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Kommentar: E-Book-Reader für die Schule
Digitale Lernhilfe

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Kinder auf dem Weg zur Schule tragen eine schwere Bürde: ihren Schulranzen. Dieser ist vollgestopft mit allen möglichen wichtigen Unterlagen, Heften und Büchern. Dabei gibt es eine Alternative, sie müsste sich nur durchsetzen.

Bei Amazon, Thalia und Co. sind E-Book-Reader der Renner. Großen Nutzen könnten die Geräte auch an Schulen und Universitäten bringen. Sie würden beispielsweise die Schulranzen der Kinder leichter machen. Schul- und Fachbücher wären immer aktuell. Doch die Politik scheint das Thema nicht zu interessieren.

Die aktuellen E-Book-Reader sind ideal als elektronische Alternative zum Taschenbuch, aber für die Nutzung als Fach- oder Schulbuch immer noch zu klein.  

Jeden Morgen, wenn gerade der Kaffee durchläuft, gucke ich aus dem Fenster. Alte Angewohnheit von mir. So etwa ab 7 Uhr 30 marschieren dann die Schulkinder in kleinen Grüppchen vorbei. Jedes davon einen Schulranzen auf dem Rücken. Für einen lange Schultag hat man eben eine Menge dabei. Ein Kind, das sechs Fächer hat, braucht sechs Bücher und mindestens sechs Hefte. Hinzu kommen noch Federmäppchen und diverser Krimskrams. Da kommen schnell sechs oder sieben Kilo zusammen. Schon am Gang der Kinder erkennt man, dass ihre Schulranzen nicht gerade leicht sind.

Es ist wohl kein Zufall, dass der Schultaschenhersteller Scout Ratgeber wie "Kleine Rückenschule" als PDF zum Download anbietet.

Wir Erwachsene legen gerne ein paar 100 Euro extra auf den Ladentisch, damit unser Business-Notebook möglichst nicht viel mehr als zwei Kilo wiegt. Unseren Kindern dagegen muten wir zu, Tag für Tag diese irrsinnig schweren Taschen oder Rucksäcke herumzuschleppen.

E-Book-Reader im Großformat

Wie kann den Schülern geholfen werden? Die Antwort kann eigentlich nur lauten: E-Book-Reader. Ein einziges Gerät könnte alle notwendigen Schulbücher aufnehmen.

Natürlich sind die zurzeit erhältlichen Reader für diesen Zweck nicht geeignet. Sie sind viel zu klein. Ein zweckmäßiges Gerät müsste wohl ein 17-Zoll-Display bieten. Das Display selbst müsste von der Qualität her so leuchtende Farben bieten wie ein Tablet-PC und gleichzeitig für die Augen so lesefreundlich sein wie ein E-Book-Reader. Das ist technisch nicht ganz leicht, zumal ein großes Display ja auch eine Menge Strom zieht. Aber machbar ist es auf jeden Fall.

Das System könnte ungefähr so aussehen: Jedes Schulkind bekommt zum Anfang seiner schulischen Laufbahn einen E-Book-Reader ausgehändigt. Vermutlich müssen die Eltern die Finanzierung übernehmen. Am Anfang eines jeden Schuljahres, wenn die notwendigen Lehrwerke und Übungsmaterialien feststehen, tritt der Lehrmittel-Administrator mit seinem Team auf den Plan und "betankt" die Reader mit den entsprechenden Schulbüchern. In allen Schulbänken gibt es Netzanschlüsse für die E-Book-Reader. Oder wenigstens ein paar Ladestationen in den Klassenzimmern.

Das Gerät selbst bietet wie bei E-Book-Readern üblich, Funktionen wie markieren, Lesezeichen einfügen oder Notizen machen. Nie mehr schmuddelige und abgewetzte Bücher, in die die Schüler des Vorjahres reingeschmiert haben. Nie mehr fachlich veraltete Lehrwerke mit Illustrationen im Stil des letzten Jahrzehnts. Einmal im Jahr könnten die Autoren der Schulbücher diese fachlich aktualisieren und auf den neuesten Stand bringen, ohne dass der Schüler irgendetwas davon merkt.

Und der größte Vorteil: Nie wieder kiloschwere Schultaschen schleppen, es genügt eine leichte Tasche, etwa von der Größe eine Notebook-Tasche.

Konkrete Investition statt Sonntagsreden

Es ist klar, dass so ein System natürlich eine Menge Geld kosten und die ein oder andere Schwierigkeit bei der Umsetzung auftreten würde. Aber reden unsere Politiker nicht ständig davon, wie wichtig Bildung sei? Sind die Vertreter aus Politik und Wirtschaft nicht alle begeistert von "Innovation und Hightech"? Und wenn wir über das Wohl unserer Kinder diskutieren, dann ist uns kein Pathos zu klein, keine noch so abgedroschene Phrase zu schade. Alle haben fast Tränen der Rührung in den Augen, wenn es wieder mal heißt: "Eine Investition in unsere Kinder ist eine Investition in die Zukunft." Großartig.

An unseren Schulen merkt man nur leider herzlich wenig davon. Die Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bietet zwar viel Material zum Thema Digitale Medien und Bildung, aber einen Hinweis auf E-Book-Reader für Schulen habe ich da nicht gefunden. Ist wahrscheinlich nicht prestigeträchtig genug. Da streut man lieber modische Schlagworte unters Volk wie Web 2.0, "eQualication" und Medienkompetenz.

Bildung im Dienst der Wirtschaft

Sieht man sich das zwielichtige Milieu an, das in den letzten Jahren an der Schnittstelle zwischen Hochschulen, Politik und Wirtschaft entstanden ist, so stößt man unentwegt auf Innovationspreise, "Leuchtturmprojekte", Stipendien und Exzellenz-Universitäten. Zwielichtig ist dieses Milieu deshalb, weil die Bildungseinrichtungen immer mehr in den Sog der Wirtschaft geraten und sich damit von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernen. Wie auch immer: Hier, im Rampenlicht der Öffentlichkeit, fließt eine Menge Geld.

Der Alltag in den Schulen sieht anders aus. Da sitzen Schüler an zerkratzten Bänken, blättern in abgewetzten Büchern und werden unterrichtet von Lehrern in abgewetzten Cordhosen.

Umgekehrt wäre es besser. Kinder, die an Schulen gute Lernbedingungen haben, brauchen später mal keine pseudo-intelligenten Exzellenz-Studiengänge und keine affigen Preise für den innovativsten Start-up. Wenn das Fundament gut ist, baut sich der Rest des Hauses eben viel leichter.

Wenn Politik und Wirtschaft ihre großartigen Versprechungen in Sachen Schule und Bildung auch mal ernst nehmen würden, dann könnten sie mit praxisorientierten und konkreten Maßnahmen eine ganze Menge zum Guten bewegen.

Die Förderung von Hightech an den Schulen ist natürlich nur eine von vielen Maßnahmen und sicherlich nicht die wichtigste. Das wichtigste sind wohl immer noch die Lehrer, deren Qualifikation und Engagement.

Aber die Einführung von E-Book-Readern an Schulen könnte einen nützlichen Beitrag leisten und daneben zur Bereicherung des Unterrichts beitragen. Auch an Universitäten wären die Reader eine tolle Sache, da gerade im akademischen Bereich der Aktualitätsdruck besonders hoch ist.

Ich bin sehr gespannt, ob ich eines Tages, wenn ich morgens aus dem Fenster sehe, Kinder erblicke, die nicht schweren Schrittes, sondern fröhlich und mit leichtem Gepäck zur Schule eilen ...

Kommentare zu diesem Artikel

Kinder auf dem Weg zur Schule tragen eine schwere Bürde: ihren Schulranzen. Dieser ist vollgestopft mit allen möglichen wichtigen Unterlagen, Heften und Büchern. Dabei gibt es eine Alternative, sie müsste sich nur durchsetzen.

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Kommentar: E-Book-Reader für die Schule

    Was haben E-Book-Reader mit Bildung zu tun? Das Geld für die Reader wäre in Lehrer und Pädagogen besser investiert. E-Book-Reader haben in dem Zusammenhang mit Gewicht und Traglast für Schüler zu tun. Man könnte ja abwägen, dass Kinder auf diese Weise später weniger Rückenprobleme haben und so das Gesundheitssystem entlastet wird. Andererseits sind Bildung und Gesundheit ja zwei unterschiedliche politische Ressorts und eventueller Nutzen nicht unmittelbar nachzuweisen, sofern vorhanden.
  • Björn schrieb Uhr
    AW: Kommentar: E-Book-Reader für die Schule

    Was haben E-Book-Reader mit Bildung zu tun? Das Geld für die Reader wäre in Lehrer und Pädagogen besser investiert.
  • iüjsfgü schrieb Uhr
    AW: Kommentar: E-Book-Reader für die Schule

    man sollte bei aller ebook euphorie aber bedenken, das die Ebook-Reader auch etwas anzeigen können müssten, damit sie Sinn machen. Es braucht also die Schulbücher als EBooks. Dafür wäre wiederum die Mitarbeit der Schulbuchverlage von Nöten. Die haben aber natürlich kein Interesse ihre Werke zu digitalisieren, weil sie sie so für unlizensierte digitale Vervielfältigungen angreifbar machen würden. Und die Regierung wiederum scheut den Streit mit den Verlagen. Deswegen werden wir auch 2022 noch Kindern mit schweren Schultaschen beim Schulweg zugucken können...
  • Jessica.J schrieb Uhr
    AW: Kommentar: E-Book-Reader für die Schule

    Ist eh alles eine Verasche, klar die Bücher bekommt man von der Schule und bei einem E-Reader müsste die Schule jedem ein neues kaufen, vermutlich würden die auch schneller kaputt gehen, aber trotzdem geht die Gesundheit vor! Ich kann schon verstehen dass die Gemeinde, Bundesland / Deutschland kein Geld dafür hätte, trotzdem sollte man beachten das bei uns zb. hin und wieder es 12-14 Kilo sind und das ist ungelogen.! Wenn man dann kein Schließfach besitzt und erst nach 10 Stunden nachhause kommt denkt man, der Rücken ist gebrochen.
  • happygringo schrieb Uhr
    AW: Kommentar: E-Book-Reader für die Schule

    möchte mal wissen was der/die Bildungsmimister/in so wirklich zu tragen haben, oder dann doch deren Assitenz?

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Kommentar: E-Book-Reader für die Schule
Kommentar: E-Book-Reader für die Schule
Ein Schulranzen ist wahnsinnig schwer für kleine Kinder. Jede Menge Bücher, Stifte, Hefte und mehr. Doch es gibt eine Möglichkeit zur Entlastung. Warum ist da bis jetzt noch niemand drauf gekommen?
http://www.netzwelt.de/news/94427-kommentar-e-book-reader-schule.html
2012-11-23 16:34:51
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Kommentar: E-Book-Reader für die Schule