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Kommentar: Schrottberge des Wahnsinns Ein Aufruf für mehr Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle angeht. Aber richten wir unseren Konsum danach aus? Wenn wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone holen, alle zwei Jahre einen neuen Computer kaufen und im Drei-Jahres-Rhythmus unseren Fernseher austauschen?

Die Flut von Smartphones und Tablet-PCs verschärft ein Problem, das die IT-Branche seit Jahrzehnten hat: Der Elektronikschrottberg wächst und wächst. Eine Lösung wären aufrüstbare Mobilgeräte – oder eine Verlangsamung der Upgrade-Zyklen. Die Verantwortung dafür liegt beim Verbraucher.

Auf dieser Seite lassen sich die Hersteller von Elektronikgeräten in Deutschland registrieren. Die Stiftung EAR soll unter anderem die Abholung des Elektronikschrotts bei den Sammelstellen organisieren. (Quelle: stiftung-ear.de)

Fast hätte ich mir einen neuen PC gekauft. Der alte Windows XP-Rechner und Pentium-2-Prozessor hatte mir immerhin acht lange Jahre gute Dienste geleistet. Doch kürzlich war ich unsanft gegen den WLAN-Stick am USB-Anschluss gekommen und der Anschluss war hinüber. Es half auch nichts, den Stick in einen anderen Anschluss zu stecken und die Treibersoftware neu zu installieren. Da die 40-Gigabyte-Festplatte des PCs, der als Zweitrechner im Wohnzimmer steht, ohnehin seit Monaten sozusagen aus allen Sektoren platzt, beschloss ich, einen neuen PC zu kaufen. Doch dann kamen mir diese Bilder in den Sinn. Von Kindern in Afrika, die um rauchende Müllberge herumwandern, Elektroschrott sammeln und dann die kaputten Geräte in primitiven Werkstätten auseinandernehmen. Gesund ist das nicht. Sie atmen giftige Dämpfe ein oder bekommen Allergien wegen der Chemikalien in den PC-Komponenten, die sie mit bloßen Händen anfassen.

Kinder in Afrika, das klingt stark nach Kitsch und Sozialromantik. Doch klar ist, dass wir ein Problem mit Elektronikschrott haben. Zum einen, weil die Hersteller immer noch zu viele giftige Stoffe bei der Produktion verwenden. Zum anderen, weil der Elektroschrottberg von Jahr zu Jahr wächst.

Nach der Entsorgung der Geräte fließt immer noch viel zu wenig zurück in den Produktionskreislauf. Es ist klar, dass das nicht mehr ewig so weitergehen kann. Es geht irgendwann nicht mehr, dass wir alle fünf Jahre einen neuen PC, alle drei Jahre ein neues Notebook und alle zwei Jahre ein neues Handy haben. Vor allem dann nicht, wenn die Geräte entweder vorzeitig kaputt gehen oder weggeworfen werden, weil die Reparatur zu teuer ist oder weil sie nicht mehr auf dem neuesten Stand sind.

Irgendwann werden alle Rohstoffe zu Tage gefördert sein, alle Minen und Bergwerke leer. Dann werden wir darauf angewiesen sein, dass alle Rohstoffe in einem geschlossenen System von Produktion, Nutzung, Entsorgung und Recycling kreisen.

Der erste Schritt dahin wäre, dass die Verbraucher sich beim Kauf wieder stärker auf den realen Nutzen und den echten Bedarf konzentrieren und weniger auf "weiche Faktoren" wie Image, Design oder neue Features achten. PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones müssen wieder stärker als das gesehen werden, was sie im Kern sind, nämlich Werkzeuge. Den Schnellkochtopf oder die Rohrzange wechselt man ja auch nicht alle zwei Jahre, weil eine neuere noch schicker lackierte Rohrzange auf den Markt gekommen ist.

Der schnelle Konsum ist ein wahnhaftes System.

Jetzt liegt es nahe, auf die Hersteller zu schimpfen. Die tragen eine große Mitschuld an den Schrottbergen des Wahnsinns. Weil sie die immer kürzeren Zyklen der Hardware-Upgrades erst in Gang gesetzt haben. In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren es allen voran Intel und Microsoft, die den Takt vorgegeben haben.

Heute ist es hauptsächlich die Mobilbranche, allen voran Apple und Samsung, die als Taktgeber wirkt. Das bekannteste und krasseste Beispiel ist Apples iPhone. Das erste iPhone kam 2007 auf den Markt. Das Gerät war damals in punkto Bedienfreundlichkeit und Leistung schon so gut, dass man es ohne Weiteres fünf oder sechs Jahre hätte nutzen können. Es war zudem so teuer, dass eine Nutzungszeit von mindestens fünf Jahren schon aus finanziellen Gründen sinnvoll wäre. Doch natürlich ist Apple nicht damit zufrieden, wenn die Leute erst nach fünf Jahren ein neues iPhone kaufen. Kein Hightech-Unternehmen wäre damit zufrieden.

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3 Kommentare

  • webjunkie schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Schrottberge des Wahnsinns

    Gewollte Obsoleszenz. Nicht oder schlecht gekühltw Chips, minderwertige Kondensatoren sind für mit Sicherheit 90% aller schrottreifen Elektronikplatinen verantwortlich. Das ist pure Absicht der Hersteller. Ersatzteile gibt es sowieso höchstens 18 Monate, dann schaut man in die Röhre
  • sarazena schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Schrottberge des Wahnsinns

    Und dazu kommt noch, unter wie viel menschlichem Leid das Zeug hergestellt wird, dass wir dann achtlos in die Tonne kloppen. :dow:

    Natürlich ist das auch ein klein wenig eine Luxusdiskussion, so lange es noch Orte wie z. B. Alang gibt....... Aber natürlich sind die hier gestellten Fragen richtig und wichtig :fettesda:
  • Andi1972 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Schrottberge des Wahnsinns

    Die Verantwortung liegt vor allen Dingen auch beim Hersteller. Wäre bei meinem, gerade mal erst drei Jahre alten MEDION Notebook der Grapfikchip nicht durchgebrannt, hätte ich es locker noch weiter benutzt. Ich wäre wirklich für große Strafzahlungen und Abmahnungen für jeden Hersteller, der noch einmal eine Sollbruchstelle in irgend ein Gerät einbaut, nur um schnell wieder was Neues verkaufen zu können. Gute Elektronikgeräte können über 20 Jahre halten. Ich habe noch meine 23 jahre alte HIFI Anlage und Die werde ich auch weiterhin benutzen, denn die erfüllt immer noch meine Anforderungen zu 100%.

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Mehmet Toprak
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