Neu gleich gut, alt gleich schlecht

Kommentar: Digital Natives oder die Sekte im Web 2.0

Die Krise der Printmedien wird im Internet heftig diskutiert. Wer nicht schnell auf digitale Geschäftsmodelle umsteigt, wird scheitern, heißt es oft. Analog war gestern, das Morgen ist digital. Doch wer so denkt, verwechselt seinen persönlichen Lebensstil mit einem allgemeinen Gesetz.

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Ungewohnter Anblick: Das Smartphone ist aus. (Bild: netzwelt)
Ungewohnter Anblick: Das Smartphone ist aus. (Bild: netzwelt)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Erleuchtete Wissensgemeinschaft
  2. 2Neue Geschäftsmodelle in der Internet-Ära
  3. 3Microsoft, das altmodische Hightech-Unternehmen
  4. 4Internet-Artikel zum Ausdrucken
  5. 5Unrealistischer Blick auf die Technik
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Eine der hartnäckigsten Sehnsüchte des zivilisierten Menschen ist die nach der Wahrheit. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Mensch mit einem Überangebot an Gehirnzellen ausgestattet ist, man spricht von 100 Milliarden Zellen. Insgesamt viel zu viel für die einfachen Aufgaben des Lebens wie Sex, Essen und Schlafen. Es ist nicht leicht, das tobende Chaos von 100 Milliarden Zellen zu bändigen. Man kann das Chaos im Kopf einfach ignorieren, versuchen, möglichst viele Gehirnzellen in Alkohol zu ertränken, oder nach der Wahrheit suchen. Denn nur die Wahrheit ist imstande, alle Gehirnzellen auf Linie zu bringen. Der kürzeste Weg zur Wahrheit wiederum ist der Eintritt in eine Sekte. Darum haben die Menschen, die in eine Sekte eingetreten sind, immer dieses selige Lächeln im Gesicht.

So verschieden die Wahrheitsangebote der Sekten sein mögen, so ähnlich sind ihre grundlegenden Eigenschaften. Fast alle Sekten haben einen oder mehrere Gurus oder Menschen mit sehr hohem Ansehen, denen sie folgen. Alle Sekten bauen ihre Weltanschauung auf zwei oder drei Grundweisheiten auf, denen sich alles andere unterordnet. Widersprüche oder offene Fragen existieren nicht. Frei nach der alten Klempner-Regel "Was nicht passt, wird passend gemacht" - oder ignoriert.

Ebenso kennzeichnend für Sekten sind Merkmale wie typische Kleidung und Accessoires, bestimmte Rituale, das Bevorzugen bestimmter Farben und Symbole und sogar ein gemeinsamer Jargon.

Ein Problem haben die Mitglieder von Sekten eigentlich nur, wenn sie auf Menschen treffen, die anders sind. Dann staunen sie. Wie kann es nur sein, dass andere Menschen die einfache Wahrheit nicht erkennen? Wie ist es möglich, dass es Menschen gibt, die nicht den ganzen Tag in weißen Kleidern herumlaufen und bunte Holzketten tragen. Mit einem Bild des großen Lehrers als Medaillon.



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