Helden am Abgrund
The Cave: Im Kurztest
Maniac Mansion, Zak McKracken und The Secret of Monkey Island: Mit seinen Point'n'Click-Adventures ist Ron Gilbert selbst für Game-Designer eine Legende, seine berühmten Frühwerke bilden bis heute das spielerische und erzählerische Fundament für das ganze Adventure-Genre. Mit dem humorigen Action-Rollenspiel Death Spank (2010) lieferte Gilbert erstmals nur mittelmäßige Kost ab, doch mit The Cave präsentiert er sich jetzt wieder in alter Bestform.
The Cave - E3 2012 Trailer: Im Adventure The Cave trifft der Spieler auf allerlei witzige und merkwürdige Charaktere. Darüber hinaus auch auf spannende Hüpf- und noch spannendere Knobel-Einlagen. Erscheinen soll The Cave, von Publisher Sega, allerdings erst im Frühjahr 2013. Dieser Ersteindruck von der E3 2012 zeigt also ein Spiel in der Entwicklung. Zum Video: The Cave - E3 2012 Trailer
Für sein Abenteuer bedient sich der Altmeister eines literarischen Kniffs: Bei der Erforschung einer schummrigen Höhlenwelt erleben seine Protagonisten einen intensiven Selbsterfahrungstrip. Die Reise ins Innere der Erde ist eigentlich eine Reise ins Ich.
Schatzjägerin, tibetischer Mönch, Zeitreisende, Ritter, teuflische Zwillinge, Wissenschaftlerin und unterbelichteter Südstaaten-Hillbilly: Diverse Abenteurer werden in Dreiergruppen in die labyrinthischen Tiefen einer gigantisch verschachtelten Höhle geschickt, wo der Spieler mit dem digitalen Steuerkreuz jederzeit zwischen den Mitgliedern hin- und herschalten darf.
Entsprechend basieren die meisten Puzzles von The Cave auf Teamwork: Im simpelsten Fall halten sich die drei Auserwählten durch die Aktivierung von Hebeln gegenseitig Türen auf oder sammeln verstreute Gegenstände ein, nach denen die schrulligen Bewohner der Höhle verlangen. Bei komplexeren Kopfnüssen dagegen bringt Ron Gilbert die individuellen Talente der Charaktere ins Spiel. So prallen etwa an der Rüstung des Ritters Armbrustbolzen und Drachenfeuer ab, die Schatzjägerin schwingt sich in Indiana-Jones-Art über Abgründe und der Mönch lässt Kraft seiner Gedanken das Level-Interieur schweben, während sich die Zeitreisende durch massive Hindernisse beamt und das Landei seinen Kopf beim Tauchgang in eine große Luftblase hüllt, um unter Wasser besonders lange Strecken zurückzulegen.
Diese Spezialfähigkeiten kommen vor allem in individuellen Abschnitten zum Einsatz, die es neben universellen Gebieten gibt. Jede Figur im Team darf die beiden Kollegen durch ihr ganz persönliches Abenteuer führen, das die magische Höhle aus den Erinnerungen des Charakters zusammengefügt hat. Die Schatzjägerin muss einmal mehr miterleben, wie ihre Gier nach Gold den Forscherkollegen den Tod bringt, der scheinheilige Mönch meuchelt seinen Meister, der falsche Ritter erschwindelt sich die Reichtümer des Königs, indem er dessen Tochter einem Drachen zum Fraß vorwirft: Jeder Besucher der titelgebenden Höhle hat ordentlich Dreck am Stecken und bekommt hier den Spiegel vorgehalten.
Wer am Ende geläutert aus dem ungewöhnlichen Selbstfindungstrip hervorgeht, obliegt einer finalen Entscheidung des Spielers: Wer gewinnt? Gier oder Einsicht? Hier brilliert Gilbert nicht nur durch eine geschickt versteckte Überraschung, sondern vor allem durch seinen schrulligen Humor, der in diesem Fall von der Höhle selbst vorgetragen wird: Die beschreibt die Entscheidungen und das zweifelhafte Vorleben ihrer stummen Gäste mit angenehm samtiger Stimme und bissigem Sarkasmus.
Wer alle Facetten und Erzählstränge erleben will, muss The Cave mehrfach durchspielen - am besten mit zwei Freunden, die die Kontrolle der anderen Spielfiguren übernehmen: Doch weil der Aufbau der gigantischen Grotte durch die jeweils andere Team-Zusammenstellung immer wieder unterschiedlich gerät, sind Déjà-vu-Erlebnisse angenehm selten. Gilberts Spiel strotzt nur so vor gelungenen, tiefsinnigen Pointen, die mal tragisch, mal komisch, aber in jedem Fall hochspannend das Seelenleben der sieben Antihelden beleuchten.
The Cave: Im Kurztest
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Bild vergrößern Die titelgebende Höhle spricht - und hat Humor. "The Cave" ist das neuste Spiel der Adventure-Legende Ron Gilbert. (Bild: Double Fine / Sega) - Bild 2 von 20
Bild vergrößern Die Höhle besitzt gigantische Ausmaße und wird von schrulligen Figuren bewohnt. (Bild: Double Fine / Sega) - Bild 3 von 20
Bild vergrößern Ron Gilbert kombiniert in "The Cave" auf kunstvolle Weise die Rätsellastigkeit von Point&Click-Adventures mit der Spielweise eines Jump&Runs. (Bild: Double Fine / Sega) - Bild 4 von 20
Bild vergrößern Mit drei von sieben Figuren geht's in die Höhle. Auf jeden Helden wartet ein eigener Abschnitt. (Bild: Double Fine / Sega) - Bild 5 von 20
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The Cave kombiniert wie vor vielen Jahren ein Heart of Darkness oder Oddworld: Abe's Oddysee auf kunstvolle Weise die Rätsellastigkeit des Point&Click-Adventures mit der Spielweise eines Jump&Runs. Obendrein veredelt es diesen originellen Mix mit einem ganzen Bündel an starken Aussagen: Durch so ein Adventure knobelt man sich nicht alle Tage - auch wenn man gelegentlich endlos lange Laufwege und ein paar Ruckler in Kauf nehmen muss.
Datenblatt
| The Cave | |
| Spielname | The Cave |
| Hersteller | Double Fine Studios |
| Vertrieb | Sega |
| Genre | Adventure |
| Erhältlich ab | 23.01.2013 |
| Preis | ca. 10 Euro |
| EAN Code | 1234567890123 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Multiplayer | 2-3 |
| Sonstiges | |
| Bewertung Grafik | gut |
| Bewertung Steuerung | gut |
| Bewertung Sound | gut |
| Bewertung Spielspass | sehr gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
| System | Xbox 360 |
| System | Mac OS X |
| System | PC |
| System | PlayStation3 |
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