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Kommentar: Die Luftschlösser der Automobilindustrie
Als Tech-Journalist auf der Detroit Motor Show

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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In diesem Jahr war netzwelt zum ersten Mal auf der Detroit Motor Show in Michigan. Der an Technik interessierte Besucher fragt sich dabei unweigerlich: Wieso schaffen es die Auto-Hersteller eigentlich nicht, mit der aktuellen Entwicklung im Bereich Mobile Computing oder Home Entertainment Schritt zu halten? Ein Kommentar.

Sieht toll aus, geht aber nie in Serie: Innenraum des Resonance SUV Concept von Nissan

Nicht nur den Deutschen ist das Automobil das liebste Kind, das wird im mindestens ebenso KFZ-verrückten Amerika schnell klar. Und natürlich schlägt auch im wirtschaftlich mehr als angeschlagenen Detroit die Begeisterung über neue Modelle, allen voran schwere Pickups und schnelle Sportwagen, beim heimischen und international vertretenen Messepublikum hohe Wellen.

Auch zahlreiche Concept Cars fanden auf der NAIAS in Detroit große Beachtung. Nun ist es mit diesen Concept Cars leider so: Sie wecken Begehrlichkeiten, die nie - oder wenn, dann abgeschwächt - im Alltag ankommen. Es sind immer wieder die technischen Highlights, von speziell eingerichteten Teams ersonnen, die auf dem langen Weg vom Reißbrett auf die Straße rechts in die Nothaltebucht abbiegen und damit auf der Strecke bleiben. Wie alternde Kinderstars, die zu Beginn der Pubertät, kurz bevor sie mündige Erwachsene werden, raus aus dem Rampenlicht aufs Abstellgleis bugsiert und gegen neue "Modelle" ausgetauscht werden. Die sind ja auch viel ansehnlicher.

Dabei dienen doch gerade diese Konzept-Studien der Präsentation des technisch Machbaren. Die Concept Cars von heute sind in dieser Hinsicht aber immer wieder die weichgespülten Serien-Autos von morgen.

Wieso ist das so? Gerade das Auto wird im Alltag doch als Technologieträger wahrgenommen. Wo sind also all die Technik-Highlights, wieso dauert es nur so lange, bis auch bezahlbare Serienautos zu riesigen Touchscreens werden, wenn auf der anderen Seite Hightech wie Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner und automatische Einparkhilfen längst im Gebrauch sind?

Automobil- und Consumer Electronic-Industrie entwickeln aneinander vorbei

Zum einen verfolgen Automobilbranche und Consumer Electronic-Industrie natürlich unterschiedliche Ziele und entwickeln folglich aneinander vorbei. Während Mercedes, Toyota, Ford und Co. ihre Forschungskapazitäten hauptsächlich in sicherheitsrelevante Bahnen lenken, fühlen sich die Hersteller von Consumer Electronics traditionell der Zerstreuung ihrer Kunden verpflichtet. Das beisst sich. Das Ergebnis sind dann oft so sinnlose "Innovationen" wie in der Mittelkonsole verbaute Fernseher, die nur bei Stillstand des Fahrzeugs funktionieren.

  • Ford Atlas Concept: Eine große Show lieferte Ford zur Vorstellung des Pickups Atlas Concept ab. (Bild: netzwelt)
  • Obwohl die Studie sehr rabiat wirkt, soll der Geländewagen dank Ecoboost verhältnismäßig wenig Sprit verbrauchen. (Bild: netzwelt)
  • Hinzu kommen technische Helfer wie ein Anhänger-Assistent. (Bild: netzwelt)
  • Der BMW i8 geistert schon länger durchs Netz. So nah dran wie in Detroit kam man bislang jedoch nur selten. (Bild: netzwelt)
  • Genaue Daten zum Elektroflitzer hält München aber weiterhin unter Verschluss. (Bild: netzwelt)
  • Genauer wird BMW beim i3 Coupe: Das Elektroauto soll 170 PS leisten und mit einer Akkuladung bis zu 160 Kilometer weit fahren können. (Bild: netzwelt)
  • Ein leichtes Facelift verpasst BMW seinem Z4 (Bild: netzwelt)
  • Mini bekommt den Mund kaum voll: Der Mini John Cooper Works Paceman ist eine weitere Interpretation der Legende. (Bild: netzwelt)
  • Audi präsentiert neben zahlreichen S-Varianten auch den R8 in Detroit. Eckdaten: Zehnzylinder-Motor mit bis zu 550 PS. (Bild: netzwelt)
  • Premiere feiert auch die neue E-Klasse von Mercedes in Detroit. (Bild: netzwelt)
  • Neben einer frischen Optik soll die neue Generation auch ökonomischer sein. (Bild: netzwelt)
  • Mercedes B-Klasse Electric Drive: Mit dieser Studie gibt Mercedes Benz einen Ausblick auf die rein elektrische Zukunft. Serienreife soll der Wagen 2014 erlangen. (Bild: netzwelt)
  • Ein alter Bekannter, aber immer wieder schön: Mercedes Benz SLS (Bild: netzwelt)
  • Honda EV-STER Concept: Eine weitere Studie, dieses Mal von Honda. Auch hier sorgt ein Elektro-Motor an der Hinterachse für den Antrieb. Dank massivem Karbon-Einsatz soll die Reichweite bis zu 160 Kilometer betragen. (Bild: netzwelt)
  • Ein ganz anderes Kaliber stellt der Mustang Shelby GT500 Convertible dar. 650 PS dürften flottes Vorankommen garantieren. (Bild: netzwelt)
  • Der Nissan Resonance SUV Concept gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Murano. Als Antrieb kommt eine Kombination aus Verbrennungs- und zwei Elektro-Motoren zum Einsatz. (Bild: netzwelt)
  • Blick in den Innenraum des Resonance SUV von Nissan. Das Cockpit ist "dreidimensional" gestaltet. (Bild: netzwelt)
  • Kia brachte eine eigene Interpretation des Batmobil-Themas mit in die Messehallen von Detroit. (Bild: netzwelt)
  • Einer der unumstrittenen Stars der NAIAS: Die neue Corvette Stingray. Charakteristisch an der Neuauflage sind die vier zentrierten Auspuffrohre. (Bild: netzwelt)
  • Auch sonst schöpft Chevrolet bei der C7 aus dem Vollen: V8-Motor mit 450 PS, 610 Newtonmeter. (Bild: netzwelt)
  • Dringend notwendig: Auch den Innenraum gestaltete Chevrolet neu. An vielen Stellen wich der Kunststoff der Vorgänger-Generationen hochwertigeren Materialien wie Leder. (Bild: netzwelt)
  • Nicht mehr taufrisch, aber immer noch sehr ansehnlich: Lexus LFA mit Zehnzylinder-Frontmittelmotor. (Bild: netzwelt)
  • Der Sportwagen wurde in einer streng limitierten Sonderauflage vertrieben und lief letztmalig 2012 vom Band. (Bild: netzwelt)
  • Bereits auf dem Automobilsalon in Genf vorgestellte Toyota-Studie FCV-R mit Brennstoffzellen (Bild: netzwelt)
  • Corolla Furia Concept: Der Toyota Corolla gehört zu den am meisten verkauften PKW überhaupt - und könnte bald vielleicht schon so aussehen. Noch handelt es sich aber lediglich um eine Studie. (Bild: netzwelt)
  • Neben vielen Studien und Konzept-Autos gibt es an vielen Stellen auch handfestes Rennmaterial zu bestaunen. Wie hier bei Toyota. (Bild: netzwelt)
  • Ganz in Silber: Blick auf den Porsche-Stand auf der NAIAS. Highlight der Stuttgarter war in diesem Jahr unter anderem der Cayenne Turbo S mit geschmeidigen 550 Pferdestärken. (Bild: netzwelt)
  • Auch Audi setzt auf PS-Protz: Unter anderem mit dem 350 PS starken SQ5. (Bild: netzwelt.de)
  • BMW feiert die Premiere des Concept 4 Series Coupe in Detroit. Darauf freut sich auch Deutschland. (Bild: netzwelt)
  • Aufwärmübungen: Letzte Probe vor der Kia-Pressekonferenz. (Bild: netzwelt)
  • Sportlicher Cadillac auf der NAIAS. (Bild: netzwelt)
  • Auch Ferrari war in Detroit vertreten, wenn auch mit einem sehr überschaubaren Messestand. (Bild: netzwelt)
  • Unter tosendem Applaus enthüllte Honda den NSX Concept in Detroit. (Bild: netzwelt)
  • Unter der Haube verspricht ein V6-Mittelmotor im Zusammenspiel mit zwei Elektro-Motoren für Fahrspaß. (Bild: netzwelt)
  • Im Jahr 2015 soll die Sportwagen-Studie in Serie gehen. (Bild: netzwelt)
  • Als SUC (Sport Utility Coupe) bezeichnet Smart seine Studie Forstars. Besonderer Clou: Auf der Motorhaube ist ein Beamer integriert, der per Bluetooth angesteuert werden kann und den Forstars zum Autokino mutieren lässt. (Bild: netzwelt)
  • Den Antrieb übernimmt auch hier ein Elektromotor, der 60 KW und 135 Newtonmeter abliefern soll. (Bild: netzwelt)

Zum anderen sind die Produkt- und Lebens-Zyklen von Fahrzeugen und Gadgets viel zu unterschiedlich. Bis BMW und Co. etwa eine Docking-Station für eine bestimmte Smartphone-Reihe entwickelt und verbaut haben, wird diese vom Handy-Hersteller bereits nicht mehr angeboten. Vereinfacht gesagt und viele weitere Aspekte mal außen vor gelassen sieht es daher nach wie vor so aus, als dürften wir wohl auch in Zukunft kaum für bare Münze nehmen, was die Auto-Industrie uns an Elektronik-Spielereien in ihren Studien verspricht.

Kommentare zu diesem Artikel

Wer als technikbegeisterter Mensch eine Automesse besucht, bleibt unweigerlich bei den Auto-Studien stehen. In den sogenannten Concept Cars steckt oft genug atemberaubende Technik, die leider nie den Weg in Serienfahrzeuge findet. Warum ist das so?

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Kommentar: Die Luftschlösser der Automobilindustrie
Wer als technikbegeisterter Mensch eine Automesse besucht, bleibt unweigerlich bei den Auto-Studien stehen. In den sogenannten Concept Cars steckt oft genug atemberaubende Technik, die leider nie den Weg in Serienfahrzeuge findet. Warum ist das so?.
http://www.netzwelt.de/news/94943-kommentar-luftschloesser-automobilindustrie.html
2013-01-18 18:01:42
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