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Dell Latitude 10 im Test: Business-Tablet mit austauschbarem Akku
Fast schon ein Netbook-Konkurrent

von Michael Knott
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Austauschbarer Akku, Stiftbedienung, Dual-Core-Prozessor von Intel, vollwertiges Windows 8: Die technischen Daten zum Dell Latitude 10, dem ersten Business-Tablet der Marke, lesen sich vielversprechend. Und auch das Unboxing hat Lust auf mehr geweckt. Höchste Zeit, dem Dell-Tablet im ausführlichen Test genauer auf den Zahn zu fühlen.

Bereits auf der Deutschland-Premiere in München konnte Dells Latitude 10 mit seinem Konzept überzeugen, denn allein der austauschbare Akku stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar. Aber auch Verarbeitung und Schnittstellen und der Atom-Prozessor von Intel konnten überzeugen.

Daran hat sich beim nun fertigen Seriengerät kaum etwas geändert. Das leicht gummierte Gehäuse liegt angenehm in den Händen. Bei längerem Gebrauch und bei höheren Außentemperaturen neigen die Hände jedoch zum Schwitzen und das Material bringt hier, im Gegensatz zu Aluminium, kaum kühlende Eigenschaften mit.

Akkuwechsel in Sekundenschnelle

Das wird nicht nur Geschäftskunden, sondern vor allem auch umweltbewusste Technikkäufer freuen: Beim Testgerät von netzwelt ist der große Vier-Zellen-Akku mit einer Kapazität von 60 Wattstunden eingelegt. Über einen auf der Tablet-Rückseite angebrachten Schieber lässt er sich schnell entfernen und gegen ein optional erhältlichen Zusatzakku austauschen. Der Energiespeicher ist nicht Hot-Swapping-fähig - das bedeutet, dass Nutzer den Tablet-PC zunächst ausschalten müssen und der Akkuwechsel im laufenden Betrieb nicht möglich ist. Ansonsten droht Datenverlust.

Dell schummelt bei der Gewichtsangabe heftig: Laut Datenblatt soll der Latitude 10 mit eingelegtem Vier-Zellen-Akku 820 Gramm wiegen. Die geeichte Waage von netzwelt zeigt jedoch mit 861 Gramm knapp 40 Gramm mehr an. Ohne eingelegten Lithium-Ionen-Akku sind es immer noch vergleichsweise schwere 495 Gramm. Andere Tablets mit 10-Zoll-Display sind da wesentlich leichter. Der kräftigere Akku beult das Tablet auf der Rückseite zudem stark aus - nur der Zwei-Zellen-Akku ermöglicht eine plane Rückseite.

Ausstattung und Verarbeitung

Wie schon beim in München gezeigten Vorserienmodell lässt sich die einzige Taste auf der Vorderseite, der Windows-Button, nur sehr schwer eindrücken. Offenbar ist dies vom US-amerikanischen Hersteller so beabsichtigt, um eine versehentlich ausgelöste Fehlbedienung zu vermeiden. Ansonsten gibt es an der Fertigungsqualität des Dell-Tablets nicht das Geringste zu beanstanden. Auch gegenüber Kratzern ist das Gerät dank seines gummierten Gehäuses, das unter anderem aus einer Magnesiumlegierung besteht, und eines Displays aus Gorilla Glas gut gewappnet.

Für einen Tablet-PC weist der Latitude 10 außerordentlich viele Schnittstellen auf. So findet der Nutzer nicht nur einen normal großen USB-Anschluss, sondern gleich auch noch einen micro-HDMI-Port, einen SD-Kartenschacht, einen weiteren Mini-USB-Anschluss, der jedoch nur dem Laden dient, sowie eine Vorrichtung für ein Kensington-Schloss und einen Dockingstation-Anschluss vor. Für letztere Schnittstelle bietet Dell unter anderem eine optional erhältliche Docking-Station an. Diese bietet weitere USB-Schnittstellen und einen LAN-Port. Das Tablet lässt sich so relativ problemlos in einer waschechten Arbeitsumgebung nutzen.

Zu den Schnittstellen gesellen sich die bei den meisten Tablets inzwischen vorhandenen Kameras auf Vor- und Rückseite. Im Falle des Testgeräts weist die rückwärtige Kamera neben einem Sensor, der mit acht Megapixeln auflöst, auch noch eine praktische LED-Hilfsleuchte auf. Die Frontkamera, hauptsächlich für Videochats konzipiert, bietet eine Auflösung von guten zwei Megapixeln.

Display

Das Display mit einer Diagonalen von 10,1 Zoll bietet eine Auflösung von 1.366 x 768 Bildpunkten. Dell verwendet wie die meisten Anbieter hochpreisiger Tablets ein IPS-Panel. Gut so - denn dies hat zur Folge, dass die Anzeige sehr blickwinkelunabhängig ist. Auch wenn man das Tablet noch so sehr schräg hält, zu Farbverfälschungen kommt es praktisch nie.

Auch wenn einige Außendienstmitarbeiter es sich sehnlichst wünschen werden: Ein entspiegeltes Display bietet auch das Latitude 10 nicht, Dell baut auch keines gegen Aufpreis ein. Grund: Laut Dell gibt es bislang schlichtweg keine Hersteller, die matte Displays in Tablet-Größe herstellen würden.

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Eigentlich für Business-Kunden gedacht: Am Dell Latitude 10 finden aber auch Privatleute schnell gefallen. Seit kurzem bietet Dell auch eine abgespeckte Light-Version des Tablets für diese Zielgruppe an. (Bild: netzwelt)

Zum Glück ist die maximal erreichbare Helligkeit hoch genug, um über die ein oder andere nervige Spiegelung "hinwegstrahlen" zu können. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig, nur in den Ecken sind ganz leichte Lichthöfe zu erkennen. Auch Farbtreue und Kontrast gefallen. Schwarz stellt das Dell-Tablet prinzipiell mit einem ganz geringen Lila-Stich dar - aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Sicherheit

Wie es sich für ein Business-Tablet gehört, kann das Dell-Tablet auf Wunsch umfangreich vor fremden Zugriffen geschützt werden. Das fängt bei der Möglichkeit an, ein Sicherheitsschloss anbringen zu können. Damit lässt sich der Tablet-Computer zum Beispiel bei Präsentationen oder bei öffentlichen Meetings gegen Langfinger absichern.

Software- und Hardwareseitig sorgen optional Intels Trust Technologie und Trusted Platform Module 1.2 für zusätzliche Sicherheit. In Verbindung mit weiterem Dell-Zubehör wie Fingerabdruckleser und umfangreichen Service-Optionen (etwa dreijähriger Pro-Support und Vor-Ort-Service) bietet sich das Latitude 10 für einen Einsatz im geschäftlichen Umfeld an.

Software und Bedienung

Auf dem Testgerät von netzwelt ist Windows 8 Pro in der 32-Bit-Version installiert. Im Zusammenspiel mit der x86-Architektur des Chipsatzes bedeutet dies in der Programmwahl große Freiheiten. Dells Latitude 10 ist daher, ganz im Gegensatz zu Tablet-Computern mit Windows RT, nicht auf Programme aus dem Microsofts Store beschränkt.

Vom prinzipiell 64 Gigabyte großen Flashspeicher des Rezensionsexemplars waren nach dem ersten Einschalten noch 41,7 Gigabyte frei. Die Windows-Installation, Treiber und weitere Apps belegen dabei knapp über zehn Gigabyte Speicherplatz. Testweise hat netzwelt Microsoft Office installiert und unter anderem Programme wie OneNote ausprobiert. Besonders hier kommt der optional und auf Wunsch aktive Bedienstift gut zum Einsatz, da Desktop-Oberfläche und Programme nicht auf die Bedienung per Finger ausgelegt sind. Leider lässt sich der praktische Stift nirgendwo am Tablet selbst befestigen. Ein Verlust ist somit vorprogrammiert, aber das kennen wir bereits von anderen Tablets und Convertibles.

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Nicht nur für Business-Kunden interessant: Beim Latitude 10 lässt sich der Akku innerhalb weniger Sekunden wechseln. (Bild: netzwelt)

Dank vollwertigem USB-Anschluss lässt sich problemlos eine Tastatur anschließen. Wer einen HUB an die seitliche Schnittstelle klemmt, kann zusätzlich weitere Peripherie wie eine Maus betreiben. Mehr Stecker und Verbindungsmöglichkeiten, darunter einen Ethernet-Port, bietet Dells exakt auf das Latitude 10 zugeschnittene Dockingstation, die netzwelt leider zum Testzeitpunkt noch nicht vorlag.

Multimedia

Im Multimedia-Betrieb wünschen wir uns eine eingebaute Stütze, wie sie etwa Microsofts Surface bietet, um den Flachcomputer dauerhaft in Position zu bringen. Dank IPS-Panel ist es aber kein Problem, einen passenden Blickwinkel auf die 10-Zoll-Anzeige zu erhalten. Grafik und Prozessor haben keinerlei Probleme damit, HD-Videos ohne Aussetzer wiederzugeben.

Der Klang der Lautsprecher ist gut - allerdings sind die Stereo-Speaker nach hinten ausgerichtet und beschallen so oftmals die Tischplatte, wenn man das Latitude 10 nicht in den Händen hält. Es gibt einen Hardware-Knopf, der die automatische Bildschirmausrichtung unterbindet. Allerdings ist die Funktion der an der Gehäuseflanke angebrachten Lautstärkewippe fix. Das bedeutet: Wenn Sie das Dell-Tablet mit dem Windows-Logo nach oben drehen, verkehrt sich auch die Funktion der Lautstärkeregelung ins Gegenteil. Aus "Lauter" wird dann "Leiser".

Die eingebaute Kamera auf der Rückseite, deren Sensor mit guten acht Megapixeln auflöst, liefert Fotos in Schnappschussqualität. Die eingebaute Hilfsleuchte schafft es dabei nicht, Objekte, die weiter als 1,5 Meter entfernt vom Tablet liegen, ausreichend auszuleuchten. Die an der Front verbaute Webcam lieferte im Test dafür auch unter schwacher Beleuchtung ein ansprechendes Bild.

Leistung

Im Inneren des Latitude 10 steckt eine Intel Atom-CPU (Z2760) mit einer Standard-Taktrate von 1,8 Gigahertz. Dazu verbaut Dell zwei Gigabyte DDR3 SDRAM (880 Megahertz), die Grafikausgabe übernehmen integrierte Intel-Prozessoren. Eine ungewöhnliche Kombination. Die Rechenkraft reicht aber locker aus, um die üblichen Tablet-Aufgaben im Alltag wie Surfen im Netz, Spiele aus dem Microsoft Store und HD-Videos ohne Aussetzer wiedergeben zu können.

Auch als Notfall- oder Zweit-System eignet sich Dells Latitude 10. Schließt man Tastatur und Maus an und verbindet den Tablet-PC per HDMI mit einem Monitor, entsteht eine Art Desktop-Rechner mit berührungsempfindlichem Zweitbildschirm. Als vollständigen Ersatz zum "erwachsenen" Desktop-Rechner oder Notebook können wir uns diese Kombination aber derzeit nur schwer vorstellen. Dafür fehlen dem Atom-Prozessor, vor allem aber der Grafiklösung die nötige Leistung. Beim Öffnen einer umfangreichen Excel-Tabelle, die ein Notebook mit aktuellem Intel Core i5-Prozessor binnen einer Sekunde öffnet, vergehen etwa mehrere Sekunden.

Gegen Aufpreis liefert Dell eine sicherlich praktische Dockingstation für das Tablet mit. (Quelle: Dell)

Viel gutes lässt sich über die Akkulaufzeit berichten. Der auswechselbare Energiespeicher soll in der deutlich dickeren 60-Wattstunden-Variante bis zu zehn Stunden lang durchhalten. Im Test von netzwelt erreichten wir diese Werte nicht ganz - bei kontinuierlicher Video-Wiedergabe und aktivierten Funkverbindungen forderte uns das Dell-Tablet nach knapp mehr als acht Stunden zum Steckdosenbesuch auf. Einen vollen Arbeitstag sollte man mit dem Dell-Tablet daher locker überstehen können. Erfahrungswerte zum kleineren Akku mit nur zwei Zellen liegen uns derzeit noch nicht vor.

Ausstattungsvarianten und Preise

Im Test von netzwelt befand sich die Standard-Version des Latitude 10 mit großem Vier-Zellen-Akku (29 Euro Aufpreis), Windows 8 Pro und 64 Gigabyte Speicher. Je nach gewähltem Service-Plan kostet diese zwischen 649 (1 Jahr Abhol- und Reparaturservice) und 782 Euro (3 Jahre Pro-Support und Vor-Ort-Service). Die sicherlich empfehlenswerte, aber nicht getestete Dockingstation schlägt mit zusätzlichen 133 Euro, der aktive Wacom-Stift mit 29,40 Euro zu Buche.

Darüber hinaus bietet Dell auch eine "Lightversion" des Latitude 10, bei Dell auch "Essentials Konfiguration" genannt an. Bei dieser Version ist eine Bedienung mit aktiven, batteriebetriebenen Eingabestiften nicht möglich. Zudem lässt sich der Akku nicht auswechseln. Diese Variante bietet der Hersteller im Dell-Konfigurator derzeit zum Preis von 549 Euro an.

Als Alternative bietet sich in erster Linie Microsofts Surface an. Derzeit befindet sich in Deutschland allerdings noch ausschließlich die Variante mit abgespecktem Windows RT im Verkauf. Auch das Lenovo Thinkpad 2 ist ein ernstzunehmender Latitude-Konkurrent.

Wer auf der Suche nach einem Business-Tablet, ist sollte auch einen Blick auf die aktuelle Generation der Convertibles mit Windows 8 werfen. Einen Vergleichstest mit vier Geräten von Dell, Sony, Lenovo und Toshiba finden Sie an dieser Stelle auf netzwelt.

Aktuelle Preise
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netzwelt
8.0
Dell Latitude 10
Vorteile
  • austauschbarer Akku
  • Sicherheit
  • Verarbeitung
Nachteile
  • zu wenig Leistung für Desktop-Ersatz
  • Grafikleistung

Gelungenes Windows-Tablet

Vor allem, aber längst nicht nur, der austauschbare Akku macht das Dell Latitude 10 zu einem sehr gelungenen Windows-Tablet. In Kombination mit dem normal großen USB-Anschluss und Windows 8 Pro wird es fast schon zum Netbook-Konkurrenten. Allerdings würden wir uns für diesen Einsatzzweck etwas leistungsfähigere Hardware wünschen. Auch bei der Verarbeitungsqualität und der Ausstattung legt das Latitude 10 Bestwerte hin. Wer es bei den vielen möglichen Konfigurationen übertreibt, kann für das 10-Zoll-Gerät jedoch schnell mehr als 700 Euro an Dell überweisen.


Einzelergebnisse
Design, Display, Leistung, Ausstattung, Multimedia: Nach diesen fünf Hauptkriterien bewerten wir Tablet-Computer. Für jede Unterkategorie vergeben wir Punkte, maximal 10. Die Summe der Einzelbewertungen teilen wir durch 5 und erhalten so die Endnote. Diese spiegelt nicht zwangsweise auch das Endresultat. Der testende Redakteur kann am Ende noch eine individuelle Auf- oder Abwertung vornehmen. Wie wir Tablet-Computer im Detail testen, können Sie an dieser Stelle nachlesen.
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Einsortierung
Dell Latitude 10 von Dell wurde als Tablet-PC abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Tablet-PCs". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Business, Mobile, Testbericht, Mobile Computing, Dell, Intel, Tablet-PC, Windows 8, Intel Atom, Review und Dell Latitude 10 .
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Dell Latitude 10 im Test: Business-Tablet mit austauschbarem Akku
Dell Latitude 10 im Test: Business-Tablet mit austauschbarem Akku
Der Tablet-PC Latitude 10 von Dell ist in erster Linie für Business-Kunden konzipiert worden. Aber auch Privatpersonen dürften Gefallen am 10-Zöller finden.
http://www.netzwelt.de/news/94962-dell-latitude-10-test-business-tablet-austauschbarem-akku.html
2013-01-23 18:12:50
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/dell-latitude-10-produktbild-114806.png
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