Sie sind hier:
 

Yota Phone im Kurztest
Zwei Bildschirme, viele Anwendungsmöglichkeiten

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Der russische Hersteller Yota Devices präsentiert auf dem MWC 2013 in Barcelona ein Smartphone mit zwei Displays. Auf der Rückseite verbaut Yota dabei einen E-Reader-Screen. Er soll gleich mehrere Probleme aktueller Smartphones lösen.

Die Akkulaufzeit von Smartphones ist kurz - zumeist müssen die Geräte bereits nach einem Tag wieder an die Steckdose. Das russische Unternehmen Yota Devices will dieses Problem lösen. Statt wie andere Hersteller setzt Yota aber nicht auf einen größeren Akku, sondern auf ein zweites Display. Netzwelt ließ sich das Smartphone mit Doppeldisplay auf dem Mobile World Congress vorstellen.

Die Idee klingt paradox: Die Laufzeit eines Smartphones soll durch ein zweites Display verlängert werden? Dabei zählt doch das LC-Display der Geräte zu den größten Stromverbrauchern. Über 20 Prozent des Stromverbrauchs von Android-Geräten geht auf den Bildschirm zurück. Natürlich kann man das Display öfters abschalten, ein dunkles Display zieht schließlich keinen Strom. So bleibt der Nutzer aber auch über Benachrichtigungen wie E-Mails oder Twitter- und Facebook- Nachrichten nicht auf dem Laufenden.

Dieses Problem soll das Yota Phone lösen. Das Gerät ist mit einem 4,3 Zoll HD-Display auf der Frontseite ausgestattet. Geht es nach Yota-COO Lau Geckler, wird dieses aber hauptsächlich dunkel bleiben und so die Batterie schonen. Genutzt werden soll eher das rückseitige Display: Ein E-Ink-Screen wie man ihn in E-Readern wie Amazons Kindle findet. Diese Art von Displays sind äußerst stromsparend und können deshalb "always on"-bleiben. Nutzer können also ihren Facebook-Stream oder den Twitter-Feed auf das rückseitige Display legen und sind mit einem Blick auf das Smartphone direkt informiert. Strom verbraucht der Bildschirm dabei nur, wenn eine Aktualisierung läuft.

YotaPhone

Zurück XXL Bild 1 von 4 Weiter Bild 1 von 4
Das Yota Phone ist 4,3 Zoll groß. (Bild: netzwelt)

Spiegel der Frontseite

Was der Nutzer auf den rückseitigen Bildschirm ausgibt, bleibt ihm überlassen: Neben diversen Applikationen wie Facebook, Maps oder Twitter können auch E-Books auf dem Bildschirm ausgegeben werden. Mit einem Fingerwisch vom oberen Bildschirmrand kann auch der aktuelle Bildschirminhalt auf das E-Ink-Display kopiert werden - allerdings nur als statisches Bild.

Die Interaktionsmöglichkeiten auf dem E-Ink-Display sind aber mangels Touchfunktionaltiät ohnehin begrenzt. Über eine Touchleiste am unteren Bildschirmrand kann der Nutzer mit einem Fingerwisch etwa eine E-Mail zum Antworten auswählen, die Antwort muss er aber dann auf dem Frontdisplay schreiben. Man denke derzeit darüber nach einen E-Ink-Touchscreen zu verbauen, sagt Geckler . Dies würde aber bedeuten, dass das Gerät ein bis zwei Millimeter dicker wird. Aktuell misst das Yota Phone in der Tiefe 9,9 Millimeter.

Mehr als nur Energie sparen

Ob das Yota Phone viel länger durchhält als andere Smartphones, hängt aber im wesentlichen vom Nutzer ab. Wer es wie ein normales Smartphone nutzt, wird die 2.100-Milliamperestunden-Batterie in einem Tag leer spielen. Man muss sich auf den zweiten Bildschirm einlassen. Dieser bietet aber mehr Vorteile als nur eine längere Akkulaufzeit: Bessere Lesbarkeit im Sonnenlicht, ein angenehmes Lesegefühl bei E-Books oder die Möglichkeit, die Smartphone-Rückseite mittels E-Ink-Display ganz persönlich zu gestalten, sind nur einige Dinge, die Geckler nennt.

Hinzu kommen simple Anwendungsbeispiele: Sie sind am Flughafen und haben ihre Bordkarte auf dem Smartphone, der Akku leuchtet aber schon dunkelrot? Kein Problem: Mit einem Fingerwisch wird der Boardingpass aufs E-Ink-Display ausgegeben und bleibt auch dort, wenn die Batterie leer ist. Alternativ kann sich der Nutzer kurz vor dem Abschalten des Smartphones auf dem rückseitigem Display auch die Rufnummern von Familien oder Freunden für einen Notfall anzeigen lassen. Über ein freies SDK sollen Entwickler zudem spezielle Anwendungen für das Yota Phone schreiben können. Denkbar wären etwa Spiele, die das Doppeldisplay nutzen - etwa ein Quiz.

Touchleiste statt Android-Buttons

Das E-Ink-Display ist übrigens nicht die einzige neuartige Entwicklung, die Yota Devices in das Android-Smartphone gesteckt hat. Das Yota Phone bietet auch auf der Frontseite keine Sensortasten, sondern ebenfalls nur einen Touchstreifen. Ein Fingerwisch zur Mitte bedeutet zurück, ein langer Fingerdruck öffnet das Multitaskingmenü. Klingt interessant - im Kurztest war die Steuerung aber noch sehr gewöhnungsbedürftig. Eine weitere Neuerung: Der SIM-Kartenschacht des Yota Phone ist in den Powerknopf integriert.

Fazit

Das Yota Phone klingt spannend. Im E-Ink-Display sieht netzwelt weniger einen Akkulaufzeit-Verlängerer, sondern mehr eine Alternative fürs längere Lesen oder die Nutzung im Freien. Damit ist das Android-Smartphone zwar eine Bereicherung für den Markt, dürfte aber wohl nur eine kleine Nische von Nutzern ansprechen.

Für diese gibt es aber eine gute Nachricht vorab: Yota Devices plant das Gerät auch in Deutschland zu vermarkten. Bis das Modell hierzulande erhältlich ist, müssen sich Nutzer noch gedulden: Nicht vor dem vierten Quartal 2013 wird das Yota Phone erscheinen. Der Preis soll sich zudem im Bereich eines Premium-Android-Smartphones bewegen. Dementsprechend ist auch die Ausstattung. Die technischen Daten des Yota Phones finden Sie hier.

Kommentare zu diesem Artikel

Der russische Hersteller Yota Devices präsentiert auf dem MWC 2013 in Barcelona ein Smartphone mit zwei Displays. Auf der Rückseite verbaut Yota dabei einen E-Reader-Screen. Er soll gleich mehrere Probleme aktueller Smartphones lösen.

Deine Meinung ist gefragt. Diskutiere im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt diskutieren!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

Ashampoo-Download-Logo
article
37366
Yota Phone im Kurztest
Yota Phone im Kurztest
Netzwelt hat sich auf dem MWC 2013 in Barcelona das Yota Phone mit E-Ink-Display zeigen lassen.
http://www.netzwelt.de/news/95283-yota-phone-kurztest.html
2013-02-26 15:45:47
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/siri-iphone-4-installiert--bild-screenshot9051.png
News
Yota Phone im Kurztest