Bericht The Flex Syndrome

Arbeitsbedingungen wie in China: Kritik an Nokia und Samsung in Ungarn

In ungarischen Fabriken von Nokia und Samsung herrschen schlechte Arbeitsbedingungen. Dies ist das Resultat einer Studie der Bürgerrechtsorganisationen SOMO und ACC. Sie fordern zusammen mit makeITfair die Branchenriesen dazu auf, internationales Arbeitsrecht weltweit zu beachten. 

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Bürgerrechtsorganisationen kritisieren die Arbeitsbedingungen bei Nokia und Samsung. (Bild: Screenshot The Flex Syndrome)
Bürgerrechtsorganisationen kritisieren die Arbeitsbedingungen bei Nokia und Samsung. (Bild: Screenshot The Flex Syndrome)
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Schlechte Arbeitsbedingungen bei IT-Zulieferern in China und anderen Teilen Südostasiens werden immer wieder von Menschenrechtsorganisationen thematisiert. Die Situation bei Zulieferern in Europa schafft es hingegen nur selten in die Schlagzeilen. Dies wollen das niederländische Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) und die ungarische Association of Conscious Consumers (ACC) mit Unterstützung zahlreicher Gruppen aus dem Projekt makeITfair nun ändern.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Ungarn

Als ersten Schritt veröffentlichten die beiden Gruppen den Bericht "The Flex Syndrome", der die Arbeitsbedingungen von Angestellten in den ungarischen Fabriken von Nokia und Samsung genauso wie die Zustände bei den Zulieferern Flextronics und Foxconn dokumentiert. In ihrer Untersuchung führten die Organisationen Interviews mit jeweils durchschnittlich 20 Arbeitern sowie einigen Betriebsräten der einzelnen Firmen zwischen September und Dezember 2011. 

Dabei erwiesen sich vor allem die niedrigen Löhne als Problem, die teilweise fast auf chinesischem Niveau lägen. Der geringste Verdienst beläuft sich demnach auf umgerechnet 231 Euro pro Monat bei Foxconn. In chinesischen Fabriken würden Arbeiter rund 224 Euro erhalten. Überstunden würden zudem oft nicht bezahlt. Die Durchschnittslöhne befinden sich dem Bericht zufolge unter dem Durchschnitt anderer Fabrikarbeiter in Ungarn.

Gesundheitsrisiken

Gesundheitliche Probleme wurden in den untersuchten Betrieben ebenfalls ausgemacht. Zwölf-Stunden-Schichten seien in vielen Fabriken normal und körperlich so anstrengend, dass Krankenwageneinsätze keine Seltenheit seien. Dies liegt neben dem ständigen Schichtwechsel auch an den zu kurzen Pausen, die in der Regel 20 Minuten nicht überschreiten dürfen. Bei Samsung wurde zudem die Bildung von Betriebsräten unterbunden.

Wurzel der zahlreichen Übel sei die flexible Gesetzgebung in Ungarn, die es Firmen erlaube, Überstunden und niedrige Löhne ans Äußerste zu treiben. Irene Schipper, Co-Autorin von SOMO, fordert Unternehmen zum Umdenken auf: "Internationale Firmen sollten internationales Arbeitsrecht einhalten."

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