Empörung auf Facebook

Nach ARD-Reportage: Amazon kündigt Vertrag mit Sicherheitsdienst (Update)

Die ARD zeigte gestern eine Reportage über den Online-Versand Amazon. Die Dokumentation mit dem Titel "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" zeigt die widrigen Umstände, unter denen die Arbeiter Pakete für den Versand vorbereiten. Der Bericht zieht eine Welle der Entrüstung auf Facebook nach sich. Nun hat Amazon den Vertrag mit dem kritisierten Sicherheitsdienst gekündigt.

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Eine ARD-Reportage deckt auf, wie Amazon.de seine günstigen Preise halten kann. (Bild: Screenshot ardmediathek.de)
Eine ARD-Reportage deckt auf, wie Amazon.de seine günstigen Preise halten kann. (Bild: Screenshot ardmediathek.de)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Wanderarbeiter werden angelockt
  2. 2Update 14:27 Uhr: Amazon nimmt Stellung
  3. 3Update 18. Februar: Amazon kündigt Vertrag mit Sicherheitsdienst
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Das Update vom 14. und 18. Februar finden Sie am Ende des Artikels.

Nach der Erstausstrahlung der ARD-Doku "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" häufen sich die wütenden Kommentare auf der Facebook-Seite des Versandhaus. Nutzer machen ihrem Ärger über die offenbar widrigen Arbeitsbedingungen beim weltweit größten Online-Versand Luft. "Sauerei, was die machen" oder auch "Saftladen" gehören zu den tausenden Kommentaren, die sich inzwischen auf der Facebook-Seite des Unternehmens angesammelt haben.

Wanderarbeiter werden angelockt

Doch was hat den Ärger ausgelöst? Die ARD-Reportage berichtet von Tausenden Wanderarbeitern, die Amazon mit großen Versprechen nach Deutschland lockt. Besonders Spanier würden diesem Ruf folgen. Am neuen Arbeitsort angekommen, folge dann jedoch die "böse Überraschung". Nicht Amazon, sondern eine Leiharbeitsfirma stellt die Wanderarbeiter an. Diese gibt ihnen dann weniger Lohn als eigentlich besprochen. Nach jedem Arbeitstag müssen die Mitarbeiter zudem stundenlang auf einen überfüllten Bus warten, der sie dann in eine kilometerweit entfernte Unterkunft bringt. 

Die Unterkunft ist ein im Winter geschlossener Freizeitpark, in dem immer zwei Personen in einem kleinen Zimmer leben. Zudem sorge dort der Sicherheitsdienst H.E.S.S. (Hensel European Security Services) dafür, dass keiner der Angestellten aus der Reihe tanzt. Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sollen Beziehungen zum rechtsradikalen Milieu haben. Das Prinzip setze auf Einschüchterung, schreibt die ARD. "Wer sich wehrt, fliegt raus." 

Nicht zum ersten Mal zeigt eine Reportage, unter welchen Umständen Amazon.de seine günstigen Preise halten kann. Aber die Journalisten Diana Löbl und Peter Onneken scheinen mit ihrem 29-minütigen Bericht viele Menschen aufgebracht zu haben.

Auf der Facebook-Seite von Amazon häufen sich seit der Ausstrahlung Kritik und Beleidigungen. Viele Nutzer geben an, ihr Amazon-Konto gelöscht zu haben und nie wieder bei dem Online-Versand bestellen zu wollen. Amazon selbst hat sich bisher noch nicht geäußert. Eine entsprechende Anfrage von netzwelt läuft. 

Hier können Sie sich den Bericht anschauen. Am 24. Februar wird die Reportage erneut im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.

Update 14:27 Uhr: Amazon nimmt Stellung

Amazon nimmt in einer E-Mail, die netzwelt vorliegt, Stellung zu den Vorwürfen der beiden ARD-Redakteure. Demnach würden die spanischen Wanderarbeiter, die in dem Bericht gezeigt wurden, bei einer 37,5 Stundenwoche 1.400 Euro brutto verdienen. In der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Der Betrag würde zudem auch dann gezahlt, wenn nicht die volle Anzahl an Stunden geleistet wurde. In der Reportage war von einem Stundenlohn von um die neun Euro brutto die Rede gewesen. Amazon zufolge erhalten alle Angestellten, die über ein Jahr in dem Logistikzentrum arbeiten, über zehn Euro.

In Bezug auf das Sicherheitsunternehmen H.E.S.S. heißt es in der Stellungnahme: "Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten."

Update 18. Februar: Amazon kündigt Vertrag mit Sicherheitsdienst

Amazon hat den Vertrag mit dem kritisierten Sicherheitsdienst H.E.S.S. aufgekündigt. Dies bestätigte das Unternehmen auf netzwelt-Anfrage. Amazon habe eine Null-Toleranz-Grenze gegenüber Diskriminierung und Einschüchterung, heißt es in der Stellungnahme. 

Das Sicherheitsunternehmen hat derweil eine Verbindung zu rechtsradikalen Gruppierungen bestritten. Das Tragen von Thor Steiner-Jacken habe man unverzüglich untersagt. Geschäftsführer Patrick Hensel betont in einer Stellungnahme, das seine Firma von Amazon beauftragt wurde, Streitigkeiten unter den Angestellten zu vermeiden. Mit den Journalisten hätten sich seine Mitarbeiter nur auf Zuruf des Hotelbesitzers beschäftigt, der diesen ein Hausverbot erteilt hatte. 

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