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Verkehrte Netzwelt: Junge Monster im Büro
Achtung, die Digital Natives kommen. Sie erobern die Arbeitswelt mit Smartphones und Tablet-PCs. Sie arbeiten wann sie wollen, wie sie wollen und wo sie wollen. Wer nicht mitspielt, hat verloren.
Seit einigen Monaten liest man in den beliebten Beruf & Karriere-Beilagen der Tageszeitungen, wie sehr sich doch die Einstellungspraxis für neue Bewerber in Unternehmen geändert hat. Früher zählten Lebenslauf und Zeugnisse. Heute zählt die Facebook-Biografie.
Vor allem junge Fachkräfte mit Tablet-PC und Smartphone sind begehrte neue Mitarbeiter. Manager, IT-Verantwortliche und Personalberater bekommen regelmäßig den Tipp, sie möchten Ihr Unternehmen doch bitte auf die neue Welt der "Digital Natives" ausrichten. Denn erstens sind das begehrte Fachkräfte und der "Fachkräftemangel" hat Deutschland ja schon seit Jahren im Griff.
"No go" und "Brod"
Und zweitens sind es diese Leute gewohnt, dass sie überall, wo sie gehen und stehen, ihr persönliches Smartphone bzw. ihr Tablet zur Hand haben. Ein Unternehmen, das es den Mitarbeitern nicht erlaubt, während der Arbeitszeit mal schnell im Internet zu surfen, hat da natürlich schlechte Karten bei neuen Bewerbern. Und die Nutzung von privat mitgebrachten Smartphones und Tablets zu untersagen, ist ein absolutes "No Go". Darum rufen die Human Resources-Manager aller Branchen den neuen Mitarbeitern fröhlich zu: "Byod", was soviel heißt wie "Bring your own device", was wiederum soviel heißt wie "Du kannst eigentlich alle Geräte, die du willst, ins Büro mitbringen." Natürlich erwarten die Mitarbeiter dann eine entsprechende finanzielle Unterstützung. Schließlich bringen sie eigenes persönliches Gerät in die Arbeit mit.
Dann arbeiten Sie gern auch ein bisschen mit, vorausgesetzt natürlich, es ist ein wirklich schickes internationales Projekt mit Cloud Computing und mobilen Videokonferenzen.
Auf den Kopf gestellt
Ach, waren das noch Zeiten. In der alten Bundesrepublik haben die Vorgesetzten ihren Mitarbeitern gesagt, wo der Arbeitsplatz ist, wann und wie sie arbeiten sollen und welche Werkzeuge sie dabei benutzen müssen.
Doch Facebook und Konsorten haben die Welt auf den Kopf gestellt. Heute kommen die jungen Fachkräfte und fragen schon im Vorstellungsgespräch ebenso höflich wie unmissverständlich, ob man denn flexibel bei den Arbeitszeiten sei und ob man eventuell den ein oder anderen Job auch mit dem Tablet-PC erledigen könne. Wer da als Personaler nicht gleich begeistert nickt, scheidet als zukünftiger Arbeitgeber aus. Oder er sieht aus wie ein Mann vergangener Zeiten, sprich, wie Rainer Brüderle.
Dann sucht sich die begehrte Fachkraft, der hochkompetente Web 2.0-Spezialist - oder sind wir schon bei Web 3.0? - eben eine andere Company.
Die Digital Natives sind die Produkte der neuesten Welle der antiautoritären Erziehung. Ihre wichtigste Lebensregel lautet "Always on", ihre Meinung äußern sie nur noch über Facebook-Likes. Sie geben den Ton an. Sie sind die kleinen Monster der digitalen Arbeitswelt ...


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