Ein Geschenk an die westliche Welt

Verkehrte Netzwelt: Eine Weihnachtsgeschichte

Kalt ist es geworden. Jonathan zieht den Rollkragen bis unter die Oberlippe und die Kapuze soweit ins Gesicht, dass nur noch ein schmaler Sehschlitz übrig bleibt. Mit beengtem Sichtfeld schweift sein Blick über rauen Großstadt-Asphalt, bleibt an Kaugummiresten hängen, verfängt sich wenn dann nur zufällig im Blick der anderen Passanten. Schnell richtet er seine Augen dann wieder zu Boden.

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Weihnachtsgeschichten sind immer kitschig. So wie diese hier. (Bild: netzwelt)
Weihnachtsgeschichten sind immer kitschig. So wie diese hier. (Bild: netzwelt)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Ein Geschenk an die westliche Welt
  2. 2Die ersten Fanatechniker
  3. 3Die Show beginnt
  4. 4Tolle Rede, Mann
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Die erste Nacht macht Platz für den ersten Morgen. Winterlich träge entlässt eine eisige, allmächtige Hand den Frühnebel gen Himmel, als ob das Magnetfeld der Erde nicht nur Jonathan samt seiner schweren Gedanken, sondern auch den Nebel für immer an sich binden wollte. Kaffee wäre jetzt gut, aber Jonathan darf sich nicht bewegen. 

Seit gestern sitzt er hier. Nur zwei Mal hat er seitdem seinen Platz, den er lieblos zwischen einem Müllcontainer und einer Laterne aufgeschlagen und mit einer eigentlich viel zu dünnen Decke ausgestattet hat, verlassen. Im Schutz der nächtlichen Dunkelheit ist er schnell hinter den Müllcontainer geschlichen, um sich wie ein verschrecktes Tier zu erleichtern. Sekunden später saß er bereits wieder auf der Blümchendecke, auf der früher die ganze Familie im Sommer Platz fand. Damals zog es ihn und seine Geschwister zusammen mit den Eltern oft in den Park. Da saßen sie dann bei angenehmeren Temperaturen auf der Blümchendecke und ließen sich Bauernbrot mit salziger Butter schmecken.

Aber seit gestern sitzt Jonathan alleine hier. Von seinen Freunden wollte niemand mitkommen, sie schüttelten verständnislos den Kopf. Wenn Jonathan so etwas unbedingt machen wolle, dann bitteschön alleine, hatten sie gesagt. Das sei "total gestört und krank", hatten sie auch gesagt. Und tatsächlich fühlte Jonathan ein leichtes Kratzen im Rachen, auch wenn die Freunde sich wohl eher um seine geistige Gesundheit sorgten.


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