Erstklassige PC-Version

Reise in den Wahnsinn: Far Cry 3 im Test

Drogen sind böse. Entführung, Menschenhandel und Mord auch. Far Cry 3 bietet von all dem reichlich. Dazu einen der skrupellosesten Widersacher der Videospielegeschichte und eine Kulisse, die auf den ersten Blick dem Paradies ziemlich nahe kommt. Doch wenn man genauer hinschaut, entpuppen sich die von azurblauem Meer umgebenen, sonnenüberfluteten Rook Islands als Vorhof zur Hölle und Hort des Wahnsinns. Diesen Inseltrip werden PC- und Konsolenspieler nicht so schnell vergessen.

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Far Cry 3 - Gameplay Trailer: Drogen, verrückte Gangsterbosse, kaltblütige Mörder und eine malerisch schöne Inselwelt. All das erwartet den Spieler im Crytek-Shooter Far Cry 3. Dieser Trailer stellt ein paar der skurrilen Charaktere vor, zeigt brutale und spannende Kampfszenen und gibt insgesamt einen Eindruck davon, was den Spieler in Far Cry 3 erwarten wird. Erscheinen soll der Open-World-Shooter für die PlayStation 3, die Xbox 360 und den PC. Zum Video: Far Cry 3 - Gameplay Trailer

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Tour de Force
  2. 2Vernunft und Wahnsinn
  3. 340 Story-Missionen
  4. 4Nebenbeschäftigungen
  5. 5Erstklassige PC-Version
  6. 6Fazit
  7. 7Datenblatt
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Der Südostasienurlaub von Jason Brody und seinen Freunden ist eine einzige, rauschende Party - bis zu jenem Zeitpunkt, als die Gruppe aus einem Flugzeug springt und in den Händen von Vaas landet. Vaas ist ein Pirat und Soziopath, ein Irrer mit Iro und in etwa vom selben Schlag wie der Joker in Christoper Nolans The Dark Knight. Mit ihm hat er nicht nur die grandiose deutsche Synchronsstimme (Simon Jäger) gemein, sondern auch die sadistische Neigung, mit seinen Opfern zu spielen.

Tour de Force

Im Gegensatz zu seinem Bruder gelingt Jason die Flucht aus Vaas' Sklavenlager. Die Freunde, die zurückbleiben, schwört er zu befreien. Es ist der Auftakt zu einer gewaltigen Tour de Force und einem halbwegs glaubwürdigen Werdegang vom Gejagten zum Jäger. Oder vielmehr: vom verängstigten Wohlstands-Amerikaner hin zum Anführer der einheimischen Rakyat-Krieger, die sich ebenfalls gegen Vaas Gewaltherrschaft auflehnen und offenbar nur auf einen Auserwählten gewartet haben.

Auch wenn es anders klingt: Far Cry 3 erzählt keine typische Heldengeschichte. Wenn Jason zum ersten Mal zur Waffe greift, ist er abgestoßen und fasziniert zugleich. Und es ist der Spieler, der ihm das Schießen beibringt - nicht andersherum. Ein Moment von vielen, in denen die Macher dem Nutzer den Spiegel vorhalten - und ihn nachhaltig erkennen lassen, dass Jasons Wandlung zwar verständlich ist, aber die Grenzen zwischen richtig und falsch, Retter und Monster, Vernunft und Wahnsinn fließend sind.

Vernunft und Wahnsinn

Aber auch die Entwickler sind um Selbstreflexion bemüht, wenn sie ihre interessanten, weil undurchsichtigen und exzentrischen Antagonisten Sätze wie diesen sagen lassen: "Wahnsinn ist, wenn man dieselbe Scheiße wieder und wieder macht - und erwartet, dass sich etwas ändert." Ein Sinnbild für das Shooter-Genre, das immer noch der ursprünglichsten und simpelsten Regel von Interaktivität folgt: ein Schuss, ein Treffer, tot.

Im Gegensatz zum Genre-Konkurrenten Spec Ops: The Line, das die ewiggleichen Mechanismen moralinsauer anprangert, will Far Cry 3 den Spielern aber nicht den Spaß vergällen. Sie sollen eher zum Nachdenken angeregt werden - sofern sich die Möglickeit ergibt. Denn der Open-World-Titel lockt mit der ganz großen Freiheit und Ablenkungen aller Art, die Jason mehr als einmal vom Pfad der Geschichte abbringen werden.

40 Story-Missionen

Wer mag, kann abseits der 40 abwechslungsreichen und großartig inszenierten Story-Missionen auf knapp 20 Funktürme klettern und so die weißen Flecken auf der Übersichtskarte füllen. Diese strotzt nach kurzer Zeit vor Symbolen, die Schätze, Heilkräuter, herumstehende Fahrzeuge und Boote sowie befreundete Lager oder über 30 feindliche Piratennester signalisieren.

Wie der Spieler die Banditencamps ausräuchern und zurückerobern will, bleibt ihm weitestgehend selbst überlassen. Blind drauflos stürmen und auf alles schießen, was Rot trägt, funktioniert ebenso wie das stille Sondieren der Lage, das Markieren der Wachen durch eine Kamera und das lautlose Ausschalten mit Messer und Schalldämpfer. Noch subtiler: Man feuert aus großer Entfernung auf das Schloss eines Bären- oder Tigerkäfigs und sieht zu, wie die Wildtiere wüten.

Man könnte aber auch einen Jeep mit C4-Sprengstoff bestücken, draufhalten und im letzten Moment aus dem fahrenden Auto springen, ehe man aufs Knöpfchen drückt. Oder mit einem Gleitschirm zu einem erhöhten Punkt fliegen, von dem man aus das Lager per Scharfschützengewehr ins Visier nehmen kann. Oder ein Flächenbrand entfachen. Oder einfach sämtliche Pläne über Bord kippen, weil in Far Cry 3 das Chaos regiert und eine Horde Wildhunde ebenso wie eine feindliche Patrouille jeden Plan in Sekundenschnelle zunichtemachen kann.

Nebenbeschäftigungen

Wem das noch nicht reicht, der darf sich an einer Vielzahl von weiteren Nebenbeschäftigungen versuchen, deren Bandbreite von Schießwettbewerben über Poker-Duelle bis hin zu Rennen an Land und im Wasser reicht. Allein die Jagd auf allerlei Wildtiere nebst Handwerkssystem entbehrt jeglicher Logik. Warum, bitte schön, muss man haufenweise Wildschweine, Tapire und vom Aussterben bedrohte Sumatra-Tiger töten, um sich einen größeren Patronengurt zu schneidern, wenn es an jeder Ecke schwere Waffen und Granaten zu Spottpreisen zu kaufen gibt? Und warum muss ein größeres Portemonnaie ausgerechnet aus der Haut von Haien bestehen?

Für Erfolge jedweder Art gibt es Geld und wichtiger noch: Erfahrungspunkte. Die wiederum lassen sich bei Stufenaufstiegen in zahlreiche Krieger-Fähigkeiten investieren, die Jason in Form von Tattoos auf seinem Unterarm verewigt. Unter der harten Shooter-Schale von Far Cry 3 verbirgt sich ein zarter Rollenspielkern.

Erstklassige PC-Version

Zur spielerischen Vielfalt gesellt sich zumindest auf dem PC eine erstklassige Technik, die ein riesiges, frei begehbares Tropenparadies, malerische Sonnenuntergänge, eine glaubwürdige Flora und Fauna sowie gewaltige Explosionen und andere, drogenindizierte Effekte auf den Bildschirm zaubert. Zumindest bei der PC-Fassung. Auf PS3 und Xbox 360 spürt man trotz Festplatteninstallation deutlich, wie die Sichtweite eingeschränkt wird und hochauflösende Texturen und Details erst spät geladen werden. Allen Versionen gemein ist die erstklassige deutsche Synchronisation, das komfortable Schnellreise-System, das lange Jeep-Fahrten über die Insel binnen Sekunden erledigt - und das nicht ganz so komfortable Inventar- und Handwerksmenü.

Far Cry 3: Im Kurztest


Fazit

Far Cry 3 ist trotz kleiner Schönheitsfehler ein intensiver Shooter, mit dem man die Feiertage zwar nicht gerade besinnlich, dafür aber bestens unterhalten verbringen kann. Eine kleine Koop-Kampagne und ein kompetitiver Multiplayer-Modus runden diesen virtuellen Wahnsinnstrip ab.

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Datenblatt

Far Cry 3
SpielnameFar Cry 3
HerstellerUbisoft
VertriebUbisoft
GenreAction
Erhältlich ab29.11.2012
Preisca. 70 Euro
EAN Code3307215633366
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene und Profis
Alterab 18 Jahren
Multiplayer2-14 (WWW)
Sonstiges 
Bewertung Grafiksehr gut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundsehr gut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPC
SystemXbox 360
SystemPlayStation3

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