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Die Android-Krux: Darum müssen Sie auf Updates warten
Test- und Zertifizierungsphase kostet Zeit

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Netzwelt erklärt, warum ihr Smartphone nicht sofort nach der Präsentation einer neuen Android-Version ein Update erhält.

Googles mobiles OS Android dominiert den Smartphone-Markt. Seit Jahren läuft die Auslieferung von Updates für das Betriebssystem jedoch im Schneckentempo. Selbst Top-Handys kommen oftmals nicht mit der aktuellsten Version auf den Markt. Auf eine nachträgliche Aktualisierung müssen Nutzer Monate warten. Netzwelt erklärt, warum dies so ist.

Netzwelt erklärt, warum Android-Updates nur im Schneckentempo erscheinen.

Google veröffentlicht Jahr für Jahr zwei neue Android-Versionen. Am Markt dominiert dennoch die über zwei Jahre alte Version 2.3 Gingerbread. Den Herstellern fällt es offensichtlich schwer, mit Googles Aktualisierungsrythmus Schritt zu halten. Selbst kommende Top-Modelle wie das Sony Xperia Z laufen nicht mit der aktuellen Version 4.2, sondern erhalten diese erst nachträglich per Update.

Die Update-Problematik

Bis solche Aktualisierungen verfügbar sind, vergehen oft mehrere Monate, in Extremfällen wie dem LG Optimus Speed sogar mehr als ein Jahr. Schnell geraten die Hersteller in die Kritik: "Die Updates von älteren Geräten interessieren doch die Anbieter nicht mehr, die wollen doch vielmehr neue Geräte verkaufen", klagt etwa der Nutzer HaMi im netzwelt-Forum.

Ein verständlicher Vorwurf, speziell, da im Netz schon wenige Wochen nach dem Release einer neuen Android-Version inoffizielle Distributionen auftauchen. Eine der bekanntesten alternativen Firmwares für Smartphones und Tablet-PCs auf Android-Basis ist CyanogenMod.

Alternative Firmware nur bedingt schneller

Das Team um Chefentwickler Steve Kondik hat den Ruf, besonders fix die neuen Android-Versionen für beliebte Smartphones und Tablets zu portieren. Der Quellcode von Android 4.0 erschien im November 2011, knapp einen Monat später waren die ersten CyanogenMod-Umsetzungen verfügbar.

Warum brauchen also die großen Hersteller so lange mit der Auslieferung, wenn es doch in Wirklichkeit so schnell zu gehen scheint? Was viele Nutzer nicht beachten: Diese ersten Umsetzungen sind Testversionen, die instabil laufen und manche Funktionen noch nicht beinhalten. Bis zum ersten Stable-Release des CyanogenMod 10 vergingen hingegen rund neun Monate.

Verzögerungen durch Tests und Zertifizierungen

Frühe Adaptionen existieren auch bei etablierten Herstellern wie Sony nach wenigen Wochen, werden jedoch nicht veröffentlicht. "Wir haben einen sehr hohen Anspruch an unsere Software", sagt Damjan Stamcar, Produkt-Manager bei Sony Mobile Communications im Gespräch mit netzwelt. Die Entwicklung entsprechender Updates dauere zumeist zwar nur zwischen zwei und zweieinhalb Monaten. Danach folge aber eine aufwendige, etwa doppelt so lange Testphase, die Sony schon einmal ausführlich in einem Blogbeitrag beschrieben hat.

Ein Android-Update muss bis zur Veröffentlichung eine langwierige Testphase durchlaufen. (Quelle: Sony)

"Das Aufspielen eines neuen Betriebssystems auf ein Handy ist nicht so einfach wie bei einem Desktop-PC", bestätigt Lars-Christian Weisswange, Executive Vice President der Consumer Business Group bei Huawei Technologies, gegenüber netzwelt. Vor allem für die Optimierung des Zusammenspiels der Software mit dem sogenannten Baseband, dem Telefonmodem des Smartphones, sei Zeit notwendig.

Netzbetreiber und Google reden bei Updates ein Wörtchen mit

Zu internen Tests der Software gesellen sich laut Sony dann auch noch Zertifizierungsprozesse. Schließlich unterstützen Smartphones heutzutage eine ganze Reihe von Technologien wie Bluetooth oder WLAN, deren korrekte Implementierung bei einem Software-Update mitunter erneut zertifiziert werden muss. Es folgen weitere Tests, etwa mit Netzbetreibern. Und schlussendlich will Google jedes Update auch noch einmal kontrollieren - aus Gründen der Qualitätssicherung, wie der Suchmaschinenanbieter gegenüber netzwelt erklärt. Unter anderem stelle man sicher, dass Entwicklern stets das gleiche Set an Programmierschnittstellen zur Verfügung steht, damit ihre Apps auch wirklich auf allen Android-Geräten laufen.

Wie lange eine Testphase dauert, ist daher schwer vorherzusagen, allein das Testen der Software durch verschiedene Mobilfunkanbieter könne laut Stamcar bis zu zwei Monate dauern. Die Dauer der Tests sei stets unterschiedlich und hänge auch vom Umfang des Updates ab, bestätigt der Münchner Netzbetreiber O2 gegenüber netzwelt. Solche aufwendigen Prozesse fallen bei alternativen Android-Distributionen weg. "Da funktioniert dann mitunter aber Bluetooth oder WLAN nicht", sagt Stamcar. So etwas könne sich ein Hersteller wie Sony nicht leisten. Der Ansturm auf die Kundenhotline wäre gigantisch. Ein Update dürfe schließlich nicht die Leistung verschlechtern.

Google veröffentlicht Code nun vorab

Etwas schneller soll es mit den Updates in Zukunft aber doch gehen: Seit 2011 arbeitet Google zusammen mit Herstellern wie Asus, HTC, Sony und Netzbetreibern in der sogenannten Android Update Alliance daran, das Updates schneller aus- und aufgespielt werden. Dafür stellt Google den Herstellern beispielsweise seit Android 4.1 den Quellcode der neuen Version bereits vor der offiziellen Präsentation zur Verfügung. Bislang hatte nur Google selbst frühzeitigen Zugang zur kommenden Android-Version.

Seit Android 4.1 Jelly Bean stellt Google seinen Partnern den Android-Quellcode vor der Veröffentlichung zur Verfügung. (Quelle: Android.com)

Ein erster Effekt ist spürbar, jedoch nicht bahnbrechend: Samsung lieferte etwa binnen drei Monate nach der Präsentation von Android 4.1 ein entsprechendes Update für sein Vorzeigemodell Galaxy S3 aus. Um die Vorgängermodelle auf die nächste Android-Version zu aktualisieren, hatte Samsung noch zwischen vier und sechs Monaten gebraucht.

Anpassungen weiterhin unumgänglich

"Es ist besser geworden. Ein zeitlicher Versatz ist aber immer noch da", sagt Stamcar. Denn ein Anpassen des Codes ist weiterhin unumgänglich: "Der von Google veröffentlichte Code ist nur für das jeweilige Nexus-Referenzmodell optimiert", erklärt Weisswange. Android laufe aber auf einer Reihe unterschiedlicher Hardware-Konfigurationen vom 99-Euro-Handy bis zum 600-Euro-Quad-Core-Smartphone. Um eine flüssige und fehlerfreie Bedienung selbst auf Einsteigergeräten zu gewährleisten, werden daher etwa aufwendige Animationen oder Funktionen, die die Hardware der Geräte überfordern würden, im Code deaktiviert. Von Version zu Version ist der zu Grunde liegende Quellcode zudem unterschiedlich. Optimierungen, die der Hersteller zum Beispiel unter Gingerbread vorgenommen hat, funktionieren daher nicht automatisch unter Ice Cream Sandwich.

Zeit kostet laut Weisswange natürlich auch die Integration sogenannter Android-Enhancements wie eigener Nutzeroberflächen oder zusätzlicher Techniken, etwa Huaweis Energiesparmodus. Allerdings sind diese, anders als viele Nutzer meinen, nicht unbedingt der Hauptgrund für das lange Warten auf Updates. Bei Sony habe man bei früheren Android-Versionen beispielsweise noch tiefe Eingriffe ins System vorgenommen, die ein Update verzögerten, mittlerweile werde die Nutzeroberfläche beim japanischen Hersteller aber vollkommen unabhängig von der Android-Version entwickelt.

Muss ein Update unbedingt sein?

Oftmals stellt sich zudem die Frage, ob ein Update überhaupt Sinn ergibt. Schließlich steigen mit jedem Android-Update auch die Hardwareanforderungen an das System und nicht immer bringt eine Aktualisierung dem Nutzer mehr Funktionen. Einige Hersteller haben in ihre eigene Nutzeroberfläche bereits Funktionen integriert, die Google erst später in Android einbaute. Sony bot etwa schon unter Android 2.3 die Möglichkeit, Screenshots zu erstellen - eine Funktion, die Google nativ erst bei Android 4.0 einführte.

Nicht immer bieten Geräte mit einer älteren Android-Version also automatisch weniger Funktionen als das aktuelle Android. Oder wie der netzwelt-Nutzer Chris_qwet sagt: "Eine Version ist nicht 'veraltet', nur weil es eine neue gibt. Eine Version ist erst dann veraltet, wenn sie nicht die aktuell benötigten Features unterstützt."

Eine Übersicht über geplante und verfügbare Android-Updates finden Sie übrigens stets aktuell hier auf netzwelt.

Kommentare zu diesem Artikel

Netzwelt erklärt, warum ihr Smartphone nicht sofort nach der Präsentation einer neuen Android-Version ein Update erhält.

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Die Android-Krux: Darum müssen Sie auf Updates warten

    ... Screenshot auf 2.3 ...

    Wir haben das mal überprüft. Es scheint sich dabei um eine Funktion zu handeln, die nachträglich von einigen Herstellern zugefügt wurde. Es gibt verschiedene Kombinationen die das ermöglichen (abhängig vom Modell/Hersteller) und es funktioniert (bei unseren Testgeräten) nicht, wenn beispielsweise ein alternativer Launcher installiert wurde.

    Mit Ice Cream Sandwich wurde die Screenshot-Funktion nativ in das Betriebssystem integriert.
  • Arno Nym schrieb Uhr
    AW: Die Android-Krux: Darum müssen Sie auf Updates warten

    Das mit dem Screenshot auf 2.3 ist quatsch. Ich zitiere mal Chip.de "Besitzen Sie eine Android-Version ab 2.2 oder 2.3 (Gingerbread) müssen Sie die "Home-Button-Taste" und die die "Lautstärke-Minus-Taste" für wenige Sekunden gleichzeitig drücken. Mit etwas Übung haben Sie schnell das richtige Timing gelernt." Allerdings gabes bei vielen Herstellern Probleme mit der Tastenkombination und 100% funktioniert hast das ganze nur bei Samsung.

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Die Android-Krux: Darum müssen Sie auf Updates warten
Die Android-Krux: Darum müssen Sie auf Updates warten
Netzwelt beantwortet die Frage, warum Android-Updates so lange dauern.
http://www.netzwelt.de/news/95110-android-krux-updates-warten.html
2013-02-08 10:28:33
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/netzwelt-erklaert-android-update-nur-schneckentempo-erscheinen-bild-netzwelt-17972.jpg
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