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Samsung Ativ S im Test
Ohne festen Akku und begrenzten Speicher

von Jan Kluczniok
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Das Samsung Ativ S hat nicht nur den Buchstaben S im Namen mit den Galaxy-Modellen des Handyherstellers gemein. Das Windows Phone 8-Spitzenmodell von Samsung punktet im Test mit seinem erweiterbaren Speicher und dem wechselbaren Akku. An einigen Stellen hätte sich Samsung aber noch mehr an der Galaxy-Serie orientieren können.

Auswechselbarer Akku, erweiterbarer Speicher, ein echter Windows-Button - Samsung macht bei seinem Windows Phone 8-Smartphone Ativ S so einiges anders als die Konkurrenten. Doch bürgt das S im Namen für die selbe Qualität wie bei Samsungs Galaxy-Handys auf Android-Basis?

Design und Verarbeitung

Samsung wagt beim Design des Ativ S keine Experimente: Optisch erinnert das Windows Phone 8-Handy, wie das "S" im Namen bereits nahelegt, an Samsungs Android-Vorzeigemodell Galaxy S3. Allerdings ist das Ativ S etwas kantiger - ähnlich wie das Galaxy Note II. Das 5,5-Zoll-Smartlet stand offenbar auch bei der Farbwahl für das Modell Pate: Der Metallic-Farbton des Ativ S ähnelt dem Farbton "Titanium-Grau", den der südkoreanische Handyhersteller beim Galaxy Note II verwendet, fällt jedoch etwas heller aus.

Der Metallic-Look kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gehäuse vollständig aus Kunststoff besteht. Auch wenn dieser nicht ganz so klitschig ist wie beim Galaxy S3, fühlt sich das Samsung Ativ S nicht gerade hochwertig an, besonders sicher in der Hand liegt es ebenfalls nicht. Mit 8,7 Millimetern ist das Ativ S das dünnste Windows Phone 8-Modell auf dem Markt, dank des 4,8-Zoll-Displays aber auch das größte. Ein Transport in engen Hosentaschen ist zwar noch möglich, aber nicht gerade angenehm.

Home-Button-Fans dürfen sich übrigens freuen: Als einziger Hersteller eines Windows Phone 8-Smartphones verbaut Samsung noch einen physikalischen Startknopf. Dieser weist zwar einen etwas schwammigen Druckpunkt, dafür aber ausreichend Hub auf. Die Verarbeitung ist insgesamt gesehen ordentlich: Spaltmaße oder Ähnliches weist das Geäuse des Ativ S nicht auf.

Hardware

Für Windows Phone-Handys gelten noch immer strenge Hardware-Auflagen. So dürfen weiterhin nur Chipsätze der Firma Qualcomm verbaut werden. Auf Samsungs leistungsfähigen Exynos-Prozessor müssen Ativ S-Fans also verzichten. Stattdessen werkelt unter der Haube ein 1,5 Gigahertz starker Dual-Core-Snapdragon S4 - der selbe Chip, der auch in den Spitzenmodellen von Nokia und HTC zum Einsatz kommt.

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Das Ativ S bietet ein 4,8 Zoll großes HD Super AMOLED-Display. (Bild: netzwelt)

Die Performance ist dementsprechend vergleichbar, jedoch schneidet das Ativ S in den Benchmarks Sunspider und AnTuTu minimal schlechter ab: Für den Javascript-Test Sunspider braucht das Ativ S 923,3 Millisekunden - knapp zehn Millisekunden mehr als das Nokia Lumia 920 und das HTC 8X, im AnTuTu-Benchmark erreicht das Ativ S 10.528 Punkte - knapp 1.000 Punkte weniger als die beiden Konkurrenten. Im Alltag dürften Nutzer davon jedoch nur wenig merken. Im Test flutschten die Windows Phone-Menüs nur so über den Bildschirm, Webseiten öffneten sich fix und auch 3D-Games wie Need for Speed Hot Pursuit liefen ruckelfrei und ohne größere Ladezeiten auf dem Ativ S. Auf Höhe der Kameralinse erwärmt sich das Ativ S unter Last, allerdings ist die Hitzeentwicklung nicht unangenehm und das Smartphone kühlt in einer Ruhephase binnen Sekunden wieder ab.

Auch das Display ist ein alter Bekannter: Das 4,8-Zoll-HD-Super-AMOLED-Display steckt ebenfalls im Samsung Galaxy S3. Die Stärken und Schwächen sind bekannt. Der Bildschirm bietet einen großen Blickwinkel und liefert knackige Farben - mit der Ausnahme, dass Weißflächen stets einen Grauschimmer aufweisen. Der Bildschirm des Ativ S ist auf maximaler Helligkeit zudem einen Tick dunkler als der des Galaxy S3.

Das Ativ S bietet einen 16 Gigabyte großen internen Speicher, von dem im Auslieferungsszustand rund zwölf Gigabyte zur Verfügung stehen. Der Rest ist vom Betriebssystem belegt. Ein Plus gegenüber anderen Windows Phone 8-Spitzenmodellen ist die Erweiterbarkeit des Speichers. Der interne Speicher des Ativ S lässt sich per microSD-Speicherkarte um bis zu 32 Gigabyte erweitern. Die Karte kann dabei sogar im Betrieb gewechselt werden, ohne dass der Nutzer den Akku entfernen oder das Smartphone neu starten muss. Anders als bei Android können jedoch keine Apps auf die Speicherkarte ausgelagert werden, sondern nur Videos, Musik und Fotos.

Auf technische Gimmicks wie drahtloses Laden oder die Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards LTE müssen Nutzer verzichten. Lediglich den Nahfunkstandard NFC hat Samsung in das Gerät integriert. Zum Betrieb brauchen Nutzer eine Micro-SIM-Karte.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität ist gut - allerdings klingen Gesprächspartner leicht dumpf. Nebengeräusche wie Straßenlärm werden dafür effektiv gefiltert und nur noch als leichtes Rauschen wahrgenommen. Die Sprachqualität ließ sich im Test noch etwas steigern, nach dem netzwelt unter Einstellungen > Sondereinstellungen die Option Echounterdrückung aktivierte. Der Lautsprecher ist gut genug, um ihn auch in lauten Umgebungen zum Freisprechen zu nutzen. Über eine Status-LED verfügt das Ativ S anders als das Galaxy S3 nicht.

Das Samsung Ativ S bietet einen 2.300-Milliamperestunden-Akku. Die hohe Kapazität soll für eine maximale Gesprächszeit von 13,6 Stunden in einem 3G-Netz sorgen. Im Standby-Betrieb soll das Ativ S über 450 Stunden durchhalten. Im netzwelt-Akkutest verlor das Modell unter Last (30 Minuten Spielen bei aktiver WLAN- und Mobilfunkverbindung) aber satte 15 Prozentpunkte auf der Akkuanzeige. Ein Dauerläufer ist das Ativ S also trotz XXL-Akkukapazität nicht. Je nach Nutzungsintensität dürfte eine Akkuladung aber für ein bis zwei Tage ausreichen.

Multimedia

Das Ativ S ist mit einer 8-Megapixel-Kamera ausgestattet, die auch Videos in Full HD aufnehmen kann. Ausgelöst wird die Kamera über einen physikalischen Knopf an der Seite oder über den Touchscreen. Der Kamerabutton funktioniert dabei wie bei einer Digitalkamera zweistufig. Ein sanfter Druck stellt zunächst den gewählten Bildausschnitt scharf, drückt der Nutzer nun weiter, löst die Kamera aus. Die Druckstufen sind dabei gut abgestimmt, sodass ein versehentliches Auslösen vermieden wird.

Die Blende ist mit f/2.6 lichtstark, fällt jedoch hinter andere Modelle zurück. Das Nokia Lumia 920 und das HTC 8X bieten beispielsweise eine f/2.0-Blende. Dementsprechend wirken mit dem Ativ S gemachte Bilder etwas dunkler, glänzen dafür aber auch mit satten Farben. Die Bilder könnten allerdings etwas mehr Detailtiefe vertragen. Die Auflösung fällt zudem zu den Rändern hin ab. Ein mit dem Samsung Ativ S gemachtes Bild in Originalgröße finden Sie hier.

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Das Gehäuse besteht aus Plastik. Durch das Design wird aber den Eindruck erweckt es handele sich um Aluminium. (Bild: netzwelt)

Alles in allem sind die Bilder - genügend Tageslicht vorausgesetzt - brauchbar. Nutzer werden jedoch viele Gimmicks aus Samsungs Android-Kamera-App vermissen. Die Einstellungsmöglichkeiten sind begrenzt. Von den zuschaltbaren Linsen in der Kamera-App macht Samsung kaum Gebrauch. Lediglich eine Beauty-App findet man im Store. Sie soll bei Potraitfotos automatisch Hautunreinheiten entfernen.

Der Lautsprecher des Ativ S ist ausreichend laut zur Hintergrundbeschallung, der Klang ist zwar nicht glasklar, sondern leicht blechern, weiß aber insgesamt zu überzeugen. Wenn Sie das Smartphone beim Musik hören ablegen wollen, sollten Sie es auf die Displayseite drehen, da andernfalls der Lautsprecher verdeckt und der Klang verzerrt wird.

Über Kopfhörer ist der Sound wie gewohnt besser und kann auch durchaus mit MP3-Playern konkurrieren, allerdings sind die Einstellmöglichkeiten des Xbox Music Players arg begrenzt. Musik kann zwar auch mit Samsungs Music Hub wiedergegeben werden, dieser bietet dem Nutzer aber ebenfalls keine zusätzlichen Einstellmöglichkeiten wie einen Equalizer oder Sleep Timer.

Software

Als Betriebssystem kommt auf dem Ativ S Microsofts Windows Phone 8 zum Einsatz. Einen Überblick über die Neuerungen des Betriebssystems erhalten Sie hier. Anders als Google erlaubt Microsoft den Herstellern es nicht, größere Anpassungen am Handy-OS vorzunehmen. Absetzen von der Konkurrenz können sich die Hersteller nur durch zusätzliche Dienste und Applikationen.

So finden sich auf dem Ativ S eine Reihe von Samsung-Programmen, etwa der Plattform-übergreifende Messenger ChatOn oder der Music Hub. Letzterer bietet jedoch keine Streaming-Funktionen wie auf dem Galaxy S3, sondern stellt nur eine Verbindung zum MP3-Shop 7Digitals her. Der Music Hub bietet also im Vergleich weniger Funktionen als Microsofts XBox Music-Dienst für Windows Phone.

Des Weiteren finden Nutzer noch einen Foto-Editor, eine Notiz-App, eine App, die Live Wallpaper zum Sperrbildschirm hinzufügt, und Now auf dem Gerät vor. Bei Now handelt es sich um eine App, die es auch bereits auf Samsungs ersten Windows Phone-Modell Omnia 7 gab und die einen Überblick über Aktienkurse, News, Top-Tweets und das Wetter bietet. Aus der Samsung Zone im Windows Phone Store können Nutzer zusätzlich noch eine Google Reader-App herunterladen.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Samsung Ativ S lautet 549 Euro. Der Preis bezieht sich auf die Version mit 16-Gigabyte-Speicher. Im Netz ist das Smartphone bereits ab rund 450 Euro erhältlich. Ob und wann die 32-Gigabyte-Version in Deutschland in den Handel kommt, ist nicht bekannt. Alternativen zum Samsung Ativ S sind das Nokia Lumia 920 und das HTC 8X.

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netzwelt
6.8
Samsung Ativ S
Vorteile
  • wechselbarer Akku
  • physischer Home-Button
  • dünn
  • erweiterbarer Speicher
Nachteile
  • keine Status-LED
  • kaum Hersteller spezifische Apps

Android-Alternative

Samsung liefert mit dem Ativ S ein leistungstarkes Windows Phone 8-Modell im bewährten Design der Galaxy-Reihe. Fans des südkoreanischen Herstellers, die Android satt haben, finden im Ativ S also eine Alternative zu S3 und Note II. Das Modell sammelt zudem Pluspunkte durch den auswechselbaren Akku, den erweiterbaren Speicher und das dünne Gehäuse. Allerdings ist zum Ativ S auch anzumerken, dass der Fokus im Hause Samsung noch immer auf Android-Smartphones liegt. Im Bereich Kamera hätte der Hersteller etwa einige Funktionen aus seiner Android-Kamera-App portieren können.


Einzelergebnisse
Smartphones sind Gebrauchsgegenstände. Statt Leser mit Zahlen zu überschütten, haben wir uns für ein praxisnahes Testschema entschieden. Ziel ist es Stärken und Schwächen des Geräts zu ermitteln und eine Einschätzung zu geben, für welche Art von Nutzer das Smartphone geeignet ist. Unsere Wertung setzt sich aus fünf Einzelwertungen ("Design und Verarbeitung", "Ausstattung, Leistung und Bedienung", "Sprachqualität und Akkulaufzeit und "Multimedia") zusammen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Tester kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritieren im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
1
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5
6
7
8
9
10
Design und Verarbeitung
8
Ausstattung und Bedienung
7
Sprachqualität
7
Akkulaufzeit
6
Multimedia
6
Einsortierung
Samsung Ativ S von Samsung wurde als Smartphone abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Smartphones bis 200 Euro". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Handy, Samsung, Smartphone, Review, Windows Phone, Windows Phone 8 und Samsung Ativ S .
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Das Samsung Ativ S hat nicht nur den Buchstaben S im Namen mit den Galaxy-Modellen des Handyherstellers gemein. Das Windows Phone 8-Spitzenmodell von Samsung punktet im Test mit seinem erweiterbaren Speicher und dem wechselbaren Akku. An einigen Stellen hätte sich Samsung aber noch mehr an der Galaxy-Serie orientieren können.

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Samsung Ativ S im Test
Samsung Ativ S im Test
Mit dem Ativ S stellt sich das erste Samsung-Smartphone mit Microsofts neuem Handy-OS Windows Phone 8 dem netzwelt-Test.
http://www.netzwelt.de/news/95117-samsung-ativ-s-test.html
2013-02-08 18:02:29
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/samsung-ativ-produktbild-114468.png
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Samsung Ativ S im Test