Experiment
Digitaler Voyeurismus: Facebook Graph Search ausprobiert
Eigentlich sollen mit Facebook Graph Search alltägliche Fragen wie "Welche Freunde wohnen in meiner Nähe?" oder "Welche Restaurants mögen meine Freunde?" geklärt werden. Dass sich mit dem neuen Tool aber auch höchst delikate und kontroverse Dinge herausfinden lassen, zeigt netzwelt in einem kleinen Experiment.
Inhaltsverzeichnis
- 1Zugang durch Anmeldung
- 2Simple Fragen
- 3Verknüpfungen
- 4Doppelmoral
- 5Recht nützlich
- 6Datenbank
- 7Fazit
Dass ein Großteil der eigenen Freunde bei Facebook den "Gefällt mir"-Knopf für niedliche Tierwelpen und Katzen gedrückt hat, dürfte niemanden überraschen. Interessanter wird es, wenn sich herausstellt, dass einige Menschen in der näheren Umgebung eine Vorliebe für Schusswaffen hegen. Egal ob Kätzchen, Waffen, Kuchen oder Drogen: Mit der Facebook Graph Search lassen sich viele Dinge über bekannte und unbekannte Menschen herausfinden.
Zugang durch Anmeldung
Schon vor Kurzem hat der britische Blogger Tom Scott an einigen Beispielen gezeigt, welche unbequemen Details sich mit Graph Search innerhalb von Sekunden recherchieren lassen. Auch netzwelt hat in einem kleinen Experiment kontroverse Details, lustige Verbindungen und auch ein paar nützliche Anwendungsszenarien der Suche entdeckt.
Momentan steht Graph Search nur bestimmten Nutzern zur Verfügung. Wer Interesse hat, kann sich hier auf die Warteliste setzen. Ist der Zugang vorhanden, taucht Graph Search am oberen Rand des Bildschirms im Sozialen Netzwerk auf.
Simple Fragen
Mit simplen Sätzen stellt der Nutzer Facebook hier seine Fragen. Wer zum Beispiel immer schon einmal wissen wollte, welche Personen Filesharing mögen oder Fans der Torrent-Seite The Pirate Bay sind, dem wird die Graph Search-Funktion helfen. Auch die Antwort darauf, welche Mitglieder des Sozialen Netzwerks die Nachfolgeseite von kino.to nutzen, bleibt dem Suchenden nicht verborgen.
Mit einer simplen Frage nach angegebenen Interessen lässt sich schnell herausfinden, welche Hobbys ein Mensch hat, wofür er sich begeistert und was ihn bewegt - im guten wie im schlechten Sinne. Die Fragen nach Drogenvorlieben oder der Lieblingsspeise: Fast alles kann Facebook beantworten. Besonders interessant wird es, wenn der Nutzer mittels Verknüpfungen verschiedener Parameter sucht.
Verknüpfungen
Ein Beispiel: "Single Frauen, die in der Nähe wohnen, interessiert an Männern sind und sich gerne betrinken". Diesen Satz hat auch schon Tom Scott in Graph Search eingetippt und erstaunlich viele Ergebnisse bekommen. Über 100 Frauen fand der Blogger, die laut Facebook auf die Beschreibung zutreffen. Auch netzwelt konnte mit denselben Such-Parametern zumindest ein Mädchen mit den entsprechenden Angaben in der näheren Umgebung finden.

Die Suche nach Waffennarren war da schon ergiebiger. In Hamburg konnte netzwelt immerhin über 20 Personen finden, die diese Angabe über sich veröffentlichten. Wohl gemerkt: Graph Search findet nur öffentliche Informationen.
Mit den richtigen Fragen kommen dabei mitunter auch sehr widersprüchliche Ergebnisse zustande.
Doppelmoral
Rechtsextreme, die einem Döner nicht abgeneigt sind? Graph Seach findet 100 von diesen widersprüchlichen Geistern, die bei NPD und dem berühmten Fladenbrot mit Salat, Fleisch und Soße auf "Gefällt mir" klicken.

Eine ähnlich belustigende Doppelmoral gibt es bei Vegetariern, die gerne bei McDonalds essen: Laut Facebook sind das über 1.000. Auch interessant: Den "Gefällt mir"-Knopf bei dem Öl-Multi Shell drücken und gleichzeitig ein Herz für Vögel, Robben und anderes Getier haben.

Recht nützlich
Neben der Suche nach Personen mit fragwürdiger Doppelmoral und kontroversen Interessen, lässt sich Graph Search auch für nützliche Dinge verwenden. Mit einem simplen Befehl zeigt Facebook dem Nutzer beispielsweise, welche Restaurants, Bars oder Clubs unter den eigenen Freunden einen besonders guten Ruf genießen.
Erstaunlich gut eignet sich Graph Search auch, um eine ganz bestimmte Person zu suchen. Mit nur einigen Angaben, wie dem Wohnort, einer Lieblingsband und dem Vornamen, kann die gesuchte Person gefunden werden.
Datenbank
Die Datenbank, mit der die soziale Suche von Facebook arbeitet, basiert zum Großteil auf den „Gefällt mir"-Angaben der Nutzer. Einige Mitglieder des Netzwerks sind bei ihren Sympathiebekundungen recht freizügig: Im US-amerikanischen Raum ist es üblich, über 1.000 "Gefällt mir"-Angaben zu haben. Mit so vielen Details können die Personen sehr einfach gefunden und eingeordnet werden.
Nutzer, die gar nicht mittels der neuen Suche von Fremden gefunden und eingeordnet werden wollen, sollten ihre "Gefällt mir"-Angaben nur für Freunde sichtbar machen.
Fazit
Das kleine Experiment zeigt: Graph Search besitzt eine erschreckend detaillierte Datenbank, die mit den Informationen der Mitglieder gefüttert ist. Wer genügend Zeit hat, kann sich wildfremde Menschen nach Vorlieben, Interessen, Alter, Geschlecht, politischer Orientierung, religiösen Ansichten und vielen weiteren Parametern kategorisieren lassen. Mit einer sehr detaillierten Frage lassen sich sogar ganz bestimmte Personen herausfiltern. So nützlich wie die Suche sein kann, so einfach ist es auch, sich von ihr zu einer Runde digitalem Voyerismus verführen zu lassen.
Informationen zum Schutz der eigenen Privatsphäre und weitere nützliche Informationen erhalten Sie im Facebook Beginner's Guide.


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Beiträge
insgesamt 3 BeiträgeOh-mein-Gott, welch Skandal! Mal ehrlich, dass Privatsphäre auf Facebook nur bedingt genießbar ist, ist doch nichts neues. Wie schon erwähnt, greift der Graph auch nur auf die Informationen zu, die er aus...
Zitat: ... jammert ... Nimm es nicht als jammern, sondern als gut gemeinten Hinweis. Viele Leute sind sehr freigiebig mit ihren Daten auf Facebook. Gerade auch auf Facebook....
und was ist daran so schlimm??? solche felder hat fast jede community zum anklicken für die suche, aber da jammert keiner, nur bei facebook...