Medienkonsum und seine Auswirkung im Internet-Zeitalter

Kommentar: Web 2.0, die Skandalmaschine

Das Internet hat die Aufdeckung echter oder vermeintlicher Skandale enorm beschleunigt. Von Guttenberg über Wulff und Brüderle bis hin zu Schavan, alles wird aufgedeckt, nichts bleibt ungesühnt. Doch dabei sollte man nicht vergessen, dass hinter der enthüllenden Berichterstattung oft nur eines steht: der Kampf der Verlage um Klicks.

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Dort kann man schnell landen: Der digitale Schandpfahl im Internet. (Bild: netzwelt)
Dort kann man schnell landen: der digitale Schandpfahl im Internet. (Bild: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. 11. Die Berichterstattung wird schneller
  2. 22. Viel mehr Details
  3. 33. Banalitäten als Ereignis
  4. 44. Die Leser steuern die Themen
  5. 55. Die Berichterstattung wird emotionaler
  6. 66. Die Masse herrscht
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Nach dem Rücktritt der Bundesbildungsministerin Annette Schavan wird wieder viel diskutiert über digitale Wutbürger, die angeblich schuld daran seien, dass Schavan über ihre missglückte Doktorarbeit gestolpert ist.

Tatsächlich haben die politische Berichterstattung im Web, die Beiträge in den Kommentarspalten der Newsseiten, die Twitter-Stürme und die Weblogs eine Menge verändert. Viele Politiker kratzen sich ratlos am Kopf, denn das Klima ist rau und unberechenbar geworden.

Im Vergleich zur "guten alten Zeit" der Printmedien zeichnet sich die digitale Öffentlichkeit im Web durch einige wesentliche Unterschiede aus.

1. Die Berichterstattung wird schneller

Früher haben aktuelle Themen oder Skandale einige Wochen gebraucht, um sich zu entfalten. Kein Wunder, denn die Zeitung erscheint nur einmal pro Tag. In den News-Portalen geht das aber wesentlich schneller. Eine Redaktion könnte zu einem gegebenen Thema jede Stunde einen neuen Artikel bringen und neue Aspekte ausgraben. Manchmal ist die Berichterstattung so schnell, dass die Betroffenen kaum mehr Zeit haben, angemessen zu reagieren. Ein Beispiel ist der Fall Rainer Brüderle, bei dem der FDP-Politiker kaum Zeit hatte, sich eine Verteidigungsstrategie auszudenken, so schnell schwappte die Empörung über seine angebliche sexistische Entgleisung an der Hotelbar in den Blogs und in Twitter hoch.

Das führt am Ende aber auch dazu, dass Themen schneller "durch" sind. Statt einer wochenlang in Feuilletons und Kommentarspalten tobenden Diskussion sind viele Leute schon nach ein paar Tagen satt. Dann brauchen sie schnell wieder neue Themen. Vorgestern Brüderle, gestern Papst-Rücktritt, heute Pferdefleisch.



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