auch das bestärkt das Gefühl, eine Aneinanderreihung von Multiplayer-Karten mit leblosen Bots zu spielen.

Grafik und Steuerung auf hohem Niveau

Auch wenn die Einzelspieler-Kampagne recht abwechslungsarm daherkommt, Spaß machen die blutig in Szene gesetzten Gefechte allemal. Gears of War hat sich noch nie so gut gesteuert und sah nie besser aus. Die schlauchartigen Levels der Vorgänger wurden abgeschafft und sind gut ausbalancierten Arena-Levels gewichen, die vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden, dem Spieler eine gewisse Strategie abverlangen. Hinzu kommt, dass sich die Missionen selbst nach mehrmaligem Durchspielen immer wieder frisch anfühlen, denn ähnlich wie in Left 4 Dead gibt es in Judgment einen "AI Director", also eine künstliche Intelligenz, die das Gegneraufkommen und -verhalten individuell steuert.

Für Abwechslung sorgen außerdem die "deklassifierten Missionen". Vor dem Beginn eines jeden Spielabschnitts können Spieler diese anwählen und verändern. Durch die sogenannte "Deklassifizierung" müssen sich die Gears stärkeren Gegnern aussetzen oder in einigen Fällen sogar ihr Waffenrepertoir drastisch einschränken - also zum Beispiel eine Mission allein mit Boltok-Pistolen abschließen. In einigen Fällen sorgt die "Deklassifierung" auch dafür, dass die Mission scheitert, wenn diese nicht innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit beendet wird.

Darf es ein wenig anspruchsvoller sein?

"Deklassifierte Missionen" sorgen neben einer höheren Herausforderung auch für einen deutlich schnelleres Anwachsen der neu eingeführten Stern-Anzeige. In jedem Level können maximal drei Sterne gesammelt werden. Durch außergewöhnliche Kills wächst die Anzeige, geht der Spieler allerdings zu Boden, schrumpft diese. Die Stern-Anzeige verleiht dem Third-Person-Shooter einen gewissen Arcade-Charme, außerdem lässt sich das "Nachspiel" freischalten.

Im Nachspiel, einer zusätzlichen Kampagne, die augenscheinlich von Epic Games entwickelt wurde, wird eine bisher unbekannte Episode aus der Zeit von Gears of War 3 erzählt, bei der sich die Spieler auf die Rückkehr bekannter Gesichter freuen dürfen. Das Nachspiel kommt ohne Punktejagd und Arena-System daher und wird vor allem Serien-Veteranen gefallen, da es sich wie eine echte Gears of War-Kampagne spielt. Allerdings ist diese mit einer Spielzeit von einer Stunde sehr kurz ausgefallen.

Mehrspieler-Modus kann begeistern

Neben der fantastischen Grafik und der flüssigen Bedienbarkeit ist der Mehrspieler-Modus von Judgment Grund genug, um eine klare Kaufempfehlung auszusprechen. Insgesamt sechs verschiedene Spielarten werden geboten, die auf acht Karten ausgeübt werden können. Neben klassischen Modi wie Death Match, Team Death Match und Überleben gibt es auch einen komplett neuen Modus namens Overrun. In dieser Spielart treten die Teams abwechselnd als KOR-Soldaten oder Locust an und müssen bestimmte Ziele verteidigen beziehungsweise zerstören. Neu ist auch das Klassensystem, bei dem Spieler vor dem Beginn einer Mehrspieler-Partie zwischen den Gattungen Pionier, Soldat, Späher und Sanitäter auswählen dürfen.

Alle Gattungen kommen mit unterschiedlichen Aufgaben und Waffen daher, damit wollte der Entwickler vermutlich den sehr dominanten Einsatz der Gnasher-Shotgun in den Vorgänger-Spielen einschränken - was nicht ganz geklappt hat. Noch immer ist die Gnasher auf den Servern das beliebteste Zerstörungswerkzeug.

"Nur noch ein Levelaufstieg, bitte!"

Gut geeignet für Mehrspieler-Partien ist auch die sonst arg eintönige Einzelspieler-Kampagne. Gleich vier Mitspieler können den Story-Modus gemeinsam erleben und dabei auf Punktejagd gehen. Neu sind dabei sogenannten Preiskisten, die im Hauptmenü eingelöst werden können und für Kills, Bänder und Levelaufstiege verliehen werden. In den meisten Fällen beinhalten dieses suchterzeugenden Goodies zusätzliche Erfahrungspunkte, Waffen- und Panzerungs-Skins.

Fazit

Der Serienableger Judgment kann vor allem durch Grafik, Steuerung und den Mehrspieler-Modus überzeugen. Einzelgänger, die eine Bombast-Kampagne wie in der Gears of War-Trilogie erwarten, werden jedoch enttäuscht und sollten einen großen Bogen um den Titel machen. Offline-Spieler, die ab und zu mit Freunden auf einem geteilten Bildschirm spielen, können getrost einen Blick riskieren. Online-Spieler und Serienfans können den Titel blind kaufen.

Gears of War: Judgment ist ab sofort exklusiv für Xbox 360 erhältlich. Trotz extrem drastischer Gewaltdarstellungen erscheint der Titel hierzulande ungeschnitten.

Weitere Spieletests finden Sie hier auf netzwelt.

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