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Kommentar: Die beste Musikanlage
CD gegen Schallplatte gegen Streaming

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Die Audio-CD wird dreißig Jahre alt, doch die Verkaufszahlen gehen zurück und Experten schreiben schon Abgesänge auf die CD. Das Comeback der Vinyl-Platten zeigt aber, dass totgesagte Medien oft lange leben. Für anspruchsvolle Musikfans besteht die ideale Stereoanlage nicht mehr aus Plattenspieler und CD-Player. Sie holen sich die Musik von Festplatte und Netzwerk-Player.

Die Audio-CD wird dreißig Jahre alt, doch die Verkaufszahlen gehen zurück und Experten schreiben schon Abgesänge auf die CD. Das Comeback der Vinyl-Platten zeigt aber, dass totgesagte Medien oft lange leben. Für anspruchsvolle Musikfans besteht die ideale Stereoanlage nicht mehr aus Plattenspieler und CD-Player. Sie holen sich die Musik von Festplatte und Netzwerk-Player.

Klassische Plattenspieler sind beliebter denn je, nicht nur bei Hi-Fi-Fans.

Manchmal ist das Leben so schön. Zum Beispiel, wenn man nicht im Gazastreifen wohnt und auch nicht bei Foxconn arbeitet, sondern im schönen Westeuropa durch die Multimedia-Abteilung eines großen Drogeriemarkt schlendern darf und über so wichtige Fragen nachdenkt wie die, ob man sich den Film über Facebook auf Blu-ray holt oder vielleicht doch eine Musik-CD kauft.

Im Drogeriemarkt hatte ich neulich eine seltsame Begegnung. Da stand ich plötzlich vor einem ganzen Regal mit Schallplatten. Die haben wieder Vinyl im Angebot. Und das ausgerechnet zum 30. Jubiläum der CD. Die CD wird jetzt von allen totgesagt, praktisch denkende Menschen holen sich Musik per Download.

Bisher hatte ich gedacht, dass die Renaissance der Schallplatte nur in einem Nischenmarkt stattfindet. Also bei Hi-Fi-Romantikern, die ohne mit der Wimper zu zucken 10.000 Euro für einen Plattenspieler ausgeben und dann noch 2.000 Euro für den Tonabnehmer. Oder bei konservativ gestimmten Idealisten, die sich einfach nicht von ihrer Plattensammlung trennen wollen. Aber das stimmt offensichtlich nicht. Jetzt hören auch Normalos wieder Schallplatten, sonst hätte sie der Drogeriemarkt nicht im Angebot, denn da kaufen Normalos.

Klingen CDs vielleicht doch schlechter als Schallplatten?

Meine Schallplatten und meinen alten Thorens-Plattenspieler liebe ich auch. Sie stehen trotzdem im Keller. Am PC und unterwegs höre ich MP3, wenn ich abends im Wohnzimmer sitze und mal Zeit habe, höre ich CDs über eine gute Stereoanlage. Es ist unter Highend-Liebhabern umstritten, ob CDs wirklich besser klingen als Schallplatten oder vielleicht doch schlechter.

Meine Theorie ist, dass Schallplatten ihr vielgelobtes Klangpotenzial nur mit teurem Equipment, sprich: einem guten Plattenspieler, entfalten. Damit nicht genug. Ein Plattenspieler braucht wesentlich mehr Sorgfalt bei Aufstellung, Pflege und Wartung als ein CD-Player. Der Plattenspieler muss mit der Wasserwaage ausgerichtet werden, er muss möglichst gut vom Trittschall entkoppelt werden, die Nadel des Tonabnehmers muss genau senkrecht in der Rille hängen und das Antiskating muss eingestellt werden. Und spätestens nach zwei Jahren ist eine neue Nadel für den Tonabnehmer fällig. Dann kann man die Prozedur wiederholen.

Ich liebe Plattenspieler, ich liebe das Knistern der Einlaufrille und überhaupt das ganze Analog-Erlebnis, aber für einen berufstätigen Menschen, der nur wenig Zeit für Liebhabereien hat, sind Plattenspieler auf Dauer zu unpraktisch.

Hochauflösende Musik aus dem Web

Die Behauptung vieler Highend-Fans, dass Plattenspieler den besten Klang haben, dürfte sich in naher Zukunft auch erledigt haben. Denn dann kommen auf breiter Front die hochauflösenden Musik-Downloads. Das Portal Highresaudio beispielsweise bietet heute schon Musik-Downloads nicht nur in CD-Qualität, sondern auch als so genannte Studio Master. Das ist dann in der Regel eine FLAC-Datei in hochauflösender Qualität. Da bekommt man Musik mit Abtastraten von 192 und manchmal sogar von 384 Kilohertz. Besser geht's wirklich nicht.

Die gute Nachricht dabei: Highresaudio hat nicht nur klassische Musik und Kammermusik-Jazz für Snobs, sondern zunehmend auch Popmusik im Angebot. So gibt es jetzt beispielsweise das neue Rolling Stones-Album "Grrr!" als Download-Version mit 88.2kHz und 24 Bit. Das ist besser als CD, die hat in der Regel eine Abtastrate von 44.100 kHz und eine Bittiefe von 16 Bit. Man kann sich natürlich fragen, ob man die Radaubrüder Rolling Stones unbedingt in Highend-Qualität braucht, eine gute Nachricht ist es trotzdem, weil es dafür spricht, dass das Qualitätsbewusstsein wieder gestiegen ist.

Auch bei der Stereoanlage zu Hause tut sich einiges. Demnächst werde ich mir vielleicht einen NAS-Server anschaffen und meine CD-Sammlung darauf in gerippter Form ablegen. Tools wie Exact Audio Copy können eine CD Bit für Bit auf die Festplatte kopieren. Highend-Fans behaupten, dass diese Musik von der Festplatte sogar besser klingt als eine möglicherweise mit Kratzern und Flecken verunzierte CD aus dem Player. Denn die durch Kratzer verursachte Fehlerkorrektur des Lasers beeinträchtigt letztlich den Klang.

Vom NAS-Server gehen die Daten über ein Netzwerkkabel zum Netzwerkplayer, der sie an den Verstärker weiterschickt. Wenn man dann noch gute Lautsprecher oder wenigstens einen hochwertigen Kopfhörer hat, steht einem ziemlich perfekten Klangerlebnis nichts im Weg. Solche Netzwerk-Player oder Streaming Clients holen sich die Musik auch aus dem Internet, zum Beispiel von Downloadportalen. Oder vom USB-Stick.

Wer will, kann seine CDs mit einem alten PC rippen und so nach und nach eine Musiksammlung aufbauen. Dann wird der PC zum Musik-Server. Da fehlt zwar das anheimelnde Knistern der Schallplatte und da fehlt auch das Analog-Feeling, aber die Musik ist in puncto Auflösung mindestens so gut wie von CD oder sogar besser.

Das Schöne dabei ist, dass auch die Bedienung im Prinzip sehr einfach ist. So könnte man den Netzwerkplayer über einen Tablet-PC steuern und muss nicht mehr aufstehen, um CDs zu wechseln oder Schallplatten umzudrehen. Das Display von Tablet-PCs ist auch groß genug, um Fotos der Künstler, Song-Texte und weitere Informationen über das jeweilige Album anzuzeigen.

Damit hätte man im Prinzip alle Vorteile vereint: die gute Klangqualität von Schallplatten oder CDs, ausführliche Booklets mit Bildern und Texten und einen umfassenden Bedienkomfort, den nur moderne Software bieten kann.

Bis es so weit ist und diese Systeme sich auf dem Massenmarkt durchsetzen, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

Die schönen Vinyl-Platten werden uns noch ein paar Jahre lang begeistern. Aber auch die totgesagte CD wird noch das ein oder andere Revival erleben. Ich hoffe trotzdem, dass ich irgendwann die Zeit finde, meinen alten Thorens-Plattenspieler wieder anzuwerfen …

Kommentare zu diesem Artikel

Die Audio-CD wird dreißig Jahre alt, doch die Verkaufszahlen gehen zurück und Experten schreiben schon Abgesänge auf die CD. Das Comeback der Vinyl-Platten zeigt aber, dass totgesagte Medien oft lange leben. Für anspruchsvolle Musikfans besteht die ideale Stereoanlage nicht mehr aus Plattenspieler und CD-Player. Sie holen sich die Musik von Festplatte und Netzwerk-Player.

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  • Leander schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Die beste Musikanlage

    Der Anspruchsvolle Musikliebhaber wird seine Musik sicherlich nicht aus dem Internet herunterladen oder von seinem Tablet-PC etc. Musik hören- vielleicht für Unterwegs - aber nicht wenn er zu hause seine Musik hören möchte. Die Schallplatte hört sich Dynamischer und Klangvoller an als alle andere Physische Medien. Darüber braucht man gar nicht mehr zu Diskutieren. Der jüngste Wissenschaftliche Beweis hierfür kann man bei Acousence nachlesen -> phonophono.de/pdf/ACOUSENCE_Aspekte_der_Audiouebertragung.pdf Das ein Schallplattenspieler mehrere Tausende Euro kosten müsse, um gute Klangliche Ergebnisse zu bekommen ist nicht Zwingend! Selbst eine gute Anlage mit mittlerem Kostenaufwand erreicht gute bis sehr gute Klangliche Ergebnisse - und ist immer noch besser als CD, MP3 ...etc. "Der Plattenspieler muss mit der Wasserwaage ausgerichtet werden, er muss möglichst gut vom Trittschall entkoppelt werden..." Das muss man eigentlich auch mit einem CD- Player machen. "Ich liebe Plattenspieler, ich liebe das Knistern der Einlaufrille und überhaupt das ganze Analog-Erlebnis, aber für einen berufstätigen Menschen, der nur wenig Zeit für Liebhabereien hat, sind Plattenspieler auf Dauer zu unpraktisch." Tatsächlicher weise, bin ich Schallplattenhörer und auch Berufstätig - Ich habe eine 50 - 60 Std. Woche trotzdem finde ich noch die Zeit Musik von Schallplatte zu hören - ich finde nicht dass es Unbedingt Unpraktischer ist als andere Medien. Wenn ich Natürlich Musik während meiner Arbeit hören könnte, wäre es schön - aber in meinem Job geht das zum Beispiel nicht. Es ist ganz klar, dass man Unterwegs keine Schallplatten hören kann - da sind die Medien via CD, MP3 oder gar MC ganz klar im Vorteil.

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Kommentar: Die beste Musikanlage
Kommentar: Die beste Musikanlage
Die Audio-CD wird dreißig Jahre alt, doch die Verkaufszahlen gehen zurück und Experten schreiben schon Abgesänge auf die CD. Das Comeback der Vinyl-Platten zeigt aber, dass totgesagte Medien oft lange leben. Für anspruchsvolle Musikfans besteht die ideale Stereoanlage nicht mehr aus Plattenspieler und CD-Player. Sie holen sich die Musik von Festplatte und Netzwerk-Player.
http://www.netzwelt.de/news/94371-kommentar-beste-musikanlage.html
2012-11-18 08:45:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/klassische-plattenspieler-beliebter-denn-je-nur-hi-fi-fans-bild-netzwelt-17082.jpg
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