Kein reiner Luxus

Vertu Ti: Android-Smartphone für 7.900 Euro vorgestellt

Der sonst eher im Stillen agierende Luxushandyhersteller Vertu drängt mit seinem ersten Android-Smartphone Vertu Ti verstärkt in die Öffentlichkeit. Netzwelt sprach am Rande des Launch-Events in München mit Gordon Watson, General Manager EMEA, und Chefdesigner Hutch Hutchison über die Vorzüge des 7.900-Euro-Smartphones und wie das Massenmarkt-Handy OS Android zum exklusiven Charakter der Vertu-Smartphones passt.

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Vertu Ti: Android-Smartphone für 7.900 Euro vorgestellt: Das Vertu Ti kostet 7.900 Euro und läuft mit Android 4.0. Zum Video: Vertu Ti: Android-Smartphone für 7.900 Euro vorgestellt

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Mehr als nur gutes Aussehen
  2. 2Android ist der angesagteste Klub
  3. 3Jelly Bean in Arbeit
  4. 4Angenehmes Gefühl
  5. 5Keine Wartezeiten

Auf dem Tisch vor netzwelt liegt das neue Vertu Ti - ein Premium-Smartphone, das den Namen verdient. Je nach Ausführung kostet das Modell im Handel das 11- beziehungsweise 24-fache des Apple iPhone 5. Mit Samthandschuhen anfassen muss man die Modelle dennoch nicht - auch wenn die Mitarbeiter dies in den 70 Vertu Boutiquen weltweit tun.

"Wir bauen Smartphones, die nicht nur gut aussehen, sondern auch langlebig sind", sagt Vertu-Chefdesinger Hutch Hutchison im Gespräch mit netzwelt. Ein Vertu-Smartphone sei fünfmal so widerstandsfähig wie ein herkömmliches Mobiltelefon, führt er aus und zählt dabei noch einmal die verwendeten Materialien auf: Titan, Leder, Saphirkristallglas - diese seien nicht nur purer Luxus, sondern bürgten auch für hohe Robustheit. Die das Vertu-Team intern neuen Mitarbeitern gerne via Handyweitwurf demonstriert, wie netzwelt zu Ohren kam. Darauf verzichtet Hutchison im Gespräch aber und verweist lieber auf die umfangreichen Tests, die die Geräte durchlaufen. So halte das Vertu Ti-Display etwa dem Aufprall eines 110 Kilogramm schweren Kugellagers stand.

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Vertu Ti

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Mehr als nur gutes Aussehen

Bereits nach wenigen Gesprächsminuten wird deutlich: Vertu will in der Öffentlichkeit nicht mehr länger als Hersteller sündhaft teurer Gadgets für die oberen 10.000 wahrgenommen, sondern als Spezialist anerkannt werden. "Langlebige Smartphones zu bauen ist nicht leicht, wäre es leicht, würde es jeder machen", sagt Hutchison. 

Alle Vertu-Geräte werden in Handarbeit im Stammwerk im britischen Hampshire gefertigt. Bei Design und Fertigung wird selbst auf Kleinigkeiten geachtet: Das den Ohrmuschellautsprecher umgebene Material etwa kühlt weder stark aus, noch erwähmt es sich übermäßig. So soll der Nutzer beim Telefonieren stets ein angenehmes Gefühl haben.

Android ist der angesagteste Klub

Bis 2012 war Vertu ein Tochterunternehmen des früheren Marktführers Nokia. Dieser veräußerte es jedoch im Zuge seiner Umstrukturierung an den Finanzinvestor EQT. Die Trennung von Nokia bekräftigt Vertu nun auch nachdrücklich mit dem neuen Modell Vertu Ti. Erstmals läuft auf einem Vertu-Smartphone nicht mehr das von Nokia entwickelte Symbian-System, sondern Googles Handy-OS Android.

Moment. Android?! Ein System, das auch auf 99-Euro-Handys zum Einsatz kommt? Wie passt das zu einem Luxus-Smartphone? "Es gibt keine Luxus-Software", erwidert Hutchison auf den Einwand, das Massenmarkt Handy-OS unterstreiche nicht gerade den exklusiven Charakter von Vertu. Bei Software komme es nicht auf die Exklusivität an, sondern darauf, dass sie einwandfrei funktioniere und die Nutzer alles damit machen können, was sie wollen.

Das ein neues Handy-OS her müsse sei den Vertu-Verantwortlichen zudem schon länger klar gewesen - und Android habe 86 Prozent Marktanteil. Es war also keine schwere Entscheidung auf welches Betriebssystem man in Hampshire künftig setzen wolle. Man habe zwar das Angebot gehabt Smartphones mit anderen Systemen zu bauen - etwa MeeGo, dies sei aber keine Option gewesen. "Will man einen Klub beitreten, tritt man dem größten bei und nicht einem Klub ohne Mitglieder", sagt Hutchison.

Jelly Bean in Arbeit

Aktuell läuft das Vertu Ti noch mit Android 4.0, ein Update auf die neuere Version Jelly Bean sei aber bereits in Arbeit. Auf größere Anpassungen des Handy-OS hat Vertu verzichtet: Icons wurden aufgehübscht, die die Anzahl der Startbildschirme anzeigenden Punkte durch einen virtuellen Lichtstrahl ersetzt, und die typische Vertu-Analoguhr als Widget auf den Startbildschirm verankert. Diese ist jedoch mehr als eine Remisenz an frühere Modelle: Blaue Punkte zeigen auf der Uhr beispielsweise Kalendertermine an, ein roter Punkt markiert die aktuell gewählte Weckzeit. "Man kann mit einem Blick in die Zukunft sehen", erklärt Hutchison die Vorteile der analogen Anzeige.

Angenehmes Gefühl

Nun ist es Zeit für ein Hands on - auch wenn dies ausnahmensweise nicht auf dem Uhren-Widget abzulesen ist. Vertu-General Manager EMEA Gordon Watson drückt netzwelt das Vertu Ti - Titanium Black Leather in die Hand. Verkaufspreis 7.900 Euro - ein Schnäppchen. Die Luxusausführung des Vertu Ti mit PVD-Leder und Gold-Elementen kostet 16.500 Euro.

Der erste Eindruck: Angenehme Haptik, extrem wertige Verarbeitung und das Gerät ist fix. Denn auch unter der Haube hat Vertu sein aktuelles Modell getunt. Herzstück des Smartphones ist ein 1,7-Gigahertz-Dual-Core-Snapdragon-S4-Prozessor. Auf der Rückseite finden Nutzer eine 8-Megapixel-Kamera, NFC ist ebenso in das Gerät integriert wie 64 Gigabyte interner Speicher. Klingt gut, ob das Vertu Ti jedoch wirklich wie bei der Präsentation versprochen an das iPhone 5 oder das Galaxy S3 heranreicht muss ein ausführlicher Test zeigen.

Keine Wartezeiten

Wer nicht warten will, kann sich selbst einen Eindruck in einem Vertu-Shop machen und das notwendige Kleingeld vorausgesetzt anders als man erwarteten könnte sein Vertu Ti gleich mitnehmen. "Wir halten in unseren Shops eine gewisse Stückzahl an Modellvarianten vor. Nur wenn Sie als Kunde sehr spezielle Wünsche haben, kann es sein, dass sie ein paar Wochen auf ihr Exemplar warten müssen", erklärt Watson.

Spezielle Wünsche erfüllt auch der auf den Geräten vorinstallierte Concierge-Service. Dahinter verbirgt sich ein Netzwerk an Vertu-Mitarbeitern, die den Kunden etwa das Reservieren eines Tisches im Restaurant abnehmen oder ihnen Karten für das eigentlich ausverkaufte Champions League Finale besorgen. Kunden können den Concierge ein Jahr lang kostenlos nutzen, danach wird eine Gebühr fällig. Inwieweit sich diese Services im Verkaufspreis niederschlagen, will Vertu jedoch nicht verraten.

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