Sie sind hier:
  • Gaming
  • eSports: Eine Herausforderung, die verbindet
 

eSports: Eine Herausforderung, die verbindet
Intel Extreme Masters

von Stephan Porada Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Titel wie Starcraft 2: Heart of the Swarm begeistern weltweit tausende von Menschen für den eSport. Doch was macht den digitalen Wettkampf mittels eines Computerspiels so besonders? Für Profispieler wie Dennis "mouzHasuObs" Schneider ist es vor allem die Herausforderung des Spiels selber.

Der eSport begeistert weltweit hunderttausende von Menschen für Wettkämpfe, die mit Tastatur und Maus ausgetragen werden. Für Außenstehende wirkt das relativ neue Phänomen befremdlich. Doch für den professionellen Starcraft 2-Spieler Dennis "mouzHasuObs" Schneider ist es vor allem die Herausforderung des Spiels, die den eSport so besonders mache.

Fans des eSports bei den Intel Extreme Masters auf der Cebit.

Halle 23 der CeBIT ist anders: Sie ist dunkel, laut und lebhaft. Jedem, der das knapp zwei Fußballfelder große Gebäude betritt, schwingt sofort eine elektrisierende Mischung aus Stimmengewirr, treibender Musik und das Jauchzen und Stöhnen der Fans entgegen. Diese sitzen vor einer der zwei großen Bühnen, die den Raum dominieren. Konzentriert verfolgen die Fans die Wettkämpfe auf den Leinwänden.

Gespielt wird Starcraft 2: Heart of the Swarm ein Echtzeitstrategiespiel, in dem zwei Spieler im strategischen Wettbewerb gegeneinander antreten. Zunächst wählen sie ein Volk, das sie dann mittels Tastatur und Maus auf dem digitalen Schlachtfeld zum Sieg führen. Im Sekundentakt wird geplant, gebaut, gespäht und gekämpft.

Koreanische Starcraft 2-Profispieler auf der Wettkampfbühne.

Wie beim Klavierspielen fliegen die Finger über die Tastatur, während der Mauszeiger präzise auf das Ziel zusteuert. Jeder Tastendruck und jeder Klick können sowohl zum Sieg als auch zur Niederlage führen. Der kleinste Fehler wird hart bestraft - und von den anwesenden Zuschauern emotional kommentiert: Kollektives Seufzen für gescheiterte Attacken, Jubel und Applaus für besiegte Gegner.

So befremdlich das Szenario wirkt, so vertraut dürfte es jedem sein, dessen Herz für König Fußball und Konsorten schlägt. Emotionen im Wettkampf sind überall gleich.

Progamer

Während der diesjährigen CeBIT kämpften 24 Starcaft 2-Progamer aus acht verschiedenen Nationen um ein Preisgeld von insgesamt 100.000 US-Dollar. Der Sieger des Tuniers konnte davon immerhin 30.000 mit nach Hause nehmen.

Der Sieger bekommt 30.000 US-Dollar.

Dennis Schneider alias "mouzHasuObs" ist einer der Spieler, der an dem Wettkampf teilgenommen hat. Schon seit Warcraft 3-Zeiten spielt er Computerspiele wettkampforientiert.

Auf den ersten Blick wirkt der 24-jährige mit seinen blonden hochgegelten Haaren müde. Leichte Schatten liegen unter seinen dunkelgrünen Augen. Auf den zweiten Blick wirken diese jedoch keinesfalls schläfrig. Besonders beim Spielen bekommt Schneider einen konzentrierten Blick, der den Bildschirm fixiert. Die schmalen Lippen sind zusammengepresst. Nichts kann HasuObs ablenken oder gar aus der Fassung bringen.

Sobald Dennis "mouzHasuObs" spielt, wirkt er sehr konzentriert.

Seit anderthalb Jahren spielt Schneider hauptberuflich für sein Team Mousesports und verdient damit seinen Lebensunterhalt. Genaue Zahlen darf er nicht nennen. Schmunzelnd offenbart er aber, dass er sich bei Mousesport „nicht beschweren“ kann.

Dennis "mouzHasuObs" Schneider vor einem Starcraft 2: Heart of the Swarm-Plakat.

Hartes Training

Computerspiele zocken und dafür bezahlt werden? Das klingt für den ein oder anderen nach schnell verdientem Geld. Doch Vorsicht: Wer auf professionellem Niveau in großen Turnieren mithalten will, muss jede Menge Zeit in das Training investieren. Wie jeder Progamer trainiert auch HasuObs fast jeden Tag mehrere Stunden Starcraft 2. Dabei wird nicht nur vor sich hingedaddelt, sondern auch jede Menge Theorie gebüffelt. Bevor er selber praktisch trainiert, schaut sich HasuObs erst einmal an, wie die Konkurrenz spielt. Häufig verfolgt er dafür mehrere Stunden die Übertragungen der Global Starcraft League (GSL) an. Dieser Wettkampf findet in Seoul statt und ist vom Niveau her das digitale Pendant zur Fußball Champions League.

Täglich messen sich in Südkorea die besten Spieler der Welt und kämpfen alle zwei Monate um ein Preisgeld von über 100.000 US-Dollar. Dass das asiatische Land das weltweit prestigeträchtigste Turnier abhält, kommt nicht von ungefähr: Südkorea ist ein Mekka für den digitalen Wettkampf, der hier sogar offiziell als Sportart anerkannt ist.

Laut HasuObs bietet die GSL die beste Möglichkeit, neue Taktiken und Spielweisen zu erlernen. Erst nach ausreichend Theoriekunde werden neue Strategien ausprobiert. Von einem normalen Trainingstag bleiben meist nur zwei bis drei Stunden für das eigene Spielen übrig.

So oder so trainiert HasuObs die meiste Zeit zu Hause und probiert online mit seinen Teamkameraden und anderen Spielern die neuen Taktiken aus. Vor großen internationalen Wettkämpfen wie den Intel Extrem Masters gibt es oft sogenannte Bootcamps. Wie bei großen Fußballturnieren treffen sich hier verschiedene Spieler für mehrere Tage, trainieren zusammen, zeigen sich gegenseitig Fehler auf und besprechen neue Strategien für den bevorstehenden Wettkampf. "Wir haben uns mehr oder weniger den ganzen Tag mit Starcraft 2 beschäftigt", erklärt HasuObs. "Manchmal sogar bis zu 15 Stunden."

Gereicht hat das intensive Training dieses Mal leider nicht. Schon in der Gruppenphase ist das Turnier für den deutschen Progamer zu Ende. Im letzten entscheidenden Spiel hat er gegen den Südkoreaner Choi "YongHwa" Yong Hwa verloren.

"Ich bin mit Herzblut dabei."

Trotz der Niederlage und dem harten Training ist der eSport für HasuObs seine Passion. Vor allem die Community rund um die digitale Herausforderung ist das, was ihn selber immer wieder begeistert und den eSport zu etwas Besonderem macht.

"Er ist sehr sehr global, der eSport", erklärt HasuObs. Tagtäglich kommt er mit Leuten aus der ganzen Welt in Kontakt, die wie er online trainieren. Egal mit wem gespielt oder trainiert wird - im Vordergrund steht immer der Wettbewerbsgedanke, der die Szene bestimmt. Die Herausforderung des Spiels verbindet nicht nur die Progamer untereinander, sondern auch die Community. "Die Fans sind selber auch Spieler", sagt HasuObs. Das verbindet.

Genau wie ihre Idole genießen die Fans die Herausforderung, die Starcraft 2 in sich birgt. Jeder kann mit etwas Einsatz im Spiel präziser und schneller werden. Von Progamern entwickelte Strategien können nachgespielt oder völlig neu entwickelt werden. Die Spieler erfahren am eigenen Leib, wie weit sie es mit Training und Einsatz bringen können, wenn sie online gegeneinander antreten. Auch HasuObs denkt, dass dieser Geist das faszinierende am digitalen Wettkampf ist. "Für die Spieler ist es interessant zu sehen, wie weit man kommen kann, wenn man sich intensiv vorbereitet."

Wenn einem Fans bei den verschiedenen Turnieren auf der ganzen Welt zujubeln, weiß Dennis, dass er das Richtige tut. Auf den vielen Reisen seien es vor allem die Kleinigkeiten, die ihn glücklich machen. Mit den Fans reden, ein Autogramm geben und die gleiche Herausforderung teilen. "Ich bin mit Herzblut dabei", sagt Dennis "mouzHasuObs" Schneider. Seine müden Augen wirken plötzlich wach.

Kommentare zu diesem Artikel

Titel wie Starcraft 2: Heart of the Swarm begeistern weltweit tausende von Menschen für den eSport. Doch was macht den digitalen Wettkampf mittels eines Computerspiels so besonders? Für Profispieler wie Dennis "mouzHasuObs" Schneider ist es vor allem die Herausforderung des Spiels selber.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!