Großkonzerne im Fokus
Kommentar: Gut und böse in der IT-Welt
Google, Amazon, Facebook und Apple gelten den einen als Helden des digitalen Lebensstils, den anderen als böse Großkonzerne. Wer die Macht der Unternehmen kritisiert, gilt schnell als uncool und humorlos, wer ein iPhone besitzt als kritikloser Konsumsklave. Ein Plädoyer für mehr Vernunft in der Diskussion - und den inkonsequenten Verbraucher.
Inhaltsverzeichnis
- 1Bedauerlich, aber unvermeidbar
- 2Coolness und Kritik
- 3Der dritte Weg
Was ist Ihre Meinung über Apple, Google, Amazon und Facebook? Glauben Sie, dass das böse Konzerne sind, die skrupellos nach Profit streben, die Mitbewerber mit Patentklagen kaltstellen, die Rechte der Verbraucher austricksen und kaltschnäuzig zusehen, wie ihre Zulieferer die Mitarbeiter ausbeuten? Wenn ja, nutzen Sie dann die Produkte der Mitbewerber, sofern es diese noch gibt? Boykottieren Sie Apple-Produkte? Ereifern Sie sich auf Partys über das Geschäftsgebaren von Apple, wenn ein Gegenüber sein iPhone aus der Tasche zieht? Oder sind Sie selbst derjenige, der das iPhone aus der Tasche zieht? Suchen Sie im Internet grundsätzlich nur mit Metager? Oder wissen Sie gar nicht, was Metager ist, weil Sie sowieso alles googeln?
Haben Sie die schönen Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenkt haben, bei Amazon bestellt? Oder kaufen Sie Bücher grundsätzlich nur in einer Buchhandlung in ihrem Stadtviertel?
Bedauerlich, aber unvermeidbar
Oder glauben Sie, dass das Verhalten der kritisierten Konzerne in die Kategorie bedauerliche aber unvermeidliche Phänomene der globalen Wirtschaftsordnung fällt? Dann finden Sie wahrscheinlich all die Eiferer und Weltverbesserer lästig, die es nicht lassen können, ihre Mitmenschen darüber zu belehren, dass Apple, Google, Amazon und Facebook mit fragwürdigen Geschäftsmethoden arbeiten und die Verbraucher für dumm verkaufen.
Gehören Sie vielleicht zur Gruppe derjenigen, die das ganze Gezanke um gut oder böse, richtig und falsch in der Konsumwelt kalt lässt und einfach diejenigen Produkte und Dienste nutzen, die sie sich leisten können und die praktisch sind?
Was mich betrifft, so gehöre ich zur Gruppe der Eiferer und Weltverbesserer. Das bedeutet, dass ich tendenziell Google nicht nutze, Bücher nicht bei Amazon kaufe und jedes Mal, wenn einer ein iPhone oder ein iPad aus der Tasche zieht, zu einer großen Philippika gegen Apple ansetzen möchte. Dass ich Letzteres dann doch nicht tue, hat vermutlich drei Gründe. Erstens kann man trotz aller plausiblen Kritik ja nie ganz sicher sein, ob der andere nicht vielleicht auch gute und legitime Gründe hat. Zweitens habe ich nicht das Recht, anderen moralisch einen Strick zu drehen, wenn sie die Dienste und Produkte von Amazon, Google oder Apple in Anspruch nehmen. Hab` ich nicht kürzlich drei T-Shirts für 14 Euro 99 gekauft? Obwohl ich doch vorher den Artikel gelesen hatte über die Niedriglöhne der Arbeiterinnen in der pakistanischen Textilfabrik. Der Kaffee, den ich gerade gekauft habe, hat kein Fair Trade-Siegel.
Mein Konsumverhalten ist also durchaus widersprüchlich. Man könnte vielleicht sagen: Gute Absichten, lobenswerte Ansätze, aber inkonsequent in der Ausführung.


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