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Im Vergleich: NAS als TV-Empfänger und Media Player
Geräte von QNAP, Synology, Asustor und Thecus im Test

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Mit Softwareerweiterungen werden Netzwerkspeicher zu TV-Zentrale und Media Player für das Wohnzimmer. Netzwelt gibt einen Überblick über Funktionen und Einsatzszenarien.

Softwareerweiterungen und HDMI-Ports erweitern moderne Netzwerkspeicher zu Media Playern und TV-Empfängern im Wohnzimmer. Netzwelt hat vier Multimedia-NAS in den Testparcours geschickt - und zieht Bilanz.

Beim Abspielen von Videos im Wohnzimmer kommt es immer wieder zu Problemen. Beispiel: Ein Youtube-Streifen gelangt nicht auf die Mattscheibe, weil am Fernseher kein Internetzugang bereitsteht. Oder ein exotisches Filmformat, das sich partout nicht auf dem Smart TV wiedergeben lässt, liegt auf einem der Rechner im Netzwerk.

Als Lösung für all die Unzulänglichkeiten konnten bisher Media Player oder Mini-PCs Abhilfe schaffen, die mit dem Fernseher verbunden werden. Sie machen die Mattscheibe zum internetfähigen TV-Gerät und unterstützen eine Vielzahl von Multimediaformaten. Eine Konkurrenz stellen jetzt auch NAS-Systeme dar. Die Netzwerkspeicher fungieren in der Regel als Datenzentralen, doch jetzt haben die Hersteller aufgerüstet: Mit HDMI-Anschluss und Media Player-Software können sie aus den Ecken hervorgeholt und direkt im Wohnzimmer platziert werden. Viele können sogar Fernsehen per DVB-T wiedergeben.

Was bringen Netzwerkspeicher als Multimediazentralen? Netzwelt hat vier Geräte getestet.

Vier NAS-Systeme im Vergleich

In einem Vergleichstest hat sich netzwelt vier NAS mit Multimediafunktionen angeschaut: das QNAP TS-269L, den Asustor AS-602T, den N5550 von Thecus sowie Synologys DS213+. Die ersten drei genannten Netzwerkspeicher besitzen alle HDMI-Anschlüsse zur Verbindung mit dem Fernseher und Media-Software wie den XBMC Player (QNAP, Thecus) beziehungsweise die gleichwertige Boxee-Software (Asustor). Nur das NAS von Synology besitzt noch keine HDMI-Schnittstelle, fungiert aber als DVB-T-Zentrale. Daher hat netzwelt das Gerät ebenfalls in den Test aufgenommen. Als einziges NAS war es zudem in der Lage, die DVB-T-Datenströme mit einer App für iOS und Android an mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones weiterzureichen.

Spalte 1 QNAP TS-269L Synology DS213+ Asustor AS-602T Thecus N5550
Hardware Intel Atom 1,86 GHz Dual-Core
1 GB RAM,
2x Hot swappable-Einschübe für HDDs
Freescale MPC8544E Dual Core-Prozessor,
512 MB RAM,
2x Hot swappable-Einschübe für HDDs
Intel Atom 2,13 GHz Dual Core,
1 GB RAM
2x Hot swappable-Einschübe
Intel Atom D2550 Cedar Trail Dual Core 1.86 GHz
2 GB RAM
5x Hot swappable-Einschübe
Anschlüsse 2x Gigabit Ethernet,
2x USB 3.0,
3x USB 2.0,
1x eSATA,
1x HDMI
1x Gigabit Ethernet,
2x USB 3.0,
1x USB 2.0,
1x eSATA,
1x Anschluss für SD-Karte
2x Gigabit Ethernet,
2x USB 3.0,
4x USB 2.0,
2x eSATA,
1x HDMI
2x Fast Ethernet,
1x USB 3.0
4x USB 2.0
1x eSATA
1x HDMI
Zusatzsoftware DVB-T/Media Player TV Station, dvblink/ HD Station Video Station, dvblink/ - dvblink/Boxee Local Display, XBMC/XBMC
Media Software für TV XBMC, Youtube, NAS Konsole - Boxee XBMX, Firefox, VLC, NAS Konsole
Fernbedienung TV QNAP Remote Controller,
MCE Fernbedienung,
USB-Tastatur und -Maus,
Qremote-App für iOS
- USB-Tastatur und -Maus
AiRemote für iOS und Android
USB-Tastatur und -Maus,
HippoRemote (iOS), Valence (Android)
Preis (ohne Festplatten) ca. 400 Euro ca. 300 Euro ca. 420 Euro ca. 440 Euro

Aber für wen eignen sich die Netzwerkspeicher mit Multimediaaufrüstung überhaupt? Vor allem für jene, die ihre Daten gerne von lokalen Festplatten oder vereinzelten, externen HDDs auf ein NAS als Zentrale auslagern möchten und gleichzeitig Filme, Musik und Bilder im Wohnzimmer auf dem Fernseher konsumieren. Der Nutzer spart dann einen Media Player, Mini PC oder auch ein Notebook, das man umständlich an den Fernseher zur Multimediawiedergabe anschließen müsste; das NAS übernimmt dann als Stellvertreter die Arbeit. Gleichzeitig wird der Fernseher zum Smart TV. Software, wie der XBMC Player oder auch Boxee, lässt sich mit vielen Erweiterungen nachrüsten.

QNAP TS-269L: NAS als TV-Station und Media Player

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Wird per HDMI zum Media Player am TV-Gerät: der Netzwerkspeicher TS-269L von QNAP. Kostenpunkt: rund 400 Euro. (Bild: netzwelt)

Fernsehen per DVB-T

DVB-T ist in die Jahre gekommen und geriet erst vor Kurzem wieder in die Kritik, als RTL bekannt gab, aus dem terrestrischen Fernsehen auszusteigen. Die Vorteile von DVB-T bleiben aber bestehen: kein Kabel, kostengünstig und mobil einsetzbar. Im Vergleich zu HD-Fernsehen kann die Auflösung aber nicht mithalten. Daher ist diese Empfangsart eher Gelegenheits-Fernsehzuschauern oder Nutzern mit weniger hohen Ansprüchen zu empfehlen. Und: Einzig die NAS-Systeme von QNAP, Asustor und Thecus sind aufgrund ihres HDMI-Anschlusses in der Lage, als DVB-T-Zuspieler im Wohnzimmer zu fungieren. Die Möglichkeit, terrestrisches TV am NAS zu empfangen, sollte man eher als nette Beigabe betrachten. Ohnehin fielen im Test einige Unterschiede bei den Geräten auf.

Synology Video Station an der DS213+

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Im Synology-NAS sitzt eine Dual Core-CPU mit einer Taktfrequenz von rund einem GHz. Der Arbeitsspeicher beträgt 512 MB. (Bild: netzwelt)

Als Signalquelle für Live-TV am NAS dienen DVB-T-Sticks, die per USB am Netzwerkspeicher andocken. Sie müssen extra angeschafft werden. Die Listen der unterstützten Tuner sind bei den Herstellern zu finden - auf der QNAP-Seite hier, bei Synology an dieser Stelle, Thecus gibt hier Informationen, Asustor an dieser Stelle.

Software für den Fernsehempfang

Als Software zur Tunerabtastung, Senderverwaltung und Aufnahmeprogrammierung setzen QNAP und Synology auf native Erweiterungen für den terrestrischen TV-Empfang. Bei QNAP heißt die zu installierende Software TV Station und ist ab Firmware-Version 3.8.1 verfügbar. Bei Synology nennt sich die Software Video Station und steht ab der Betriebssystemsoftware Disk Station Manager 4.1 für die Netzwerkspeicher des Unternehmens bereit. Bei Thecus muss das Local Display Modul installiert werden: Es dient der Weitergabe von Signalen per HDMI, die Software liefert aber auch den beliebten XBMC Player mit, über den der Tunerempfang per DVB-T gesteuert werden kann. Asustor stellt keine native Software oder ein angepasstes Modul für den DVB-T-Empfang zur Verfügung.

Asustor: NAS als TV-Zentrale und Media Player

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Der Netzwerkspeicher der Asus-Tochter wird von einem Intel Atom Dual-Core-Prozessor mit 2,13 Gigahertz angetrieben. (Bild: netzwelt)

Dafür steht die TV-Plattform dvblink für die Asustor-Netzwerkspeicher, aber auch für die Systeme von Synology und QNAP zur Verfügung. Vorteil der dvblink-Software ist die Unterstützung weiterer Signalquellen - DVB-C, DVB-S und DVB-S2. Damit können also auch andere USB-Sticks fürs Fernsehen via NAS erschlossen werden. Nachteil ist, dass die TV-Plattform nach einer Testphase Geld kostet und umständlich zu bedienen ist. Nutzer sollten hier auch auf die Kompatibilität ihrer DVB-T-Sticks mit dvblink achten. Welche Tuner unterstützt werden, können Sie hier einsehen.

Vor- und Nachteile der TV-Anwendungen

Im Test gefiel netzwelt die TV-Station von QNAP am besten. Die Erweiterung ermöglicht schnelles Umschalten von Fernsehkanälen direkt im Browser und bietet einen übersichtlichen Programmführer zur Aufnahmesteuerung. Nötig zur Wiedergabe ist ein VLC Plugin für Browser wie den Firefox. Alternativ übergibt man die DVB-T-Streams an den nativen VLC Player, den es für alle Betriebssysteme gibt. Das ist aber umständlich, weil kein flüssiger Senderwechsel möglich ist. Deshalb kann Synologys Video Station nicht überzeugen, auch der EPG der Video Station bietet weniger als die meist zusammen mit DVB-T-Sticks gelieferten Programmführer. Ein Vorteil ist aber die Möglichkeit zur Wiedergabe der Streams auf iOS- und Android-Geräten mit der gleichnamigen App. Zur Wiedergabe muss aber ein Zusatzprogramm wie der OPlayer Lite (iOS) oder der MX Player (Android) installiert werden.

Multimedia-NAS Thecus N5550 mit HDMI-Anschluss

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Großes Gehäuse, viel Speicherplatz: Das Thecus N5550 ist für den Betrieb mit fünf Festplatten ausgelegt. Dafür ist es zu Straßenpreisen von rund 450 Euro recht günstig zu haben. (Bild: netzwelt)

Auf dem Thecus N5550 bringt der XBMC Player Live-TV-Funktionen mit. Die Bedienoberfläche ist komfortabel - umständlich ist nur, dass man zunächst eine so genannte Personal Video Rekorder (PVR) Erweiterung für Aufnahmen installieren muss. Beim Asustor AS-602T ist eine Wiedergabe theoretisch über die dvblink-Software möglich, im Test misslang diese aber.

NAS als Media Player

Über die HDMI-Schnittstelle wird das NAS auch zum Media Player. Bei QNAP ist solch ein Ausgang in den Netzwerkspeichern der Serie TS-x69L verbaut, Voraussetzung ist eine Installation der Erweiterung HD Station, von Google Chrome als freien Browser, Youtube und der Media Player Software XBMC. Auch Thecus setzt auf XMBC als Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer; Asustor dagegen auf Boxee, das von der Set Top Box Boxee Box bekannt ist, aber auch die Softwarebasis des XBMC Players nutzt.

XBMC oder auch Boxee sind ausgereifte Programme für die Bedienung im Wohnzimmer. Sie ermöglichen den Zugriff auf vielfältige Internet- und Netzwerkquellen. Nachteilig auf den NAS-Systemen ist aber die Aktualisierungsfrequenz der Media Player Software. So vergeht immer etwas Zeit, bis man die neueste Version über die entsprechende Softwareerweiterung installieren kann. - oder überhaupt eine neue Version zur Verfügung gestellt wird.

Fernbedienung

Als Media Player machen die NAS-Systeme eine gute Figur - dank ansehnlicher CPUs und zuschaltbarer Hardwarebeschleunigung per XBMC und Boxee laufen auch Full HD Videos flüssig. Gleichwohl müssen Anwender lautere Lüftergeräusche in Kauf nehmen als bei vergleichsweise leisen Multimediazuspielern wie Apple TV oder leisen Mini PCs. Eine Unterbringung des Netzwerkspeichers im TV-Schrank ist durchaus zu empfehlen, falls möglich.

Bei der Bedienung der Netzwerkspeicher im Wohnzimmer bietet QNAP den größten Komfort, weil der Hersteller eine große Auswahl an Steuermöglichkeiten anbietet: Die iOS-App Q-Remote, eine eigene Fernbedienung für die HD Station, kompatible Media Center Fernbedienungen oder Maus und Tastatur. Letztere bietet sich dank USB-Anschluss auch bei den Netzwerkspeichern von Thecus und Asustor an. Generell sind die Eingabegeräte in den meisten Wohnzimmern aber nur schlecht einsatzfähig. Beim AS-602T der Asus-Tochter steht ebenfalls eine App (AiRemote für iOS und Android) zur Verfügung, die eine gelungene Alternative zur herkömmlichen Fernbedienung darstellt. Über XBMC Apps wie HippoRemote (iOS) und Valence (Android) ist auch das Thecus-NAS mit dem Smartphone oder Tablet am Fernseher bedienbar. Allerdings: Wegen der Touch-Bedienung ist die Steuerung via Miniprogramm nach wie vor gewöhnungsbedürftig.

DVB-T und Media Player im Zusammenspiel

Bei der HDMI-Weiterleitung von Multimedia wäre es ideal gewesen, wenn auch der DVB-T Empfang über die Media Player Funktionen möglich wäre. Besonders bei den ansonsten gelungenen Erweiterungen TV und HD Station von QNAP ist die fehlende Verknüpfung ärgerlich. Der Hersteller teilte allerdings mit, an einer entsprechenden Verbindung der Funktionen zu arbeiten. Auf DVB-T Aufnahmen, die man am PC oder Notebook programmierte, kann der Nutzer am Fernseher aber zugreifen.

Theoretisch besser sieht es beim Thecus-NAS N5550 aus, denn der XBMC Player ermöglicht in der installierten Fassung auch Live-Fernsehen und die Steuerung von Aufnahmen. Leider stürzte das Programm mehrfach ab, als netzwelt auf Aufnahmen zugreifen wollte. Das könnte auch an der alten Firmware gelegen haben - ein Update steht zur Verfügung. Beim Netzwerkspeicher von Asustor klappte der Start der dvblink-App für Boxee nicht: Sie dient dem Zugriff auf die parallel gestarteten TV-Server auf dem NAS. Die Probleme mit der App können aber auch an der fehlenden Unterstützung für den DVB-T Stick im Test gelegen haben. Gleichwohl: Der Elgato-Stick wurde von der dvblink-Software erkannt und entsprechende terrestrische Sender korrekt abgetastet.

Fazit

Den alles entscheidenden Kaufgrund sollten DVB-T Empfang und Media Player Eigenschaften bei der Auswahl des NAS nicht spielen. Hier sind Bedienbarkeit und Ansprüche an Speichervolumen entscheidender. Die Multimediafähigkeiten sind trotzdem interessant: Wer häufig Filme oder Videos schaut und viele Formate abspielen will, kann mit den Netzwerkspeichern von QNAP, Asustor und Thecus einen Media Player und damit ein sonst zusätzliches Gerät im Netzwerk ersetzen. Am meisten überzeugt hat netzwelt das TS-269L von QNAP.

Als Fernsehstationen im Wohnzimmer machen die Netzwerkspeicher noch keine gute Figur - die Inbetriebnahme ist im Vergleich zum Betrieb des DVB Sticks am PC oder Notebook komplizierter. Wer auf das terrestrische Fernsehen setzt und vor dem Kauf eines NAS steht, sollte eher auf den zusätzlichen Kauf eines DVB-T Tuners und einer üppigen Antenne für das TV-Gerät setzen und das NAS lediglich als paralleles Gerät mit möglichen Multimediaoptionen betreiben.

Hier können Sie die Einzeltests der Geräte nachlesen: QNAP TS-269L, Asustor AS-602T, N5550 von Thecus und Synologys DS213+

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