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Sony Vaio Tap 20 im Test: 20 Zoll großes All-In-One-Tablet
Dank Akku mobil einsetzbar

von Michael Knott
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Gleichzeitig All-In-One-PC und tragbares Riesen-Tablet will Sonys Vaio Tap 20 sein. Dank integriertem Akku lässt sich der 20-Zoll-Monitor mit Notebook-Innereien flexibel im Haus aufstellen oder mit auf Reisen nehmen. Die Frage, für wen das exotische Windows-8-Gerät geeignet ist, beantwortet der ausführliche Testbericht.

Windows 8 bringt einige ungewöhnliche Geräte-Gattungen mit sich, zu denen Sonys Vaio Tap 20 zweifelsohne zählt. Im Inneren kommt wahlweise Intels Core i3 oder Core i5 mit integrierter Grafiklösung zum Einsatz. Ein austauschbarer Akku macht das Vaio für kurze Zeit unabhängig von der Steckdose. Von außen macht das Riesen-Tap dabei voll auf klassischen All-In-One-PC. Sony sieht das Gerät als flexibel einsetzbaren Familien-PC. Die Preise beginnen bei knapp 1.000 Euro.

Verarbeitung, Lieferumgang und Zubehör

Der Vaio-PC kommt in einem großen Karton ins Haus. Sony legt auch eine passende Maus und eine Tastatur mit hinzu. Beide werden vom Vaio kabellos über Bluetooth angesteuert. Während die Tastatur dank angenehmer Druckpunkte und sinnvoller Zusatztasten überzeugt, kann die sehr schmale Kunststoffmaus nicht wirklich gefallen. Dafür fällt das ebenfalls beigefügte Netzteil angenehm kompakt aus. Zusätzlich findet sich ein Stoß an Kurzanleitungen und Garantiebestimmungen im Karton.

Der 187 x 312 x 504 Millimeter große Vaio Tap 20 bringt 5.120 Gramm auf die Waage - für ein "mobiles" Gerät ist das natürlich eine Hausnummer. Dank eines aufklappbaren Ständers lässt er sich auf einem Tisch positionieren, um die weitere Ausstattung in Augenschein nehmen zu können. Bei der Materialwahl setzt Sony zum größten Teil auf durchgefärbten Kunststoff. Dieser trägt nicht zu einem "Premium-Produkt-Gefühl" bei, ist aber ordentlich und ohne erkennbare Spaltmaße verarbeitet worden.

Insgesamt liegt die Verarbeitungsqualität auf einem Sony-typisch hohen Niveau. Jedoch wünscht man sich für einen Familien-tauglichen, mobilen PC, gerade wenn er auch von Kindern bedient werden soll, eine etwas robustere Ausführung des Gehäuses. Immerhin: Gegen Aufpreis von 35 Euro bietet Sony eine passende Schutzfolie für den Vaio Tap an.

Betrachtet man das Testgerät in erster Linie als Dektop-Rechner, muss man ihm einen Mangel an Schnittstellen attestieren, die der japanische Hersteller jeweils links und rechts am Gehäuse in kleinen Buchten unterbringt. Rechts findet der Nutzer Strom- und Ethernet-Buchse vor. Links gesellen sich zwei USB-3.0-Ports, Speicherkartenleser sowie Mikrofon- und Kopfhörereingang hinzu - das war es auch schon, ein optisches Laufwerk gibt es nicht.

Ärgerlich: Das Testgerät bietet keine HDMI-Schnittstelle. Diese lässt sich auch nicht in anderen Modellvarianten des Vaio Tap 20 hinzufügen. Immer an Bord ist dafür ein NFC-Chip sowie Bluetooth 4.0. Auch die Webcam mit einer vergleichsweise schwachen Auflösung von 1,3 Megapixeln baut Sony standardmäßig ein.

Ergonomie

Der Vaio ruht auf einem ausklappbaren Standfuß aus Aluminium, der einen Betrachtungswinkel zwischen 0 und etwa 80 Grad auf die 20 Zoll große Bildschirmdiagonale ermöglicht. Die Friktion des ziemlich kratzempfindlichen Bügels ist ausreichend hoch, sodass sich der Monitor auch bei einem beherzten Druck auf den Touchscreen nicht selbstständig in der Neigung verändert. Auch das Nachwippen nach einer Berührung bleibt in erfreulich engen Grenzen.

Klappt man den Bügel vollständig ein, entsteht eine Art interaktiver Tisch. Bedingt durch den Bügel auf der Rückseite, gibt in diesem Modus jedoch die der Windows-Taste abgewandte Seite auf Druck deutlich mehr nach, was etwa beim Spielen von Reaktions-Spielen von Nachteil sein kann.

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Sieht aus wie ein gewöhnlicher All-In-One-PC, ist aber auch ein Riesen-Tablet: Sony Vaio Tap 20 (Bild: netzwelt)

Einen unter ergonomischen Gesichtspunkten sinnvollen, geraden Blick auf den nicht entspiegelten 20-Zöller erhält nur, wer den Vaio auf eine zusätzliche Auflage, etwa einen Stapel Bücher stellt. Ansonsten blickt man auf ihn stets aus einer erhöhten Position, mit gesenktem Kopf, was schnell einen verspannten Nacken zur Folge hat. Obwohl sich der Bildschirminhalt unter Windows 8 drehen lässt und der Vaio Tap 20 über Tablet-typische Neigungssensoren verfügt, unterstützt der ausklappbare Ständer nicht die Aufstellung in der Vertikalen.

Display

Der Blick auf die 20-Zoll-Diagonale (50,8 Zentimeter) wird durch das stark spiegelnde Glas getrübt, in dem man sich mehr als häufig selbst sieht. Hinzu kommen die für Touchscreens üblichen Fettabdrücke der Finger, die sich jedoch mit wenig Aufwand wieder entfernen lassen. In allen verfügbaren Modellvarianten beträgt die Auflösung 1.600 x 900. Bei gesunder Entfernung, ab etwa einem Meter, sind mit dem bloßen Auge keine einzelnen Pixel mehr erkennbar. Im Test scheiterte die automatische Bildausrichtung das ein oder andere Mal. Dann hilft auch ein Neustart des Systems nicht, um den Inhalt korrekt auszurichten. Die Lösung führt einzig und allein über die Windows-Einstellungen - nervig.

Als Bildseitenverhältnis wählt Sony das typische Heimkinofilm-Format 16:9. Die Hintergrundbeleuchtung übernehmen stromsparende LED, die das Bild gleichmäßig und ohne erkennbare Lichthöfe ausleuchten. Kontrast und Farbdarstellung liegen auf gutem, wenngleich auch längst nicht auf Top-Niveau. Die Erkennung von bis zu zehn Fingern gleichzeitig stellt das Testgerät vor keinerlei Probleme. Generell setzt es Nutzereingaben schnell um. Sinn und Zweck der experimentellen Steuerung des Vaios mittels Gesten (Vaio Gesture Control) erschließt sich netzwelt jedoch nicht. Die Erkennungsrate war im Test gering, die physikalische Berührung des Touchscreens unkomplizierter und schneller.

Leistung und Modellvarianten

Beim Rezensionsexemplar von netzwelt handelt es sich um die stärkere Variante mit der Produktbezeichnung SVJ2021V1E. Sony verbaut in dieser Konfiguration einen Intel Core i5-Prozessor (i5-3317U) der dritten Generation, sechs Gigabyte Arbeitsspeicher sowie eine Festplatte mit einer Kapazität von einem Terabyte. Aktuell listet Sonys Online-Shop diese Variante zum Preis von 1.200 Euro. Die schwächer bestückte Modellversion SVJ2021E9E muss mit einem Intel Core i3-Prozessor, vier Gigabyte RAM und 750 Gigabyte Festplattenkapazität auskommen, kostet dafür aber knapp 200 Euro weniger.

Bei beiden Versionen sorgt Intels HD-Grafikkarte 4000 für die Bildausgabe. Egal, ob Kunden die günstigere oder die Top-Ausstattungslinie wählen - im Inneren des Vaio Tap 20 kommt stets aktuelle Notebook-Technik zum Einsatz. Wünschenswert für den Einsatz als Desktop-Rechner wäre jedoch die Option einer leistungsfähigeren Grafiklösung, die Sony auch gegen Aufpreis nicht anbietet.

Windows 8 in der 64-Bit-Version gibt für die Testausstattung einen Leistungsindex von 4,7 aus. Unter Cinebench 11.5 messen wir im OpenGL-Test 14,9 Bilder in der Sekunde. Der CPU-Test ergab 2,36 Punkte. Das Ergebnis verdeutlicht bereits: Das Vaio Tap ist kein Power-Rechner, liegt aber in etwa gleich auf mit vergleichbaren Ultrabooks mit Intel Core i5-Prozessor, wie beispielsweise Lenovos ThinkPad X1 Carbon (Leistungsindex 5,8 / 15,29 Bilder in der Sekunde / 2,55 CPU-Punkte).

Grafikaufwendige Spiele führen in mittleren und höheren Grafikeinstellungen schnell zu nervigen Rucklern, für die allermeisten Spiele aus dem Windows Store reicht die Leistung hingegen vollkommen aus. Auch die typischen (Desktop)-Aufgaben wie die Wiedergabe von HD-Videos über Youtube oder das Arbeiten mit Texten und Tabellen stellen die Konfiguration kaum vor nennenswerte Probleme.

Der verbaute Akku des Vaio Tap 20 erlaubt es Nutzern, den All-In-One-PC prinzipiell überall mit hinzunehmen. Die Mobilität wird sich jedoch in den meisten Fällen wohl auf das Wechseln der Räumlichkeiten innerhalb des Hauses oder Büros beschränken, denn für den Outdoor-Einsatz ist das Gehäuse, wie bereits erwähnt, ein wenig zu filigran gestaltet.

Der Energiespeicher mit einer Kapazität von 3.500 Milliamperestunden / 38 Wattstunden war im Test für eine Steckdosen-unabhängige Laufzeit von knapp zwei Stunden gut. Dabei war das WLAN-Modul des Sonys Vaio Tap permanent aktiv, ebenso die Bluetooth-Verbindung zum Ansteuern der Tastatur und Maus. Die Bildschirmhelligkeit lag bei etwa 80 Prozent. Wer die Energieeinstellungen sorgfältiger wählt, erreicht auch Laufzeiten im Akkubetrieb von etwa drei Stunden.

Vorbildlich: Über eine Service-Klappe auf der Rückseite lassen sich im Handumdrehen Speicher und Akku wechseln.

Umwelt

Über eine mittels Gummistiften verriegelte Klappe auf der Rückseite erhalten Nutzer Zugang zum "Service-Bereich" des Vaio-PCs. Hinter der Abdeckung aus recht dünnem Kunststoff finden sich - vorbildlich erreichbar - der herausnehmbare Akku sowie weitere Service-Klappen. Entfernt man hier eine handelsübliche Kreuzschlitzschraube, erhält man einfachen Zugang zum verbauten Arbeitsspeicher und zur Festplatte. Beide Komponenten lassen sich auch ohne technisches Vorwissen vom Nutzer leicht auswechseln. Ebenfalls zieht man hier die beiden Federn des Bügels bei Bedarf nach. Gut mitgedacht, Sony.

Installierte Software

Neben Windows 8 kommt der Vaio Tap 20 mit wenig sinnvoller Software ins Haus, sieht man von Sony-eigenen Service- und Systemprogrammen einmal ab. Zu allem Überfluss findet sich auch jede Menge Bloatware auf dem Testgerät (Intel AppUp, McAfee Security Center, Parental Control etc.), die der Nutzer bei Nichtgebrauch erst wieder deinstallieren darf. Da Sony den Vaio Tap als "Familien-PC" verkauft, wäre eben gerade Software aus diesem Bereich - etwa eine Brettspielsammlung - wünschenswert gewesen. Das gut gemeinte Malprogramm kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Multimedia

Musik und Systemtöne gibt Sonys Vaio Tap 20 über zwei auf der Rückseite eingebaute Lautsprecherstreifen aus. Legt man den Vaio flach auf den Tischboden, strahlen diese jedoch die Tischplatte an. Das Resultat sind dumpfe, gedämpfte Töne.

Auch in Idealstellung ist der Klang der Lautsprecher kein Hochgenuss, für die Untermalung von Spielen oder ähnlichem jedoch vollkommen ausreichend. Bei der Wiedergabe von Filmen wünschten wir uns im Test mehr Druck im oberen Lautstärkebereich, in dem der Vaio Tap 20 wie viele andere Geräte dieser Gattung zum Übersteuern neigt.

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netzwelt
6.1
Sony Vaio Tap 20
Vorteile
  • eingebauter Akku
  • riesiger Touchscreen
Nachteile
  • wenig Schnittstellen
  • empfindliches Gehäuse

Riesen-Tablet

Als Tablet zu schwer und unhandlich, als All-In-One fast schon zu klein, mit zu wenigen Schnittstellen gesegnet und ohne optisches Laufwerk: Sonys Vaio Tap 20 ist ein Luxus-Produkt. Man braucht es nicht, aber es macht dennoch Spaß. Interessierte sollten sich jedoch selbst die Frage stellen, ob sie auch dann noch einen Einsatzzweck für das Vaio Tap haben, wenn die anfängliche Neugier und Begeisterung längst abgeebbt sind. Schade ist, dass Sony der durchaus interessanten Kreuzung kein robusteres, vielleicht sogar gegen Schmutzwasser resistentes Gehäuse spendiert hat. Mit einem solchen ausgestattet, wäre das Einsatzgebiet gleich viel größer und klarer abgesteckt. Und Vater und Mutter könnten das mindestens 1.000 Euro teure Gerät auch mal unbeaufsichtigt dem Nachwuchs überlassen.


Einzelergebnisse
Design, Display, Leistung, Ausstattung, Multimedia: Nach diesen fünf Hauptkriterien bewerten wir Tablet-Computer. Für jede Unterkategorie vergeben wir Punkte, maximal 10. Die Summe der Einzelbewertungen teilen wir durch 5 und erhalten so die Endnote. Diese spiegelt nicht zwangsweise auch das Endresultat. Der testende Redakteur kann am Ende noch eine individuelle Auf- oder Abwertung vornehmen. Wie wir Tablet-Computer im Detail testen, können Sie an dieser Stelle nachlesen.
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Einsortierung
Sony Vaio Tap 20 von Sony wurde als Tablet-PC abgelegt. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Computer, Mobile, Testbericht, Mobile Computing, Sony, Tablet-PC, Sony Vaio, All-In-One-PC, Windows 8, All-in-One-Geräte, Review und Sony Vaio Tap 20 .
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