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Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz
Empörung auf Facebook

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" sorgt für einen Sturm der Entrüstung auf Facebook. Der 29-minütige Film zeigt die widrigen Umstände, unter denen Wanderarbeiter beim Online-Versand arbeiten müssen.

Die ARD zeigte gestern eine Reportage über den Online-Versand Amazon. Die Dokumentation mit dem Titel "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" zeigt die widrigen Umstände, unter denen die Arbeiter Pakete für den Versand vorbereiten. Der Bericht zieht eine Welle der Entrüstung auf Facebook nach sich. Nun hat Amazon den Vertrag mit dem kritisierten Sicherheitsdienst gekündigt.

Eine ARD-Reportage deckt auf, wie Amazon.de seine günstigen Preise halten kann. (Quelle: Screenshot ardmediathek.de)

Das Update vom 14. und 18. Februar finden Sie am Ende des Artikels.

Nach der Erstausstrahlung der ARD-Doku "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" häufen sich die wütenden Kommentare auf der Facebook-Seite des Versandhaus. Nutzer machen ihrem Ärger über die offenbar widrigen Arbeitsbedingungen beim weltweit größten Online-Versand Luft. "Sauerei, was die machen" oder auch "Saftladen" gehören zu den tausenden Kommentaren, die sich inzwischen auf der Facebook-Seite des Unternehmens angesammelt haben.

Wanderarbeiter werden angelockt

Doch was hat den Ärger ausgelöst? Die ARD-Reportage berichtet von Tausenden Wanderarbeitern, die Amazon mit großen Versprechen nach Deutschland lockt. Besonders Spanier würden diesem Ruf folgen. Am neuen Arbeitsort angekommen, folge dann jedoch die "böse Überraschung". Nicht Amazon, sondern eine Leiharbeitsfirma stellt die Wanderarbeiter an. Diese gibt ihnen dann weniger Lohn als eigentlich besprochen. Nach jedem Arbeitstag müssen die Mitarbeiter zudem stundenlang auf einen überfüllten Bus warten, der sie dann in eine kilometerweit entfernte Unterkunft bringt.

Die Unterkunft ist ein im Winter geschlossener Freizeitpark, in dem immer zwei Personen in einem kleinen Zimmer leben. Zudem sorge dort der Sicherheitsdienst H.E.S.S. (Hensel European Security Services) dafür, dass keiner der Angestellten aus der Reihe tanzt. Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sollen Beziehungen zum rechtsradikalen Milieu haben. Das Prinzip setze auf Einschüchterung, schreibt die ARD. "Wer sich wehrt, fliegt raus."

Nicht zum ersten Mal zeigt eine Reportage, unter welchen Umständen Amazon.de seine günstigen Preise halten kann. Aber die Journalisten Diana Löbl und Peter Onneken scheinen mit ihrem 29-minütigen Bericht viele Menschen aufgebracht zu haben.

Auf der Facebook-Seite von Amazon häufen sich seit der Ausstrahlung Kritik und Beleidigungen. Viele Nutzer geben an, ihr Amazon-Konto gelöscht zu haben und nie wieder bei dem Online-Versand bestellen zu wollen. Amazon selbst hat sich bisher noch nicht geäußert. Eine entsprechende Anfrage von netzwelt läuft.

Hier können Sie sich den Bericht anschauen. Am 24. Februar wird die Reportage erneut im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.

Update 14:27 Uhr: Amazon nimmt Stellung

Amazon nimmt in einer E-Mail, die netzwelt vorliegt, Stellung zu den Vorwürfen der beiden ARD-Redakteure. Demnach würden die spanischen Wanderarbeiter, die in dem Bericht gezeigt wurden, bei einer 37,5 Stundenwoche 1.400 Euro brutto verdienen. In der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Der Betrag würde zudem auch dann gezahlt, wenn nicht die volle Anzahl an Stunden geleistet wurde. In der Reportage war von einem Stundenlohn von um die neun Euro brutto die Rede gewesen. Amazon zufolge erhalten alle Angestellten, die über ein Jahr in dem Logistikzentrum arbeiten, über zehn Euro.

In Bezug auf das Sicherheitsunternehmen H.E.S.S. heißt es in der Stellungnahme: "Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten."

Update 18. Februar: Amazon kündigt Vertrag mit Sicherheitsdienst

Amazon hat den Vertrag mit dem kritisierten Sicherheitsdienst H.E.S.S. aufgekündigt. Dies bestätigte das Unternehmen auf netzwelt-Anfrage. Amazon habe eine Null-Toleranz-Grenze gegenüber Diskriminierung und Einschüchterung, heißt es in der Stellungnahme.

Das Sicherheitsunternehmen hat derweil eine Verbindung zu rechtsradikalen Gruppierungen bestritten. Das Tragen von Thor Steiner-Jacken habe man unverzüglich untersagt. Geschäftsführer Patrick Hensel betont in einer Stellungnahme, das seine Firma von Amazon beauftragt wurde, Streitigkeiten unter den Angestellten zu vermeiden. Mit den Journalisten hätten sich seine Mitarbeiter nur auf Zuruf des Hotelbesitzers beschäftigt, der diesen ein Hausverbot erteilt hatte.

Kommentare zu diesem Artikel

Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" sorgt für einen Sturm der Entrüstung auf Facebook. Der 29-minütige Film zeigt die widrigen Umstände, unter denen Wanderarbeiter beim Online-Versand arbeiten müssen.

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Zum Thema: Nach ARD-Reportage: Mitarbeiter verteidigen Amazon -> www.netzwelt.de/news/95206-ard-reportage-mitarbeiter-verteidigen-amazon.html
  • Ernest schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    ich arbeite bei amazon schon lange und weiss wovon ich rede. sicher ist nicht alles toll und es könnte besser sein, aber so schlimm wie es in der presse oft dargestellt wird, ist es lange nicht!!!!Einmal das und zum anderen würde zumindest mich mal interessieren, wie es hinter den glänzenden Kulissen von ARD & Co. aussieht. Ich denke mal, daß es auch den einen oder anderen Sender gibt, der seine Leichen aus dem Keller nicht gerne in der Sonne präsentiert. :)
  • ich schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    ich arbeite bei amazon schon lange und weiss wovon ich rede. sicher ist nicht alles toll und es könnte besser sein, aber so schlimm wie es in der presse oft dargestellt wird, ist es lange nicht!!!!
  • Scofield schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Falsch berichtet: Ex-Amazon-Zeitarbeiterin wirft ARD-Reportern Verfälschung vor

    Das ist besonders für Silvina Cerrada unangenehm, die in dem Fernsehbeitrag als Amazon-Zeitarbeiterin zu Wort kommt und auch namentlich genannt wird. Sie arbeitet seit November im Seepark-Hotel. Da sie mit dem Geld ihre Familie in Spanien unterstützen musste, habe sie von Anfang an überlegt, sich noch etwas dazu zu verdienen. „Ich habe deshalb gefragt, ob ich im Hotel im Servicebereich arbeiten kann.“ Die Zeitarbeitsfirma wollte dies zunächst nicht erlauben, doch Amazon habe grünes Licht gegeben. Noch während sie bei Amazon arbeitete, verdiente sie sich so auf 400-Euro-Basis etwas dazu. Seit sie bei Amazon nicht weiterbeschäftigt wurde, arbeitet sie Vollzeit im Seepark-Hotel.

    Über den Fernsehbeitrag kann sie sich im Nachhinein nur wundern. „Vieles ist zwar wahr, aber Vieles ist auch sehr verdreht dargestellt.“
  • Ernest schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Wichtig ist für unseren Staat nur, daß Steuern gezahlt werden. Mit dubiosen Vorgängen kann sich der Staat beschäftigen und bei Grauzonen lässt er es wegen der Bequemlichkeit lieber ganz sein. Hauptsache die Steuern werden gezahlt.

    Beim aktuellen Pferdefleisch-Skandal ist es genauso: Kontrollen wurden schlampig oder gar nicht durchgeführt - aber Hauptsache, der Staat nimmt Steuern ein. Bei dieser geisteskranken Finanzpolitik habe ich beschlossen, nie mehr wählen zu gehen. Parteien und Politiker sehe ich als eine Art Arbeitnehmer des Wählers: Leisten Parteien und Politiker gute Arbeit, werden sie gewählt. Schlafen sie, werden sie nicht gewählt. In der Politik ist es wie im Angestelltenverhältnis: Stimme gegen Leistung, Geld gegen Leistung. So einfach sehe ich das.
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Mich persönlich juckt es überhaupt nicht, welches Unternehmen in welcher Form "Dreck am Stecken" hat. Also, mich juckt es auch weniger, wer so arbeitet, als vielmehr die Tatsache, dass es so ist und durch die Politik erst möglich gemacht wird, wie du schon folgerichtig festgestellt hast. Ich finde ja auch, dass man (wenn man solch eine Art und Weise schon anprangert) es auch konsequent betreiben sollte. Deswegen auch mein Hinweis auf die Logistikunternehmen, die mit Amazon zusammenarbeiten und auch nicht besser sind. Ich weiß, was es bedeutet, für einen besch******* Lohn Zeitarbeit zu machen, weil ich das schon zu Genüge hinter mir habe...
  • cristoph schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Die Dokumentation ist doch toatl getürkt. Ist Ihnen nicht aufgefalllen das nur eine!!! einzige Person befragt wurde? Dorrt arbeiten aber 3.300 Menschen. Das absichtlich alles grau in grau mit schlechtem Licht und kreisförmiger Ausschnittmaske bearbeitet wurde? ferienpark-silbersee punkt de unter Ferienhäuser(bitte Link einfügen) So sieht es da wirklich aus..im durch Amazon kostenlos!! zur Verfügung gestellten Feriendorf. Kostenlose Busse zur Arbeit und zurück! Welcher deutsche Arbeitnehmer hat das schon? Sehen Sie auch nur eine Person im Bus stehen? Angeblich sind die Busse total überfüllt(was auch kein Ärgernis darstellen sollte denn es ist die Normalität in öffentlichen Nahverkehr)Nur wir sind bereit dafür auch noch zu zahlen.;) Die Security Firma besteht übrigens zur Hälfte Ausländer!So viel zum Sachverhalt des rechtsextremismus Vorwurfs. Und ja einer davon hatte eine Tattoo am Hals und "unpassenden Bekleidungsgeschmack"!Unglaublich. Sehen Sie es sich einfach noch einmal an. Und recherchieren sie selbst ein wenig. Liebe Grüße
  • Ernest schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Tja extrem erschreckend was in unserer Gesellschaft heute alles möglich ist. Große Unternehmen arbeiten scheinbar mit Leiharbeitsfirmen und rechts Gesinden zusammen. Wo soll das noch hinführen? Wenn große Unternehmen sich nicht mehr an geltendes Recht halten und Gesetze systematisch unterlaufen. Von Tarifverträgen braucht man erst gar nicht zu reden.Entschuldigung: Selten habe ich so eine gequirlte gelesen.

    Aus welchen Haaren ziehst Du Deine Vermutungen herbei, daß Amazon gewisse politische Strukturen hat und was veranlasst Dich zu der seltsamen Behauptung, daß man sich bei Amazon nicht an Gesetze halten würde? Vielleicht darf ich Dir auch mal empfehlen, selber ein Unternehmen zu gründen, um Dein Wissen hinsichtlich geltender Kontrollen durch Finanzamt, IHK, etc. zu erweitern. Wenn Du nichts über Unternehmensgründung weißt, darfst Du Dich diesbezüglich sehr gerne bei der IHK, beim Amtsgericht/Handelsregister oder auch bei einem Notar beraten lassen.

    Der einzige Punkt, in dem ich Dir zustimmen könnte, wäre das Argument mit den ausgenutzten Leiharbeitskräften (ist mir aber nicht bekannt, da ich den ARD-Beitrag nicht gesehen habe). Das ist aber generell nicht Amazon anzulasten, sondern dem Politikum, Leiharbeitsfirmen zugelassen zu haben. Ebensogut kannst Du auch jeden x-beiliebigen Ladenbesitzer anmosern, weil er "möglicher Weise" Leiharbeitskräfte beschäftigt (z.B. Leute, die Waren in die Regale kramen oder in der Leergutannnahme arbeiten). Schau' Dich mal in Deiner Umgebung um. Da finden sich bestimmt ein paar Geschäfte.
  • Tomto schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Tja extrem erschreckend was in unserer Gesellschaft heute alles möglich ist. Große Unternehmen arbeiten scheinbar mit Leiharbeitsfirmen und rechts Gesinden zusammen. Wo soll das noch hinführen? Wenn große Unternehmen sich nicht mehr an geltendes Recht halten und Gesetze systematisch unterlaufen. Von Tarifverträgen braucht man erst gar nicht zu reden. Und die Bundesagentur für Arbeit unterstützt dieses System scheinbar noch. In welch einem Land leben wir eigentlich? Unsere Gesellschaft muss sich wirklich mal Gedanken machen ob das die Zukunft in der wir Leben wollen...
  • Ernest schrieb Uhr
    AW: Nach ARD-Reportage: Sturm der Entrüstung gegen Amazon im Netz

    Sollte eigentlich jedem bekannt sein, dass Amazon per Post, DHL und Hermes versendet - und diese Logistikdienstleister sind ebenfalls alles andere als Engel. Wer einen filmischen Beweis braucht, der kann sich gerne mal "Das Hermes-Prinzip" oder die Wallraff-Doku besorgen, die vor nicht allzu langer Zeit im TV liefen.Mich persönlich juckt es überhaupt nicht, welches Unternehmen in welcher Form "Dreck am Stecken" hat. Packt man sich an die eigene Nase und ist konsequent, bestellt man überhaupt nicht über das Internet, sondern geht in den Laden. Aber in welchen Laden soll man gehen? In Ramschläden oder in Filialen bekannter Einzelhandelsketten? Wo beginnt denn dort das Bewusstsein des mosernden Kunden und wo endet es? Bei irgendwelchen Produkten, die mehrere hunderte Kilometer zurückgelegt haben, oder bei den Mitarbeitern? Vielleicht auch schon bei Produkten aus der Region? Wer beklagt z.B. beim Discounter die günstigen Preise im Vergleich zu Markenprodukten? Wer hinterfragt denn dort die Preisbildung auf den Rücken anderer Leute? Welcher Verbraucher kann sich da überhaupt noch ein klares Urteil bilden?

    Der weitere Vorteil bei Onlinehändlern ist für den Kunden des weiteren der zeitliche und logistische Vorteil - mitunter zum gleichen Preis für das selbe Produkt im Laden. Wenn ich mir z.B. einen Sat-Reciever direkt "vor die Füße" liefern lassen kann, wieso sollte ich mir dann noch die Mühe machen zum Laden zu fahren, einen Parkplatz zu suchen, den Sat-Reciever durch den Laden zur Kasse zu bringen und dann zum Auto und nach Hause zu bringen, nur um meine Zeit zu "verplempern"? Wozu?

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Eine ARD-Reportage über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Amazon.de sorgt für einen Sturm der Entrüstung auf Facebook.
http://www.netzwelt.de/news/95165-ard-reportage-sturm-entruestung-gegen-amazon-netz.html
2013-02-18 15:12:15
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/ard-reportage-deckt--amazonde-guenstigen-preise-halten--bild-screenshot-ardmediathekde-18042.jpg
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