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Belkin WeMo im Test: Heimautomatisierung per iPhone
Set für 100 Euro

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Licht einschalten bei Sonnenuntergang, Kaffeekonsum per Eintrag im Online-Kalender überwachen - Belkins WeMo-Serie bringt Heimautomatisierung spielerisch näher und setzt komplett auf iPhone-Steuerung. Ein Internetdienst ermöglicht zahlreiche Szenarien - nicht alle Kombinationen sind nützlich, sie zeigen aber, wohin der Trend geht.

Das im Test vorliegende WeMo-Set von Belkin besteht aus der Schaltsteckdose "Home Automation Switch" und dem Bewegungsmelder "Motion Sensor". Vom Prinzip her funktioniert das System ähnlich wie die kürzlich getestete Einheit FRITZ!DECT 200: Es ermöglicht die Fernsteuerung der Steckdose über WLAN und Mobilfunknetz, alternativ schaltet man die Einheit mechanisch über einen Druckknopf an der Vorderseite. Im Gegensatz zu AVM setzt Belkin aber ganz auf die Steuerung über eine iOS-App. Der Bewegungsmelder "Motion Sensor" ergänzt das System. Weitere WeMo-Einheiten wie das Babyphone WeMo Baby sind ebenfalls erhältlich, eine in den USA bereits erhältliche Webkamera soll in diesem Jahr auch in Deutschland erscheinen. Ein Lichtschalter ist ebenfalls in Entwicklung.

Die Installation des WeMo-Sets ist wie bei der FRITZ!DECT 200 denkbar einfach: "Home Automation Switch" in die Steckdose stecken, Belkins WeMo-App für das iPhone herunterladen, per Miniprogramm mit dem WLAN der Steckdose verbinden. Anschließend wählt man sein eigenes Heimnetzwerk aus und übergibt die Parameter an das Gerät. Die Schritte wiederholt man nochmals mit dem "Motion Sensor", der aus einer Schalteinheit besteht, an der ein Bewegungssensor hängt, verbunden mit einem 1,8 Meter langen Kabel. Der Sensor sieht aus wie ein Minilautsprecher und kann irgendwo im Raum platziert werden. Nach der Anmeldung landen beide Geräte in der Belkin WeMo-App unter dem Reiter Switches und Sensoren.

Nützliche Szenarien

Wer Zeitschaltsteckdosen einsetzt, kennt sich mit den Szenarien, die solche Einheiten möglich machen, bereits aus. Durch die IP-Fähigkeiten der WeMo-Geräte kommen aber viele Steuerungsmöglichkeiten hinzu: Man kann etwa eine Lampe oder Kaffeemaschine an der Steckdose anschließen und diese per Smartphone zeitgesteuert automatisch anschalten lassen. Oder - um ein weiteres nützliches Beispiel zu nennen - den Ventilator im Sommer einschalten lassen, wenn eine Bewegung am Eingang der Wohnung registriert wird. Die Regeln definiert man direkt per App, steuert die Zeit wahlweise nach Dauer und Wochentagen und vergibt einen Namen für die gewählte Anweisung, etwa: "Licht Redaktion". Das geschieht alles spielend leicht - auch, weil sich der Hersteller Mühe gemacht hat, die Bedienung einfach zu gestalten. Einzig, dass die App recht träge reagierte, schmälerte den Gesamteindruck.

Einige Dinge gibt es in der praktischen Anwendung zu beachten: Die Schaltsteckdose ist für den Betrieb elektrischer Geräte bis zu einer Leistung von 3.680 Watt ausgelegt. Sie reagiert zwar grundsätzlich schnell (gefühlt unter einer Sekunde) im internen Netzwerk, von unterwegs bei Steuerung via Mobilfunknetz aber verzögert (rund zwei Sekunden). Das fiel auch schon bei der FRITZ!DECT 200 auf, sollte aber nicht weiter stören. Mit einem Abstrahlungswinkel von 120 Grad erfasst der Sensor Bewegungen recht weiträumig - wie bei einer Lichtschranke funktioniert die Einheit nicht. Einstellen kann man immerhin die Empfindlichkeit in vier Stufen - von "sehr hoch" über "hoch" und "mittel" bis hin zu "niedrig". Der Bewegungsmelder funktioniert dank eingebautem WLAN auch unabhängig von der Schaltsteckdose. Im gemeinsamen Einsatz nutzen die Einheiten offenbar ihr integriertes Funkmodul zur Kommunikation.

  • Per App steuerbar: Das Belkin-Set besteht aus einer Schaltsteckdose und einem Bewegungssensor. (Bild: netzwelt)
  • Die Steckdose ist für elektrische Geräte bis zu 3.680 Watt ausgelegt. (Bild: netzwelt)
  • Der Bewegungssensor steckt an einer Schalteinheit und einem 1,8 Meter langen Kabel. (Bild: netzwelt)
  • Zur Einrichtung via App wählt man sein Zuhause-WLAN aus und übergibt die Parameter. (Bild: Screenshot)
  • Die App stellt dann eine Verbindung zum Funknetz her. (Bild: Screenshot)
  • Praktisch: In einem Rutsch wird auch der Fernzugriff eingerichtet. (Bild: Screenshot)
  • Fertig eingerichtet, kann man auch von unterwegs auf Steckdose und Bewegungsmelder zugreifen. (Bild: Screenshot)
  • In der App stehen Anweisungen zur Verfügung, die man den Geräten geben kann. (Bild: Screenshot)
  • Die Regeln lassen sich nach Zeit und Wochentag definieren und auch deaktivieren. (Bild: Screenshot)
  • Beim Motion Sensor lässt sich die Empfindlichkeit einstellen. (Bild: Screenshot)
  • Der Dienst "If This Then That" erweitert den Spielraum der Heimsteuerung. Die Geräte müssen aber per PIN-Code zunächst angemeldet werden. (Bild: Screenshot)
  • Insgesamt stehen 47 Kanäle, Dienstanbieter, zur Verfügung, die miteinander nach dem "If this then that"- Prinzip kombiniert werden können. (Bild: Screenshot)
  • Die Aktivierung der WeMo-Geräte bereitete ein wenig Mühe, ... (Bild: Screenshot)
  • ... aber irgendwann akzeptierte der Anbieter die PIN-Nummer. (Bild: Screenshot)
  • Neue Anweisungen werden anschaulich hinterlegt. (Bild: Screenshot)
  • Die meisten Dienste, etwa Facebook, erfordern eine Berechtigung für den Zugriff durch IFTTT. (Bild: Screenshot)

Auf ins Internet der Dinge

Das Belkin WeMo-Set liefert mit dem Internetdienst "If this then that" (IFTTT) aus San Francisco ein interessantes Zusatzgimmick. IFTTT ermöglicht die Kombination verschiedener Anweisungen (Rezepte), die zum großen Teil auf Internetangeboten beruhen. Zum Beispiel: "Benachrichtige mich per SMS, wenn ich auf einem Facebook-Foto getaggt worden bin". Oder: "Sende einen Twitter-Feed an meine Follower, wenn ich ein neues Bild auf Instagram veröffentlicht habe". Insgesamt stehen 47 Dienste zur Verfügung, die miteinander verknüpft werden können, und eine Million vorgefertigter Anweisungen aus dem Pool der Nutzer.

In Kombination mit dem Belkin WeMo-Set ergeben sich daduch spaßige, unterhaltende und auch nützliche Anwendungsszenarien. Beispielsweise kann man sich per E-Mail informieren lassen, wenn eine Bewegung in der Wohnung registriert wird oder das Licht angeht, obwohl man unterwegs ist. Auch der Sprößling kann auf diese Weise kontrolliert werden: Die Eltern sind etwa im Theater und der Sohn sollte um acht Uhr zu Hause sein. Mit dem Bewegungsmelder ist eine Kontrolle möglich, wie es der Sohn mit der Pünktlichkeit hält.

Die Suche nach sinnvollen Anweisungen

Es müssen aber keine Szenarien der Überwachung sein: "Schalte das Licht an innerhalb eines Zeitraumes 15 Minuten nach Sonnenuntergang" lässt sich mithilfe des zur Verfügung stehenden Wetterdienstes auf den eigenen Standort anpassen und aktivieren. Das funktioniert umgekehrt auch mit dem Sonnenaufgang. Oder man will den Kaffeekonsum kontrollieren und kombiniert das Einschalten der Maschine per Belkin Switch mit einem Google Kalender-Eintrag.

Nicht alle Anweisungen, die man IFTTT befehligen kann, sind sinnvoll. Überhaupt sollten Interessierte bedenken, dass man den Dienst in der Regel mit Nutzerdaten speisen muss, damit er Zugriff auf die fremden Internetangebote erhält. Viele Ereignisse sind zudem auf die eigene Tätigkeit bei Diensten wie Foursquare oder Youtube bezogen, was die Kombination mit den Belkin-Geräten wenig nützlich erscheinen lässt.

Im Test musste netzwelt auch feststellen, dass die Autorisierung der Belkin-Geräte bei IFTTT mehrfach scheiterte. Hier muss man schon etwas Geduld aufbringen, bis der Dienst auf die Haussteuerung zugreifen kann. Erstaunlich auch, dass die Auslösung eines Ereignisses per SMS bei den Providern Telekom und O2 scheiterte. Wo hier das Nadelöhr liegt, kann aber nur vermutet werden.

Fazit

Der Bewegungsmelder, die Konzentration auf die App-Bedienung und der spielerische sowie unterhaltende Ansatz dank IFTTT-Integration sind die wesentlichen Merkmale, welche die Heimautomatisierung Belkin WeMo von der Schaltsteckdose von AVM unterscheiden. Dadurch vergrößert sich der Anwendungspielraum und das eigene Heim wird per App steuerbar - egal ob von zu Hause oder von unterwegs.

Im Test funktionierte die Steuerung per App prima und macht Hunger auf neue Szenarien - etwa in Form einer Webkamera. Nachholen sollte der Hersteller einen Browserzugriff auf die Heimsteuerungsgeräte, denn derzeit bleiben alle Nutzer ohne iPhone außen vor. Zusätzlich wäre eine Energie-Verbrauchskontrolle sinnvoll.

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Belkins WeMo-Serie ermöglicht die Steuerung von Elektrogeräten per Smartphone. In Kombination mit einem Internetdienst wird die Heimautomatisierung spielerisch näher gebracht. Das WeMo-Set im netzwelt-Test.

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Belkin WeMo im Test: Heimautomatisierung per iPhone
Belkins WeMo-Serie ermöglicht die Steuerung von Elektrogeräten per Smartphone. In Kombination mit einem Internetdienst wird die Heimautomatisierung spielerisch näher gebracht. Das WeMo-Set im netzwelt-Test..
http://www.netzwelt.de/news/94986-belkin-wemo-test-heimautomatisierung-per-iphone.html
2013-01-24 17:19:49
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Belkin WeMo im Test: Heimautomatisierung per iPhone