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Kommentar: Gut und böse in der IT-Welt
Großkonzerne im Fokus

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Großkonzerne polarisieren. Die einen verachten sie aufgrund ihrer Marktmacht. Andere mögen sie, wegen der günstigen Preise. Wieder anderen ist das alles egal, solange das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Aber was ist der richtige Weg?

Google, Amazon, Facebook und Apple gelten den einen als Helden des digitalen Lebensstils, den anderen als böse Großkonzerne. Wer die Macht der Unternehmen kritisiert, gilt schnell als uncool und humorlos, wer ein iPhone besitzt als kritikloser Konsumsklave. Ein Plädoyer für mehr Vernunft in der Diskussion - und den inkonsequenten Verbraucher.

Die Produkte von Apple sind immer wieder der Anlass für leidenschaftliche Diskussionen über gut und böse in der Konsumwelt.

Was ist Ihre Meinung über Apple, Google, Amazon und Facebook? Glauben Sie, dass das böse Konzerne sind, die skrupellos nach Profit streben, die Mitbewerber mit Patentklagen kaltstellen, die Rechte der Verbraucher austricksen und kaltschnäuzig zusehen, wie ihre Zulieferer die Mitarbeiter ausbeuten? Wenn ja, nutzen Sie dann die Produkte der Mitbewerber, sofern es diese noch gibt? Boykottieren Sie Apple-Produkte? Ereifern Sie sich auf Partys über das Geschäftsgebaren von Apple, wenn ein Gegenüber sein iPhone aus der Tasche zieht? Oder sind Sie selbst derjenige, der das iPhone aus der Tasche zieht? Suchen Sie im Internet grundsätzlich nur mit Metager? Oder wissen Sie gar nicht, was Metager ist, weil Sie sowieso alles googeln?

Haben Sie die schönen Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenkt haben, bei Amazon bestellt? Oder kaufen Sie Bücher grundsätzlich nur in einer Buchhandlung in ihrem Stadtviertel?

Bedauerlich, aber unvermeidbar

Oder glauben Sie, dass das Verhalten der kritisierten Konzerne in die Kategorie bedauerliche aber unvermeidliche Phänomene der globalen Wirtschaftsordnung fällt? Dann finden Sie wahrscheinlich all die Eiferer und Weltverbesserer lästig, die es nicht lassen können, ihre Mitmenschen darüber zu belehren, dass Apple, Google, Amazon und Facebook mit fragwürdigen Geschäftsmethoden arbeiten und die Verbraucher für dumm verkaufen.

Gehören Sie vielleicht zur Gruppe derjenigen, die das ganze Gezanke um gut oder böse, richtig und falsch in der Konsumwelt kalt lässt und einfach diejenigen Produkte und Dienste nutzen, die sie sich leisten können und die praktisch sind?

Was mich betrifft, so gehöre ich zur Gruppe der Eiferer und Weltverbesserer. Das bedeutet, dass ich tendenziell Google nicht nutze, Bücher nicht bei Amazon kaufe und jedes Mal, wenn einer ein iPhone oder ein iPad aus der Tasche zieht, zu einer großen Philippika gegen Apple ansetzen möchte. Dass ich Letzteres dann doch nicht tue, hat vermutlich drei Gründe. Erstens kann man trotz aller plausiblen Kritik ja nie ganz sicher sein, ob der andere nicht vielleicht auch gute und legitime Gründe hat. Zweitens habe ich nicht das Recht, anderen moralisch einen Strick zu drehen, wenn sie die Dienste und Produkte von Amazon, Google oder Apple in Anspruch nehmen. Hab` ich nicht kürzlich drei T-Shirts für 14 Euro 99 gekauft? Obwohl ich doch vorher den Artikel gelesen hatte über die Niedriglöhne der Arbeiterinnen in der pakistanischen Textilfabrik. Der Kaffee, den ich gerade gekauft habe, hat kein Fair Trade-Siegel.

Mein Konsumverhalten ist also durchaus widersprüchlich. Man könnte vielleicht sagen: Gute Absichten, lobenswerte Ansätze, aber inkonsequent in der Ausführung.

Coolness und Kritik

Es gibt natürlich noch einen dritten Grund, warum ich all die Apple-Nutzer, gedankenlosen Google-Surfer und Amazon-Buchkäufer nicht kritisiere. Das hat einfach damit zu tun, dass es bei diesen Themen kaum mehr möglich ist, ruhig und sachlich zu bleiben. Wer Geschäftspraktiken von Großkonzernen kritisiert, tut dies am besten unter Gleichgesinnten. Ansonsten läuft er Gefahr, als humorloser Gutmensch und blauäugiger Idealist verhöhnt zu werden.

Gerade in der Art, wie Technikprodukte und Internet im Alltag diskutiert werden, hat der Faktor Coolness ein unheimliches Gewicht. Und wer das Verhalten von Verbrauchern oder die Geschäftspraktiken von Unternehmen kritisiert, der ist halt uncool und gilt als verbohrt und unsympathisch. Das wiederum liegt einfach daran, dass Kritik niemals gutgelaunt und entspannt daherkommt, sondern immer mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und gegebenenfalls auch Leidenschaft ausgestattet ist. Aber gerade wir Deutschen, die wir uns selbst am liebsten dafür kritisieren, dass wir angeblich so humorlos und streng sind, mögen es nicht, wenn einer dann tatsächlich mal humorlos und streng ist. Immer cool und locker bleiben, also lieber ein schickes Smartphone aus der Tasche ziehen als nervensägenmäßig herummeckern.

Der dritte Weg

Aber vielleicht gibt es noch einen dritten, vernünftigen Weg. Der bestünde darin, die Produkte von Unternehmen, deren Geschäftsgebaren man nicht so toll findet, eher selten zu kaufen und den Spielraum, den man hat, zu nutzen, um alternative Produkte zu verwenden. Hundertprozentige Konsequenz ist auch und gerade bei Produkten aus den Computertechnik und Unterhaltungselektronik kaum möglich. Darum sollte man sich für gelegentliche Inkonsequenz auch nicht wirklich schämen. Im Gegenzug sollte man aber auch offen die Macht von Unternehmen und deren möglichen Missbrauch offen ansprechen und sachlich kritisieren können. Man ist kein fanatischer Facebook-Feind oder Apple-Hasser, nur weil man deren Geschäftspraktiken kritisiert …

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Großkonzerne polarisieren. Die einen verachten sie aufgrund ihrer Marktmacht. Andere mögen sie, wegen der günstigen Preise. Wieder anderen ist das alles egal, solange das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Aber was ist der richtige Weg?

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Großkonzerne: Soll man sie lieben, weil sie günstige Angebote liefern? Oder soll man sie hassen, weil sie unter schlechten Bedingungen - Hauptsache billig - produzieren lassen? Oder ist Ignoranz ein guter Mittelweg?
http://www.netzwelt.de/news/94810-kommentar-gut-boese-it-welt.html
2013-01-06 09:29:45
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2013/produkte-apple-immer-anlass-leidenschaftliche-diskussionen-ueber-gut-boese-konsumwelt-bilde-apple-17599.jpg
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