Tarnen, täuschen, terminieren

Hitman - Absolution: Im Kurztest

Nach sechs Jahren Pause darf Agent 47 wieder die Klaviersaiten spannen: Diesmal meuchelt der Hitman auf Xbox 360, PS3 und PC. Entwickler IO Interactive verleiht seinem Glatzkopf mit Barcode im Nacken sogar einen Hauch von Menschlichkeit, denn der will ein Teenie-Mädchen vom Psycho- und Drogen-Drill der Hitman-Agency bewahren.

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Hitman Absolution - Living Breathing World Trailer: Die Spielwelt von Hitman Absolution ist bevölkert mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten. Dadurch bekommt der Third-Person-Titel eine ganz besondere Glaubwürdigkeit. Dieser Trailer stellt unterschiedliche Personen vor, denen Spieler in Hitman Absolution begegnen können. Erscheinen wird Hitman Absolution am 20. November 2012 für den PC, die Xbox 360 und die PlayStation 3. Zum Video: Hitman Absolution - Living Breathing World Trailer

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45 Sekunden, bis die U-Bahn in den Tunnel rauscht. 45 Sekunden, die der Hitman Zeit hat, um in der Menge unterzutauchen und den forschenden Blicken der Cops zu entgehen. 45 Sekunden, bis er vom Bahnsteig in den rettenden Zug springen und ins nächste Kapitel entkommen darf. 45 Sekunden, die mithilfe der speziellen Killer-Talenten zu einer kleinen Ewigkeit werden. Denn: Wer in Hitman: Absolution durch heimliches und besonnenes Vorgehen genügend Stealth-Energie sammelt, der lässt den Kahlkopf per Schultertaste in einen speziellen Aufmerksamkeits-Modus wechseln, der seine Sinne auf fast schon übernatürliche Weise schärft. Dann sondiert Agent 47 in Zeitlupe die Laufrouten seiner Verfolger, entdeckt für seine Mission nützliche Hinweise oder registriert sogar solche Gegner, die jenseits einer Wand stehen.

Stealth-Puristen ist diese Art der (per Menü allerdings deaktivierbaren) "Präkognition" zwar meist zuwider, aber für Feierabend-Schleicher ist dieses magische Auge ein Segen, weil es intelligente und herrlich verzwickte Schleich-Action spielbar macht: Anders als seine Genre-Kollegen darf 47 nämlich nicht nur durch dunkle Ecken und Winkel schleichen, von Deckung zu Deckung huschen und seine Opfer hinterrücks meucheln - obendrein beherrscht er die hohe Kunst der Tarnung, Täuschung und Planung.

Hierfür zitiert der dänische Entwickler IO Interactive das gesamte Einmaleins der Agenten-Filme: 47 würgt zuvor sorgfältig observierte Opfer bis zur Ohnmacht, dann schlüpft er zwecks Tarnung in deren Outfit und versteckt den Entkleideten in einem Wandschrank. Auf diese Weise wird der sonst in schwarzen Edelzwirn gekleidete Profikiller kurzzeitig zum Techniker, Gang-Mitglied, Security-Mann, Polizist, Koch oder Gärtner. Auf diese Weise bekommt er Zugang zu Orten, deren Betreten ohne Verkleidung für Aufsehen gesorgt hätte. Aber alle Sorgen los ist er damit nicht - im Gegenteil: Polizisten und andere Mechaniker werden schnell misstrauisch, weil sie den Glatzkopf zuvor noch nie gesehen haben.

Wer es gerne raffiniert hat, der vergiftet den Kaffee des Sicherheitschefs, pumpt das Mittagsmahl der Zielperson mit Drogen voll, manipuliert die Halterung einer gewaltigen Diskokugel, platziert eine Autobombe oder schleicht sich in den Klamotten eines zuvor beseitigten Dealers in dessen Wohnung, weil er von dort aus freie Schussbahn zur Zielperson hat. Natürlich geht es auch weniger dezent: Bevorzugt man die frontale Konfrontation, dann wird die Schleicherei zum zwar reichlich knackigen, aber auch herrlich souveränen Shootout à la Quentin Tarantino.

Trotzdem ermuntert Hitman: Absolution auch Action-Gamer zum dezenten Vorgehen: Wer möglichst wenige Leichen hinterlässt und unentdeckt bleibt, der kassiert für das jeweilige Kapitel eine höhere Punktewertung und schaltet damit effektivere Manöver wie einen Zeitlupen-Zielmodus.

Weil selbst komplexe Sabotage- und Kausalitätsketten mithilfe von 47s abnorm geschärften Sinnen erstaunlich leicht fallen, sollte der heimliche Weg selbst ausgesprochenen Stealth-Muffeln nicht all zu schwerfallen - zumal der Hitman hier einen vergleichsweise zahmen Easy-Modus im Gepäck hat.

Ein bisschen Zeit muss man allerdings schon mitbringen: Den 20 umfangreichen Szenarien jede mögliche Taktik abzuringen, das dauert eine ganze Weile. Ebenso wie das Sondieren und Genießen der sagenhaft schicken Umgebung - von verregneten Großstadt-Slums und brennenden Appartement-Blöcken über Pagoden in China und paradiesische Parkanlagen bis hin zu blank gewienerten Superschurken-Villen. Wirklich revolutionär wird Hitman: Absolution aber, weil jedes Szenario durch seine Menschenmengen und deren detailreiche Accessoires so lebendig wirkt: Ähnlich eindrucksvolle Mimik, Gestik und Gesichtsgrafiken sieht man selten.

Schade nur, dass Hitman erzählerisch vergleichsweise schwach ausfällt: Die Story um ein niedliches Teenage-Girl, das 47 vor dem Zugriff der Agency bewahren will, birgt das Potenzial zu einer hintergründigen Parabel. Doch die Sequenzen sind meist zu steif, plump und pixelig, um die Geschichte ordentlich zu transportieren. Darüber hinaus gibt sich IO Interactive wenig Mühe, die Umstände, die allenfalls den Spielern der vorangegangenen vier Hitman-Ableger vertraut sein dürften, auch nur ansatzweise zu erklären.

Hitman - Absolution: Im Kurztest

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Angesichts des überwältigenden Gesamtpakets ist die platte Geschichte allerdings verschmerzbar. Die Kampagne von Hitman: Absolution ist im Stealth-Genre erste Wahl, und obwohl IO Interactive keinen echten Multiplayer-Modus eingebaut hat, so verlockt doch immerhin der neckische Contract-Modus dazu, sich mit anderen zu messen: Einer spielt vor und speichert sein Match als Contract - und die anderen versuchen, den Beispiel-Kill möglichst akkurat nachzuahmen

Datenblatt

Hitman: Absolution
SpielnameHitman: Absolution
HerstellerIO Interactive
VertriebSquare Enix Europe
GenreAction
Erhältlich ab20.11.2012
Preisca. 60 Euro
EAN Code5021290048799
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene und Profis
Alterab 18 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges 
Bewertung Grafiksehr gut
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPlayStation3
SystemXbox 360

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