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Verkehrte Netzwelt: Kein Strom, kein Facebook, kein Leben
Verloren beim Stromausfall?

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Der Fernseher geht aus, genauso wie die Lampen. Der Computer gibt keinen Ton von sich und auch das Radio an der Steckdose bleibt leise. Stromausfall. Jetzt ist guter Rat teuer: Wie soll man ohne Computer nach Stromausfall googeln?

Experten warnen vor Stromausfällen in Deutschland. Das wird hart für die Digital Natives, deren Leben ohne Elektrizität einfach nicht funktioniert. Kein Facebook, kein Twitter, kein Google. Doch langfristig gesehen ist ein Stromausfall ein wahrer Segen - für Facebook und Co.

Schock! Das Licht ist aus, der Strom ist weg. Stromausfall ...

Der nächste Winter wird hart in Deutschland. Vor allem deshalb, weil Energieerzeuger und Netzbetreiber vor Stromausfällen warnen. Überlastete Leitungen, Kraftwerke am Limit und marode Transformatoren, das kann ja nicht gut gehen. Bei so einem Stromausfall gehen in Deutschland die Lichter aus. Eine Katastrophe!! Wir sollten jetzt alle ganz schnell unsere Geldbörsen zücken, damit die wackeren Energieerzeuger ihre Netze winterfest machen können. Und überhaupt: Diese komische Energiewende macht ja alles teurer. Eine enorme Belastung für die armen Stromerzeuger. Sehr gerne akzeptieren wir deshalb die kleinen Preiserhöhungen, die so zaghaft für 2013 angekündigt werden. Wer jetzt meint, die Energiekonzerne hätten in der Vergangenheit genügend Gewinne gemacht und könnten diese ruhig auch mal investieren, der hat nichts verstanden.

Kochen mit der Taschenlampe

Andererseits ist so ein Stromausfall gar nicht so schlimm. Jeder, der schon mal im Süden Urlaub gemacht hat, kann da Geschichten erzählen. Da fällt abends mal für zwei Stunden der Strom aus, die Menschen kochen im Schein der Taschenlampe einfach weiter und rücken dann im Kerzenlicht gemütlich zusammen. Garantiert hat einer eine Gitarre dabei, und gemeinsam singen sie ein hoffnungsvolles Lied - dass der Strom bald wieder kommen möge und die Oma endlich aus dem Aufzug raus kann.

Ob ein Stromausfall in Deutschland auch solche romantischen Abende hervorzubringen vermag, noch dazu im Winter, ist ungewiss. Schlimm wird der Stromausfall wahrscheinlich für die Digital Natives werden. Denn die gestalten ihr ganzes Leben mithilfe von Elektrizität. Wenn sie spielen, dann am Computer. Wenn sie sich unterhalten, dann via Skype oder Handy. Wenn sie etwas suchen, dann mit Google. Wenn sie etwas wissen wollen, dann schlagen sie in Wikipedia nach. Wenn sie den Weg zu einem Szenelokal im Stadtzentrum suchen, dann mit der Fahrplan-App des örtlichen Verkehrsverbunds.

Und selbst wenn sie einfach nur gesellig sein wollen, muss Elektrizität da sein. Ohne die geht gar nichts in Facebook, dem weltweiten Dorf der Labertaschen und Handyfoto-Poster.

Was tun diese Menschen, wenn der Strom ausfällt? Wie sollen sie jetzt bitte den richtigen Bus ins Stadtzentrum finden? Die Fahrplan-App des Verkehrsverbunds ist ja offline. Einen Freund anrufen und fragen kann man auch nicht, weil das Handy zwar noch Akku hat, aber das Rechenzentrum des Mobilfunk-Providers tot ist und die Funkmasten schweigen.

Auch zu Hause bleiben und einfach was Schönes kochen fällt schwer. Was soll man denn um Himmels willen kochen? Denn www.kochrezepte.de ist nicht mehr erreichbar. Und der Elektroherd braucht ja auch Strom. Mit wem soll man sich unterhalten, wenn Facebook darnieder liegt? Niemand kann mehr Fotos von seinem Espresso im Café posten. Niemand kann jetzt erzählen, dass er am Hauptbahnhof angekommen ist und gleich ins Taxi steigen wird. Niemand informiert uns darüber, dass es in Dinslaken-Süd gerade regnet.

Die große Dunkelheit

Eine große unheimliche Stille, eine totale Dunkelheit legt sich über das 950-Millionen-Seelen-Dorf Facebook. Eine ebenso unheimliche Stille und eine ebenso totale Dunkelheit legen sich über die Nachbardörfer Google, Amazon, eBay - und Netzwelt.

Was nun?

Bleibt eigentlich nur, die alte Spielesammlung herauszuholen und mit Freunden oder Familie ein paar Runden "Halma" oder "Mensch ärgere dich nicht" zu spielen. Rund um den Tisch stehen ganz viele Teelichter. Wir Deutsche sind bekanntlich Weltmeister im Teelichter-Sammeln.

Ehepaare, die sonst vor dem TV-Gerät sitzen, könnten eine Runde Backgammon spielen oder sich unterhalten. Oder kuscheln. Obwohl Männer ja bekanntlich nicht so gerne kuscheln. Die stoßen gerne schnell zum Kern der Dinge vor. Und das wäre ja nicht unbedingt das schlechteste bei Stromausfall. Die Zeitungen schreiben immer, dass neun Monate nach einem Stromausfall viele Kinder geboren werden.

Facebook, Google, Amazon und Co. würden sich über den neuen Erdenbürger aufrichtig freuen.

Die Grenzen des Wachstums

Der Tag ist nicht weit, da hat nicht nur jeder Mensch einen Internetanschluss, sondern jeder Mensch kauft seinen Kram bei Amazon und jeder pflegt seine Freundschaften auf Facebook. Wenn aber irgendwann mal alle Menschen auf dieser Erde bei Amazon und Facebook sind, dann kommt das Umsatzwachstum zum Stillstand. Und Wirtschaftswachstum lebt bekanntlich davon, dass immer mehr Kunden herbeiströmen und immer mehr kaufen.

Ein gelegentlicher Stromausfall wäre für Facebook, Google, Amazon und Co. also eine feine Sache. Die auf diese Weise generierten neuen Digital Natives würden sicher bald bei Facebook, Google, Amazon und Co mitmachen wollen. Bis die neuen Erdenbürger groß sind und sich bei Facebook anmelden dürfen, ist der Strom bestimmt wieder da.

In diesem Sinne wünscht Ihnen das gesamte Netzwelt-Team einen schönen, kuscheligen Winter

Kommentare zu diesem Artikel

Der Fernseher geht aus, genauso wie die Lampen. Der Computer gibt keinen Ton von sich und auch das Radio an der Steckdose bleibt leise. Stromausfall. Jetzt ist guter Rat teuer: Wie soll man ohne Computer nach Stromausfall googeln?

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  • Elv schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Kein Strom, kein Facebook, kein Leben

    Die Enegiekonzerne machen pro Jahr Gewinne im Bereich von Milliarden, da sollte auch Reinvestition möglich sein um das Stromnetz auszubauen und marode Bestandteile des Netzes zu ersetzen. Aber lieber schürt man die Angst und will abkassieren um an der Börse gut da zu stehen. Die böse Stromumlage rechtfertigt die enormen Preissteigerungen nicht im Mindesten. Wer erinnre sich noch an den Wochenlangen Stromausfall im Münsterland, wo ein paar "marode" Masten unter der Last der eisverkrusteten Leitungen zusammen gebrochen sind. Die Energiekonzerne habe nicht umgedacht, sondern machen weiter wie gehabt. Scheffeln Geld, bauen Konzernpaläste und schütten Dividenden aus. Kerngeschäft ist Börsen- und Aktionärsbefriedigung und nicht mehr Stromlieferant!
  • Tihas schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Kein Strom, kein Facebook, kein Leben

    Looool hoffen wir mal das sowas nicht passiert ;D

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Verkehrte Netzwelt: Kein Strom, kein Facebook, kein Leben
Verkehrte Netzwelt: Kein Strom, kein Facebook, kein Leben
Plötzlich ist der Strom weg. Das Netz zusammengebrochen. Das Licht aus. Der Fernseher unnatürlich still. Was macht man in so einer Situation? Kerzen an und weiter geht's?
http://www.netzwelt.de/news/94423-verkehrte-netzwelt-kein-strom-kein-facebook-kein-leben.html
2012-11-24 09:27:22
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/schock-licht--strom-weg-stromausfall--bild-netzwelt-17143.jpg
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