Alcatel One Touch Fire und ZTE Open

Firefox OS ausprobiert: Handy-Betriebssystem ohne Wow-Effekt

Mozillas Firefox OS ist eines der meistdiskutierten Themen des Mobile World Congress 2013. Netzbetreiber sind vom offenen Betriebssystem begeistert. Mit dem Alcatel One Touch Fire und dem ZTE Open gibt es zudem erste Geräte zu sehen. Eine Antwort auf die Frage, warum insbesondere deutsche Nutzer auf das alternative Handy-OS wechseln sollen, bleiben Mozilla und Co. aber bisher schuldig.

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Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Smartphone mit Mozillas Firefox OS. (Bild: netzwelt)
Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Smartphone mit Mozillas Firefox OS. (Bild: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Zielgruppe Einsteiger
  2. 2Android-Klon auf HTML 5-Basis
  3. 3Google eliminieren
  4. 4netzwelt meint

Ein 3,5-Zoll-Display mit einer Auflösung von 480 x 320 Pixeln, 1-Gigahertz-Prozessor und eine 3,2 Megapixel-Kamera. Mit solchen Spezifikationen auf dem Mobile World Congress 2013 für Aufsehen zu sorgen, ist eine Leistung: Den chinesischen Herstellern TLC und ZTE ist es mit den Modellen Alcactel One Touch Fire und ZTE Open gelungen. Der Grund ist schnell erklärt: Es handelt sich um die beiden ersten Geräte mit dem neuen Handy-Betriebssystem Firefox OS der Mozilla Stiftung.

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Zielgruppe Einsteiger

Noch im Sommer sollen sie in den Handel kommen - zunächst in Brasilien, Kolumbien, Ungarn, Mexiko, Montenegro, Serbien und Venezuela, dann auch in Spanien oder Polen. 17 Netzbetreiber haben bereits angekündigt, die Geräte zu vermarkten - darunter auch die Deutsche Telekom, die das Alcatel One Touch Fire in Polen vertreiben wird.

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Wer die Geräte kaufen soll, ist aber fraglich. Als Einsteiger-Smartphone preisen die Netzbetreiber sie an. Der Preis soll bei 100 Euro oder darunter liegen, Mozilla träumt vom Smartphone zum Feature Phone-Preis. Die Konkurrenz der beiden Geräte ist jedoch hart. Nokia hat mit dem Nokia 105 ein Feature Phone mit Smartphone-Anleihen für rund 15 Euro auf dem MWC angekündigt. Huawei stellte in Barcelona mit dem Y300 ein 150-Euro-Android-Smartphone vor, dem das Alcatel One Touch Fire und das ZTE Open technisch hoffnungslos unterlegen sind.

Android-Klon auf HTML 5-Basis

Auch das Firefox OS selbst löste bei netzwelt wenig Wechselambitionen aus - nicht nur weil es auf dem One Touch Fire und dem Open ruckelte, sondern auch innovative Funktionen vermissen lässt. Das System ähnelt stark Googles Android und Apples iOS. Hauptunterschied: Es basiert komplett auf HTML 5, was das Schreiben von Anwendungen für die Plattform sehr einfach macht. "Der Vorteil von Firefox OS ist, dass man durch die HTML 5-Integration potentiell eine Menge Entwickler hat", erklärt Lars-Christian Weisswange, Executive Vice President der Consumer Business Group bei Huawei Technologies gegenüber netzwelt.

Mozilla spricht von Millionen Firefox OS-Entwicklern gegenüber hunderttausend Android-Entwicklern. Eine Killer-App war am Stand der Stiftung, aber ebenfalls nicht auszumachen. Dementsprechend zurückhaltend ist auch die Reaktion der Hersteller auf das neue System: Neben ZTE und TLC werden Sony, LG und Huawei Firefox-Geräte bauen. Wann diese präsentiert werden ist aber noch offen. Huawei gibt sich zurückhaltend: "Wir warten die Entwicklung des Systems ab und werden zur geeigneten Zeit ein Produkt präsentieren. Wir wollen nicht die ersten sein, sondern sicherstellen, dass unsere Kunden ein ausgereiftes Produkt erhalten", sagt Lars-Christian Weisswange. LG wollte sich gegenüber netzwelt nicht zu seinem Firefox OS-Handy äußern. Sony spricht von 2014. Samsung plant offiziell kein Firefox-Smartphone.

Google eliminieren

Angesichts der Zurückhaltung der Hersteller überrascht die starke Unterstützung der Netzbetreiber für das neue Handy-OS. Diese wittern offenbar im Firefox-Betriebssystem ihre Chance sich unabhängiger von Google zu machen. Mehr Freiheit, weniger Restriktion - verspricht die Mozilla Stiftung am Stand. Für die Netzbetreiber ist dies die Chance Google als "Mann in der Mitte" zu eliminieren und stärker an App-Verkäufen, etc. zu partizipieren.

Die net-mobile AG bietet etwa Netzbetreibern oder Herstellern auf dem MWC ein auf Firefox OS basierendes White-Label-Betriebssystem an, das die Hersteller nach ihren Wünschen gestalten und mit Inhalten und Diensten ausstatten können. Damit können die Operator ein eigenes Ökosystem auf Firefox-Basis basteln, wo sie das sagen haben und verdienen. Das ist attraktiv für den Netzbetreiber, für die Nutzer aber kein Umstiegsgrund.

netzwelt meint

Dem Firefox OS fehlt derzeit noch der Wow-Effekt. Einen Grund für den Wechsel sieht netzwelt nicht. Die aktuell vorgestellten Geräte sind selbst für einen geringen Preis wenig attraktiv. Um hier das Firefox OS zu verankern, müssten Netzbetreiber und Hersteller wohl Highend-Modelle zum Schleuderpreis anbieten - ähnlich wie es Google mit dem Nexus 4 oder Amazon mit dem Kindle Fire vorgemacht haben. 

Weitere Highlights vom Mobile World Congress finden Sie hier auf netzwelt

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