Datenschutz

Pseudonym bei Facebook: Was bringt der Nickname wirklich?

Facebook sammelt Daten seiner Nutzer, dies ist kein Geheimnis. Viele Nutzer versuchen sich davor mit einem Pseudonym zu schützen: "Ohne Vor- und Nachname und mit einem Fakeprofil kann Facebook ja gar nicht so viel über mich erfahren", so die gängige Vermutung. Doch stimmt das überhaupt? Netzwelt hat sich einmal angeschaut, welche Daten man trotz Fakeprofil bei Facebook hinterlässt.

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Wie anonym ist man mit einem Fake-Profil bei Facebook? (Bild: Screenshot Facebook.de)
Wie anonym ist man mit einem Fake-Profil bei Facebook? (Bild: Screenshot Facebook.de)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Facebook-Cookies: Ich weiß, auf welchen Seiten du surfst
  2. 2Klarnamenoffensive: Facebook fragt deine Freunde aus
  3. 3Der Telefon-Trick
  4. 4Gruppen und Nachrichten: Wenn Dritte sich verplappern
  5. 5Soziale Netzwerke: Nenne mir deine Freunde und ich sage, wer du bist
  6. 6Biometrische Fotos: Ich tagge, wer du bist!
  7. 7Der Adressbuch-Trick
  8. 8Fazit
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Facebook-Cookies: Ich weiß, auf welchen Seiten du surfst

Wer Facebook nutzt, lässt meist auch zu, dass sich der Facebook-Cookie im Browser einnistet. Cookies sind ganz schön praktisch, wenn man von Seiten wiedererkannt werden möchte. Wenn es um den Datenschutz geht, sind Cookies aber ein echtes Risiko. Wer so einen Cookie bei sich im Browser hat, wird nämlich von Facebook erkannt, wenn er sich auf Seiten herumtreibt, die den Like-Button eingebunden haben. Und das auch ohne gerade bei Facebook angemeldet zu sein. Wenn man gleichzeitig bei Facebook angemeldet ist, dann bekommt Facebook natürlich erst recht mit, wo man sich im Netz herumtreibt.

Die URL der besuchten Seite und die IP-Adresse des Surfers werden an das Soziale Netzwerk übertragen. Und welche Seiten man im Web ansurft, kann Rückschlüsse auf die Identität erlauben. Hier ist also Vorsicht geboten, wenn man unerkannt bleiben will. In einem Video erklärt netzwelt, wie man den neugierigen Cookies auf die Schliche kommt.

Klarnamenoffensive: Facebook fragt deine Freunde aus

Eigentlich darf man bei Facebook gar keine Pseudonyme oder Nicknames benutzen. Um diese Bestimmung aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzusetzen, greift Facebook vermehrt zu rabiaten Methoden. Das Unternehmen fragt gezielt Freunde und Bekannte von Nutzern, ob der im Profil angegebene Name echt ist. Den Meldern von Unregelmäßigkeiten wird Anonymität zugesichert.

Auch wenn Facebook angibt, die Informationen über Dritte hätten keine Folgen für das Konto des Freundes, stimmt das nicht ganz. Wenn es hart auf hart kommt, darf Facebook laut Allgemeiner Geschäftsbedingungen Konten mit Pseudonymen sperren. Wer viel Zeit und Energie in sein Profil investiert hat, kann so gezwungen werden, seine echten Daten preis zu geben.

Der Telefon-Trick

Facebook fragt Nutzer auch nach ihrer Telefonnummer. Im Gegenzug bietet das Unternehmen eine doppelte Authentifizierung bei der Anmeldung an. Dabei wird ein an das Handy geschickter Code abgefragt, wenn man sich von einem fremden Rechner aus bei Facebook einloggen möchte. Wer hier seine Privatnummer angibt, stellt einen Zusammenhang zwischen Telefonanschluss und "pseudonymem" Facebook-Profil her. Doch Mailadresse und Telefonnummer können bei unbedachten Privatsphäre-Einstellungen auch für andere sichtbar sein.

Facebook ermöglicht es Nutzern nämlich, über die "Rückwärtssuche" Inhaber von Telefonnummern und Mailadressen zu finden, wenn diese Funktion nicht über die Privatsphäre-Einstellungen vom Inhaber der Kontaktdaten gesperrt wurde. Werbetreibende können bei Facebook anfragen, ob eine Telefonnummer in ihrem Datenpool bereits Facebook vorliegt, bekommen dabei angeblich aber keine Informationen über die Identität des Nutzers.

Gruppen und Nachrichten: Wenn Dritte sich verplappern

Wer Facebook unter Pseudonym nutzt, ist bei der Verschleierung seiner Identität nicht nur auf die eigene Verschwiegenheit angewiesen. Denn auch die Freunde können sich verplappern. Unbedachte Postings können detaillierte Informationen über die Identität des Nutzers preisgeben, beispielsweise Name und Wohnort oder ganz klassisch das Geburtsdatum über Geburtstagswünsche.

Auf welchen Parties treibt man sich herum? Wer ist wessen Arbeitskollege und wer hat zusammen mit wem welche Schule besucht? In welchen Uni-Gruppen ist man Mitglied? Wenn all diese kleinen Schnipsel zusammengelegt werden, braucht es meist nicht viel Geschick, um eine Identität zu rekonstruieren. Da hilft dann auch kein Pseudonym mehr.

Soziale Netzwerke: Nenne mir deine Freunde und ich sage, wer du bist

Wer mit seinem Fake-Profil mit seinen echten Freunden befreundet ist, hinterlässt trotz Fake-Name eine Datenspur. Man braucht keine großartige Software, um auffällige Häufungen bestimmter Daten unter den Freunden festzustellen: Wohnort, Arbeit, Schule und Hobbies. Mithilfe dieser Angaben kann die Identität immer weiter eingegrenzt werden.

Es existiert mittlerweile auch Software, die Profilangaben von Freunden automatisiert analysiert und anhand von statistischen Vergleichsdaten ausspuckt, ob jemand beispielsweise wahrscheinlich schwul ist oder nicht. Dieser sogennannte "Gaydar" hat eine erschreckend hohe Trefferquote und kann zu ungewollten Coming-Outs führen.

Biometrische Fotos: Ich tagge, wer du bist!

In Deutschland hat Facebook seine umstrittene biometrische Gesichtserkennung nach Protest von Datenschützern abgestellt und die Daten unter Aufsicht des Hamburger Datenschutzbeauftragten gelöscht. Doch wer garantiert, dass das so bleibt? Zuvor war es möglich, dass Dritte Nutzer auf Bildern markieren.

Die Gesichtserkennungs-Software von Facebook hat mit jedem Klick gelernt und nach einiger Zeit auch automatisch Namen zu Bildern vorgeschlagen. Derzeit ist die Gesichtserkennung in Deutschland nicht "scharf" gestellt. Doch die Ausnahmeregelung gilt nur für Deutschland und nicht für den Rest des Netzwerks.

Der Adressbuch-Trick

Facebook fordert Nutzer gezielt dazu auf, private Daten aus den Adressbüchern bei Facebook hochzuladen. Mit den Daten aus dem "Freunde-Finder" werden dann Vorschläge erstellt, wen man bei Facebook kennen könnte. Wer sich also mit einem Fake-Profil bei Facebook anmeldet und dabei seine weit bekannte Mailadresse verwendet, vergisst, dass die eingegebenen Daten bei Facebook auch mit anderen Daten angefüttert werden. Wenn der Chef oder die Eltern dann trotz vermeintlich geheimen Nutzeraccount Freundschaftsanfragen schicken, könnte es daran liegen.

Gegen diesen "Freunde-Finder" von Facebook läuft übrigens derzeit ein Gerichtsverfahren von Verbraucherschützern. Denn die Betroffenen haben der Weitergabe der eigenen Kontaktdaten an Facebook nicht zugestimmt. Über "Facebook Graph Search" können bei den Standard-Privatsphäre-Einstellungen übrigens auch andere Details der Nutzer gezielt recherchiert werden.

Fazit

Auch ohne Klarnamen wir es zunehmend schwer, bei und von Facebook unerkannt zu bleiben. Erste Hilfe in puncto Datenschutz für alle pseudonymen und mit Namen registrierten Nutzer bietet ein Blick in die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook. Die Firefox-App Facebook Privacy Watcher hilft dabei, den Überblick im Einstellungs-Dschungel zu behalten.

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