Sie sind hier:
 

Android-HDMI-Stick: TizzBird N1 im Test
Für 100 Euro

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

HDMI-Sticks mit Android rüsten den heimischen Fernseher mit Internetfunktionen aus. Netzwelt hat sich mehrere Geräte angeschaut. Der Start erfolgt mit dem N1 von TizzBird.

Das TV-Gerät mit Internet nachrüsten: HDMI-Sticks mit Android-Betriebssystem machen den Fernseher internetfähig und zum Media Player im Heimnetzwerk. Netzwelt testet mehrere Sticks - zuerst den TizzBird N1.

So ein Android-Rechner in Miniaturform ist schon eine feine Sache. Anwender benötigen keine großen Kisten mehr fürs Wohnzimmer, um den Fernseher mit Internetfähigkeit aufzurüsten - es reicht ein handlicher Stick mit HDMI-Anschluss und WLAN-Modul. So landen Apps aus den hiesigen Einkaufsläden auf dem Fernseher oder man surft frei im Internet. Dank USB-Schnittstellen greifen Anwender bei Bedarf auch auf Zubehör zurück - etwa externe Speichermedien. Netzwerkfähig sind die Android-HDMI-Sticks ebenfalls und spielen auf diese Weise Multimedia von anderen Geräten in den eigenen vier Wänden ab.

Netzwelt hat sich mehrere aktuelle Android-Sticks angeschaut und startet die Testreihe mit dem TizzBird N1. Das Gerät ist für rund 100 Euro Straßenpreis zu haben. Der Kauf der für knapp 30 Euro optional erhältlichen Funktastatur TizzBird Mini Touch Tastatur ist zu empfehlen. Alternativ wird der Stick mit der kostenlosen iOS- und Android-App Tizz Remote bedient oder mit der mitgelieferten Fernbedienung. Sie bietet aber weniger Funktionen als die Touch Tastatur.

Bringt Android auf den Fernseher: der HDMI-Stick TizzBird N1.

Anschluss per HDMI

Der Stick von TizzBird ist mit einer Länge von 7,5 und Breite von 2,3 Zentimetern einer der kleinsten Android-Geräte im Test und lässt sich bequem in der Hosentasche verstauen. Seitlich ist eine nicht austauschbare MicroSD-Karte mit vier Gigabyte Speicher verbaut; der Arbeitsspeicher beträgt ein Gigabyte. Das Gerät wird über ein USB-Netzteil mit Strom versorgt, wobei der Stick über ein knapp ein Meter langes Kabel und der Micro-USB-Buchse am Android-Gerät mit dem Netzteil verbunden wird. Das Kabel bündelt einen weiteren USB-Anschluss, der an einer etwa 60 Zentimeter langen Abzweigung hängt. Auch auf der Rückseite des Sticks dockt Zubehör bei Bedarf an einer USB-Schnittstelle an.

Der sauber verarbeitete TizzBird N1 gelangt wie alle Testgeräte per HDMI an den Fernseher. Da diese Schnittstellen bisweilen etwas sperrig am TV-Gerät verbaut sind, kann es vorkommen, dass für einen Anschluss weiterer Peripherie am direkten USB-Port des Sticks zu wenig Platz vorhanden ist. Ein HDMI-Verlängerungskabel für das Android-Gerät ist deshalb eine gute Wahl.

Angepasste Android-Oberfläche

Der Hersteller spendiert seinem HDMI-Zulieferer Android in der Version 4.0 alias Ice Cream Sandwich, passt die Oberfläche aber stark an die TV-Nutzung und eigenen Bedürfnisse an. So enthält das Menü am unteren Bildschirmrand eigene Buttons (Fotos, Musik, Video, Android Apps, Datei Explorer, Einstellungen, Browser) und die Menüleiste am oberen Bildschirmrand bietet schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen. Außerdem sind die Android-Icons am unteren Bildschirmrand um eine Lautstärkeregelung erweitert. Die Untermenüs enthalten weitere Optionen, etwa verschiedene Darstellungsmöglichkeiten, zum Beispiel eine Cover Flow-Optik. Als Alternative zur Android-Ästhetik steht ein weiteres Skin zur Verfügung. Die Umschaltung erfolgt in den Systemeinstellungen.

Der verbaute, mit 800 Megahertz getaktete Cortex A5-Chip ist schmalbrüstig, das zeigt sich in der Praxis zum Beispiel bei der etwas trägen Reaktion auf Fernbedienungssignale. Im AnTuTu-Benchmark erreicht der TizzBird N1 gerade einmal 2764 Punkte. Zum Vergleich: Aktuelle Android-Smartphones der Spitzenklasse kommen auf 12.000-13.000 Punkte. Nichtsdestotrotz liefen sowohl 720p- als auch 1080p-Filme ruckelfrei. Auch das Abspielen von Videos in exotischen Formaten wie mkv im HD Ready- und Full HD-Format lief durchweg flüssig. Allerdings sollte man ressourcenschonend arbeiten und nicht benötige Apps herunterfahren, um das System nicht unnötig zu belasten.

Android-Stick TizzBird N1

Zurück XXL Bild 1 von 15 Weiter Bild 1 von 15
Der Android-HDMI-Stick TizzBird N1 kommt mit Fernbedienung, USB-Kabel für Stromversorgung, Netzteil. Eine Funktastatur mit Touch-Oberfläche ist separat erhältlich. (Bild: netzwelt)

Integrierter Einkaufsladen

Als Einkaufsladen ist standardmäßig 1Mobile Market vorinstalliert, per Firmware-Update wird der Google Play Store nachinstalliert. Der Einkaufsladen des Suchmaschinenriesen bringt auch Google Play mit, eine Video-on-Demand-Lösung. Alternativ zum Installieren aus den Einkaufsläden lädt man Android-Installationsdateien im apk.-Format aus dem Internet, die das Gerät ebenfalls akzeptiert. Das dürfte in der Regel aber unnötig sein - angesichts des App-Angebots im Google Play Store.

Zum Surfen im Internet ist der Standard Android-Browser vorinstalliert, andere Surf-Software wie Dolphin oder Firefox lassen sich aber ebenso einrichten. Ob beim Surfen auf der Mattscheibe Spaß aufkommt, hängt von der eingesetzten Fernbedienungsvariante ab. Die beigelegte, herkömmliche Fernbedienung ohne Touchpad besitzt zwar eine zuschaltbare Mauszeigerfunktion, die Navigation und die Eingabe per Bildschirmtastatur ist aber umständlich.

Fernbedienung

Die kostenlose iOS- und Android-App TizzBird Remote Control besitzt auf einem iPhone 4 Touch Navigationsflächen, die man ganz genau treffen muss, um zum Ziel zu gelangen. Am besten ist das Surferlebnis mit dem optional erhältlichen Multitouch-Keyboard von TizzBird: Es besitzt eine kleine, berührungsempfindliche Oberfläche, die das Navigieren mit dem Mauszeiger erleichtert. Außerdem sind Page Up- und Page Down-Tasten verbaut, über die man schnell in die unteren Seitenbereiche einer Webseite gelangt. Über die USB-Buchsen am Stick kann man natürlich auch eine herkömmliche Maus und Tastatur anschließen. Bluetooth-Geräte werden nicht unterstützt.

Spiele wie Angry Birds funktionieren am besten mit herkömmlicher Maus und Tastatur - mit App oder Touch-Fernbedienung ist die Steuerung zu umständlich. Jump'n'Run-Adventures wie Cordy 2 dagegen lassen sich auch mit der Funkfernbedienung steuern. Bestimmte Funktionen werden allerdings wegen der Optimierung für mobile Endgeräte nicht unterstützt. Im Test bemerkten wir zudem eine gestörte, nicht ruckelfreie Wiedergabe.

Soundausgabe

Per App lassen sich auch Podcasts oder Internetradio anzapfen, beziehungsweise Streaming-Dienste installieren. Für die Audioausgabe ist allerdings keine gesonderte Schnittstelle vorgesehen, so dass man den Sound via HMDI über den Fernseher abnimmt. Hier bieten Mini-PCs und Media Player mehr.

Als einzige Brücke ins Internet kann der Android-HDMI-Stick WLAN nutzen. Zum Einsatz kommt der n-Standard, allerdings nicht in der Turbo-Variante mit bis zu 300 Megabit, sondern mit Brutto-Datenraten von bis zu maximal 150 Megabit pro Sekunde. Im Test erreichten wir einen Netto-Durchsatz von rund 11,6 Megabit pro Sekunde - einen Raum weiter vom WLAN-Router entfernt. Noch weiter entfernt vom Zugangspunkt war der Empfang bereits zu schwach, während Smartphones und andere Geräte am selben Ort noch problemlos ins Internet gelangen konnten.

Der Android-HDMI-Stick unterstützt auch UPnP, weswegen auch Dateien von Netzwerkfreigaben und Netzwerkspeichern abgespielt werden können. Auch UPnP-Apps sind einsetzbar - sie delegieren Multimedia von Rechnern an den TizzBird N1. Wegen des schlechten Durchsatzes sollte man den Stick aber in Nähe des Funkrouters betreiben oder das WLAN-Signal mit Peripherie-Geräten verstärken.

Fazit

Bedienoberfläche des TizzBird N1 machen einen guten Eindruck, die Anpassung an den Fernseher wirkt zeitgemäß. Das gilt leider nicht für den Prozessor, weswegen die Steuerung nicht durchweg flüssig läuft. Bei vielen geöffneten Apps verringert sich die Performance deutlich. Auch der WLAN-Durchsatz enttäuschte. Android auf dem Fernseher mit TizzBird N1 hinterlässt gemischte Gefühle.

Über weitere Android-Sticks für die Hosentasche können Sie sich hier auf netzwelt informieren.

Kommentare zu diesem Artikel

HDMI-Sticks mit Android rüsten den heimischen Fernseher mit Internetfunktionen aus. Netzwelt hat sich mehrere Geräte angeschaut. Der Start erfolgt mit dem N1 von TizzBird.

Deine Meinung ist gefragt. Diskutiere im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt diskutieren!
  • ErgoSum schrieb Uhr
    AW: Android auf dem Fernseher: HDMI-Stick TizzBird N1 im Test

    Ich nutze den Stick seit einigen Wochen v.A. als Mediaplayer und bin ziemlich zufrieden. In der Tat, Rechenleistung ist begrenzt, aber die Wiedergabe von Musik (z.B. mit dem kostenlosen nachinstallierten MortPlayer) ist eine feine Sache und der N1 spielt im Prinzip alles ab, womit man ihn per USB-Platte oder Netzwerk füttert. Hervorzuheben ist - was leider in allen Berichten über die HDMI-Sticks fehlt - dass der N1 Dolby-Digital+, DTS und HD behersscht. In Kombination mit einem Surround-Receiver (HDMI) habe ich jetzt eine echte Alternative zu meinem "hochwertigen" Popcorn-Hour A-110 Mediaplayer!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

Ashampoo-Download-Logo
article
37470
Android-HDMI-Stick: TizzBird N1 im Test
Android-HDMI-Stick: TizzBird N1 im Test
Android-HDMI-Sticks verwandeln den Fernseher in einen Smart TV. Die netzwelt-Testreihe startet mit dem N1 von TizzBird.
http://www.netzwelt.de/news/95398-android-hdmi-stick-tizzbird-n1-test.html
2013-03-14 11:32:10
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/bringt-android-fernseher-hdmi-stick-tizzbird-n1-bild-netzwelt-18369.jpg
News
Android-HDMI-Stick: TizzBird N1 im Test