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ZombiU: Gnadenloser Survival-Horror im Test
Pflichtkauf oder Rohrkrepierer?

von Thomas Freund Uhr veröffentlicht

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Ist ZombiU der erhoffte Wii U-Titel für Hardcore-Spieler? Netzwelt hat das Survival-Horror-Spiel ausgiebig getestet und verrät, ob sich der bluttriefende Titel lohnt.

ZombiU gehört zu den wohl interessantesten Launch-Titeln der kürzlich auf den Markt gekommenen Wii U. Netzwelt verrät Ihnen, ob sich der Ausflug in die tödliche Zombie-Apokalypse lohnt und wie gut der innovative Wii U-Controller in das Gesamtkonzept passt.

Hardcore-Gamer tun Nintendo-Produkte gern als Kinderkram ab, was nicht weiter verwunderlich ist, wurde doch das erwachsene Publikum mit 3DS und Wii nur spärlich bedient. Mit der neuen Wii U möchte der japanische Konzern das nun besser machen und präsentiert bereits zum Konsolen-Launch mit ZombiU einen bluttriefenden Titel, der sich mit seiner drastischen Gewaltdarstellung ausschließlich an volljährige Spieler richtet. Doch reichen Blut und Gedärm aus, um einen Hardcore-Spieler glücklich zu machen?

In ZombiU werden Spieler in ein grauenhaftes Apokalypse-Szenario versetzt: Die Untoten steigen aus ihren Gräbern und verwandeln London kurzerhand in eine Müllhalde. Die Popularität der lebenden Toten erlebt momentan durch Comics und Serien wie The Walking Dead oder die Modifikation DayZ ihren zweiten Frühling. Ubisoft Montpellier zielt mit ZombiU genau in diese Richtung, um auch von der Welle zu profitieren.

Zombies sind jedoch kein neues Phänomen, bereits in den Achtziger Jahren sorgten die stinkenden Stöhner für Aufsehen, als die Videotheken nur so vor Zombiefilmen platzten – und die Sittenwächter Alarm schlugen. Seit jeher ist bekannt, dass ein kleiner Biss ausreicht, um selbst zum schlurfenden Untoten zu mutieren – so auch in ZombiU.

Terror ab der ersten Spielsekunde

Als Überlebender wird der Spieler auf einen düsteren Schauplatz geworfen, nur eine kleine Taschenlampe hilft ihm, durch die Dunkelheit zu navigieren. Aus allen Ecken kriechen die Infizierten und jeder neue Weg scheint von den unangenehmen Zeitgenossen versperrt, als plötzlich eine rettende Stimme aus den Lautsprechern einer nahe gelegenen U-Bahn-Station ertönt. Wir laufen der Stimme folgend um unser Leben, ein kurzer Klick auf den linken Analog-Stick und wir sprinten der blutgierigen Meute davon. In einer Sackgasse angekommen fällt uns ein Lüftungsschacht auf, wir schlüpfen hinein und unser Gewicht lässt den Schacht zusammenbrechen – als nächstes wachen wir in einem sicheren Raum auf.

Die Stimme von eben meldet sich erneut und empfiehlt uns, einen Blick auf den in Reichweite stehenden Schreibtisch zu werfen. Dort finden wir eine Art PDA, der uns ab sofort treuer Begleiter ist. Die unbekannte Stimme erklingt nun direkt aus dem GamePad in unseren Händen und erklärt uns die wichtigsten Handgriffe für das Überleben unter Zombies. Als nächstes benötigen wir laut Stimme einen Rucksack, es ertönt ein Signal und wir sehen auf dem GamePad-Screen die Karte unserer Umgebung, auf der ein grüner Punkt leuchtet.

Lust auf eine Partie Cricket?

Langsam bahnen wir uns einen Weg durch die dunkle U-Bahn-Station und finden schließlich unseren Vorgänger, der leblos in einem Fenster eingequetscht ist. Vor ihm liegt ein Cricket-Schläger, als wir diesen greifen, wacht unser übel zugerichteter Freund auf und will sich in uns festbeißen. Mit dem linken Trigger halten wir den soeben bekommenen Schläger und schlagen mit dem rechten Trigger mit voller Wucht auf den Schädel des Beißers ein. Es fliegen Blutspritzer und Knorpel und erst nach mehreren Schlägen gibt er keinen Mucks mehr von sich. Wir schnappen uns seinen Rucksack und begeben uns in eine offene Welt voller untoter Gefahren.

Inszenierung hui – Grafik pfui

Die Inszenierung von ZombiU ist von der ersten Sekunde an gelungen, lediglich bei der Grafik muss der Titel einige Abstriche machen. Das optische Gewand ist nicht mehr zeitgemäß, teilweise erinnert die Grafik an sechs Jahre alte Xbox 360-Launch-Titel und besonders in späteren Abschnitten hat die Engine mit Rucklern zu kämpfen. Vor allem wenn viele Zombies einem nach dem wertvollen Leben trachten, wird die Wii U-Hardware scheinbar in die Knie gezwungen. Auch die Texturen sind keine Glanzleistung und oft unscharf und verwaschen. Gut gefallen Soundkulisse und Leveldesign – beim Erkunden der Umgebung können schon eine Ratte oder ein Vogel für Herzklopfen sorgen.

Funktionen des GamePad

Vergnügen bereitet der Einsatz des GamePad, welcher als tragendes Spielelement integriert wurde und in den virtuellen Händen genauso aussieht wie in den eigenen Händen. Mit dem PDA hacken wir Terminals, um Zugang zu Umgebungskarten zu erhalten. Eine Radarfunktion ermöglicht es, umliegendes Gelände nach lebenden Objekten zu durchforschen. Durch die Scanner-Funktion können - ähnlich wie bei Demon's Souls - Nachrichten von anderen Spielern gelesen und versteckte Objekte entdeckt werden. Außerdem dient das GamePad als Inventar und ermöglicht so einen schnellen Zugriff auf Waffen und Medikits. Allerdings ist bei der Verwendung Vorsicht geboten, denn während der Spieler auf das PDA zugreift, pausiert das Hauptspiel nicht.

Unbarmherziger Survival-Horror

ZombiU ist waschechter Survival-Horror – auch nur die kleinste Unaufmerksamkeit sorgt dafür, dass der Spieler selbst zum Zombie wird. Nach dem Ableben wacht der Spieler immer wieder in dem sicheren Raum vom Anfang auf – allerdings mit einem neuen, zufallsgenerierten Charakter und ohne die erbeuteten Gegenstände. Diese schleppt nun sein Zombie-Ego durch das zerfallene London. Eile ist geboten, denn auch andere Spieler können dieses töten und sich so die überlebenswichtige Beute unter den Nagel reißen.

Multiplayer und Miiverse

Im Einzelspieler-Modus gibt es immer wieder Konfrontationen mit menschlichen Mitspielern. Mit dem PDA können beispielsweise Nachrichten in Form von Bildern hinterlassen werden, um andere Spieler vor möglichen Gefahren zu warnen. Die Symbole können dabei mithilfe der Scanner-Funktion sichtbar gemacht werden. Was in der Theorie toll klingt, ist in der Praxis eher ein nettes Gimmick. Im Praxistest haben wir unzählige Nachrichten gesehen, allerdings keine hilfreiche. Schön waren hingegen die Nachrichten der ZombiU-Entwickler – auf Wände und Böden sind immer wieder Highscores der besten ZombiU-Spieler "geschmiert". Auch die direkte Anbindung zu Nintendos Miiverse-Community ist gelungen. Sobald der Spieler nicht mehr weiterkommt, hilft ein Druck auf die Home-Taste des GamePad und schon können in der ZombiU-Community Screenshots und Fragen hinterlassen werden. Innerhalb von wenigen Minuten findet sich ein Spieler, der weiterhilft. Währenddessen kann das Spiel auch wieder aufgenommen werden, denn sobald jemand auf das Miiverse-Posting reagiert, blinkt die Home-Taste kurz in blauer Farbe.

Einen kompetitiven Online-Multiplayer gibt es bei ZombiU nicht, nur lokal dürfen zwei Spieler gegeneinander antreten. Mit insgesamt zwei Spielmodi und fünf verschiedenen Karten ist die Auswahl recht dünn. Ein Spieler übernimmt das GamePad und kann mithilfe des Touchscreens verschiedene Zombie-Typen in die Welt setzen. Der andere Spieler - Pro-Controller oder Wiimote-Nunchuck-Kombi vorausgesetzt - muss sich gegen die Untoten zur Wehr setzen. Was spaßig klingt, verkommt in der Praxis zur langweiligen Dia-Show. Der Multiplayer-Modus ruckelt teilweise am Rande der Unspielbarkeit – auch die Lösung mit Wiimote-Nunchuck ist unspielbar träge. Wer unbedingt lokal gegeneinander spielen möchte, sollte sich dringend einen Pro-Controller zulegen. Allerdings ist diese Investition allein für ZombiU nicht lohnend, denn dauerhaften Spielspaß bietet der holprige Mehrspieler-Modus nicht. Schade - das Konzept klang interessant, aber die Umsetzung ist nicht gelungen.

Fazit

ZombiU hält was es verspricht, nicht mehr und nicht weniger. Der Singleplayer-Modus bietet ein intensives Spielvergnügen von mindestens 15 Stunden – und selbst danach können sich Spieler im Überlebensmodus einer besonderen Herausforderung stellen, denn stirbt der Spieler in diesem Modus, ist das Spiel vorbei. Positiv anzumerken sind die stimmige, dystopische Atmosphäre und die packende Soundkulisse, auch die GamePad-Funktionen sind äußerst gelungen und wirken zu keiner Zeit aufgesetzt oder fehlplaziert. Abstriche muss das Spiel in der Optik und im lokalen Mehrspieler-Modus machen, hier hätte Ubisoft wesentlich mehr herausholen können.

Zombiefans, die einer spielerischen Herausforderung gewachsen sind, sollten ZombiU auf keinen Fall verpassen, eine bessere Zombie-Simulation gibt es derzeit auf keiner anderen Spielkonsole. Gelegenheitsspieler und Pixelzähler sollten einen Bogen um den Titel machen.

ZombiU ist für circa 59 Euro im Handel erhältlich und wurde aufgrund der ausgeprägten Gewaltdarstellung von der USK erst ab 18 Jahren freigegeben, gehört also nicht in Kinderhände. Hierzulande erscheint der Titel komplett unzensiert.

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ZombiU: Gnadenloser Survival-Horror im Test
Survival-Horror ist tot - oder doch nicht? Netzwelt hat den Wii U-Titel ZombiU ausgiebig getestet.
http://www.netzwelt.de/news/94551-zombiu-gnadenloser-survival-horror-test.html
2012-12-06 10:59:43
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/jobs-gilt-visionaer-ideen-waeren-ohne-mitarbeiter-nichts-bild-screenshot8788.png
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