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Wii U im ausführlichen Test
Noch viel ungenutztes Potential

von Annika Demgen
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Nintendo Wii U im Test, das Warten hat ein Ende. Nach sechs langen Jahren hat Nintendo nun eine neue Konsole herausgebracht. Was die kann und was es mit dem neuen Controller GamePad auf sich hat, zeigt der Test.

Nintendo hat mit der Wii U nach ziemlich genau sechs Jahren eine neue Konsole herausgebracht. Im Gepäck befindet sich ein neuer Controller, der auf den ersten Blick abschreckend groß ist. Lässt man sich jedoch auf das Konzept der Steuerung ein, kommt der Spaß wie von selbst.

Nach langjähriger Pause läutet die Nintendo Wii U in 2012 nun einen neuen Konsolen-Zyklus ein. Im Vergleich zum Vorgänger Wii fällt die Konsole etwas größer aus. Sie ist 4,6 Zentimter dick, 26,8 Zentimeter lang und 17,2 Zentimeter breit. Das Gewicht wird mit 1,6 Kilogramm angegeben. Zur Verfügung stehen ein weißes und ein schwarzes Modell.

Das GamePad

Die Konsole kommt mit einem völlig neuen Controller - dem GamePad. Der mit knapp 27 Zentimetern praktisch genauso lang wie die Konsole selbst ist. Die Verarbeitung von beidem ist Nintendo-typisch sehr gut, wenn auch plastiklastig. Fingerabdrücke sind beim schwarzen Modell zudem sofort zu sehen.

Die Größe und das Aussehen des GamePads sind gewöhnungsbedürftig. Der Controller überrascht allerdings durch sein geringes Gewicht von 500 Gramm, das sich extrem leicht anfühlt. Während des Spielens erwies sich die Größe des GamePads als unproblematisch. Durch die rückseitigen Griffpunkte liegt die Steuerung gut in der Hand, die zentralen Knöpfe sind leicht zu erreichen. Auch Schaltflächen am Rande des in der Mitte befindlichen Touchscreens lassen sich ohne Umgreifen bedienen, bis in die Mitte des Bildschirms dürften jedoch nur Nutzer mit übergroßen Händen ohne Umgreifen kommen.

Vollgepackt mit Funktionen

Die Größe rechtfertigt Nintendo mit den zahlreichen Funktionen, die sich in dem Controller befinden. Neben dem 6,2 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 854 x 480 Pixeln besitzt er Analog-Sticks, Steuerknöpfe, Schultertasten und einen Stylus. Integriert sind zudem Sensoren für die Bewegungssteuerung, NFC, eine Frontkamera, Mikrofon, Lautsprecher (mit überraschend gutem Sound), ein Kopfhörer-Ausgang und ein Infrarot-Sender, wodurch sich der Controller auch als Fenbedienung nutzen lässt.

Im Test erwies sich letztere Funktion als äußerst praktisch, da beim Start der Konsole nicht zu einer separaten Steuerung gegriffen werden muss.

GamePad wird zum Handheld

Der Clou des GamePad ist jedoch die Option, unabhängig vom großen Bildschirm spielen zu können. Es ist also möglich, Fernsehen zu schauen und dabei ein Spiel auf der Wii U zu zocken. Dieses wird dann komplett auf dem kleinen Bildschirm angezeigt und das GamePad verwandelt sich in einen Handheld, der sich in bis zu acht Metern Entfernung zur Konsole noch nutzen lässt. Auch eine Wand störte dabei die Verbindung nicht.

Allerdings unterstützen nicht alle Spiele diese Funktion. Unter anderem ZombiU lässt sich nur mit großem Bildschirm spielen. FIFA 13 wiederum ist ein Beispiel für die Handheld-Nutzung. Bis zu zwei GamePads akzeptiert die Wii U. Allerdings befindet sich unter den insgesamt 35 Launch-Titeln noch kein Spiel, dass zwei der Riesen-Controller unterstützt. Schade. Auf entsprechende Spielkonzepte müssen Nutzer also noch warten.

Schlechte Akku-Leistung

Größter Kritikpunkt beim GamePad ist die geringe Akku-Leistung, die Nintendo mit drei bis fünf Stunden angibt. Bei voller Lautstärke und Helligkeit sowie Internetverbindung reduziert sich diese noch einmal. Der kleine Bildschirm des Controllers spiegelt zudem stark.

Nintendo Wii U im Test

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Die Wii U steht ab sofort in den Läden. (Bild: netzwelt)

Asymetrisches Gameplay

Die zahlreichen Funktionen des GamePads bieten eine Vielfalt an neuen Steuerungsmöglichkeiten. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis ist die Auswahl an unterschiedlichen Gameplay-Konzepten bei den Launch-Titeln noch überschaubar. In FIFA 13 lassen sich beispielsweise Torschüsse und Pässe über den Touchscreen steuern und in Trine 2 Charaktere und Waffen auswählen. Ein wirklicher Mehrwert war hier beim ersten Anspielen nicht zu erkennen.

Anders sieht es da bei Nintendo-eigenen Titeln aus. In New Super Mario Bros. U beispielsweise wird durch das GamePad ein neuartiger Multiplayer-Modus möglich. In diesem lenkt ein Spieler Mario mit der Wii Remote - alle Peripherie-Geräte des Vorgängers wie auch die Spiele sind kompatibel, der Game Cube allerdings nicht - und hüpft mit ihm wie gewohnt von Plattform zu Plattform. Der Spieler mit dem GamePad hat dabei die Möglichkeit, durch das Bauen von Brücken und Aus-dem-Weg-räumen von Gegnern dem anderen zu helfen - oder auch ihm das Leben schwer zu machen.

Viel Spaß im Multiplayer

Beim Launch-Titel Nintendo Land, einen Kurztest finden Sie hier, kommt auch die Frontkamera des GamePads zum Einsatz. Bei dem Mini-Spiel Mario Chase wird der Spieler mit dem GamePad auf seiner Flucht vor seinen Mitspielern in einem Labyrinth gefilmt, die durch die Übertragung des Videos auf den großen Bildschirm an dem Gesicht des GamePad-Spielers ablesen können, ob sie kurz davor sind, ihn zu fangen.

In ZombiU wiederum wird dem Spieler die Level-Karte auf dem Touchscreen angezeigt und er kann seine mitgeführten Gegenstände und Waffen über den zweiten Bildschirm verwalten. Darüber hinaus fungiert das GamePad als Umgebungsscanner, mit dem der Spieler sich in seinem Wohnzimer drehend auf die Suche nach wichtigen Gegenständen macht. Eine Übersicht über empfehlenswerte Launch-Titel finden Sie hier.

Nicht so einfach wie die Wii

In beiden Fällen macht der Controller Spaß, ist jedoch auch eine Herausforderung. Gerade am Anfang ist es schwer, konzentriert auf den großen oder auf den kleinen Bildschirm zu schauen und den Überblick zu behalten. Bei komplexeren Spielen wie ZombiU oder Batman Arkham City Armored Edition ist es schwierig, alle Tastenkombination im Blick zu behalten. Durch Hinweise auf dem großen und dem kleinen Bildschirm, wohin gerade geschaut werden soll, hilft die Wii U dem Nutzer jedoch auf die Sprünge.

Die Hardware 

Hardware-technisch hat Nintendos neue Konsole nicht viel mehr zu bieten als die aktuellen Kontrahenten, sprich PlayStation 3 und Xbox 360. Genaue Vergleichswerte gibt es nicht, da Nintendo nur von einer Multi-Core-CPU von IBM und einer Radeon-HD-GPU von AMD spricht, ohne diese Angaben zu spezifizieren. Immerhin: Eine Full HD-Auflösung ist nun möglich. Im Test variierte die Qualität der Grafik zwischen den Titeln. Treppenbildung war in den getesteten Spielen deutlich zu erkennen. Später erscheinende Spiele werden jedoch sicherlich noch mehr aus der Wii U herausholen können.

Die Grafik von Wii-Spielen verbessert sich durch ein Hochskalieren der Wii U nicht. Nutzer müssen sich also mit der Wii-Grafikleistung zufriedengeben. Mit dem GamePad lassen sich die Spiele des Vorgängers zudem nicht steuern.

Speicherkapazität

Die interne Speicherkapazität der Wii U wird bei der weißen Basis-Konsole mit acht Gigabyte, beim schwarzen Premium-Modell mit 32 Gigabyte angegeben. Tatsächlich steht von dieser Kapazität aber viel weniger zum Speichern von Spielen zur Verfügung. Bei der weißen Wii U sind es zum Beispiel nur drei Gigabyte.

Dies reicht nicht einmal für das Herunterladen von Nintendo Land - einer der Gründe, aus dem der Kauf des Basispakets nicht unbedingt zu empfehlen ist. Allerdings lässt sich bei beiden Varianten der Speicher durch externe Festplatten aufrüsten. Mehr Details zum Speicher der Wii U finden Sie hier.

Das virtuelle Zubehör

Das Wii U-Menü entspricht im Wesentlichen dem des Nintendo 3DS. Hier findet der Nutzer unter anderem Apps, den Zugang zum Wii-Menü, den Nintendo eShop, den Browser und das Miiverse. Zu den vorinstallierten Apps gehören YouTube und Love Film. Letztere Anwendung war zum Zeitpunkt dieses Tests allerdings noch nicht nutzbar. Die YouTube-App nach einem Update hingegen schon, ihr Design ist jedoch etwas lieblos. Positiv ist die Option, sich Videos nicht nur auf dem großen Bildschirm anzeigen zu lassen, sondern parallel in der App auch nach weiteren Videos suchen zu können.

Dies funktioniert auch mit dem integrierten Browser. Im Test überzeugte dieser durch den flüssigen Aufbau von Webseiten. Dennoch ist das Surfen mit gewissen Einschränkungen verbunden. Plug-ins werden nicht unterstützt, genausowenig wie Adobe Flash. Außerdem sind nur bestimmte Video- und Audiocodes abspielbar.

Zeichen-Kunst im Miiverse

Neu im Vergleich zum Wii-Menü ist eine Variante der Mii-Lobby, die ihren Weg vom Nintendo 3DS auf die Konsole gefunden hat. Hier werden die Miis anderer Spieler angezeigt, mit denen sich der Nutzer vernetzt, oder auch fremde Spieler, die gerade die gleichen Spiele spielen.

Die Nintendo-Community, in der Spieler weltweit ihre Erfahrungen austauschen können, besitzt ein paar Besonderheiten. So können Posts mit dem Hinweis Spoiler versehen werden. Genau wie beim Nintendo DS und 3DS ist es zudem möglich, Nachrichten zu zeichnen. Bereits jetzt ist in dem Sozialen Netzwerk ein Zeichenwettbewerb entbrannt, mit einigen wirklich beachtlichen Leistungen.

Neben dem Miiverse können Anwender auch über Video-Chat mit anderen Spielern kommunizieren. Diese Funktion konnte zum Zeitpunkt des Tests jedoch noch nicht getestet werden.

Der Nintendo eShop

Der Nintendo eShop führt das Angebot von Konsole und 3DS zusammen und fällt daher im Angebot wie Design entsprechend ähnlich aus. Genau wie beim Handheld ist es bei einigen Spielen möglich, vor dem Kauf eine Demo herunterzuladen. Aktuell stehen die Launch-Titel der Wii U im eShop zum Download bereit.

Update ohne Schrecken

All die genannten Funktionen lassen sich jedoch erst nach der Installation eines großen Firmware-Updates nutzen, das Nintendo ab sofort zur Verfügung stellt. Dass zentrale Funktionen wie beispielsweise das Spielen von alten Wii-Titeln oder auch der Besuch des Miiverse erst nach der Aktualisierung nutzbar sind, ist ein dicker Minuspunkt in Sachen Benutzerfreundlichkeit. Nintendo-Chef Satoru Iwata hat sich hierfür bereits entschuldigt.

Im netzwelt-Test bestätigten sich die aus den USA vernommenen Horrorstorys über das Update allerdings nicht. Download und Installation klappten ohne Probleme. Nach rund 30 Minuten waren alle Funktionen der Wii U einsatzbereit. Während Download und Installation sollten Nutzer die Konsole jedoch weder ausschalten noch die Internetverbindung trennen.

Nintendo Network ID erforderlich

Zur Nutzung aller Funktionen ist zudem die Einrichtung einer Nintendo Network ID erforderlich, an die Einkäufe und Spielstände dann geknüpft sind. In den AGBs versteckt sich hier zudem der Hinweis, dass der Account an das Einrichtungsland gebunden ist. Wer in ein anderes Land zieht und seine Wii U mitnimmt, muss sich also von seinem Konto verabschieden.

Singleplayer-Spiele von einem Datenträger lassen sich jedoch auch ohne Internetverbindung und ohne ID spielen.

Preise und Verfügbarkeit

Die Nintendo Wii U ist ab sofort im Netz ab 294 Euro erhältlich. Eine Übersicht über die Ausrüstung der drei verfügbaren Pakete erhalten Sie hier. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches Bundle für Sie geeignet ist, werfen Sie einen Blick auf unsere Kaufberatung.

Fazit

Wer von einer NextGen-Konsole beeindruckende Grafik erwartet, ist bei Nintendos Wii U falsch. Spätestens seit der Wii dürfte jedoch klar sein, dass Nintendo weniger auf beeindruckende Hardware-Leistung, denn auf neue Gameplay-Konzepte setzt. Diese sind durch den neuen - zugegeben gewöhnungsbedürftigen - Controller definitiv gegeben. So einfach wie die Wii, die durch die Simplizität ihrer Steuerung eine komplett neue Zielgruppe erschloss, steuert sich die Wii U jedoch nicht.

Dies wird Nutzer erfreuen, die auf neue Herausforderungen warten - und wird Anwender abschrecken, denen schon auf klassischen Controllern zu viele Knöpfe sind. Leider bleibt das Potential des GamePads jedoch auch noch von den meisten Spielen ungenutzt. ZombiU, New Super Mario Bros. U oder auch Nintendo Land sind hier einige der lobenswerten Ausnahmen, die vor allem eins machen - Spaß.

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netzwelt
7.0
Nintendo Wii U
Vorteile
  • Neues Gameplay durch neuen Controller
  • Nintendo-Spiele
  • Full HD-Auflösung
Nachteile
  • geringe Speicherkapazität
  • grafisch auf CurrentGen-Niveau
  • Ländersperre

Noch viel ungenutztes Potential

Wer von einer NextGen-Konsole beeindruckende Grafik erwartet, ist bei Nintendos Wii U falsch. Spätestens seit der Wii dürfte jedoch klar sein, dass Nintendo weniger auf beeindruckende Hardware-Leistung, denn auf neue Gameplay-Konzepte setzt. Diese sind durch den neuen - zugegeben gewöhnungsbedürftigen - Controller definitiv gegeben. So einfach wie die Wii, die durch die Simplizität ihrer Steuerung eine komplett neue Zielgruppe erschloss, steuert sich die Wii U jedoch nicht. Dies wird Nutzer erfreuen, die auf neue Herausforderungen warten - und wird Anwender abschrecken, denen schon auf klassischen Controllern zu viele Knöpfe sind. Leider bleibt das Potential des GamePads jedoch auch noch von den meisten Spielen ungenutzt. ZombiU, New Super Mario Bros. U oder auch Nintendo Land sind hier einige der lobenswerten Ausnahmen, die vor allem eins machen - Spaß.


Einzelergebnisse
Spielkonsolen sind heutzutage nicht mehr nur Spielkonsolen. Sie sind vielmehr multimediale Entertainmentgeräte, die abseits von Games idealerweise auch den Umgang mit Blu-rays, DVDs, CDs, Internet und Apps verstehen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen Konsolen auch in unserem Test Vielseitigkeit beweisen. Neben der Güte des Spiele-Line-ups und des Controllers verraten wir euch deshalb auch, wie es um Multimedia-Tauglichkeit und die Bedienbarkeit des Betriebssystems steht.
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Spiele
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Einsortierung
Nintendo Wii U von Nintendo wurde als Konsole abgelegt. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Gaming, Testbericht, Gaming-Hardware, Konsole, Nintendo, Gamepad, Review und Nintendo Wii U .
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2013-01-06 11:57:00
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/10/nintendo-wii-u-produktbild-141810.jpeg
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