Happy End ist keine Pflicht
Call of Duty - Black Ops 2: Im Kurztest
Virtueller Krieg ist ein einträgliches Geschäft - und die Macher der Shooter-Reihe Call of Duty verstehen sich bestens darauf. Der Ende 2011 veröffentlichte Ableger Modern Warfare 3 bescherte Publisher Activision binnen kürzester Zeit Einnahmen in Milliardenhöhen und legte zudem laut "Guinnessbuch der Rekorde" den "erfolgreichsten Start eines Unterhaltungsprodukts aller Zeiten" hin. Nun steht der mittlerweile neunte Teil der Shooter-Reihe in den Läden: Black Ops 2. Die Erwartungen sind groß - sowohl beim Hersteller als auch bei volljährigen Actionfans.
Call of Duty: Black Ops 2 - Launch Trailer: Am 13.11.2012 erscheint mit Call of Duty: Black Ops 2 die Fortsetzung der erfolgreichen Shooter-Reihe. Mit diesem Trailer hier soll der Release begleitet werden. Zu sehen sind dabei verschiedene futuristische Waffen-Technologien, Kriegsschauplätze auf dem boden und in der Luft sowie die unterschiedlichsten Soldaten, die Call of Duty: Black Ops 2 zu bieten hat. Call of Duty: Black Ops 2 wird für den PC, die PlayStation 3 und die Xbox 360 veröffentlicht. Zum Video: Call of Duty: Black Ops 2 - Launch Trailer
Und keiner wird enttäuscht: Online-Händler melden reißenden Absatz, Analysten schätzen den Umsatz auf 500 Millionen Dollar am ersten Tag, und auch spielerisch und inhaltlich wagt Entwickler Treyarch Neues. Natürlich ist und bleibt auch Black Ops 2 eine temporeich und spektakulär inszenierte Schießbude, die den Spieler ohne längere Atempause durch Levelaufbauten in aller Welt hetzt und dabei Heerscharen von nicht allzu clever agierenden Gegnern vor seiner Flinte platziert. Doch die Macher wollten diesmal offenbar dem bislang so erfolgreichen Schema F entfliehen und die Reihe weiterentwickeln.
Das beginnt bereits bei der Handlung, für die Hollywood-Drehbuchautor David S. Goyer ("The Dark Knight") verantwortlich zeichnet. Diese ist auf zwei Zeitebenen angesiedelt, dennoch halbwegs nachvollziehbar und wartet obendrein mit einem charismatischen Schurken auf, dem Schauspieler Wotan Wilke Möhring ("Männerherzen", "Tatort") die Stimme leiht.
Raul Menendez heißt der Mann, der die Welt im Jahr 2025 mit Cyber-Terrorismus überzieht, von zwei Milliarden Anhängern als Messias gefeiert wird und sich dank riesiger Privatarmee auch mit den Großmächten USA und China anlegt. Ein manipulatives Monster, geschaffen von der CIA - und vom Spieler selbst. Denn immer wieder springt das Geschehen in die 80er-Jahre. Man erlebt, wie Menendez' Reichtum, Rachsucht und Motive überhaupt zustande kommen - und dass die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend sind.
Schlüsselfiguren sind dabei der aus dem Vorgänger bekannte Elite-Soldat Alex Mason sowie sein Kollege Frank Woods, der als alter Mann im Pflegeheim Masons Sohn David über die verdeckten Operationen in Angola, Nicaragua oder Afghanistan aufklärt. Für den letztgenannten Einsatz stand offenbar der Film "Rambo 3" Pate. Auf einem Pferd reitet man dort der russischen Besatzungsarmee entgegen, holt Kampfhubschrauber vom Himmel und jagt Dutzende Panzer in die Luft. Man kann das amüsant finden - oder total dämlich, weil man im vollen Galopp binnen Sekunden reichlich Stingerraketen verschießt.
Diese historischen Einsätze nehmen in etwa ein Drittel der Spielzeit in Anspruch - und sparen obendrein nicht an expliziter Gewaltdarstellung, plumper Effekthascherei und anderen Geschmacklosigkeiten, die ebenfalls fester Bestandteil der Call of Duty-Reihe sind. Es verbrennen mehrfach Menschen vor den Augen des Spielers, ein gefolterter Woods wird aus einem Container voller verwesender Leichen gezogen, sogar Menendez im Blutrausch steuert man. Immerhin wagt Treyarch nicht den Tabubruch, den Spieler auf afrikanische Kindersoldaten schießen zu lassen, die ebenfalls in einer kurzen Sequenz auftauchen.
Etwas gesitteter und deutlich abwechslungsreicher geht es in der Zukunft zu. Das liegt nicht nur daran, dass ein Teil der Widersacher allerei rollende, stampfende oder fliegende Drohnen sind, sondern die Missionsstrukturen vom ewigen Geballere mit futuristischem Kriegsgerät zuweilen abweichen. Mal belauscht man Menendez per Richtmikrofon, während man durch feindliches Gebiet robbt. Mal steuert man eine kleine Roboterspinne durch die Luftschächte einer schwimmenden Luxusstadt oder gleitet im Wingsuite über den Dschungel von Myanmar.
Das Steuern von Kampfdrohnen, Fahrzeugen und Fluggerät gehört ebenfalls zum Repertoire. Überraschend ist jedoch die größere Handlungsfreiheit, die Black Ops 2 dem Spieler einräumt. Viele Level gleichen nicht mehr ellenlangen Schläuchen mit nur einer möglichen Route - riesige Einsatzgebiete sollte man allerdings auch nicht erwarten. Darüber hinaus haben bestimmte Aktionen, Erfolge oder Misserfolge Konsequenzen auf den Fortgang der Geschichte.
Das Kuriose: Black Ops 2 verzichtet weitgehend auf den Wink mit dem Zaunpfahl - der Spieler erfährt also erst später davon, dass er bewusst oder unbewusst etwas verpasst oder vermasselt hat. Ein paar Beispiele: Wer bei einem Verhör nicht seinem Drang widersteht, dem Befragten eine Kugel in den Kopf zu jagen, verpasst wichtige Informationen. Gleiches gilt für ein Drogenlabor, das die Betreiber nebst belastendem Material abfackeln, wenn man nicht schnell genug ist. Und wer den Flugzeugträger "U.S.S. Barack Obama" vor dem Absaufen rettet, darf im folgenden Kampf um Los Angeles auf etwas mehr Hilfe hoffen. Nicht der einzige politische Seitenhieb übrigens: Im Spiel ist der jüngst zurückgetretene CIA-Chef David Petraeus Verteidigungsminister der USA.
Die Quittung für die eigene Spielweise und die große Überraschung gibt es ganz am Schluss. Black Ops 2 verfügt über insgesamt sechs mögliche Enden, deren Spektrum von "schlimm" bis "strahlender Held" reicht. Wer die Geschichte umschreiben möchte, muss allerdings nicht das komplette Spiel neu in Angriff nehmen. Es reicht, die entsprechende Mission auszuwählen und eine Art Rückspulknopf zu betätigen.
Ebenfalls neu sind die sogenannten "Strike-Force"-Missionen - in die Rahmenhandlung eingebettete Sondereinsätze und eine Anleihe aus dem Multiplayer-Bereich: In einer Mixtur aus Echtzeit-Taktik und Shooter gilt es, Drohnen und Soldaten entweder so geschickt zu dirigieren oder direkt zu steuern, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Das kann die Verteidigung einer Basis oder das Zerstören eines Containerschiffs sein. Ein Tutorial klärt eingangs zum Glück über sämtliche Befehls- und Aktionsmöglichkeiten auf, hektisch bis verwirrend bleibt das Ganze jedoch bis zum Schluss.
So gelungen die Dramaturgie und der Ablauf der an Wendungen und Überraschungen reichen Geschichte diesmal sind, so durchwachsen ist die technische Umsetzung. Manche Abschnitte und Zwischensequenzen wirken völlig altbacken, dann wiederum lässt Treyarch die Grafikmuskeln spielen und zaubert Szenarien auf den Schirm, die ungläubig staunen lassen. Dennoch: Eine Überarbeitung der verwendeten Engine scheint unausweichlich, möchte man auch künftig mit anderen Genre-Vertretern Schritt halten.
Call of Duty - Black Ops 2: Im Kurztest
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Bild vergrößern Dieses Motiv dürfte man schon mal gesehen haben: Activision rührt für seinen neuen Shooter "Call of Duty: Black Ops 2" mächtig die Werbetrommel. (Bild: Activision) - Bild 2 von 40
Bild vergrößern Kampf um Los Angeles: Die letzten Missionen von "Call of Duty: Black Ops 2" haben es in sich. (Bild: Activision) - Bild 3 von 40
Bild vergrößern Die Gewehre im Jahr 2025 verfügen über eine Art Sonar-Visier. (Bild: Activision) - Bild 4 von 40
Bild vergrößern In den neuen "Strike-Force"-Einsätzen kommandiert man Soldaten und Drohnen aus der Vogelperspektive - oder greift direkt ins Geschehen ein. (Bild: Activision) - Bild 5 von 40
Bild vergrößern Der Kampf um die Zukunft beginnt bei "Black Ops 2" bereits in den 80er-Jahren. (Bild: Activision) - Bild 6 von 40
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Dafür überzeugt der Umfang in jeglicher Hinsicht: Neben der gelungenen Einzelspielerkampagne verfügt Black Ops 2 über zwei weitere Bestandteile, die volljährige Spieler monatelang beschäftigten dürften. Zum einen ist da der umfangreiche, generalüberholte Mehrspielermodus, in dem sich Spieler mithilfe des neuen "Pick 10"-Systems entscheiden müssen, welche Ausrüstung und welche Sonderfertigkeiten ihr Online-Krieger bekommt. Zum anderen gibt es den Zombie-Modus, in dem man online, per System-Link oder an einer Konsole gegen immer stärker werdende Wellen von Untoten antritt. Wer mag, darf mit einem Bus von Zombienest zu Zombienest tingeln und dort ums Überleben kämpfen.
Datenblatt
| Call of Duty: Black Ops 2 | |
| Spielname | Call of Duty: Black Ops 2 |
| Hersteller | Treyarch |
| Vertrieb | ctivision Blizzard |
| Genre | Action |
| Erhältlich ab | 13.11.2012 |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN Code | 5030917111655 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Alter | ab 18 Jahren |
| Multiplayer | 2-18 (WWW) |
| Sonstiges | |
| Bewertung Grafik | gut |
| Bewertung Steuerung | sehr gut |
| Bewertung Sound | sehr gut |
| Bewertung Spielspass | sehr gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
| System | Xbox 360 |
| System | PC |
| System | PlayStation3 |
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