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Nikon Coolpix S800c im Test
Der Star ist das System

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Nikon präsentiert mit der Coolpix S800c eine Kompaktkamera auf Android-Basis. Doch ist Googles Handy-OS den Aufpreis von knapp 120 Euro gegenüber technisch vergleichbaren Modellen wert?

GPS, WiFi, ein 10-facher optischer Zoom und eine 16-Megapixel-Auflösung: Die Spezifikationen der Nikon Coolpix S800c lesen sich wie die einer gut ausgestatteten Kompaktkamera. Dennoch ist die Kamera besonders, denn sie läuft mit Android. Doch taugt Googles Handy-OS auch als Kamera-Betriebssystem?

Die Coolpix S800c ist sauber verarbeitet. Das Gehäuse besteht aus Metall, der Rahmen aus Kunststoff. Die Kamera liegt gut in der Hand. Auslöser und Bedientasten erreicht der Nutzer leicht mit der rechten Hand. Hersteller Nikon verbaut bei seiner Android-Kamera einen Bildsensor, wie man ihn in zahlreichen Kompaktkameras findet. Der BSI-CMOS-Bildsensor im Format 1/2,3 Zoll liefert bei einer Kantenlänge von 6,17 x 4,55 Millimetern Fotos mit einer maximalen Auflösung von 16 Megapixeln und Videos in Full-HD-Auflösung.

Fotografen finden des Weiteren ein Nikkor-Weitwinkelobjektiv mit ED-Glas und einem zehnfachen optischen Zoom vor. Umgerechnet ins Kleinbildformat bietet das Objektiv eine Brennweite zwischen 25 und 250 Millimetern. Das Objektiv bewegt sich zügig, aber auch deutlich hörbar. Der AutoFokus stellt Motive ausreichend schnell scharf - überdurchschnittlich schnell ist er aber nicht. Der Auslöser funktioniert zweistufig und besitzt einen klaren Druckpunkt.

OLED-Display

Zur Vermeidung verwackelter und unscharfer Aufnahmen weist die Coolpix S800c einen optischen Bildstabilisator auf. Wer sich nicht auf ihn verlassen will, kann aber auch dank eines entsprechenden Gewindes mit Stativ fotografieren. Wer kein Stativ zur Hand hat, kann bei Bedarf die Coolpix S800c auch auf einer ebenen Fläche abstellen. Das Gewicht ist ausbalanciert und die Kamera kippt auch bei ausgefahrenem Objektiv nicht so leicht um.

Der 3,5-Zoll-Bildschirm der Coolpix S800c dient zugleich zur Auswahl des Motivs sowie zur Überprüfung der Aufnahmen. Er löst mit 819.000 Bildpunkten auf. Dank der verwendeten OLED-Technologie wirken die Farben satt und kräftig - ein deutlicher Unterschied zu LC-Displays ist auch für Laien erkennbar. Allerdings sind die Blickwinkel begrenzt. Neigt der Nutzer die Kamera um rund 10 Grad, treten Farbverfälschungen auf.

Anschlüsse und interner Speicher

Die Coolpix S800c kann Daten via WiFi oder Bluetooth teilen, alternativ stehen aber ein Mini-USB- und ein Mini-HDMI-Ausgang zur kabelgebundenen Übertragung der Daten zur Verfügung. Der USB-Port dient dabei auch zum Laden der Kamera. Nutzer können diese entweder am PC oder über einen beiliegenden Netzadapter auch an der Steckdose laden.

Der interne Speicher der Kamera ist 1,7 Gigabyte groß, dem Nutzer stehen davon ab Werk circa 680 Megabyte zur Verfügung. An Speicherkarten unterstützt das Modell sowohl SD- als auch SDHC-Karten mit bis zu 32 Gigabyte Kapazität.

Akku

Der Akku fällt überraschend klein aus: Er bietet eine Kapazität von 1.050 Milliamperestunden und soll laut Nikon für 140 Bilder reichen. Um diesen Wert zu erreichen, sollten Nutzer aber darauf achten, nicht unnötig Energie zu verschwenden, und etwa die WLAN-Funktion deaktivieren, wenn sie mit der Kamera unterwegs sind. Weitere, eigentlich für Smartphones gedachte Energiespartipps, die sich teils aber auch auf Android-Kameras übertragen lassen, finden Sie hier.

Nikon Coolpix S800c

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Auf den ersten Blick eine typische Kompaktkamera mit 10-fachem Zoom.

Android ist noch kein Kamera-OS

Nikon installiert auf der Coolpix S800c die Android-Version 2.3.3 aus dem Jahre 2010, auf eine eigene Nutzeroberfläche verzichtet der Kamerahersteller dabei. Dementsprechend wirkt das System angestaubt. Die Menüführung ist teils umständlich. Befindet sich der Nutzer im Android-Menü, kann er nicht einfach über einen Druck auf den Auslöser ein Foto machen, sondern muss erst über den Touchscreen die App "Aufnahme" öffnen. Zurück in die Android-Menüs gelangt er über die Zurück-Taste oder den Home-Button neben dem Display.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass das System nicht auf den Einsatz als Kamera-OS optimiert wurde, sind die vorinstallierten Apps. Fotografie-Programme wie Instagram oder PhotoshopExpress? Fehlanzeige! Dafür finden sich auf der S800c diverse Apps, über deren Daseinsberechtigung sich streiten lässt: Google Maps mag zur Navigation auf einer Foto-Safari noch ganz hilfreich sein, aber brauchen Sie auf ihrer Android-Kamera einen Taschenrechner? Oder einen Musik-Player - obwohl das Gerät nicht einmal einen Kopfhörerausgang bietet? Deinstallieren kann der Nutzer diese System-Apps übrigens nicht.

Immerhin: Die Coolpix S800c besitzt einen vollwertigen Zugang zum App Store Google Play. Nutzer können sich so eine Reihe von Bildbearbeitungsprogrammen herunterladen und nutzen. Die ältere Android-Version ist hier kein Nachteil, die allermeisten Android-Apps verlangen maximal die Version 2.2 Froyo.

Bildqualität und Einstellmöglichkeiten

Hobby-Fotografen steht eine breite Palette von insgesamt 17 Motivprogrammen zur Auswahl - darunter auch exotische Programme für Portraits von Tieren oder Nahaufnahmen von Speisen. Zudem gibt es einen intelligenten Automatikmodus und einen Automatikmodus, der dem Nutzer die Möglichkeit gibt, verschiedene Parameter (ISO-Wert, Blitz) zu varieren. Einen manuellen Modus, in dem der Fotograf völlig frei Blende und Co. einstellen kann, gibt es dagegen nicht.

Die Bildqualität der Nikon Coolpix S800c ist allerdings nur durchschnittlich. Bereits ab ISO 125 lassen sich beim Betrachten des Bildes in Originalgröße leichte Störungen erkennen. Ab ISO 1.600 sind diese auch bei einer um 75 Prozent verkleinerten Ansicht erkennbar und die Bilder nur noch eingeschränkt brauchbar.

Testbilder Nikon Coolpix S800c

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Zimmerlicht an, Blitz aus: ISO 200 Blende 3,4 1/30 Sekunde - 25 Millimeter. (Bild: netzwelt)

Die Farben wirken natürlich, Kontraste werden klar dargestellt. Motive im Zentrum des Bildes sind scharf, zu den Rändern fällt die Auflösung allerdings ab, teils war dieser Effekt mit bloßem Auge in den Testbildern zu erkennen. Das Niveau von Spitzenmodellen wie der Canon Powershot G12 erreicht die Coolpix S800c bei Fotoaufnahmen also nicht, die Bildqualität ist eher vergleichbar mit Modellen wie der Samsung WB750, die halb soviel wie die Coolpix S800c kosten.

Fazit

Die Nikon Coolpix S800c ist ein interessantes Experiment. Allerdings merkt man dem Kamerahersteller an, dass er noch wenig Erfahrung mit Android besitzt. Das Handy-OS wirkt aufgesetzt, die Bedienung ist teils umständlich. Wirklich ineinander greifen Kamera und System bei der Coolpix S800c nicht. Die Bildqualität ist zudem nur durchschnittlich, der Akku schwach. Das Modell ist daher nur für Android-Fans und experimentierfreudige Hobby-Fotografen interessant.

Die unverbindliche Preisempfehlung für die Nikon Coolpix S800c lautet 399 Euro. Im Netz ist die Android-Kamera bereits ab 250 Euro erhältlich.

Eine Alternative ist die ebenfalls auf Android basierende, aber deutlich teurere Samsung Galaxy Camera.

Kommentare zu diesem Artikel

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  • Aber hallo schrieb Uhr
    AW: Android-Kamera: Nikon Coolpix S800c im Test

    Android 2.3.3 ist nicht von 2010, sondern im Frühling 2011 herausgekommen. Wenn man von ein paar folgenden Bugfixes absieht, kommt als nächste Version eh schon Android 4.x

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Nikon Coolpix S800c im Test
Nikon Coolpix S800c im Test
Mit der Coolpix S800c stellt sich Nikons erste Android-Kamera dem netzwelt-Test.
http://www.netzwelt.de/news/94975-nikon-coolpix-s800c-test.html
2013-01-25 17:41:40
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/anfang-november-kommt-zenbook-asus-markt-bild-asus8932.jpg
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