Sind Sherlock und Watson Public Domain oder geistiges Eigentum?

Public Domain: Urheberrechts-Krimi um Sherlock Holmes

Der Charakter Sherlock Holmes aus der berühmten Buchreihe von Sir Arthur Conan Doyle wurde 1887 erschaffen. Sherlock und sein Freund Watson haben seitdem zahllose Geschichten, Filme und Serien inspiriert. Nun ist zwischen den Erben der Werke und einem Autor ein Streit darum entbrannt, ob die Figur des Sherlock geistiges Eigentum der Allgemeinheit ist. Der Fall Sherlock Holmes landete im US-Bundesstaat Illinois vor Gericht.

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Sherlock Holmes und sein Freund Watson werden ein Fall fürs Gericht. (Quelle: Screenshot)
Sherlock Holmes und sein Freund Watson werden ein Fall fürs Gericht. (Quelle: Screenshot)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Public Domain: Allgemeingut oder private Nutzungsrechte?
  2. 2Klinger vs. "Sir Arthur Conan Doyle Estate"
  3. 3Sind 126 Jahre genug?
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Public Domain: Allgemeingut oder private Nutzungsrechte?

Nach US-Recht gehen die Nutzungsrechte urheberrechtlich geschützter Werke nach einer definierten Übergangszeit an die Allgemeinheit, in die "Public Domain" über. Die Public Domain wird entweder siebzig Jahre nach Tod des Autors oder fünfundneunzig Jahre nach dem ersten Erscheinen des Werkes erreicht. Danach darf beispielsweise jeder Verlag ein Werk aus der Public Domain ohne eine Zahlung an die Nachfahren herausgeben.

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Der Fall Sherlock Holmes ist hier eigentlich eindeutig. Die exklusiven Nutzungsrechte der Nachfahren an den Geschichten sind bis auf einige wenige, in einem Buch erschienenen Kurzgeschichten, bereits erloschen. Dieses eine Buch nimmt das "Sir Arthur Conan Doyle Estate" nun aber als Argumentationshilfe um den Standpunkt zu vertreten, Sherlock Holmes und weitere Figuren seien mindestens noch bis zum Jahr 2023 urheberrechtlich geschützt. Wer diese Figuren verwendet, müsse an sie zahlen, so die Erben des geistigen Eigentums von Sir Arthur Conan Doyle.

Klinger vs. "Sir Arthur Conan Doyle Estate"

Die mutmaßlichen Rechteinhaber wandten sich an den Autor Leslie S. Klinger, der beabsichtigt ein Buch mit Interpretationen der Figur des Sherlock Holmes durch Mystery- und Science-Fiction-Autoren zu schreiben. Klinger ist bekannt als Sherlock-Holmes-Experte und hat bereits Warner beim Dreh für den neuesten Sherlock-Film mit Robert Downej Jr. beraten.

Laut Aussagen des Verlags des Autors Pegasus, habe das "Sir Arthur Conan Doyle Estate" unterschwellig mitgeteilt, dass die großen Buchanbieter wie etwa Amazon und Barnes & Noble nicht bereit wären eine unlizensierte Fassung anzubieten. Das Sir Arthur Conan Doyle Estate gab laut Klageschrift an, in der Vergangenheit bereits dafür gesorgt zu haben, dass nicht lizensierte Bücher bei diesen großen Anbietern aus den Regalen verschwunden sind.

Als der Autor darauf hin eine plötzliche Absage von seinem bisherigen Verlag Pegasus bekam, entschloss er sich die Sache vor Gericht zu klären. Er argumentiert, alle wichtigen Charaktere seien bereits vor dem letzten Buch eingeführt worden. Das Argument, Sherlock Holmes sei als Figur weiterhin urheberrechtlich geschützt, sei daher abwegig. Auch die für sein vorheriges Werk über den berühmten Detektiv von seinem damaligen Verlag bezahlte Lizenzgebühr sei daher unnötig gewesen.

Sind 126 Jahre genug?

Im Jahr 2013, 126 Jahre nach dem ersten Erscheinen des "Scharlachroten Buchstaben" von Sir Arthur Conan Doyle, hat Sherlock Holmes gute Karten, nun auch offiziell den Sprung in die "Public Domain" zu schaffen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Verfilmungen in Film und Fernsehen und auch dem neuesten Aufschlag zu einer Computerspiel-Adaption könnte das Urteil durchaus praktische Auswirkungen haben. Das Filmstudio Warner und die TV-Sender CBS und BBC dürften den Fall jedenfalls wegen eigener Produktionen aufmerksam verfolgen.

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