Hintergrundbeleuchtung mit Verbesserungspotential

Und abends mit Beleuchtung: Amazon Kindle Paperwhite im Test

Mit dem Paperwhite stellt amazon seinen bislang besten E-Reader vor. Clou ist ein per LED beleuchtetes E-Ink-Display, das auch bei kompletter Dunkelheit ablesbar ist. Im Test fängt sich der neue Stern unter den E-Book-Readern aber auch handfeste Kritik ein, denn gerade die Beleuchtung zeigt Verbesserungspotential.

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Amazon Kindle Paperwhite: Amazons Kindle Paperwhite gehört trotz oder gerade wegen seiner integrierten Beleuchtung zu den derzeit besten E-Book-Readern auf dem Markt. Zum Video: Amazon Kindle Paperwhite

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Wer schon einmal Gelegenheit hatte, Text auf einem modernen E-Book-Reader mit E-Ink-Display zu lesen, wird von Schriftbild, Kontrast und Schärfe der Anzeige mit Sicherheit angetan gewesen sein. Schrift wirkt fast wie gedruckt, nur bei der Darstellung von Grafiken gibt es nach wie vor Verbesserungsbedarf. 

Ein viel gravierender Nachteil: In der Dämmerung, in schlecht beleuchteten Räumen oder abends im Bett waren E-Book-Leseratten bislang stets auf eine externe Lichtquelle angewiesen. Hersteller versuchten dieses Problem unter anderem etwa mit Schutztaschen zu lösen, in denen eine LED eingebaut ist.

Beim neuesten Kindle-Modell, dem Paperwhite, stellt sich die Beleuchtungsfrage nun nicht mehr. Die eingebauten LED leiten das Licht laut amazon von oben durch den Bildschirm, was für eine gleichmäßige Ausleuchtung und ermüdungsfreies Lesen sorgen soll. 

Wer den Kindle Paperwhite auspackt und so wie netzwelt sofort nach dem Schalter für das Aktivieren der Beleuchtung sucht, erlebt eine Enttäuschung. Ein Druck auf den oberen Bereich des berührungsempfindlichen Bildschirms ruft ein Optionen-Menü auf, in dem sich auch die Steuerung zur Helligkeit findet. Dreht man nun voller Erwartungen den Regler nach ganz oben, erstrahlt das Display hell, und - Überraschung - sehr ungleichmäßig. 

Dies fällt vor allem in dunklen Räumen auf. Im unteren Bereich der Anzeige erscheinen dann deutlich sichtbare Lichthöfe, die manchen Menschen fast schon im wahrsten Wortsinn ein Dorn im Auge sind. Aber das sind nicht die einzigen Tücken der Hintergrundbeleuchtung. Beim Testgerät von netzwelt treten zusätzliche graulilafarbende Schleier in der Mitte des E-Ink-Displays auf. Nach längerer Lesezeit ignoriert man diese zwar im besten Fall - gerade in der anfänglichen Eingewöhnungszeit stören diese Makel jedoch sehr.

Wer in dunklen Räumen die Helligkeit zu hoch einstellt, muss mit deutlich sichtbaren Lichthöfen leben. (Bild: amazon)
Wer in dunklen Räumen die Helligkeit zu hoch einstellt, muss mit deutlich sichtbaren Lichthöfen leben. (Bild: amazon)

Zudem nimmt die Beleuchtung einen Teil der Faszination, der E-Ink-Displays für gewöhnlich unterliegen. Bei aktiver Beleuchtung erinnert die Darstellung eben nicht mehr an ein Druckerzeugnis, sondern eher an einen Tablet-PC. Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich auch nicht vollständig abschalten. Selbst auf Stufe 0 von 20 ist sie, wenn auch sehr schwach, aktiv.

Amazon selbst weiß von dem Problem und sah sich dazu verpflichtet, an dieser Stelle Bilder zu veröffentlichen, die auf einen Teil der angesprochenen Probleme hinweisen sollen.

Nichtsdestotrotz ist die eingebaute Beleuchtung des Kindle Paperwhite ein riesiger Gewinn, zumal es eine gangbare Lösung zu den Lichtproblemen gibt. So reicht es in dunklen Räumen aus, wenn man den Helligkeitsregler auf Stufe drei bis fünf stellt - maximal sind 24 Helligkeitsstufen wählbar. Die obersten Regionen der Skala benötigt man eigentlich nur sehr selten, bei direkter Sonnenlichteinstrahlung etwa. Die störenden Nebeneffekte lassen sich so auf ein erträgliches Minimum reduzieren. 

Die Bedienung des Paperwhite erfolgt hauptsächlich über das berührungsempfindliche Display. (Bild: netzwelt)
Die Bedienung des Paperwhite erfolgt hauptsächlich über das berührungsempfindliche Display. (Bild: netzwelt)

Doch auch abgesehen von der eingebauten Lichtquelle gibt es beim Kindle Paperwhite einen großen Vorteil gegenüber älteren Kindle-Ausgaben. Der Seitenwechsel geht nun spürbar schneller vonstatten und liegt subjektiv auf Augenhöhe zum Sony-Reader PRS-T2. Auch die generelle Auflösung hat amazon beim Paperwhite aufgebohrt. Das in der Diagonale sechs Zoll (15 Zentimeter) große Display verfügt über eine Pixeldichte von 212 PPI - der Original-Kindle für 79 Euro bietet eine Pixeldichte von nur 167 PPI bei gleich großem Display. Dieser formell große Unterschied fällt beim direkten Vergleich allerdings kaum auf.

Den Audio-Ausgang des Kindle Keyboard hat amazon bereits bei anderen Modellen gestrichen und er fehlt auch beim neuen Paperwhite. Damit fällt leider auch die Vorlesefunktion weg. Der Kindle Paperwhite verfügt somit lediglich über einen Mini-USB-Eingang, über den der Reader auch aufgeladen wird. Ein Kabel befindet sich im Lieferumfang, ein Netzteil hingegen nicht.

Im Vergleich zu Vorgängermodellen fehlen dem Testgerät, abgesehen von einem Ein- und Ausschalter, die physikalischen Tasten. Die Bedienung erfolgt daher ausschließlich über den Touchscreen. Dies funktioniert in der Praxis sehr gut. Ein Klick in den oberen Bildschirmbereich etwa öffnet ein Zusatzmenü, in dem unter anderem auch die LED-Regulierung zu finden ist. Streicht man mit dem Finger von links nach rechts, blättert der Kindle im Buch eine Seite weiter. Das Zurückblättern erfolgt nach dem gleichen Prinzip.

Gegen Aufpreis bietet amazon auch verschiedenfarbige Hüllen für den Paperwhite an. Praktisch: Ähnlich dem Apple Smart Cover schaltet die Hülle beim Schließen automatisch den Reader in den Ruhemodus. (Bild: netzwelt)
Gegen Aufpreis bietet amazon auch verschiedenfarbige Hüllen für den Paperwhite an. Praktisch: Ähnlich dem Apple Smart Cover schaltet die Hülle beim Schließen automatisch den Reader in den Ruhemodus. (Bild: netzwelt)

Eine große Schwäche der Vorgängermodelle muss man auch dem Paperwhite ankreiden: Wer sich für ein Kindle-Modell entscheidet, kann zwar bequem auf das umfangreiche E-Book-Angebot von amazon zugreifen. Die Format-Unterstützung ist dafür auf der anderen Seite sehr begrenzt. E-Books im Epub-Format kann der Reader zum Beispiel nicht lesen. Gerade viele kostenlose Publikationen liegen allerdings in diesem Format vor.

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit bis zu acht Wochen an, wenn das integrierte WLAN-Modul deaktiviert ist, die Beleuchtungsintensität auf Stufe 10 steht und der Nutzer täglich eine halbe Stunde mit dem Gerät liest. Ein guter Wert, den wir aufgrund der Testdauer jedoch nicht bestätigen können. 

Zum Preis von 35 Euro bietet amazon für den Paperwhite verschiedenfarbige und sehr eng anliegende Schutzhüllen an, die dem E-Reader gut zu Gesicht stehen. Praktisch: Dank eines in der Hülle eingebauten Magneten schaltet sich das Display automatisch ein und aus, ähnlich wie bei Apples Smart Cover für das iPad. Allerdings erhöht sich das Gewicht mit angelegter Hülle von 220 auf 350 Gramm (UMTS-Variante).

Modellvarianten

Den Kindle Paperwhite gibt es hierzulande in zwei verschiedenen Varianten, die sich im verbauten Funkmodul voneinander unterscheiden. Die günstigere Version für 129 Euro verfügt über eingebautes WLAN. Die an dieser Stelle getestete 3G-Variante zum Preis von 189 Euro verfügt zusätzlich noch über ein UMTS-Mobilfunkmodul. Eine entsprechende Netzabdeckung vorausgesetzt ist es damit möglich, ohne ein erreichbares WLAN-Netz neue Inhalte auf den Kindle zu laden. Dies funktioniert sogar im Ausland. Zusätzliche Kosten fallen abgesehen vom höheren Verkaufspreis nicht an. 

Fazit

Trotz der genannten Schwächen ist der Paperwhite der derzeit beste E-Book-Reader, den netzwelt getestet hat. Vergleichbar ist er mit dem Kobo Glo und dem Bookeen HD FrontLight, die ebenfalls über eine eingebaute Beleuchtung verfügen. Eine weitere nach Meinung von netzwelt empfehlenswerte Alternative ist Sonys PRS-T2, der zwar nicht über eine eingebaute Lichtquelle verfügt, dafür aber mit mehr Formaten zurechtkommt.

Wer plant, sich selbst oder anderen einen Paperwhite zu Weihnachten zu schenken, sollte die zum Testzeitpunkt langen Lieferzeiten von amazon im Auge behalten. Für aktuell aufgegebene Paperwhite-Bestellungen gibt der Onlineversandhändler einen Liefertermin für die Woche ab dem 4. Januar an.

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