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Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt
Monopolstellung, weil die Konkurrenz ihre Stärken nicht nutzt

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Das Microsoft-Imperium scheint zu schrumpfen. An einer Monopolstellung hält das Unternehmen aber fest: Der Desktop-PC-Markt bleibt in der Hand von Microsoft mit dem Windows-Betriebssystem.

Mit Innovationen glänzte der Software-Gigant Microsoft in letzter Zeit nicht - einzig den Desktop-Markt beherrscht er noch immer. Dabei ist diese Vorherrschaft von Windows nicht allein Microsofts Verdienst. Ohne die Mithilfe der Spieleindustrie wäre das Unternehmen heute vielleicht nur noch Mittelmaß.

Im Desktop-Bereich ist Microsoft mit dem Windows-Betriebssystem immer noch Marktführer. (Quelle: Microsoft/Windows 8)

Es ist schon merkwürdig, wie entspannt die Diskussionen über Microsofts Geschäftspolitik in den letzten Jahren verliefen. Wurden früher zwischen Windows-Nutzern und dem Apple- bzw. Linux-Lager erbitterte Glaubenskämpfe ausgetragen, scheint sich heute keiner mehr so richtig für Microsoft zu interessieren: Haben die nicht gerade ein neues Office vorgestellt? Damals als Großereignis gefeiert, läuft solch eine Nachricht heute unter "ferner liefen".

Das Windows-Monopol

Dabei wird häufig vergessen, welche Monopolstellung Microsoft noch immer auf dem Desktop-Markt hat: Mehr als 90 Prozent aller Desktop-PCs laufen laut Net Applications mit Microsoft Windows. Zum Vergleich: Der Marktanteil von Mac OS liegt bei mageren sieben Prozent. Die Marktmacht Microsofts regte damals viele Leute schrecklich auf - heute wird sie mit einem Gähnen quittiert.

Trotz der strategischen Missgeschicke Microsofts auf dem Internetmarkt und später bei Smartphones und Tablet-PCs, die letztlich dazu führten, dass Glanz und Ruhm des Unternehmens aus Seattle stark verblasst sind, hat Microsofts Dominanz auf dem Desktop nicht nachgelassen. Diese Dominanz verdankt das Unternehmen allerdings nicht allein der Qualitiät von Windows, Office und Co., sondern vor allem dem Scheitern von Linux auf dem Consumermarkt. Sicher, Linux spielt in embedded-Systemen, bei Studenten-PCs und auf dem Server-Markt ganz vorne mit. Städte und Kommunen in Deutschland steigen auf Linux um. Sogar das Mobil-Betriebssystem Android hat einen Linux-Kernel. Doch beim Desktop-PC ist der große Durchbruch nie gelungen. Das wiederum hat nichts mit der Qualität des Betriebssystems zu tun. Ubuntu ist heute nahezu ebenso einfach zu bedienen und optisch genauso schön wie Windows. Noch dazu ist es kostenlos. Sind wir nicht alle Schnäppchenjäger? Müssten wir uns nicht alle auf das kostenlose Betriebssystem stürzen?

Im Stich gelassen

Viele tun das deshalb nicht, weil der Bereich Spiele und Entertainment in Linux noch mangelhaft entwickelt ist. Hier muss man vor allem die fehlende Unterstützung der Spieleindustrie nennen. Nicht nur Gaming-Hardware wie Gamepads, Lenkräder oder Joysticks, auch die PC-Spiele selbst sind auf Windows fixiert und lassen Linux außen vor. Man kann es auch so sagen: Die Spieleindustrie hat die Linux-Community schäbig im Stich gelassen.

Natürlich gibt es durchaus eine Reihe von Spielen für Ubuntu und Co, darunter auch gute Titel wie die Weltraum-Simulation "Beyond The Red Line". Aber mit dem Angebot für Windows-PCs kann das Angebot eben nicht mithalten.

Kaum verständlich - schließlich sind Linux-Anwender zumeist jüngere Leute mit großer Affinität zu Technik. Also genau die Zielgruppe, die auch gerne mal am PC spielt. Doch wahrscheinlich ist das ein Trugschluss. Linux-User sind vielfach Studenten, die auf ihrem Notebook ein anderes Betriebssystem als Windows ausprobieren wollen, und die auch den Willen haben, sich in eine alternative Bedienoberfläche reinzutüfteln. Vor allem dann, wenn es noch den Flair der Rebellion gegen den Marktführer hat. Mit Spielen hat das also eher weniger zu tun. Zum Spielen nutzen sie einen Desktop-Rechner zu Hause. Oder eine Playstation. Oder eine Xbox.

Das andere Image von Linux

Hätten Spielehersteller und Hardwareproduzenten Mitte der 90er Jahre begonnen, auch Linux-Betriebssysteme zu unterstützen, dann hätte dies das Image des Betriebssystems grundlegend verändert. Statt der komplizierten Software für Tüftler und Polit-Rebellen wäre es das intelligente Betriebssystem für alle gewesen, die eine gute Alternative zu Microsoft Windows suchten. Für Menschen, die den Community-Gedanken pflegen und gleichzeitig Spaß und Unterhaltung schätzen. Mit einem solchen Image hätte Linux einen gigantischen Erfolg haben können. Die PC-Hersteller hätten sich nicht mehr von Microsoft herumkommandieren lassen und Linux-PCs von Anfang an als Alternative angeboten. Oder Computer ohne Betriebssystem ausgeliefert - was die PCs günstiger gemacht hätte. Rund um Linux wäre ein ganzes Netzwerk von Softwareherstellern, Servicedienstleistern und Beratungshäusern entstanden. Zwar gibt es diese, allerdings nur für Profis und Unternehmen, nicht für Otto Normalanwender.

Man könnte meinen, Microsoft sei erledigt gewesen, wenn die Spieleindustrie in Linux investiert hätte.

Aber so ist es nicht gekommen. Die Spielehersteller sind den anderen Weg gegangen und Microsoft sitzt auf dem Desktop-Markt noch immer fest im Sattel. Es würde auch nicht verwundern, wenn Microsoft hinter den Kulissen hier und da etwas nachgeholfen hätte. Gab es vielleicht großzügige Unterstützung bei der Entwicklung von Spielen und Hardware für Windows? Oder gewisse Absprachen, die den Spieleherstellern Vorteile versprechen? Anreize, der Konkurrenz keine Aufmerksamkeit zu schenken? Zugegeben, eine böse Unterstellung ohne Indizien. Es hätte aber durchaus in die bekannterweise ruppigen Geschäftspraktiken Microsofts gepasst.

Wie auch immer: Microsoft hat Glück gehabt. Und DirectX.

Apple und der Desktop-Markt

Die Gefahr für Microsoft ist aber nicht vorbei. Was wäre beispielsweise, wenn Apple auf die Idee käme, in den nächsten Jahren Mac OS-PCs wieder stärker zu fördern? Bei all dem Hype um iPhone und iPad konnte man in den letzten Jahren den Eindruck gewinnen, dass Apple seine Desktop-Sparte etwas vernachlässigt. Genügend Geld, um das zu ändern, hätte Apple. Nach Presseberichten verfügt das Unternehmen über gut 137 Milliarden US-Dollar. Wenn Apple-CEO Tim Cook und sein Team auf die Idee kommen, einige Milliarden in die Mac OS-Plattform zu investieren, könnte das Betriebssystem radikal weiterentwickelt werden. Sie könnten auch die Schar der App-Entwickler zusätzlich für Mac OS begeistern oder eine völlig neue, ultra-coole Generation von Desktop-Rechnern entwerfen. An guten Ideen hat es Apple bisher nie gefehlt.

Da Apple in der Konsumwelt einen erstklassigen Ruf hat, wäre ein richtig guter neuer Mac für Endanwender sicher eine Überlegung wert. Attraktiv wäre auch ein neuer Desktop-Mac für Unternehmen oder Start-ups, deren Mitarbeiter ohnehin schon mit iPhones und iPads ausgestattet sind.

Sollte Apple auf dem Desktop-Markt wieder richtig Gas geben, würden Microsoft, Dell, HP und Konsorten wohl ganz schön arg in Bedrängnis kommen. Bisher gibt es bei Apple noch keine Anzeichen für einen solchen Schritt. Doppeltes Glück für Microsoft...

Kommentare zu diesem Artikel

Das Microsoft-Imperium scheint zu schrumpfen. An einer Monopolstellung hält das Unternehmen aber fest: Der Desktop-PC-Markt bleibt in der Hand von Microsoft mit dem Windows-Betriebssystem.

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  • marcsenn schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Also ich muss schon sagen. Ich Lasse den Drucker(HP Laserjet 4650) beim installieren von Opensuse 12.3 laufen, nach dem installieren hab ich den Drucker Ausdruck fertig. Gleiche bei der Installation von Win 7 Ultimate der Drucker Läuft Win Finden den HP Laserjet herstellt das Symbol in der Hardware Liste, ABER der Treiber Wird nicht installiert, man muss auf HP.com gehen und dort den neusten Treiber Unterladen also nicht bereit. ^^
  • Nope schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Nichts für ungut, aber das Linux mit Spielen erfolgreicher gewesen wäre bezweifel ich. Ich hatte schon immer etwas für Linux übrig, aber es war früher nicht so einfach wie heute Ubuntu. Außerdem gibt es in einigen Bereichen keine Software, z.B. von Adobe oder Autodesk. Wenn es in Zukunft mal die Adobe Cloud Programme auf Linux schaffen, dann fliegt Windows auch komplett von der Platte. Wird aber nicht passieren, doch wenigst gibt es Maya und Mudbox für Linux, dumm nur das ich Zbrush und Max nutze.
  • DerFrickler schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Ich will nicht einem Marktmonopol und übermäßigem Gewinnstreben das Wort reden, aber ist es nicht sinnvoll, für ein Betriebssystem auch Geld bezahlen zu müssen? Von irgendwas müssen die Programmierer ja auch leben! Dem kostenlosen Linix gegenüber sollte man diesbezüglich doch eine gewisse Skepsis walten lassen, denn würde sich das massenhaft durchsetzen, macht man sich auf Dauer möglicherweise die schöpferische Basis kaputt - was nützen einem gute Programmierer, wenn sie zur Bestreitung des Lebensunterhalts Taxi fahren müssen? Nur mal so ein Gedanke als Anreiz zur weiteren Diskussion... So 'n Quark. Mach Dir mal keine Sorgen. Gute Softwareentwickler müssen sobald nicht Taxi fahren. Vor den 80ern konnten Softwareentwickler auch gut überleben. Zu der Zeit war Software eine Dreingabe. Mit Lizenzen Geld zur verdienen hat sich u.A. Bill ausgedacht und er war damit verdammt clever. Leute, ein Grossteil der Personen die am Linux-Kernel arbeiten tun dies Professionell und werden, teilweise von Konzernen, dafür bezahlt. Die bekommen Gehälter von denen Ihr nur träumt. Linus Torvald jedenfalls muss nicht am Hungertuch nagen. Open Source und Geld verdienen schliessen sich eben nicht aus. “free” as in “free speech,” not as in “free beer”: de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software Pro Tag 900.000 Android-Aktivierungen (mit Linux Kernel - Denk mal nach): youtu.be/iNnGMBMJKNM Q&A session with Linus Torvalds: Why is Linux not competitive on desktop? - YouTube Ich bin ebenfalls Softareentwickler und benutze zur Verrichtung meiner Arbeit zu 95% Open Source Software. Den kleinsten Teil verdienen wir mit Lizenzen, den grössten Teil mit Consulting/Customizing (von OSS). cheers P.S.: Niemand hindert Dich daran an die LinuxFoundation oder irgendeine andere Organisation die OSS unterstützt zu Spenden. Man sollte, finde ich, sowieso einen Teil der Steuergelder in OSS investieren, anstatt in Microsoft. P.S.S. Sorry Links darf man als Gast nicht posten und ich will mich nicht für jeden Furz registrieren müssen.
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Auch gut für den Lebenslauf: Zeit damit verplempert, für OpenSuse den Druckertreiber zu suchen, der mir in WIN nachgeworfen wird. Sorry, aber was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Das Wort Linux gelesen und dann gleich mal anfangen zu bashen? :rolleyes:
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    ... WIN nachgeworfen wird. Ja, natürlich. Aber auch nur deshalb, weil Windows ein Markt-Monopol besitzt. Aber Du hast recht - Hardware-Unterstützung ist neben den Spielen auch ein Grund für den Erfolg des Betriebssystems.
  • SusesOpa schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Auch gut für den Lebenslauf: Zeit damit verplempert, für OpenSuse den Druckertreiber zu suchen, der mir in WIN nachgeworfen wird.
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    ... schöpferische Basis ... Ein interessanter Gedankengang. Ich glaube allerdings, dass die meisten Programmierer, die ihre Freizeit opfern um in diesem Bereich ein Betriebssystem zu programmieren oder auch andere Software zu schreiben, auch abseits davon zumindest im IT-Bereich tätig sind. Die Mitarbeit an Linux kann dann als Türöffner fungieren, da es sich wunderbar in den Lebenslauf integrieren lässt. "Am Linux-Kernel-Fix mitgearbeitet ... GIMP auf Version 2.8.2 upgedatet ..."
  • Überleger schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt

    Ich will nicht einem Marktmonopol und übermäßigem Gewinnstreben das Wort reden, aber ist es nicht sinnvoll, für ein Betriebssystem auch Geld bezahlen zu müssen? Von irgendwas müssen die Programmierer ja auch leben! Dem kostenlosen Linix gegenüber sollte man diesbezüglich doch eine gewisse Skepsis walten lassen, denn würde sich das massenhaft durchsetzen, macht man sich auf Dauer möglicherweise die schöpferische Basis kaputt - was nützen einem gute Programmierer, wenn sie zur Bestreitung des Lebensunterhalts Taxi fahren müssen? Nur mal so ein Gedanke als Anreiz zur weiteren Diskussion...

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Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt
Kommentar: Was Microsoft Linux verdankt
Um Microsoft ist es ruhig geworden. Im Desktop-PC-Bereich ist der Software-Riese aber noch immer von großer Bedeutung.
http://www.netzwelt.de/news/95238-kommentar-microsoft-linux-verdankt.html
2013-02-22 15:04:09
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/desktop-bereich-microsoft-windows-betriebssystem-immer-noch-marktfuehrer-bild-microsoftwindows-8-18160.jpg
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