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Verkehrte Netzwelt: Planet der Affen, das Finale
Wie und warum der Affe den Menschen als dominierende Spezies ablöst

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Wir Menschen haben als dominierende Spezies keine Zukunftschancen. Die Affen werden unseren Platz an der Spitze der Nahrungskette übernehmen. Diese Verkehrte Netzwelt spinnt den Gedanken aus Planet der Affen weiter.

Klimakatastrophe, Atomkrieg oder ein neuer Virus, an apokalyptischen Bedrohungen fehlt es nicht. Eine andere, mindestens ebenso unheimliche Bedrohung, könnte aber aus der Tierwelt kommen. Denn was ist fast so intelligent wie der Mensch - und könnte sogar mit einem Tablet-PC umgehen?

Noch sind wir die dominierende Spezies. Aber wie lange brauchen die Affen noch, um aufzuschließen?

Schon sieben Folgen lang hat uns Hollywood mit der Saga "Planet der Affen" unterhalten - wenn wir richtig gezählt haben. Da ist die Folge acht sicher nicht mehr fern. Netzwelts investigative Reporter haben einen streng geheimen Drehbuchentwurf des Filmstudios ergattert und werfen einen Blick auf die ersten Szenen.

Ein futuristisch gebautes Haus am Waldrand. Eine Schrift wird eingeblendet: Hamburg, im Jahr 2230. Im Haus befindet sich eine Art Bibliothek mit Hunderten Büchern. Ein Mann steht, der Kamera den Rücken halb zugewandt, an einem Stehpult und schreibt mit einem transparenten Füllhalter aus Plexiglas. Er hat eine auffällig behaarte Hand. Als der Mann sich der Kamera zuwendet, erschrickt man. Das Gesicht des Mannes ist eine seltsame Mischung aus Mensch und Affe. Es sieht entweder aus wie ein erschreckend menschenähnlicher Schimpanse oder wie ein erschreckend affenähnlicher Mensch.

Er beginnt klar und artikuliert zu sprechen.

Vor etwa 100 Jahren hat der Mensch die Führung dieses Planeten abgegeben. Es war in der Tat höchste Zeit, denn Kriege, Umweltzerstörung und sozialer Unfrieden haben diesen Planeten an den Rand des Untergangs gebracht.

In einer Überblendung sieht man Bilder von explodierenden Bomben, rollenden Panzern und rauchenden Industrieschornsteinen.

Doch was hat eigentlich zum Untergang der Menschheit geführt? Wie kam es, dass eine neue Spezies, der Hybrid-Schimpanse, also wir, den sogenannten Homo Sapiens so schnell verdrängen und an die Spitze gelangen konnte?

Nun, am Anfang stand wohl jener Bericht des bei den Menschen berühmten "Club of Rome". Der Bericht trug den Namen "Die Grenzen des Wachstums". Er hat zum ersten Mal sehr deutlich aufgezeigt, dass die Ausbeutung der Ressourcen und die Umweltverschmutzung auf Dauer in die Katastrophe führen. Von diesem Moment an war allen intelligenten Menschen klar, dass die Menschheit ihren Kurs ändern musste.

Interessanterweise war es auch genau jene Zeit, in der die Primatenforschung, also die Forschung des Menschen an den damaligen Affenrassen, ihren ersten Höhepunkt hatte. Damals entdeckten Forscher, dass Schimpansen in der Lage waren, in Zeichensprache zu kommunizieren, Bilder auf einer Tafel zu erkennen und diese Bilder sogar zu Sätzen zu kombinieren.

Man sieht Schimpansen, die mit ihren Fingern auf optische Symbole auf einer Tafel deuten, diese zu einem Satz kombinieren und den Pflegern zeigen: "Bodo will später Banane als Belohnung." Dann sieht man einen Forscher im weißen Kittel, der an einem Computer sitzt und auf einer Tastatur an einem Forschungsbericht arbeitet.

Die Experimente und die Forschung am Affen gingen immer weiter. Manche Forscher machten es sich zum persönlichen Anliegen, die Intelligenz und die Kommunikationsfähigkeit der Affen zu trainieren und weiterzuentwickeln.

Parallel dazu begann Anfang der neunziger Jahren der Siegeszug von Personal Computern, grafischen Bedienoberflächen und Farbmonitoren in den westlichen Gesellschaften. Das erleichterte die Bedienung des Computers ungemein und machte das eigentlich hochkomplexe Gerät auch für Menschen nutzbar, die keine Programmiersprache gelernt hatten oder nicht so intelligent waren.

Man sieht einen Menschen, der mit der Maus auf Windows-Icons klickt.

Dann kam das Internet. Auch hier musste man keine komplizierten Kommandos eintippen oder spezielle Codes beherrscht, das Internet war zum Großteil auf kurze Texte und viele Bilder optimiert und die Menschen mussten eigentlich nur mit der Maus auf Bilder und dick unterstrichene Wörter klicken.

Alle Programme waren mit grafischen Bedienoberflächen und Mausklick bedienbar, sogar die wissenschaftlichen Programme der Forscher.

Das Bild zeigt einen Menschen, der im Internet surft und schnell auf verschiedene Links klickt. Ein Wissenschaftler betrachtet die grafische Darstellung einer Maschine.

Wenn die Menschen nicht am PC arbeiteten, spielten sie am Computer. Bei den Spielen handelte es sich zumeist um extrem vereinfachte und eindimensionale Darstellungen irgendwelcher Fantasie-Szenarien. Für die Spieler kam es lediglich darauf an, schnell und präzise genug bestimmte Tasten zu betätigen.

Das Bild zeigt einen jugendlichen Computerspieler mit Box und Gamepad.

Wie fatal diese Entwicklung war, sollte sich erst viel später zeigen. Die Folgen des ständigen Internet-Surfens und der Computerspiele schienen zuerst eher harmlos und waren Gegenstand breiter Diskussionen in den Bildungseliten. Immer öfter wurde registriert, dass Menschen, vor allem junge Menschen, nicht mehr in der Lage waren, sich längere Zeit zu konzentrieren, und dass sie Schwierigkeiten hatten, komplizierte Sachverhalte in Texten zu verstehen.

Man sieht den Affenmenschen an einer Bücherwand vorbeigehen. Er tritt ins Freie und läuft in den Wald. Seine Bewegungen wirken etwas eckig und seltsam, doch er geht mit größter Sicherheit und weicht Steinen und Wurzelwerk auf dem Boden elegant aus. Ihm folgt ein Mensch, in gebückter Haltung, der die Tasche des Affenmenschen trägt

Gegen Anfang des dritten Jahrtausends machte ein Wissenschaftler in den USA die Entdeckung, dass ein Schimpansen-Baby, dessen Mutter als Versuchstier in den Labors Medikamente gegen Alzheimer verabreicht bekommen hatte, überraschend schnell sehr intelligent wurde. Er hatte das Schimpansen-Baby nach dem Tod der Mutter zu sich nach Hause genommen und konnte täglich seine Entwicklung beobachten. In wenigen Jahren wurde dieses Schimpansenkind ebenso intelligent wie ein Menschenkind, wenn nicht intelligenter.

Man sieht Bilder aus dem Film "Prevolution: Planet der Affen".

Wir alle wissen, wie dieses Experiment weitergegangen ist. Die Affen brachen aus ihren Versuchslabors und Tierparks aus und rebellierten gegen die Menschen. Zugleich wurden die Menschen durch einen Virus, den sie sich bei einer Operation an einem Schimpansen geholt hatten, stark dezimiert.

Eine andere Entwicklung dieser Zeit jedoch hatte noch einschneidendere Wirkung. Am 27. Januar 2010 stellte ein Menschenmann namens Steve Jobs einen tragbaren Tablet-Computer namens iPad vor. Die Menschen jubelten. Viele hatten ohnehin Schwierigkeiten, Texte auf der Tastatur zu tippen, die meisten hatten sich daran gewöhnt, auf Bilder zu klicken. Mit dem iPad war auch die Maus überflüssig geworden. Der Mensch konnte mit dem Finger auf dem Glas herumfahren, auf Bilder mit der Fingerspitze tippen und diese durch Spreizen oder Zusammenziehen der Fingerspitzen größer oder kleiner machen. Ein herrliches Spielzeug. "Das iPad ist so einfach zu bedienen, das kann sogar ein Affe", lautete das begeisterte Urteil eines Fachjournalisten jener Zeit. Er konnte nicht ahnen, wie prophetisch seine Äußerung war.

Man sieht Steve Jobs bei der Präsentation des iPad, Menschen, die vor dem Apple-Store anstehen, und solche, die begeistert auf einem Samsung Galaxy Tablet herumwischen.

Es war diese Zeit, also die ersten Jahrzehnte des dritten Jahrtausends, in der der intellektuelle Niedergang der Menschen immer deutlicher wurde. Sogar hochrangige Politiker, darunter mehrere Minister mussten zurücktreten, weil sie bei ihren Doktorarbeiten geschummelt hatten oder nicht in der Lage gewesen waren, eine wissenschaftliche Arbeit ohne Hunderte von Flüchtigkeitsfehlern abzugeben.

Gleichzeitig stieg der Intelligenzquotient der Affen rapide an. Das Alzheimer-Serum, das die erste Generation der entflohenen Affen noch als Medikament verabreicht bekommen hatte, sorgte für eine Mutation im genetischen Code und damit für einen bis dahin nicht für möglich gehaltenen Sprung in der geistigen Entwicklung unserer Vorfahren. Mehr und mehr begannen die Affen die Menschen zu verdrängen. Natürlich nutzten sie anfangs Tablet-PCs, die der Mensch entwickelt hatte. Früher oder später wurden ihnen die einfach zu bedienenden Tablets jedoch zu simpel. Die bunten Bildchen haben den Affen einfach intellektuell unterfordert.

Nach und nach kehrten wir zu anspruchsvolleren Computern zurück. Wir begannen wieder Texte zu schreiben, Formeln einzutippen und dafür eine Tastatur zu benutzen.

Man sieht wie ein Menschenaffenkind erste vorsichtige Tippversuche auf einer IBM-Tastatur unternimmt. In einem Klassenzimmer sitzen Affenkinder und tippen konzentriert an einem Schulaufsatz über die String-Theorie.

Der Menschenaffe ist inzwischen aus dem Wald heraus und an den Rand eines wunderschönen Sees getreten. Der Himmel spiegelt sich auf der glasklaren Oberfläche des Sees.

Natürlich haben wir uns nicht damit begnügt, die Erfindungen und Technologien der Menschen zu übernehmen. Wir haben selbst große Forschungsprojekte gestartet. Schon früh haben wir erkannt, dass unsere Körper und insbesondere unsere Hände sowie die Stimmbänder nicht optimal geeignet waren für differenzierte Lautäußerungen oder präzise Feinmotorik.

Das Bild zeigt hochgewachsene Affen im Labor mit einer Hightech-Brille vor den Auge. Sie beugen sich über Reagenzgläser oder sitzen vor Displays. Im Hintergrund macht ein Mensch mit einem großen Wischmob den Boden sauber.

Das Ende der Geschichte kennen wir alle. Durch eine geniale Neukombinationen von DNS-Strukturen von Mensch und Affe konnten wir die neue Generation der Hybrid-Affen kreieren. Der Hybrid-Affe, dessen Weiterentwicklung wir sind, vereinigt das beste aus beiden Welten. Die Geschicklichkeit der Menschen und die Klugheit des Affen.

Man sieht einen Menschen, der mit staunendem Gesichtsausdruck mit seinem Tablet-PC spielt, während ein großgewachsener Hybrid-Affe ihm wohlwollend auf die Schultern klopft.

So konnte es uns auch gelingen, Kriege zu beenden und die ökologische Katastrophe abzuwenden. Unser blauer Planet Erde wird uns noch viele Millionen Jahre eine wunderschöne Heimat sein.

Es war also keineswegs der aggressive Eroberungsdrang des Affen, sondern die schleichende intellektuelle Selbstzerstörung des Homo Sapiens, namentlich Phänomene wie Internet und Tablet-PC, die den Untergang der Menschheit eingeleitet haben.

Der Hybrid-Affe steht am See, hinter ihm respektvoll gebückt der Mensch. Die Kamera schwenkt hinaus auf den See …

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Verkehrte Netzwelt: Planet der Affen, das Finale
Verkehrte Netzwelt: Planet der Affen, das Finale
Der Mensch als dominierende Spezies hat ausgedient. Der Affe übernimmt. Und was es noch schlimmer macht: Der Mensch ist an der Entwicklung sogar selbst schuld!
http://www.netzwelt.de/news/95124-verkehrte-netzwelt-planet-affen-finale.html
2013-02-08 17:37:32
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/noch-dominierende-spezies-lange-brauchen-affen-noch-aufzuschliessen-bild-netzwelt-17982.jpg
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